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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2021

Das Feuer des Sarkasmus brennt

Tagebuch einer überaus glücklichen Geschiedenen
4

Schon der erste Satz des Buches überzeugt und wenn ich mal wieder einen Buchbeginn zitieren soll, dann wird es dieser hier:
„Das Leben ist viel zu kompliziert, als dass man das Alter eine Person tatsächlich ...

Schon der erste Satz des Buches überzeugt und wenn ich mal wieder einen Buchbeginn zitieren soll, dann wird es dieser hier:
„Das Leben ist viel zu kompliziert, als dass man das Alter eine Person tatsächlich aus der Anzahl der Jahre ableiten könnte, die sie bereits gelebt hat. Es kommt mir wie eine grobe Vereinfachung vor, stumpf die vergehenden Tage zusammenzuzählen.“
Ein sehr amüsantes Buch mit vielen brutal ehrlichen Momenten, die einen lockerer aufs Leben schauen lassen. Erst nach einigen Seiten wurde mir klar, dass es sich um einen Folgeband handelt, was aber völlig egal ist, weil die Story recht simple ist und man ihr trotzdem folgen kann: Es naht die 50, Mann in der Midlifecrisis hat sich eine Jüngere gesucht und nun sind sie geschieden und unsere Protagonistin Diane geht wieder mit erhobenen Hauptes durchs Leben!
„… Die Schwäche meines Wiederstands hatte mich ein wenig enttäuscht, ohne mich jedoch zu wundern.“ (S. 270)
Sie nimmt ihr Leben wieder in die Hand und fängt an einer Schule an zu arbeiten, natürlich gibt es alte und neue Männer in ihrem Leben und Freudinnen fehlen natürlich auch nicht.
Nun könnten man sagen: Langweiliger Chick-Lit-Kram, aber da muss ich enttäuschen, die frankokanadische Autorin Marie-Renée Lavoie hat einen Galgenhumor vom Feinsten, bringt Bredouillen auf den Punkt und macht aus den Frauen in ihrem Roman keine kopflosen Dummchen! Das Buch strotzt nur so vor Schlagfertigkeit!

„Große Freuden wirken sich auf die Laune aus wie ein neuer roter Pullover auf eine Maschine weiße Wäsche: Sie färben alles rosarot.“ (S. 167)

Klar, eher ein Roman für die Damenwelt, aber wirklich gute Unterhaltung mit Schmunzelfaktor. Und herrlich wie viel Alkohol hier ganz politisch unkorrekt getrunken wird. Na dann, à santé, denn auch Lesen soll gut für die Gesundheit sein! ;0)
„Mein Gehirn steckt voller Vorurteile, genau wie das aller anderen auch.“ (S. 153)

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Veröffentlicht am 05.10.2021

Taschenriesenalarm!

Luis und Lena - Der Zwerg des Zorns
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Was? Ein Taschenriese? Das ist doch ein Widerspruch in sich! Ganz genau und mit so einem bekommen wir es im zweiten Band von Luis und Lena zu tun in „Der Zwerg des Zorns“.
Wir fanden diesen zweiten Band ...

Was? Ein Taschenriese? Das ist doch ein Widerspruch in sich! Ganz genau und mit so einem bekommen wir es im zweiten Band von Luis und Lena zu tun in „Der Zwerg des Zorns“.
Wir fanden diesen zweiten Band noch besser als den Ersten und der Erste war schon mehr als super! Ach, apropos Folgeband, dies ist mal eine Reihe, da würde ich klar dazu raten mit dem ersten Band zu beginne. Denn die beiden Protagonisten Luis und Lena lernten wir dort gut kennen und was es mit den Wildschweinen auf sich hat…noch unklar? Dann bitte lieber mit Band 1 beginnen!
„Der Zwerg des Zorns“ ist wahrlich ein Miesepeter. Dieser kleine Zwerg, der in die Hemdtasche passt, glaubt doch tatsächlich von sich er wäre ein Riese und verhält sich auch so! Herrlich amüsant reflektiert hier Thomas Winkler die Eigenwahrnehmung im Vergleich zur Fremdwahrnehmung.
Problem Nummer 2 dieses kurzen Kalibers ist die Zündelei, Herbert, so heißt der Zwerg, kann man nicht 5 Minuten aus den Augen lassen sonst brennt es wieder.
Tja und die Mission ist diesen Taschenriesen zum Hühnerfelsen zu bringen wo die anderen seiner Art sind. Das wird zum Abenteuer und verspricht viel Spannung und vorprogrammiertes Chaos!
Uns gefällt an der Reihe auch die Konstellation von Luis und Lena. Luis der totale Anti-Held, der in sich ruht und Lena, die Anpackende mit einem Hang zum Übernatürlichen. Große Klasse diese Kombination der Beiden, die klar außerhalb der konventionellen Normen liegen.
Angedeutet wird (zum Glück!!!), dass wir auf Band 3 hoffen dürfen!

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Großartiges Abenteuer in zwei Welten, sinnesberauschend und überzeugend gut!

Daliahs Garten - Das Geheimnis des grünen Nachtfeuers
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WOW! Dieses Buch hat uns umgehauen. Nicht nur meine Tochter (4. Klasse) hat es verschlungen, auch ich habe es sehr gerne als Erwachsene gelesen! Ich könnte hier nun Dutzende Superlative aufzählen um meine ...

WOW! Dieses Buch hat uns umgehauen. Nicht nur meine Tochter (4. Klasse) hat es verschlungen, auch ich habe es sehr gerne als Erwachsene gelesen! Ich könnte hier nun Dutzende Superlative aufzählen um meine Begeisterung zu teilen, aber ich will vor allem erklären WAS mich so begeistert.
Der Roman ist ab 10 Jahren und dieses Alter trifft es ziemlich gut, für manche etwas früher möglich, für manche auch noch später. Denn dies ist ein tolles Buch für Kinder, die gerade so mit einem Fuß in der Pubertät stehen und sich aber doch noch gerne als Kind begreifen. Auch hier wandern Daliah und Rahim zwischen zwei Welten, die ein Wechselbad der Gefühle auslösen bei den beiden. In der einen fiktionalen Welt, einer Fantasywelt, wird der klassische Kampf zwischen Gut und Böse ausgetragen. Es wird der Wert der Freundschaft hochgehalten und auch über Vergangenes reflektiert sowie positiv in die Zukunft geschaut. Und hey, welches fast pubertierendes Kind fühlt sich da bitte nicht zu Hause? Dazu natürlich alles mächtig spannend.
Außerdem fand ich die Namenswahl äußerst gut getroffen, bunt gemischt, wenig anglophile Namen. Einmal quer durch das Namensbeet mit Daliah, Esme, Maria, Mirza, Ariane usw… Gibt einen dicken Pluspunkt. Daran meine ich die sehr intensive Auseinandersetzung der toll schreibenden Autorin Fabiola Turan durchschimmern zu sehen. Das strotz vor Liebe zur Natur, natürlich auch zu den Farben und allgemein zur Wahrnehmung der eigenen Umgebung. Mich begeistert ihr Schreibstil sehr.
Dies ist übrigens der erste Band einer Reihe zu „Daliahs Garten“: Das Geheimnis des grünen Nachtfeuers. Aber es ist eine in sich abgeschlossene reiche Geschichte. Hier braucht man nicht fürchten, dass man den 2. Band lesen „muss“. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass die meisten Leser:innen des ersten Bandes auch zum Folgeband greifen! Wir freuen uns schon darauf!
Ach und noch ein Hinweis, weil das wunderschöne Cover von Verena Körting sicherlich im ersten Augenblick eher die Mädchen anspricht: Daliah und Rahim erleben dieses Abenteuer gemeinsam und daher finden sich auch Jungs hier wieder aus meiner Sicht! Und für alle die sich erst im Netz schlau machen bevor sie in eine lokale Buchhandlung gehen: es sind leider keine weiteren dieser tollen Illustrationen im Buch. Ein Text für wirklich sattelfeste Leser:innne!
PS: Es könnte nach der Lektüre der Wunsch entstehen einen Vogel haben zu wollen…einen Bienenfresser! ;0)

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Veröffentlicht am 29.09.2021

(Fast) unbemerkte Vielfalt

Das Museum der Pilze
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Es ist bereits das achte Buch der Reihe „Eintritt frei: Das Museum …“ und wir lieben auch dieses!!! Diese Buchreihe ist großartig, ich kann es anders nicht sagen. Diesmal erkunden wir die Pilze! Was könnte ...

Es ist bereits das achte Buch der Reihe „Eintritt frei: Das Museum …“ und wir lieben auch dieses!!! Diese Buchreihe ist großartig, ich kann es anders nicht sagen. Diesmal erkunden wir die Pilze! Was könnte passender sein im Herbst als sich diesem Gewächs der Wälder zu widmen und zu erforschen.
„Das Museum der Pilze“ ist ein großformatiges Bilderbuch, aber lasst euch davon nicht abschrecken. Kein Bilderbuch im Sinne des Kleinstkind-Format sondern ein Buch für 6-99 Jahre. Denn es ist in der Tat ein Museum zwischen zwei Buchdeckeln.
Es gibt viel zu schauen, da das Buch mit viel Liebe zum Detail illustriert wurde von Katie Scott.
Die Texte stammen alle von renommierten Fachleuten, auch wenn auf dem Cover „nur“ Dr. Ester Gaya, die dieses Buch federführend kuratiert hat.
Aber nun mal zum Inhalt! Was erwartet den Museumsbesucher im Geiste. Es werden Fragen geklärt was ein Pilz überhaupt ist, seine Evolution und wie pflanzt sich so ein Pilz eigentlich fort? Natürlich auch reichlich gattungsspezifische Informationen zu Hutpilzen, Becherpilzen Bauchpilze und viele mehr. Auch werden (wieder) die Lebensräume beleuchtet und die Beziehungen von Pilzen zu seinen spezifischen Umwelten. Klar, natürlich wird auch nicht ausgelassen was es mit den giftigen Pilzen auf sich hat!
Sehr spannend! Eine tolle Erweiterung unserer Familienbibliothek!

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Ist Empathie erlernbar?

Barbara stirbt nicht
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Ich MUSS einfach alles lesen was die gute Frau Bronsky zu Papier bringt, denn sie schreibt einfach super gut. Auch ist sie eine überzeugende tolle Frau auf der Lesebühne, dürfte ich sie mit ihrem letzten ...

Ich MUSS einfach alles lesen was die gute Frau Bronsky zu Papier bringt, denn sie schreibt einfach super gut. Auch ist sie eine überzeugende tolle Frau auf der Lesebühne, dürfte ich sie mit ihrem letzten Roman „Der Zopf meiner Großmutter“ im Literaturhaus Frankfurt erleben.
Nun wieder ein neuer schmaler Band aus ihrer Hand: ‚Barbara stirbt nicht‘! Walter Schmidt ist ein alter Mann alter Schule. Er kann im Haushalt rein gar nichts! Weiß weder wie man kocht, noch Wäsche wäscht noch sonst irgendwas was ihn am Leben erhalten könnte. Brauch er ja auch nicht, denn er hat ja sein Rundum-Sorglos-Paket: seine Ehefrau Barbara! Aber die stürzt im Bad und Walter muss sich kümmern – oh schreck! Herrlich wie er sich durchwurtschtelt, dazulernt und eine neue Seite an sich und seiner Familie entdeckt.
Alina Bronsky entwirft ein Portrait einer ausgestorbenen Gattung: die sich unfähiger und wenig mitfühlender Ehemann schimpfte. Aber ich glaube auch, dass es noch vereinzelte Exemplare in den höchsten Altersrängen gibt! Obacht, erkennt hier jemand seinen Vater oder Großvater? Keine Sorge es ist respektvoll, aber mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und Seitenhiebe.
Was die Geschichte so lesenswert macht ist Alina Bronskys bissiger Schreibstil, der so klasse pointiert ist. Das ist aus meiner Sicht ein klares Alleinstellungsmerkmal ihrer Romane! Sie greift Themen auf, präsentiert sie uns mit dem Schalk im Nacken, aber trotz aller Lacher ist meinst doch eine bittere Wahrheit erkannt. Man merkt, sie liebt das Schreiben und die Menschen und kombiniert es gekonnt.
Was soll ich sage – lieber das tolle Buch lesen als zu viele Rezensionen! ;0)

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