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Venatrix

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Hat mich nicht überzeugt

Dunkelblum
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Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt ...

Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt an der ungarischen Grenze platziert, gibt es doch dort den Ort Rechnitz, an dem sich in den letzten Kriegstagen das Massaker an jüdischen Zwangsarbeiter ereignet hat. Von den Toten fehlt nach wie vor jede Spur.

Doch zum Roman:

Koreny, der neue Bürgermeister, muss sich nicht nur mit dem Kampf der ortsansässigen Bauern und deren Kampf um eine eigene Wasserversorgung herumschlagen, sondern auch mit dem Verschwinden einer Studentin und dem Auffinden eines Skeletts. Wer ist der Tote? Ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger? Ein Grenzgänger? Gibt es noch mehr davon?

Und hängen der plötzliche Tod von Eszter Lowetz und das Verschwinden der Studentin damit zusammen? Beide, Eszter und die, Locke genannte Studentin, haben unangenehme Fragen zur verdrängten NS-Vergangenheit der Bewohner gestellt. Und warum restauriert ausgerechnet jetzt eine Gruppe langhaariger Gestalten den verwahrlosten dritten Friedhof von Dunkelblum? Warum der kleine Ort gleich drei Friedhöfe braucht? Jeder Bewohner, ob katholisch, evangelisch oder jüdisch wurde auf „seinem eigenen“ Friedhof beerdigt - sortenrein, quasi.

In Dunkelblum scheinen eine Menge von skurrilen Personen zu leben. Alte Frauen, die 1945 der Roten Armee in die Hände gefallen sind, ebenso alte Männer, die sich ewige Treue und Schweigen geschworen haben sowie mancher, der einiges zu verbergen hat.

Unklar ist, ob die Reschen-Resi, seinerzeit Zimmermädchen, im Hotel Tüffer eine von den Guten oder doch eine Nutznießerin ist. Immerhin hat sie 1938 von der jüdischen Hotelbesitzerin den Schlüsselbund erhalten und ihn bislang nicht hergeben müssen. Ob bei den Recherchen von Eszter und Locke Erben der Familie Tüffer ausfindig gemacht werden, die Ansprüche stellen könnten? Und wer ist dieser Fremde, der im Hotel logiert?

Meine Meinung:

Ich bin bei diesem Roman ein wenig zwiegespalten. Das hängt zum einem mit der Sprache und dem Schreibstil von Eva Menasse und zum anderen mit der Vielzahl von Themen zusammen.

Zur Sprache und Schreibstil:

Die Autorin verwendet zahlreiche Austriazismen, die mir gut gefallen. Sie hat dem Volk auf’s Maul geschaut. Viele Anmerkungen sind subtil und wirklich bösartig. Nervig hingegen ist für mich persönlich der Verzicht auf die direkte Rede. Damit kann ich mich so gar nicht anfreunden.

Zusätzlich dauert es sehr lange, bis die Autorin zum Kern kommt. Manches wird wiederholt. So verliert sich Eva Menasse in sehr vielen Details, ohne dass hier ein Informationsgewinn entsteht.

Der Schreibstil ist für viele Leser anstrengend. Die Fabulierkunst wird hier auf die Spitze getrieben und dient irgendwie nicht der Geschichte sondern einer Art Selbstverliebtheit.

Vielzahl der Themen:

Die Episode mit den DDR-Flüchtlingen, die wie seinerzeit die Ungarn-Flüchtlinge 1956, halbherzig wohlwollend aufgenommen werden, passt irgendwie nicht oder doch in die Geschichte. Ist die Hilfe für die DDR-Bürger eine späte Reue? Oder nimmt man sich ihrer nur deswegen an, weil sie Deutsche sind, auch, wenn die gemeinsame Sprache einiges Trennendes mit sich bringt?

Der Streit um eine eigene Wasserversorgung oder den Anschluss (böses Wortspiel!) an eine kommunale Wasserleitung ist nur ein weiteres davon.

Eva Menasse lässt uns an Familienzwisten teilhaben und springt ein wenig durch die Zeit, weniger durch den Raum, denn die Ereignisse aktuell oder vergangen, spielen sich in Dunkelblum bzw. in der unmittelbaren Umgebung ab. So kommt der Weinskandal von 1985 zur Sprache, der einige Winzer in den Abgrund reißt. Apropos Winzer! Manchmal hat man den Eindruck, ganz Dunkelblum lebt nur von flüssiger Nahrung in Form von Wein und Schnaps. Selbst wenn den einzelnen Familienmitgliedern täglich vor Augen geführt wird, dass der exzessive Alkoholkonsum letal ausgehen wird, mit dem Saufen aufhören ist keine Option. Sich die unbequeme Wahrheit schönreden, Pardon, schönsaufen schon.

Die Charaktere hingegen finde ich sehr gut gelungen. So begegnen unter anderem einem Altnazi und ungeschoren davongekommenen Mördern. Aber auch einem Anflug von Reue ("Wäre er erst einmal in Gewahrsam gewesen, hätten vielleicht ein paar andere auch etwas gesagt. Sie wollte nicht die Einzige sein") sowie selbstgeschaffene Differenzierungen ("Josef, ihr Mann und Vater ihres Sohnes, war ein anständiger Nazi"). Gab es „anständige Nazis“? Oder ist das wieder nur Schönfärberei?

Wenig ist hier im Ort schwarz oder weiß, das meiste, passend zum Ortsnamen dunkelgrau.

Wer sich mehr mit dem Massaker an den jüdischen Zwangsarbeitern beschäftigen will, dem sei das Buch „Und was hat das mit mir zu tun?“ von Sacha Batthyany, dessen Großtante Gräfin Margit Thyssen-Batthyány empfohlen. Sie war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In ihrem Schloss in Rechnitz gibt sie ein rauschendes Fest für führende Nazi-Bonzen. Gegen Mitternacht verlassen die Gäste das Schloss und erschießen 180 Juden. Was genau in dieser Nacht geschieht, ist bis heute unklar. Die Toten nach wie vor nicht gefunden.

Fazit:

Leider wirft dieser Roman, wie man an meiner Rezension sieht, mehr Fragen auf, als er beantwortet. Dieser irgendwie unrunde Schluss ärgert mich. Immerhin bin ich der Autorin durch einen Wust an Themen, Schwurbeleien und einer großen Zahl an beteiligten Personen gefolgt. Da hätte ich mir doch einen Abschluss, ob versöhnlich oder nicht, bleibt dahingestellt, verdient. So lässt mich der Roman unbefriedigt zurück. Daher kann ich ruhigen Gewissens auch nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Ein Krimidebüt mit leichten Schwächen

Tod in der Schorfheide
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Dieser Krimi ist das Debüt von Richard Brandes und ist durchaus gelungen, obwohl die eine oder andere kleine Kritik anzubringen ist. Doch davon später.

Worum geht’s?

In der Schorfheide, einem eher unberührten ...

Dieser Krimi ist das Debüt von Richard Brandes und ist durchaus gelungen, obwohl die eine oder andere kleine Kritik anzubringen ist. Doch davon später.

Worum geht’s?

In der Schorfheide, einem eher unberührten Teil Brandenburgs, kommt ein Mann beim Brand seines Hauses ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um einen brutalen Mord handelt.

Fast gleichzeitig wird eine fünfzehnjährige Schülerin als vermisst gemeldet.
Die Ermittlungen im Mordfall leitet Carla Stach und als dann herauskommt, dass das Mordopfer und die Schülerin einander kannten, läuft Stach die Zeit davon. Sie muss zuvor den Mord aufklären, um das Mädchen zu finden.

Meine Meinung:

Der Krimi ist fesselnd geschrieben. Die komplexen Zusammenhänge erschließen sich Lesern und Ermittlern erst nach und nach. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen.

Spannend ist der Krimi durch die zahlreichen Wendungen und Sackgassen. Denn kaum glauben Ermittler und Leser, den Täter ausfindig und dingfest gemacht zu haben, entwindet sich dieser dem Zugriff, unter anderem durch Selbstmord.

Die Charaktere haben noch einiges Potenzial sich zu entwickeln. So wirkt Maik ein wenig farblos und manchmal nur wie ein Handlanger von Carla. Dem Macho Uli Rösler habe ich anfangs wenig Sympathie entgegenbringen können. Das hat sich, nachdem sein eigenes privates Schicksal bekannt worden ist, ein wenig gebessert. Er hat sich eben eine raue, unnahbare Schale zugelegt.

Was mir weniger gut gefällt?

Richard Brandes hat so etwas wie einen „Anfängerfehler“ gemacht: Er packt eine große Zahl von gesellschaftspolitischen Themen in sein Buch. Da ist z.B. Carla Stach, die mit einer Frau verheiratet ist und deren familiäre Probleme, wie der die Schule schwänzende Stiefsohn Toni, für mein Gefühl, einen zu großen Raum einnehmen. Auch die frauenfeindlichen Aussagen von Uli Rösler, eines Ermittlers, die vor allem seine farbige und allein erziehende Kollegin Julia treffen, sind ein wenig zu dick aufgetragen.

Nicht missverstehen - diese Themen sind wichtig, gehören angesprochen, aber nicht alles in einem (Debüt)Krimi. Diese Seitenblicke in Carlas und Julias Familienleben hätten ein wenig gestrafft werden können. Denn, dass Toni die Schule schwänzt, bringt den Fall keinen Deut weiter.

Die mehrfachen Perspektivenwechsel können die Spannung dann doch aufrecht erhalten, die durch die Familieneinblicke ein wenig verlangsamt worden sind.


Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielen die stillen Wälder Brandenburgs eine große Rolle. Auch neugierige Nachbarn gehören zum Lokalkolorit dazu.

Fazit:

Ein durchaus gelungenes Krimidebüt, das noch einige kleine Schwächen aufweist. Daher reicht es diesmal nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 22.08.2021

Hat mich nicht überzeugt

Es war einmal in Hollywood
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Bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt von Quentin Tarantino als Autor und eine Art „Nachlese“ zum gleichnamigen Film „Once upon a Time in Hollywood“. Den Film habe ich nicht gesehen. Vermutlich ...

Bei diesem Roman handelt es sich um das Debüt von Quentin Tarantino als Autor und eine Art „Nachlese“ zum gleichnamigen Film „Once upon a Time in Hollywood“. Den Film habe ich nicht gesehen. Vermutlich wäre meine Enttäuschung von diesem Buch noch größer gewesen.

Das Buch erzählt die Geschichte von Rick Dalton und seinem Stuntdouble Cliff Booth, die im Hollywood von 1969 kaum größere Filmrollen erhalten. Der Leser begleitet die beiden in die Vergangenheit, in der Dalton ein gefeierter Serienheld und Booth ein Kriegsheld im Zweiten Weltkrieg war. Wer Tarantinos Filme kennt, kann sich vorstellen, dass diese Rückblicke in Cinemascope sicherlich beeindruckend sind. Zu Papier gebracht, wirken sie nicht immer.

Gut beschrieben, wenn auch durch oftmalige Wiederholungen fast schon langweilig, sind die Zustände in Hollywood selbst: die Besetzungscouch, Alkoholexzesse, schöne Frauen, Sexgeschichten etc..

Man merkt, dass Tarantino ein genialer Regisseur ist, aber ein wirklicher Roman mit einem durchgängigen Plot ist dieses Buch nicht. Es fehlt hier das Spiel mit der Kamera, mit dem Licht und den Personen. Was im Film mehrdimensional erscheint, ist hier im Buch flach. Da können auch Namen wie Steve McQueen (Dutzende Male genannt) oder die der anderen Hollywood-Größen wenig ändern.

Den Titel entlehnt Tarantino aus dem von Rick Dalton vehement abgelehnten „Spaghetti-Western“, die ab 1968 ihre Blütezeit erleben: „Once Upon a Time in the West“ (auf deutsch „Spiel mir das Lied vom Tod“)

Fazit:

Irgendwie habe ich mir hier mehr erwartet, daher gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 01.08.2021

Oskar Stern ermittelt wieder

Mühlviertler Rache
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Eva Reichl hat für ihren zweiten Mühlviertel-Krimi rund um Chefinspektor Oskar Stern einen sehr originellen Einstieg gefunden, der zunächst gar nichts mit Polizeiarbeit zu tun hat. Opa Oskar darf die beiden ...

Eva Reichl hat für ihren zweiten Mühlviertel-Krimi rund um Chefinspektor Oskar Stern einen sehr originellen Einstieg gefunden, der zunächst gar nichts mit Polizeiarbeit zu tun hat. Opa Oskar darf die beiden Enkel Melanie (12) und Tobias (8) hüten oder eigentlich bespaßen. Doch die beiden sind höchst unterschiedlich und Oskar Stern plagt sich. Da kommt ihm der Anruf, man hat auf der Bahnstrecke Freistadt - Summerau eine Leiche gefunden gerade recht. Nur, was tun mit den Enkeln? Kurzerhand nimmt Stern die beiden zum Tatort mit, denn um einen solchen handelt es sich nämlich: Der zerstückelte Tote war auf den Gleisen festgebunden. Keine Chance für den Mann, keine Chance für den Lokführer. Blöderweise ist der Tote zerstückelt. Mit tatkräftiger „Hilfe“ von Tobias wird der Kopf des Mannes gefunden. Als bekannt wird, dass es sich um einen bekannten Scheidungsanwalt handelt, haben Stern und sein Team mehr Verdächtige als nötig.

Noch bevor der Täter gefasst ist, ereignet sich ein weiterer Mord - die Reinigungskraft im Freistädter Gymnasium wird erstochen aufgefunden.

Hängen die beiden Verbrechen zusammen? Und wenn ja, wie? Was haben der fiese Anwalt und die türkische Putzfrau miteinander zu tun? Fragen über Fragen, auf die es so schnell keine Antworten gibt. Hier ist akribische Polizeiarbeit nötig.

Meine Meinung:

Grundsätzlich hat mir der Krimi sehr gut gefallen. Die Rolle als Opa ist Oskar Stern nicht ganz geheuer. Das macht ihn sehr menschlich. Dass er die Kids zum Tatort mitnimmt, wird wohl in Wirklichkeit nicht gehen, Personalmangel hin oder her. Als Chef ist er aufmerksam und so entgehen ihm die Spannungen zwischen Grünbrecht und Mirscher, ihrem Verlobten nicht. Doch er ist zu diskret, um nachzufragen.

Was mir aber auf die Nerven gefallen ist (und letztendlich den vierten Stern kostet), ist da mehrmalige Erwähnen, dass Mara Grünbrecht keine Kinder hat. Die Leser können sich das schon merken.

Schmunzeln muss ich immer über den „Wettkampf“ zwischen Stern und Gerichtsmediziner Weber, wer von beiden schneller am Tatort ist. Über das Ticket wegen Schnellfahrens und den vorhergehenden Disput mit dem roten Corsa musste ich herzhaft lachen.

Fazit:

Eine grundsätzlich gelungene Fortsetzung, warum also nur 3 Sterne siehe oben.

Veröffentlicht am 20.07.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

Mord auf der Rennstrecke
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Dieser elfte Krimi aus der Feder von Luc Winger ist meine erster. Der Schauplatz Monte Carlo und die spannende Atmosphäre des Grand Prix-Wochenendes von 1974 haben mich zu diesem Buch greifen lassen.

Worum ...

Dieser elfte Krimi aus der Feder von Luc Winger ist meine erster. Der Schauplatz Monte Carlo und die spannende Atmosphäre des Grand Prix-Wochenendes von 1974 haben mich zu diesem Buch greifen lassen.

Worum geht`s?

Der Rennstall Team Lotus, bekannt durch seine filigranen Boliden („Entweder werde ich bei Lotus Weltmeister, oder ich sterbe“ © Jochen Rindt 1970) setzt wieder einmal auf Neuerungen, die seinem Altstar Graham Stone nicht ganz geheuer sind. Die neuartigen Bremsen entsprechen eher dem Fahrstil des zweiten Fahrers Ronnie Anderson.

Mitten im Geschehen ist Angie Trockel, das deutsche Aupair-Mädchen von Lucie Girard, der Madame le Commissaire aus Fréjus, das einen Job als Grid-Girl für Lotus ergattert hat.

Es kommt, wie es kommen muss, Stones Bremsen versagen, der Wagen durchbricht die Absperrung und landet im Hafenbecken. Graham Stone kann nur mehr tot geborgen werden.

Der für die Sicherheit zuständige Commissaire Franc Sarasin scheint nicht sehr motiviert sein, weshalb Angie Lucie Girard kurzerhand nach Monte Carlo bittet. Girard hat zwar hier in Monaco keine Befugnisse, kennt aber Sarasin.

Noch bevor die Erhebungen zu Grahams Unfall abgeschlossen sind, wird Alister McDermin, der Chefkonstrukteur, mit dem Stone im Clinch gelegen ist, ermordet aus dem Hafen gefischt. Als dann während des Rennens beim Tanken ein verhängnisvoller Fehler passiert und die Lotus-Box in Flammen aufgeht, ist für die beiden Ermittler klar, dass dies hier alles zusammenhängt. Die Frage ist nur wie?

Meine Meinung:

Obwohl zu Beginn des Krimis angeführt ist, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt und die Ähnlichkeiten bei lebenden oder toten Personen rein zufällig sind, lässt sich unschwer zu erraten, dass es sich um Graham Hill, Ronnie Peterson und Niki Lauda handelt. Es sind, neben den nur marginal veränderten Nachnamen der Rennfahrer, vor allem die unterschiedlichen Fahr- und Bremsgewohnheiten der Protagonisten, die schon sehr an die echten Personen angelehnt sind. Ronnie Peterson gewinnt 1974 wirklich den Grand Prix von Monaco. Einzig der Tod von Graham Stone ist erfunden. Graham Hill stirbt 1975 bei einem Flugzeugabsturz.

Auch sonst habe ich einige Ungereimtheiten entdeckt. Auf Seite 63 wird der Einsatz des „Safety Car“ erwähnt. Das ist erstmals beim Kanada-GP 1973 eingesetzt worden und wird erst ab 1993 offizieller Teil der Formel 1 Rennen.

Das Gespräch zwischen Ralf Schmitz und Peter Gabriel (S. 74) entspricht auch nicht ganz den Tatsachen, denn zuvor sind schon Luigi Fagioli (1952), Lorenzo Bandini (Feuerunfall 1967), Paul Hawkins (Sturz ins Hafenbecken 1965) und Alberto Ascari, der seinen Sturz ins Hafenbecken 1955 überlebt hat, verunglückt.

„Wie meinst du das Ralf? Das Rennen findet seit 1929 in Monaco statt. Seitdem ist noch nie ein Wagen hier verunglückt. Es gibt genügend Auslaufzonen. Die heutige Situation ist mir komplett unerklärlich.“ (S.74)

Dieser Krimi zeigt auch auf, wie abhängig die Rennställe von ihren Geldgebern sind und ihren Konstrukteuren sind. Firmengründer Colin Chapman hat mit seinen innovativen Ideen wie die Rennautos als Werbeträger, die Einführung des Monocoques oder die Front- und Heckflügel (der fiktive Graham Stone musste überzeugt werden) wegweisend in der Formel 1. Allerdings hat er durch die filigrane Radaufhängung und Bremsen zahlreiche Unfälle und auch Tote auf dem Gewissen.
Das prophetische Eingangszitat von Jochen Rindt (1942-1970) „Entweder werde ich bei Lotus Weltmeister, oder ich sterbe“ erfüllt sich am 5. September 1970 im Training des GP von Monza. Jochen Rindt stirbt in der Parabolica, weil die rechte Bremswelle bricht und wird, weil er genügend Punkte Vorsprung hat, vor Emerson Fittipaldi posthum Weltmeister.

Das Wort "Oligarch" ist mir ein wenig aufgestoßen - der Begriff wird erst nach dem Zerfall der UdSSR (also nach 1990) verwendet. Davor heißen die Selfmademen, die meistens aus Amerika kommen als "Tycoon" bezeichnet. 1974 ist Kalter Krieg und in der UdSSR herrscht Leoind Brewschniew. Da ist kein Platz für reiche Russen. Die kommen erst nach dem Zerfall der Sowjetunion.

Wenn man es mit den historischen Details nicht ganz so genau nimmt, so lässt sich der Krimi flüssig und locker lesen. Der Leser erfährt einiges aus den Boxen und dem Fahrerlager. Wobei hier berücksichtigt werden muss, dass es 1974 noch ein wenig lockerer zugegangen ist als heute. Heute ist die Formel 1 ein Big Business, dem nichts, aber auch gar nichts, dem Zufall überlassen wird, denn mehr denn je gilt:

„Vergessen Sie nicht: Die Formel 1 ist vor allem ein Geschäft.“

Dass es sich hier um den 11. Teil einer Reihe handelt, stört nicht, denn die relevanten Details zu vorherigen Fällen werden kurz angerissen und machen Lust, diese zu lesen - für mich als bekennenden Serienjunkie ein (Alb)traum!

Der Anfang bis Angie in Monte Carlo eintrifft, hätte meiner Meinung ein wenig gestrafft werden können.

Fazit:

Wen historische Ungenauigkeit nicht stören, wird gerne mit diesem Krimi in die laute Welt der Formel 1 eintauchen. Ich muss allerdings einen Punkt abziehen, daher nur 3 Sterne.