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Veröffentlicht am 03.10.2021

Das Geheimnis

Der Sucher
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Cal Hooper zieht von Chicago in ein kleines Nest in Irland um neu anzufangen. Seinen Beruf als Polizist hat er aufgegeben, von seiner Frau ist er geschieden. Er sucht nach dem quirligen Chicago die Ruhe ...

Cal Hooper zieht von Chicago in ein kleines Nest in Irland um neu anzufangen. Seinen Beruf als Polizist hat er aufgegeben, von seiner Frau ist er geschieden. Er sucht nach dem quirligen Chicago die Ruhe eines kleinen Ortes um sich zu erden und ein erfülltes Leben zu führen.

Das alte, halb verfallene Hause, das er gekauft hat, beginnt er in Eigenarbeit zu renovieren. Er genießt die Natur um ihn herum, die Krähen, die in seinem Garten wohnen. Er freundet sich ein wenig mit seinem Nachbarn Mart an, die beiden führen gute Gespräche am Gartenzaun. Von den Einwohnern wird er freundlich aufgenommen, das Leben entwickelt sich so, wie Cal es sich gewünscht hat. Dann steht eines Tages der junge Trey vor seiner Tür, hilft ihm bei den Arbeiten und bittet ihn letztlich, seinen verschwunden Bruder zu suchen...

Ich habe lange keinen Roman mehr von Tana French gelesen, bin von diesem wieder restlos begeistert. Sie baut eine einzigartige Atmosphäre auf, erzählt mit einer Intensität, die beeindruckt. Die Stimmungen sind perfekt eingefangen.

Cal ist ein rundum sympathischer Kerl mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Er schließt behutsam Freundschaft mit dem scheuen Kind, versucht zu helfen.

Land und Leute werden bildhaft beschrieben, man bekommt einen Eindruck von den eigenwilligen Einwohnern. Menschen mit einer rauen Schale, die ein Geheimnis hüten können. Ich hatte beim lesen die Landschaft und die Menschen bildlich vor Augen, habe jede Seite genossen. Die Geschichte ist ruhig, hat aber trotzdem eine permanente, unterschwellige Spannung, so dass es zu keiner Zeit langweilig wird.

Fazit: Ein grandios geschriebener Roman, der fesselt. Kann ich nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Wer ist der Mörder?

Wer das Feuer entfacht - Keine Tat ist je vergessen
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"Wer das Feuer entfacht" von Paula Hawkins ist nach "Girl on the train" mein zweiter Roman der Autorin, und er hat mich auf ganzer Linie überzeugt.

Schauplatz London: Miriam lebt auf einem Hausboot, am ...

"Wer das Feuer entfacht" von Paula Hawkins ist nach "Girl on the train" mein zweiter Roman der Autorin, und er hat mich auf ganzer Linie überzeugt.

Schauplatz London: Miriam lebt auf einem Hausboot, am frühen Morgen bemerkt sie, dass die Kabinentür auf dem Nachbarboot, auf dem ein junger Mann lebt, offen steht. Als sie nachsehen geht, findet sie seine Leiche, er wurde brutal erstochen. Daniel hat als nähere Verwandte nur noch seine Tante Carla, seine Mutter ist vor wenigen Wochen bei einem häuslichen Unfall ums Leben gekommen. Die Polizei ermittelt, schnell findet sie heraus, dass Laura ein One-Night-Stand mit Daniel hatte, das in einem Streit endete. Hat sie Daniel ermordet?

Wir lernen nach und nach die Beteiligten kennen, die alle in bestimmten Beziehungen zum Toten standen. Laura, die als Kind einen schweren Unfall hatte und seitdem etwas eigenwillig ist. Carla, Daniels Tante, Miriam, seine Bootsnachbarin und Irene, die liebenswerte Nachbarin von Daniels Mutter Angela. Laura hilft Irene mit den Einkäufen, Miriam kennt sie aus dem Waschsalon, in dem Laura arbeitet. Ein dichtes Beziehungsgeflecht und man bekommt den Eindruck, dass ein jeder seine kleinen Geheimnisse hat. Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Charaktere sind eigenwillig und unverwechselbar, einige sympathisch, andere weniger.

Bei dieser Story ist nichts wie es scheint, es gibt Wendungen und Twists bis zum Ende. Man kann miträtseln, ich hatte einige Verdächtige, doch bis zum Ende ist nicht klar, wer Daniel ermordet hat. Es bleiben keine Fragen offen, alles wird schlüssig geklärt.

Fazit: Fesslende, spannende Story über vier Frauen, deren Beziehungen eng miteinander verwoben sind.

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Veröffentlicht am 21.09.2021

genialer Einstieg in eine neue Reihe

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann
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Nach der Leseprobe war ich angeteasert und das Buch hat mich komplett fasziniert. Frau Gier schreibt mit einer Leichtigkeit, sie schreibt bildhaft, detailliert, mit Witz und Charme und vielen magischen ...

Nach der Leseprobe war ich angeteasert und das Buch hat mich komplett fasziniert. Frau Gier schreibt mit einer Leichtigkeit, sie schreibt bildhaft, detailliert, mit Witz und Charme und vielen magischen Ideen, ich bin total begeistert. Beim lesen hatte ich die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht, ich hätte nicht erwartet dass mich die Story so mitreißt.

Es geht um Quinn und Mathilda, deren Familien Nachbarn sind und die einander doch meiden, fast verfeindet sind. Für die einen sind es die "biblischen Plagen", für die anderen die Familie mit "kleiner Teufelsbraten".

Mathilda ist seit ihrer Kindheit in Quinn "kleiner Teufelsbraten" heimlich verliebt, auch wenn sie von ihm schon mal als Sternsinger mit Wasser übergossen und in eine Mülltonne gesteckt wurde. Durch einen Zufall werden sie zu Verbündeten und erleben ein magisches Abenteuer, das mich als Leser fasziniert hat.

Ich weiß nicht was mir an dieser Geschichte mehr gefallen hat: Die liebenswerten Protagonisten, die magischen Ideen oder die wunderbare Schreibweise. Für mich war die Lektüre ein Erlebnis, ich habe jede Seite genossen.

Die Figuren sind perfekt skizziert, ich hatte sie bildlich vor Augen, was auch für die Umgebung gilt. Große Teile der Handlung liefen vor meinem inneren Auge wie ein Film ab. Die originellen Ideen im Saum fand ich genial, so kommen Zeppelinwale vor, sprechende Wasserspeier und diverse andere Wesen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Quinns und Mathildas Sicht erzählt, es war zu keiner Zeit langweilig, irgendwas passierte immer und brachte mich zum schmunzeln. Am liebsten hätte ich das Buch am Stück gelesen und es gar nicht beiseite gepackt.

Fazit: Daumen hoch für diesen genialen Einstieg in eine magische Welt, ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.09.2021

Genialer Thriller mit aktuellem Thema, sehr realistisch

Dürre
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Uwe Laub greift in seinem neuesten Thriller "Dürre" wieder mal ein brandaktuelles Thema auf. Es geht um den Klimawandel, der schneller als gedacht eintritt und in Europa zu Missernten und Hungersnöten ...

Uwe Laub greift in seinem neuesten Thriller "Dürre" wieder mal ein brandaktuelles Thema auf. Es geht um den Klimawandel, der schneller als gedacht eintritt und in Europa zu Missernten und Hungersnöten führt. Durch die von der EU eingeführte App Aequitas wird der CO2-Verbrauch eines jeden Bürgers überwacht und CO2-Credits zugeteilt. Ein Privatauto können sich nur noch wenige Privilegierte leisten, viele Menschen werden obdachlos, es kommt zu Unruhen. Dass so ein System auch manipuliert und ausgenutzt werden kann, ist die andere Seite der Medaille.

Wir verfolgen die Story aus unterschiedlichen Perspektiven: Alex Baumgart und Tom Valcke entwickeln zusammen die App Aequitas.

Julian Thaler und seine Schwester Leni leben auf dem landwirtschaftlichen Hof des Vaters und versuchen zu überleben, doch dann kommen die beiden in den Fokus der Überwachungsbehörde ACON und werden von den sogenannten "Bluthunden" verfolgt.

Die Geschichte mutet dystopisch an, wirkt aber absolut real und vorstellbar, was das Erschreckende daran ist. Eine düstere Zukunft, wenn auch fiktiv, die nachdenklich macht. Auf der einen Seite haben wir die Bevölkerung, die unter den Maßnahmen leidet, Lebensmittel zugeteilt bekommt, auf der anderen die wenigen Privilegierten, denen es an nichts mangelt und die ihre Machtposition ausnutzen.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, ich fand es klasse, dass der Bösewicht diesmal eine Frau ist, Dana Kilian geht über Leichen.

Der Aufbau der Story ist gut durchdacht, sie startet mit der Erfindung der App und beginnt mit der eigentlichen Handlung einige Jahre später. Das letzte Drittel läuft in einem Countdown ab, der an Spannung nicht mehr zu überbieten ist.

Mich hat die Story von Anfang an gefesselt, vor allem das Thema Klimawandel ist brandaktuell. Wenn man das Thema in Zusammenhang mit "Sturm", einem anderen Buch des Autors betrachtet, fragt man sich, welchen Anteil Geoengineering am Klimawandel hat.

Fazit: Genialer Thriller mit aktuellem Thema, ein Lesehighlight 2021.

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Veröffentlicht am 02.09.2021

spannender Krimi vor geschichtlichem Hintergrund

Wenn die Schatten sterben
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"Wenn die Schatten sterben" aus der Feder von Christof Gasser beschäftigt sich mit der Rolle der Schweiz im Nationalsozialismus. Anhand der Geschichte von zwei Frauen, die von Becky in der Gegenwart im ...

"Wenn die Schatten sterben" aus der Feder von Christof Gasser beschäftigt sich mit der Rolle der Schweiz im Nationalsozialismus. Anhand der Geschichte von zwei Frauen, die von Becky in der Gegenwart im Jahr 2006 und die von Emma im Jahr 1940, bekommt man einen guten Einblick in die damaligen Zeit.

Worum geht es? Becky zieht nach einem traumatischen Segelunfall mit ihrem Sohn Adrian in die Schweiz, auf den geerbten Familiensitz. Es sind umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig, welche im Keller die eingemauerte Leiche einer Frau zutage fördern. Die Frau wurde erschossen, die Tat ist längst verjährt. Nichts desto trotz forscht Becky nach, um wen es sich bei der unbekannten Toten handelt. Ihr Nachbar, Dominik Dornach, Ermittler bei der Solothurner Kantonspolizei unterstützt sie dabei.

Ein anderer Strang führt ins Jahr 1940, zu Emma, einer für die damalige Zeit mutigen und entschlossenen junge Frau, die in einer Waffenfabrik arbeitet und die die politische Entwicklung mit Sorge betrachtet.

Mir haben beide Stränge sehr gut gefallen, ich fand es fesselnd etwas über die Rolle der Schweiz in der Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren. Die Handlung ist spannend und man ahnt, dass die Schicksale der beiden Frauen verbunden sind. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, ich konnte sowohl mit Becky als auch mit Emma mitfiebern und habe mich gefreut, Dominik Dornach, den ich aus der Solothurn-Reihe kenne, hier zu treffen. Die geschichtlichen Hintergründe fand ich besonders interessiert, der Strang 1940 wirkt authentisch, der Zeitgeist und die bedrückende Atmosphäre ist sehr gut eingefangen.

Fazit: Spannender Krimi vor geschichtlichem Hintergrund. 5 Sterne.

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