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Fever

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2021

Alles, was man fürs Fest braucht – Weihnachten kann kommen!

Weihnachten mit Christina
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„Weihnachten mit Christina“ von Christina Bauer ist ein unheimlich schön gestaltetes Backbuch mit dem gewissen Extra – denn zwischen den vielen leckeren Rezepten finden sich auch Dekotipps, Fotos und persönliche ...

„Weihnachten mit Christina“ von Christina Bauer ist ein unheimlich schön gestaltetes Backbuch mit dem gewissen Extra – denn zwischen den vielen leckeren Rezepten finden sich auch Dekotipps, Fotos und persönliche kleine Anekdoten. So kommt man direkt beim ersten Durchblättern so richtig in Weihnachtsstimmung.

Die liebevolle Gestaltung des Buchs mit hochwertigen, großformatigen Fotos zu jedem Rezept und Tipps und Grundlagen ganz zu Beginn machen es zu einem echten Lieblingsbackbuch. Die Rezepte nutzen hauptsächlich Grundzutaten, die man in jedem Supermarkt bekommt, und sind nicht besonders aufwändig. Wo es mal etwas komplizierter wird, etwa bei dem Hefe-Tannenbaum, illustrieren Bilder Schritt für Schritt, was zu tun ist. Die Auswahl ist hauptsächlich klassisches Weihnachtsgebäck, jedoch oft mit zauberhaften Ideen für eine besonders ansprechende Gestaltung.

„Weihnachten mit Christina“ ist aber noch so viel mehr als ein Backbuch: Hier gibt es auch tolle und einfach umzusetzende Ideen und Inspiration zum Binden eines Adventskranzes, Dekorieren mit Kartoffelstempeln und Basteln mit Salzteig. Genau wie die Rezepte sind auch diese Anleitungen einfach gehalten und kommen ohne spezielle Utensilien aus – fast alles ist entweder sowieso schon im Haushalt vorhanden oder mit einem Gang zum nächsten Supermarkt zu bekommen. Das macht das Buch zu einem wunderbaren Helfer durch die ohnehin schon stressige Weihnachtszeit.

Fazit: ein Backbuch, das auf jeder liebevoll gestalteten Seite Weihnachtsstimmung verbreitet und mit tollen Rezepten, Ideen und Inspiration daherkommt, die leicht und schnell umzusetzen sind. Damit kann man sich wirklich auf Weihnachten freuen!

Veröffentlicht am 04.10.2021

Ein starkes, schmerzhaftes, berührendes Buch voll harter Poesie

Diese Frauen
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Mit „Diese Frauen“ wandelt Ivy Pochoda auf dem schmalen Grat zwischen den Genregrenzen – was ihr meisterhaft gelingt. Der Roman bewegt sich irgendwo zwischen Gesellschaftsdrama, Biographie und Thriller ...

Mit „Diese Frauen“ wandelt Ivy Pochoda auf dem schmalen Grat zwischen den Genregrenzen – was ihr meisterhaft gelingt. Der Roman bewegt sich irgendwo zwischen Gesellschaftsdrama, Biographie und Thriller und lässt dabei die zu Wort kommen, denen die Stimme oft genommen wird: „diese Frauen“.

Gemeint sind junge Prostituierte und andere Grenzgängerinnen auf den rauen Straßen von L. A., die nach und nach ermordet werden, über Jahre hinweg, ohne dass eine Aufklärung in Sicht wäre. Zu Wort kommen ihre Mütter, ihre Freundinnen, ihre Töchter, all jene, für deren Schmerz sich niemand zu interessieren scheint. Denn dafür sind „diese Frauen“ einfach nicht wichtig genug. Eine ganze Reihe unterschiedlicher Erzählstimmen wickelt nach und nach die Geschichte einer grausamen Verbrechensserie auf, die von Medien und Polizei unter den Teppich gekehrt wurde. Ivy Pochonda gibt all „diesen Frauen“, die nie ernst genommen wurden, ihre Stimme zurück.

Es ist ein Buch der leisen Töne, nicht rasant oder aufmerksamkeitsheischend, aber klar und präzise in dem, was es will: Gerechtigkeit und Achtung für all die Marginalisierten. Im Vordergrund steht nicht das Voyeuristische des Verbrechens, sondern die Opfer. Mit feiner psychologischer Feder, aber einer stetig unterschwellig brodelnden Spannung erzählt die Autorin ihre Geschichten – und die Geschichten all derer, die jederzeit zu Opfern werden könnten. Es ist ein Buch, das kaum aus der Hand zu legen ist, wenn man sich einmal in den Sog dieser rauen, poetischen und hyperpräzisen Sprache begeben hat. Ein Buch, das spannend wie ein Kriminalroman, aber doch so viel mehr ist.

„Diese Frauen“ ist ein feministisches Meisterwerk, das Gesellschaftskritik und Drama kunstvoll mit einer bedrohlichen Grundstimmung und einer erschütternden Krimihandlung verwebt. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Atemberaubend, schockierend, tragisch – Psychogramm einer gescheiterten Beziehung

SCHWEIG!
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Selten habe ich ein Buch in der Hand, das mich inhaltlich so überzeugen kann und zugleich handwerklich exzellent gemacht ist – „Schweig!“ von Judith Merchant gelingt dieses Kunststück. An einem einzigen ...

Selten habe ich ein Buch in der Hand, das mich inhaltlich so überzeugen kann und zugleich handwerklich exzellent gemacht ist – „Schweig!“ von Judith Merchant gelingt dieses Kunststück. An einem einzigen Weihnachtstag, bei einem Gespräch unter Schwestern, werden die Geheimnisse und Entsetzlichkeiten der Vergangenheit ans Licht gebracht.

Drei Figuren bieten ihre Perspektive an: Sue, die jüngere Schwester, die gerne allein und friedlich im Wald lebt und von ihrer Schwester als psychisch labil eingestuft wird. Esther, die „Kümmerin“, die beständig über ihre Schwester und die Familie wacht, und Martin, Esthers treusorgender Ehemann. Sie alle sind nicht, was sie scheinen. Sie alle haben Geheimnisse, aber vor allem haben sie alle ein Selbstbild, was nicht ihrer Außenwirkung entspricht. Als Lesende werden wir ständig von den Figuren, die von sich selbst berichten, an der Nase herumgeführt. Erst nach und nach, mit immer neuen Enthüllungen der jeweils anderen, entstehen authentische Porträts dieser Menschen. Unerwartete Porträts!

„Schweig!“ ist ein sich langsam, aber unaufhörlich weiterentwickelndes und in der Spannung steigerndes Kammerspiel, das völlig ohne Schnickschnack auskommt: Erinnerungen, Dialoge, innere Monologe, das ist das Handwerkszeug, das Judith Merchant einsetzt, um die komplexen Beziehungen zwischen diesen drei Personen zu beleuchten, wobei das Verhältnis der beiden Schwestern zentral ist. Nicht nur repräsentieren sie ganz unterschiedliche Lebensentwürfe, sie repräsentieren auch eine Welt, in der es weder Schwarz noch Weiß, sondern nur Grautöne gibt.

„Schweig!“ ist ein unfassbar spannendes, schockierendes und intensives Leseerlebnis voller unerwarteter Wendungen, das noch lange, nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat, nachhallt. Mit erstaunlicher Präzision und nahezu unheimlichem Geschick schafft Judith Merchant es, uns in eine toxische Beziehung hineinzuziehen, in der nichts so ist, wie es scheint, und die uns zwingt, unsere eigene Wahrnehmung ständig zu hinterfragen. Ein absolut ungewöhnlicher und ausgesprochen lesenswerter Roman!

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Veröffentlicht am 23.08.2021

Politische Fiktion meets Familiensaga – ein explosiver Mix

Heimatsterben
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Mit „Heimatsterben“ legt Sarah Höflich ein besonders aktuelles Buch vor, denn es geht in dem Roman um nichts Geringeres als einen politischen Umsturz in Deutschland und eine Machtergreifung von rechts. ...

Mit „Heimatsterben“ legt Sarah Höflich ein besonders aktuelles Buch vor, denn es geht in dem Roman um nichts Geringeres als einen politischen Umsturz in Deutschland und eine Machtergreifung von rechts. Erschreckend nah an der gegenwärtigen Realität erzählt „Heimatsterben“ die Geschichte einer Familie, die eng mit dem Schicksal Deutschlands verbunden ist, und ist dabei zwar nie effektheischend, aber immer aufwühlend.

Die Protagonistin Hanna kehrt nach einem langen Aufenthalt in den USA in ihre Heimat Deutschland zurück und muss feststellen, dass ihr Schwager Felix (seines Zeichens alter Adel und Kanzlerkandidat der neu gegründeten BürgerUnion) kurz davor steht, der mächtigste Mann des Landes zu werden. Die konservativen Werte, die er nach außen trägt, entsprechen zwar nicht Hannas Vorstellungen, aber nichtsdestotrotz lässt sie sich in seinen Wahl- und Machtkampf hineinziehen. Bald muss sie feststellen, dass die wahre Gefahr die Strippenzieher hinter Felix sind und die bürgerliche Fassade schnell zu bröckeln beginnt.

„Heimatsterben“ verbindet die Geschichte von Hannas Familie gekonnt mit den politischen Entwicklungen in einem Deutschland, das unserem heutigen so stark ähnelt, dass man es mit der Angst zu tun bekommen kann. Schonungslos und in journalistischem Stil deckt Sarah Höflich auf, wie zerbrechlich unsere Demokratie ist. Zugleich erzählt sie immer von den Menschen hinter den politischen Überzeugungen: von Hannas Großmutter, die erzkonservativ, aber immer Demokratin war, vom verstoßenen schwulen Onkel Carl-Friedrich, von ihrer Schwester Trixie, die sich so sehr einen Traumprinzen und eine heile Welt wünscht und dabei sich selbst und ihre eigenen Überzeugungen zu vergessen droht …

„Heimatsterben“ ist ein spannendes, hoch politisches, brandaktuelles Buch, das auf jeder Seite neuen Stoff zum Nachdenken liefert. Es präsentiert seine Figuren nicht in Schwarz und Weiß, sondern in Grautönen, verliert dabei aber nie eine klare Botschaft aus den Augen, die lautet: Wehret den Anfängen! Ein Roman, den man unbedingt gelesen haben sollte.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Ein sanftes, aber zugleich sprachgewaltiges Debüt voller Tragik und Poesie

Greta und Jannis
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„Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren“ – schon der Titel dieses wunderbaren Debütromans von Sarah Kuratle drückt aus, was uns das ganze Buch über begleitet: eine surrealistisch angehauchte ...

„Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren“ – schon der Titel dieses wunderbaren Debütromans von Sarah Kuratle drückt aus, was uns das ganze Buch über begleitet: eine surrealistisch angehauchte Liebes- und Familiengeschichte in überaus poetischer Sprache. Kein leichtes Buch, aber ein unglaublich lohnenswertes Leseerlebnis, das noch lange nachhallt.

Greta und Jannis sind im letzten Dorf im Gebirge groß geworden und durch ein besonderes Band miteinander und mit der wilden Natur verbunden. Greta wächst mit drei Ziehgeschwistern bei ihrer Großtante auf, Jannis als Einzelkind eines alleinerziehenden Vaters. Im Erwachsenenalter zieht Jannis in die Stadt, Greta kehrt immer wieder in die Heimat zurück, aber das Band zwischen ihnen bleibt bestehen. In langsamen, nachdenklichen Episoden erzählt der Roman im stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrem Jetzt. Im Zentrum stehen immer diese beiden, aber sie sind umgeben von anderen Schicksalen – ihren Familien, dem geheimnisvollen Nachbarn Cornelius und der stets präsenten gewaltigen Natur, die wie eine eigene Figur in Form von Feuervögeln, Steinböcken und Goldäpfeln in Erscheinung tritt.

Der poetische Stil des Romans entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann, voller Schönheit und Anmut, aber auch Tragik und Verzweiflung. Die sanfte, ästhetische Sprache täuscht über die Tragweite der teils dramatischen Entwicklungen hinweg, lullt mich als Leserin beinahe ein, sodass die Realisierung des Unaussprechlichen, wenn sie dann kommt, umso erschütternder ist. Kuratle reizt die Grenzen dessen, was in der deutschen Sprache möglich ist, auf enorm ästhetische Art und Weise aus und erreicht damit eine Sprachgewalt, die vor allem durch ihre Zartheit gekennzeichnet ist. Mensch und Natur sind in traumschönen Metaphern untrennbar miteinander verbunden, und über der Szenerie schwebt stets die Frage nach der Realität, denn Raum und Zeit scheinen im letzten Dorf im Gebirge irgendwie anders zu funktionieren.

Märchenhaft, teils surreal, dabei poetisch und von einer tragischen Ästhetik durchzogen bietet „Greta und Jannis“ ein ungewöhnliches Leseerlebnis, das sowohl auf sprachlicher als auch auf inhaltlicher Ebene sehr tief berührt und beeindruckt. Eine unbedingte Leseempfehlung!

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