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Veröffentlicht am 27.09.2021

Neuanfang in Südtirol - locker-leichte Liebesgeschichte vor idyllischer Kulisse

Liebe in bester Lage
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Eigentlich wollte Ella mit ihrem Mann David, mit dem sie sehr erfolgreich die Werbeagentur Spreegold in Berlin führt, Silberhochzeit feiern. Doch dann kommt alles ganz anders: Ella findet heraus, dass ...

Eigentlich wollte Ella mit ihrem Mann David, mit dem sie sehr erfolgreich die Werbeagentur Spreegold in Berlin führt, Silberhochzeit feiern. Doch dann kommt alles ganz anders: Ella findet heraus, dass David sie mit ihrer Assistentin betrügt und die ist auch noch schwanger. Selbstverständlich braucht Ella da erst einmal Abstand. Die Möglichkeit, an einem Weinseminar in Bozen teilzunehmen, kommt da wie gerufen. In Bozen ist Ella verzaubert von der wunderschönen Landschaft Südtirols, sie genießt die Zeit und den Wein bei ihrer Gastgeberin Maria auf deren Weingut sehr. In einem Café lernt sie den netten Verleger Michael kennen, mit dem sie sich auf Anhieb gut versteht. Und dann ist da auch noch Sternekoch Joe, ein anspruchsvoller Kunde von Spreegold, der nur von Ella persönlich betreut werden möchte und der auch während Ellas Urlaubs nicht auf ihre Unterstützung verzichten kann.

Autorin Kerstin Wiedemann schreibt locker-leicht, die Geschichte liest sich unkompliziert, fast wie von selbst. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden.

Mit Protagonistin Ella hatte ich anfangs ziemlich Mitleid. Fünfundzwanzig Jahre führte sie eine zwar harmonische, aber nicht besonders intensive Ehe mit David. Nicht die Beziehung der beiden stand dabei im Mittelpunkt, sondern der Erfolg des gemeinsamen beruflichen Projekts, ihrer Werbeagentur. Ella und David beiden lebten nebeneinander her, die Liebe scheint dabei verloren gegangen zu sein. Zunächst ist Ella tief enttäuscht vom Scheitern ihrer Ehe, doch Ella wäre nicht Ella, wenn sie nicht selbst einen Schlussstrich ziehen würde, die Vergangenheit hinter sich ließe und aktiv einen Neuanfang plante. Ella braucht kein Mitleid, sie sprudelt über vor Ideen, ihre zupackende Art, ihr Tatendrang und ihr Optimismus haben mir imponiert. Sie jammert nicht, sie macht einfach. In Südtirol lernt sie mit Weinbäuerin Maria und Anna, die ebenfalls am Weinseminar teilnimmt, zwei sympathische Frauen kennen, die ihr gute Freundinnen werden. Überhaupt macht die Runde, die am Weinseminar teilnimmt, einen sehr angenehmen Eindruck. Bei so netten Teilnehmer würde wohl jeder Leser gerne seine Weinwissen vertiefen. Weniger sympathisch ist hingegen Ellas Bald-Exmann David, ihm und seiner Karrierefixierung konnte ich wenig abgewinnen. Michael und Joe sind da schon deutlich angenehmere Erscheinungen, aber ganz frei von „Altlasten“ sind auch sie nicht.

Während des Lesens hatte ich die idyllische Landschaft Südirols ständig vor Augen: „Weinreben so weit das Auge reichte, und im Hintergrund das beeindruckende Alpenpanorama unter einem blitzblauen Himmel.“ Der Roman macht große Lust auf einen herrlichen Aufenthalt in dieser wunderbaren Gegend, versprüht Südtirol-Flair. Und natürlich konnte ich nicht mit dem Lesen aufhören, bis Ella ihr persönliches Happy End erreicht hat. Dass Ella, die schon über vierzig ist, trotzdem den Neuanfang wagt, motiviert. Es gibt immer Möglichkeiten, neu anzufangen, man muss nur den Mut haben, das beweist Ella anschaulich.
„Liebe in bester Lage“ ist eine locker-leichte Liebesgeschichte vor wunderschöner Kulisse, perfekt für eine Leseauszeit an trüben Tagen. Gerne mehr davon.

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Pflichtlektüre für Pferdefans - viel Sachwissen in eine warmherzige Geschichte verpackt

Socke und Sophie
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Sophie ist 12 Jahre alt und absolut und total pferdeverrückt. Da hat sie es in ihrer Familie alles andere als leicht. Die anderen Familienmitglieder, Mutter, Vater und Bruder Sebastian, genannt Sabbel, ...

Sophie ist 12 Jahre alt und absolut und total pferdeverrückt. Da hat sie es in ihrer Familie alles andere als leicht. Die anderen Familienmitglieder, Mutter, Vater und Bruder Sebastian, genannt Sabbel, sind nämlich allesamt fußballbegeistert. Sophie wünscht sich nichts mehr als ein eigenes Pflegepony, doch die sind schwer zu bekommen und teuer. Dann passiert das Unglaubliche. Papas Bekannte, die Tierärztin Lucy, lernt das Pony Socke, eigentlich Sokrates, kennen, das auf einem Hof in Schwerin sein Dasein alleine in einem dunklen Verschlag fristet, weil es als „bösartig“ gilt. Sockes Besitzer ist bereit, das Pony abzugeben und Lucy bittet Sophie, sich um das Pferd zu kümmern. Sophies sehnlichster Traum geht in Erfüllung, doch Sophie findet zunächst keinen Zugang zu dem Tier. Erst als Frau Vanderbilt, deren Pferd Dumpy ebenso wie nun Socke auf dem Michaelis-Hof steht, sich bereit erklärt, mit Sophie und Socke zu trainieren, kommen sich die beiden langsam näher und lernen, einander zu vertrauen. Doch da droht schon das nächste Unheil: Wenn Socke, der den Sattel nach wie vor beharrlich verweigert, sich nicht bald reiten lässt, soll er geschlachtet werden..

Juli Zeh schreibt abwechselnd aus Sophies und Sockes Sicht in Ich-Form. Beide erzählen lebendig und sehr gut verständlich in kindgerechter Sprache von ihrer aktuellen Situation, geben ihren Blick aufs Geschen wieder. Valentina Bonalana liest lebendig und mit vielen Emotionen den Part der Sophie, Uve Teschner leiht Socke seine angenehme Stimme und schildert seine Sicht der Dinge gut betont und mitreißend. Am Ende des Buchs werden wichtige Sachinformationen und Fachbegriffe alles andere als langweilig von Sprecherin Tanja Fornaro präsentiert.
Das Hörbuch würde ich Kindern ab acht Jahren empfehlen.

Sophie ist ein sensibles, nettes Mädchen. Sie liebt Pferde über alles, weiß aber noch nicht genug über den Umgang mit Pferden, denn bisher hatte sie es nur mit Schulpferden zu tun. Mit Sophie können sich die kleinen Hörer sicher problemlos identifizieren.
Pony Socke hatte bisher noch kein richtiges Zuhause, wurde durchgereicht, niemand hat sich die Zeit genommen, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Das hat ihn verständlicherweise verunsichert und verängstigt. Eigentlich ist Socke aber ein treue Seele und sehnt sich nach einer richtigen Herde.
Eine absoluter Lichtblick auf dem Michaelishof ist Frau Vanderbilt, die alles über Pferde weiß und sich ganz viel Zeit nimmt, Sophie den richtigen Umgang mit Pferden näherzubringen. Sie erklärt Sophie genau, was in den Pferden vorgeht. Frau Vanderbilt ist sehr verständnisvoll und geduldig, sie ist für Sophie eine Mentorin.

Meine zehnjährige Tochter mag Pferde sehr, ich kann mit ihnen weniger anfangen. Seit ich Socke und Sophie kennengelernt habe, finde ich die Vierbeiner allerdings immer sympathischer. Dieses Hörbuch ist eine Liebeserklärung an Pferde, gleichzeitig vermittelt es auf spannende und nicht belehrende Art Wissen und zahlreiche wichtige Informationen über diese Tiere und regt an, sich auf Pferde, ihre Eigenarten, ihre Instinkte einzulassen, sich in sie hineinzuversetzen. Schließlich kommt mit Socke selbst ein Pferd zu Wort und liefert zur Abwechslung einmal eine ganz andere Perspektive und Sichtweise. „Socke und Sophie“ ist eine wunderbare Geschichte einer tiefen Freundschaft, die zu Herzen geht. Wer Pferde mag, wird diese Hörbuch lieben. Ein Muss für Pferdefreunde und alle, die es werden wollen.

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Von Schwierigkeiten mit dem Lesen und wahrem Zusammenhalt - ein Freundschaftsabenteuer, das Mut macht

Leo und Lucy 1: Die Sache mit dem dritten L
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Leo lebt in Köln-Chorweiler, im 15. Stock eines Mehrfamilienhauses, in dem auch Lucy wohnt, seine beste Freundin, die im Rollstuhl sitzt. Leo weiß nicht nur eine ganze Menge über Planeten, Weltraum und ...

Leo lebt in Köln-Chorweiler, im 15. Stock eines Mehrfamilienhauses, in dem auch Lucy wohnt, seine beste Freundin, die im Rollstuhl sitzt. Leo weiß nicht nur eine ganze Menge über Planeten, Weltraum und das Universum, er ist auch ein begeisterter Skater. Leider ist sein eigenes Schrottboard ziemlich alt. Leo braucht dringend ein neues Board, er träumt vom XW 90. Das gibt es zufällig bei einem Vorlesewettbewerb zu gewinnen. Also beschließt Leo an dem Wettbewerb teilzunehmen, das Board zu gewinnen und anschließend beim Skaterwettkampf soviel Geld zu kassieren, dass er Lucy davon einen neuen Sportrollstuhl kaufen kann. Die Sache hat nur einen gewaltigen Haken, Leo kann sehr schlecht lesen, alle Buchstaben verschwimmen vor seinen Augen und er gerät beim Vorlesen permanent ins Stottern. Während Leo fleißig seine Lesefähigkeit trainiert, muss er sich noch mit anderen Problemen herumschlagen: In der Nachbarschaft werden Hunde entführt und Mama hat einen neuen Freund.

Rebecca Elbs schreibt in der ersten Person Präsens aus Leos Sicht. Ihre Sprache ist recht authentisch, liest sich wie das Tagebuch eines Zwölfjährigen. So verwendet sie sehr häufig das Wort „dermaßen“ oder den Ausdruck „fett grinsen“, eher umgangssprachliche Redewendungen.
Sehr originell sind die Kapitelüberschriften. Jedes Kapitel ist mit einer Regel betitelt wie z.B. „Regel 5: Was man sich wünscht, muss man gehen lassen- wie Watruschki-Teig“.
Julia Christians hat zur Geschichte einige wenige Illustrationen gezeichnet. Ihre charakteristischen, individuellen Figuren mit den auffälligen Mündern sind witzig anzuschauen.
Die Kapitel haben unterschiedliche Längen, im Großen und Ganzen aber einen recht übersichtlichen Umfang. Die Schrift ist zur besseren Lesbarkeit minimal größer gedruckt. Kinder ab zehn Jahren werden das Buch sicher alleine bewältigen können.

Hauptfigur Leo hat es wirklich nicht leicht. Seine Mutter hat wenig Zeit für ihn, den Vater kennt er nicht, nur in seinen Träumen. Als leidenschaftlicher Skater muss er sich mit einem Schrottboard zufrieden geben und in der Schule wird er von seinen Mitschülern schikaniert, weil er nicht richtig lesen kann. Auch sein Lehrer unterstützt ihn nicht. Leo glaubt zwar irgendwie daran, dass er das mit dem Lesen noch hinkriegt, aber manchmal fällt er auch in ein schwarzes Loch und verliert die Beherrschung. Für mich war Leo als Charakter zwar nachvollziehbar, aber stellenweise empfand ich sein Verhalten nicht unbedingt als sympathisch. Manche Personen, die es gut meinen, stößt er ziemlich vor den Kopf. Leo entwickelt sich allerdings im Verlauf der Handlung, er zeigt Mut. Mut, unangenehme Dinge zu tun und Mut, sich für Fehler zu entschuldigen.
Leos Freundin Lucy ist eine wunderbar erfrischende Figur. Sie sitzt im Rollstuhl, lässt sich aber davon nicht unterkriegen. Sie weiß immer das Richtige zu sagen, hilft Leo, wo sie kann, hat Verständnis für ihn und ein Talent, Menschen zu überzeugen. Lucy ist eine tolle Freundin, auf die sich Leo verlassen kann. Auch Lucys Eltern die Blinows, die aus Russland stammen, sind für Leo da, versorgen ihn nicht nur mit russischen Backwerken. Die Spaghetti-Bolognese-Mittwoche bei den Blinows gehören für Leo dazu, sind wie ein festes Ritual, ja fast ein Stück Heimat.
In Leos Haus wohnen viel Originale wie Frau Milchmeyer oder Herr Möllmenner, die sich ebenso auf ihre Art um Leo kümmern. Und dann gibt es in Leos Klasse noch jemanden, dem er wichtig ist. Leo ist nicht allein. Rebecca Elbs hat ein Händchen für Figuren, sie hat sich viele nette, originelle Persönlichkeiten ausgedacht.

Wird Leo tatsächlich den Vorlesewettbewerb gewinnen? Der Weg zum Wettbewerb ist mit vielen Schwierigkeiten gepflastert. Neben dem Thema Legasthenie geht es um viele weitere Themen wie Mobbing und Ausgrenzung, Wut, Analphabetismus, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderung. Der Plot entwickelt sich oft ziemlich überraschend und Leo erkennt, auf wen er sich wirklich verlassen kann. Die „Insel“ Köln-Chorweiler ist für Leo durch die Leute, die für ihn da sind, wie ein Anker. Wie Leo ist auch seine Geschichte sehr phantasievoll. Die Sache mit dem schwarzen Loch und seine Angst kommt allerdings anfangs ein wenig abstrakt herüber. Auch sind manche Handlungsstränge wie der Welpenklau vielleicht etwas zu viel des Guten und werden für meine Begriffe nicht ganz zufriedenstellend aufgelöst.
Trotzallem ist Leo und Lucy eine herrlich einfallsreiche, warmherzige und einfühlsame Geschichte übers Anderssein, Stärken, Schwächen, Freundschaft und Toleranz. Es hat Spaß gemacht, Leo und seine Welt kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Die tragische Geschichte der Geliebten Rembrandts packend erzählt

Rembrandts Geliebte
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Geertje Dircx nutzt 1632 die Möglichkeit, ihre Heimatstadt Edam zu verlassen und nimmt eine Anstellung in einem Gasthaus an. Doch das ist nur die erste Station in ihrem Berufsleben, später sammelt sie ...

Geertje Dircx nutzt 1632 die Möglichkeit, ihre Heimatstadt Edam zu verlassen und nimmt eine Anstellung in einem Gasthaus an. Doch das ist nur die erste Station in ihrem Berufsleben, später sammelt sie Erfahrungen als Kindermädchen und landet schließlich im Haushalt des berühmten Malers Rembrandt, wo sie sich um Saskia, die schwerkranke Frau des Künstlers, und dessen Sohn Titus kümmert. Nach Saskias Tod beginnen Geertje und Rembrandt eine Beziehung, doch eine Heirat ist aufgrund von Saskias Testament unmöglich. Geertje vertraut Rembrandt, doch ihr Glück soll nicht von Dauer sein.

Autorin Simone Van der Vlugt schreibt aus der Sicht von Geertje in der ersten Person, ihre Ausführungen sind gut verständlich, flüssig und lebendig formuliert. Der Sprachstil ist um der besseren Lesbarkeit Willen etwas zu modern, um wirklich authentisch zu sein. Die Geschichte beginnt mit dem Anfang vom Ende, 1650 wird Geertje verhaftet. Im folgenden erzählt die Autorin dann chronologisch, wie es zu dieser Entwicklung kam.
Auf dem Cover des Romans ist ein Ausschnitt des Bildes „Junge Frau an einer halb offen Tür“ zu sehen, das entweder von Rembrandt selbst oder von seinem Schüler Samuel van Hoogstraten stammt und möglicherweise Geertje zeigt.

Normalerweise war das damalige Leben der Edamer Mädchen „überschaubar“ und „vorhersehbar“, doch Geertje wählt ein anderes. Sie entflieht der Enge und Langeweile der kleinen Stadt, um neue Pfade zu betreten und auf eigenen Beinen zu stehen. Ihre Arbeit im Gasthof erledigt die patente junge Frau zuverlässig. Sie wirkt fortschrittlich und modern, hofft insgeheim auf Liebe. Ehrgeizig nutzt sie ihre weiteren Möglichkeiten, wird Kindermädchen, gelangt schließlich nach Amsterdam. Von der großen Stadt ist sie zunächst überwältigt. Zu Kindern findet Geertje sofort einen besonderen Zugang. In Rembrandt, den genialen Künstler, der mit seinen Stimmungsschwanken oft unberechenbar ist, verliebt sich Geertje erst mit der Zeit. Der Maler wird sehr ambivalent dargestellt, erscheint nicht immer im besten Licht, mit ihm ist schwer warm zu werden. Geertje träumt dennoch von einer Ehe mit ihm, ist für seinen Sohn wie eine Mutter. Ihre Geschichte packte mich, ich mochte die Figur, fieberte mit ihr, hoffte auf Glück für sie. Geertje weiß selbst: „Aber Glück ist ein Zustand, der nie lange währt. Kaum hat man sich daran gewöhnt und nimmt es für selbstverständlich, heißt es aufpassen. Das weiß ich heute, damals wusste ich es nicht.“

Simone van der Vlugt kannte ich bisher nur als Autorin von spannenden und gut gemachten Krimis und Psychothrillern. Mit „Rembrandts Geliebte“ beweist sie, dass sie auch in der Lage ist, unterhaltsame, gut recherchierte historische Romane zu schreiben. Die wahre Geschichte ihrer Protagonistin Geertje Dircx, die sicher auch ein wenig „Dichtung“ enthält, hat mich ziemlich beeindruckt. Van der Vlugt stellt die Frau, deren Rolle weitestgehend unbekannt ist und die in der Literatur teilweise als manipulativ gesehen wird, als selbstbewusste Kämpferin, aber auch als Opfer eines unberechenbaren und rachsüchtigen Mannes dar, der übrigens im echten Leben in nicht weniger als 25 Rechtsstreitigkeiten verwickelt war. Für mich eine hochinteressante, fesselnde, tragische Romanbiographie einer außergewöhnlichen Frau, die den Maler Rembrandt von einer anderen, kritischen Seite zeigt.

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Veröffentlicht am 17.09.2021

Ein fabelhaftes Freundschaftsabenteuer voller Magie und Phantasie

Die fabelhafte Welt der Mona Flint
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Mona Flint ist eine begnadete Geschichtenerzählern, sie lebt mit Frau Blau und vier anderen Kindern im „Haus für gestrandete Kinder“. Zur Zeit hat Mona ganz schön viel zu erzählen. In ihrem Heimatstädtchen ...

Mona Flint ist eine begnadete Geschichtenerzählern, sie lebt mit Frau Blau und vier anderen Kindern im „Haus für gestrandete Kinder“. Zur Zeit hat Mona ganz schön viel zu erzählen. In ihrem Heimatstädtchen Firleburg an der Anzel passieren nämlich die merkwürdigsten Dinge: gestreifte Frösche hüpfen durch die Gegend, Mülltonnen explodieren, Laternen singen und das alte Bootshaus kann jetzt laufen. Mona würde gerne herausfinden, was hinter diesen seltsamen Vorkommnissen steckt, doch da erreicht sie eine noch dringlichere Nachricht. „Das Haus für gestrandete Kinder“ soll abgerissen werden. Mona und ihr Freund Jackie versuchen das unter allen Umständen zu verhindern. Noch während die beiden nach Lösungen suchen, kommen ihnen schräge Zauberer in die Quere, die ebenfalls eine ganz wichtige Mission haben.

Autorin Anne Ameling schreibt gut verständlich, lebendig und sehr bildhaft. Sie überzeugt mit wunderbaren Sätzen wie: „Die Trauerweide, die ihren Schatten sonst mit dem Bootshaus geteilt hat, steht einsam am Flussufer und lässt ihre Zweige trübsinnig auf dem Wasser spielen. Es sieht so aus, als würde sie ihren alten Freund vermissen.“ Sehr gut haben mir die den Kapiteln vorangestellten Ausblicke auf die Handlung gefallen. Sie bringen das folgende Geschehen knapp und witzig auf den Punkt, verraten dabei aber nicht zu viel.
Perfekt gelungen finde ich die Aufmachung des Buches. Das phantasievolle, bunte Titelbild hat tolle Glanzeffekte. Als besonderes Extra gibt es es rechts unten im Buch ein Daumenkino. Lässt man die Seiten schnell durch die Finger „huschen“, kann man das magische Bootshaus rennen sehen. Melanie Korte hat zur Geschichte passende originelle und ausdrucksstarke Bilder gezeichnet.
Die Schrift ist etwas größer gedruckt als üblich und daher recht gut zu lesen. Da die Handlung doch etwas komplexer ist, eignet sich das Buch für Leserinnen und Leser ab zehn Jahren.

Anne Ameling hat einige wirklich außergewöhnliche, magische Figuren erschaffen. Hauptfigur Mona mit ihrer ausgeprägten Phantasie schaut genau hin, sie führt ein „unglaubliches Notizbuch“, in dem sie ihre Beobachtungen zu unglaublichen Zwischenfällen aufschreibt. Mona Flint fällt immer etwas ein, auf sie können sich die anderen Kinder verlassen. Mit Jackie hat Mona einen tollen Freund an ihrer Seite, der sie stets unterstützt.
Frau Blau, die sich engagiert um die gestrandeten Kinder kümmert ist ebenso eine tolle Figur. Sie ist streng, aber gerecht und hält immer, was sie verspricht. Mona fasst es treffend zusammen: Frau Blau muss irgendwo „ein flammendes Schwert versteckt haben“, „mit dem sie am Ende doch immer wieder gegen den Rest der Welt antritt“.
Nicht nur die sieben Zauberer sind magische Charaktere, auch alle Kinder tragen etwas Magisches in sich findet Meister Maravil, einer der Zauberer, der sich stets sehr gewählt und altmodisch ausdrückt.
Die gestrandeten Kinder sind neben Mona Zoe mit ihrem starken und ihrem schwachen Arm, Billy, der seine Wut nicht immer unter Kontrolle hat, Noah, der ununterbrochen redet und Tarek, der seine Stimme verloren hat. Sie alle haben wie jedes Kind außergewöhnliche Fähigkeiten, wissen das aber teilweise gar nicht.
Zweifelsohne sind die Charaktere überzeugend und individuell, allerdings sind es zahlenmäßig doch recht viele. Meine Mitleser (fünf, sieben und zehn Jahre alt) und ich hatten teilweise Schwierigkeiten, die sieben schrägen Zauberer voneinander zu unterscheiden.

Was ist da los in Firleburg an der Anzel? Wer ist für die merkwürdigen Vorkommnisse verantwortlich? Und können Mona und ihre Freunde ihr Zuhause retten?
„Die fabelhafte Welt“ der Mona Flint ist - nomen est omen- eine wirklich fabelhafte, mitreißende, phantastische Geschichte voller Magie, Zauberei, Humor und Einfallsreichtum. Sie zeigt anschaulich, was Zusammenhalt und Freundschaft bewirken kann und dass jedes Kind so einzigartig wie besonders ist. Ein Buch für alle, die gerne etwas mehr Magie im Leben hätten.




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