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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2022

Ein Auf und Ab der Gefühle - für die Figuren und auch für den Leser

Wir zwei ein Leben lang
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Als Dominic Erin zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass er diese Frau heiraten wird - nur wenige Monate später erwarten sie ein Baby und bekommen zur Hochzeit ein außergewöhnliches Geschenk. Zu dem ...

Als Dominic Erin zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass er diese Frau heiraten wird - nur wenige Monate später erwarten sie ein Baby und bekommen zur Hochzeit ein außergewöhnliches Geschenk. Zu dem in Leder gebundenen Notizbuch hat Erins Vater eine Karte gelegt, auf der er eine "Gebrauchsanleitung" aufgeschrieben hat. In das Buch sollen sie schreiben, worüber sie im Alltag nicht reden können - völlig unvorstellbar für das junge Paar, dass einmal eine solche Situation eintreten könnte....allerdings nutzen sie das Geschenk tatsächlich irgendwann und tauschen sich schriftlich aus - doch auch hier bleibt manches ungesagt.

"Wir zwei ein Leben lang" von Fionnuala Kearney hat begonnen, wie es der Klappentext versprochen hat, über viele Seiten hinweg habe ich die alltäglichen Szenen einer Ehe verfolgt und kam auch mit den Zeitsprüngen ganz gut zurecht (denn die Handlung fängt viele Jahre nach der Hochzeit an und springt dann durch Dominics Erinnerung zu dem Tag der Trauung zurück). Im Lauf der Geschichte wechseln sowohl die Perspektiven zwischen den Ehepartnern als auch die Zeiten immer wieder, dabei konnte ich Erin emotional nicht so nahe kommen, wie ich es bei Dominic empfunden habe.

Ziemlich lange war ich gespannt darauf, auf welches Geheimnis der Klappentext anspielt, was hat Dominic getan um seine Ehe derartig an den Abgrund zu bringen? Bis die Protagonisten von einem Schicksalsschlag getroffen werden, der mich beim Lesen eiskalt erwischt hat, zum ersten Mal habe ich mir bei einem Buch eine Triggerwarnung gewünscht - sicherlich wäre dadurch Einiges verraten worden, aber es hätte meine Vorstellung von dem Roman sehr verändert und ich wäre im Nachhinein weniger enttäuscht gewesen. Dadurch war meiner Meinung nach die Spannung total verpufft und als Erin Jahre später erfuhr, welches "Vergehen" Dominic in das Buch geschrieben hatte, kam es mir im Vergleich zu dem, was sie schon durchgemacht haben, so nichtig und unbedeutend vor (obwohl es das natürlich nicht ist).

Von dem Zeitpunkt an hat sich die Geschichte für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen und ich habe das Leseerlebnis als zähe und langweilig empfunden. Erst kurz vor dem Ende hat mich die Autorin noch einmal sehr überraschen können, so dass ich das Gefühl bekam, es hat sich für mich gelohnt, bis hierhin durchzuhalten, dennoch kann ich trotz des guten Schreibstils keine Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen.

Fazit: Es ging auf und ab, sowohl im Leben der Protagonisten, als auch mit meiner Begeisterung für diese Geschichte. Leider hat das Buch für mich nicht gehalten, was der Klappentext versprach, zwischendurch hatte ich mit einigen Längen zu kämpfen, so dass mich die Lektüre nicht wirklich überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 13.12.2021

Weihnachtsgeschichte, die mich nur bedingt überzeugen konnte

Bonobo Moussaka
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Wie in jedem Jahr ist die alleinerziehende Erzählerin zu Weihnachten bei ihrem Cousin mit dessen scheinbar heiler Familie eingeladen, schließlich sollen ihre Kinder das Fest im trauten Kreis der Verwandten ...

Wie in jedem Jahr ist die alleinerziehende Erzählerin zu Weihnachten bei ihrem Cousin mit dessen scheinbar heiler Familie eingeladen, schließlich sollen ihre Kinder das Fest im trauten Kreis der Verwandten verbringen können. Auch die Familie eines befreundeten Bankers ist mir von der Partie, doch anstatt idyllischen Weihnachtsfriedens wird der Tag von heimlichem Konkurrenzkampf und verbalen Spitzen dominiert. Die Erzählerin beobachtet das Geschehen und denkt sich ihren Teil dazu.....

"Bonobo Moussaka" von Adeline Dieudonné stellt eine Szene dar, die sich so ähnlich tausendfach in der Weihnachtszeit abspielt und in die sich sicherlich jeder Leser hinein versetzen kann. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht so ganz überzeugen, die namenlose Erzählerin ist mir fremd geblieben. Die Schreibweise der Autorin kenne ich schon aus dem Roman "Das wirkliche Leben", auch dort hat sie das Stilmittel der namentlichen Anonymität für ihre Protagonistin verwendet, was für mich gut zur Handlung gepasst hatte. Bei "Bonobo Moussaka" hingegen fand ich ich die erzählende Hauptfigur austauschbar, möglicherweise lag das an ihrer Rolle als Beobachterin des eigentlichen Geschehens. Daher konnte ich auch die wunderbare sprachliche Gestaltung nicht in dem Maß würdigen, wie sie es verdient hätte, das Buch hat mich einfach nicht gepackt.

Obwohl der Roman aus der Sicht der Protagonistin erzählt wird und ich beim Lesen ihre Gedanken und Gefühle direkt übermittelt bekam, habe ich mich emotional weit entfernt von ihr gefühlt. Die gedanklichen Abschweifungen in pubertäre Zeiten (die auch den zunächst seltsam erscheinenden Titel erklären) dienen sicherlich dazu, das Machtgefälle zwischen den anwesenden Personen zu verdeutlichen, für meinen Geschmack waren diese Gedankenreisen etwas zu viel des Guten. Wenn ich bedenke, dass dieser Text als Theaterstück geplant war, sehe ich zwar die spitzfindigen Szenen, die sich zwischen dem Cousin, seinem Freund und den Familien abspielen vor mir, allerdings wird ein großer Teil der Handlung von den Gedankengängen der Erzählerin dominiert, so dass ich mir die Umsetzung auf einer Bühne recht schwierig vorstelle. Insgesamt habe ich mich jetzt nicht wirklich schlecht unterhalten gefühlt, aber es ist auch kein Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen muss.

Fazit: Für mich ist "Bonobo Moussaka" eine Geschichte, die man lesen kann, aber nicht muss. Trotz des wunderbaren Schreibstils und der wortgewandten Darstellung konnte mich die Handlung nicht so recht fesseln, auch die Hauptfigur war meiner Meinung nach zu wenig greifbar.

Veröffentlicht am 30.11.2021

Ganz netter Cosy-Krimi, ich hätte mir etwas mehr Spannung gewünscht

Frau Maier macht Dampf
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Frau Maier lässt sich von ihrer Freundin Elfriede überreden, deren gewonnenen Wellnessurlaub anzutreten. Zunächst ist sie wenig begeistert von der Aussicht, ihr Häuschen am See und die Katze zu verlassen, ...

Frau Maier lässt sich von ihrer Freundin Elfriede überreden, deren gewonnenen Wellnessurlaub anzutreten. Zunächst ist sie wenig begeistert von der Aussicht, ihr Häuschen am See und die Katze zu verlassen, doch in dem luxuriösen Hotel fühlt sie sich bald wohl - besonders da es auch eine Aufgabe für ihren kriminalistischen Spürsinn gibt, der ehemalige Hoteldirektor ist spurlos verschwunden und es dauert nicht lange, bis Frau Maier die erste Leiche findet.

"Frau Maier macht Dampf" von Jessica Kremser ist der fünfte Fall für die umtriebige Hobby-Detektivin, für mich war es das erste Buch, das ich aus der Reihe gelesen habe. Vielleicht ist das der Grund, warum mir die Protagonistin fremd geblieben ist, obwohl sie in ihrer gemütlichen Art sicherlich das Potential mitbringt, Sympathien beim Leser zu wecken. Da sie in diesem Buch die erste Urlaubsreise ihres Lebens antritt und die Handlung sich beinahe komplett im und um das Wellnesshotel abspielt, kommt auch die vom Titelbild her erhoffte Katze nur in Frau Maiers sehnsüchtigen Gedanken vor.

Die Geschichte gehört meiner Meinung nach eindeutig ins Genre Cosy Crime, die Spannung hielt sich für mich eher in Grenzen. Wie das Wasser im Wellnesstempel plätschert die Handlung sanft vor sich hin, so dass sich der Roman zwar ganz nett und unterhaltsam lesen lässt, aber nicht zu der Sorte Buch gehört, die ich zwischendurch kaum aus der Hand legen mag. Für Neueinsteiger in die Serie empfehle ich diesen Krimi daher nicht, weil mir hier der Zugang zur Hauptfigur etwas gefehlt hat. Für Leser, die Frau Maier bereits kennen und mögen, ist die Geschichte bestimmt ein angenehmes Wiedersehen mit der eigenwilligen Hobbydetektivin.

Fazit: Langsam und gemütlich entwickelt sich die Handlung, für mich hätte es etwas mehr Spannung sein dürfen und als Neueinsteiger in die Reihe bin ich mit der Hauptfigur nicht so ganz warm geworden.

Veröffentlicht am 25.10.2021

Wenig Romantik und oberflächliche Figuren

Flame & Arrow, Band 1 - Drachenprinz
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Schon immer sind die Fae mit den Drachen verfeindet, nach einem Zwischenfall beschuldigt die Königin der Fae das Drachenvolk, einen Regelbruch begangen zu haben, den sie mit harten Sanktionen bestrafen ...

Schon immer sind die Fae mit den Drachen verfeindet, nach einem Zwischenfall beschuldigt die Königin der Fae das Drachenvolk, einen Regelbruch begangen zu haben, den sie mit harten Sanktionen bestrafen will. Daraufhin sendet der König der Drachen seinen Sohn auf ein College in Dublin, doch auch die Fae-Kriegerin Kailey wird auf dieses College geschickt um den Drachenprinzen Aiden im Auge zu behalten. Obwohl beide schnell ahnen, mit wem sie es zu tun haben, können sie nicht verhindern, dass sie sich zueinander hin gezogen fühlen.

"Flame & Arrow, Band 1: Drachenprinz" von Sandra Grauer konnte mich leider nicht so überzeugen, wie ich es mir nach dem Klappentext erhofft hatte. Die Grundidee mit den gegensätzlichen Völkern und der Spannung, die zwischen ihnen herrscht, hat mir gut gefallen, doch für meinen Geschmack fehlte es den Figuren an Tiefgang, emotional waren sie für mich kaum greifbar. Die Geschichte ist aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, dabei hat mich irritiert, dass Kaileys Abschnitte in der ersten Person geschrieben sind und die Kapitel über Aiden in der dritten Person. Sollte der Leser dadurch mehr Abstand zum Drachenprinzen haben? Dieses Stilmittel hat meiner Meinung nach nicht funktioniert, auch Kailey, die in der Ich-Form berichtet ist mir nicht wirklich nahe gekommen.

Auch die angepriesenen Gefühle konnte ich kaum nachempfinden, während ihre Völker mehr und mehr auf einen Krieg zusteuern, plätscherte der Alltag von Aiden und Kailey am College leise vor sich hin. Nicht dass ich die Lektüre als langweilig empfunden hätte, aber es war auch nicht so, dass das Buch nach mir gerufen hat, wenn ich es beiseite gelegt habe. Und dann - für mich gefühlt recht plötzlich - haben sie Empfindungen füreinander, bis sie das merken ist der Roman aber fast schon am Ende angelangt. Der Cliffhanger hat es in sich und ich werde den Folgeband schon aus Neugierde lesen und ein wenig in der Hoffnung, dass ich die Figuren dann etwas plastischer erleben werde. Insgesamt würde ich die Geschichte als durchwachsen bezeichnen, sie war nicht grottenschlecht, hätte sich aber gern etwas mehr von der Mittelmäßigkeit weg bewegen dürfen.

Fazit: Stellenweise war die Handlung durchaus spannend und die grundsätzliche Idee hatte mir gefallen. Aber die Figuren habe ich als recht oberflächlich gezeichnet empfunden, etwas mehr emotionaler Tiefgang hätte der Geschichte nicht geschadet, so habe ich die Protagonisten eher als flache Papiergestalten wahr genommen.

Veröffentlicht am 20.10.2021

Detektivgeschichten mit Fantasy-Hintergrund

Grünblatt & Silberbart
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Der Zwerg Colin Silberbart und der Elb Flynn Grünblatt könnten unterschiedlicher nicht sein, Ersterer gehört zur Garde der Hafenstadt Brae Flammar und verrichtet sein Tagewerk mit beamtenhafter Korrektheit. ...

Der Zwerg Colin Silberbart und der Elb Flynn Grünblatt könnten unterschiedlicher nicht sein, Ersterer gehört zur Garde der Hafenstadt Brae Flammar und verrichtet sein Tagewerk mit beamtenhafter Korrektheit. Der elbische Kundschafter hingegen lebt leichtfüßig in den Tag hinein, bis er sich durch seine Schulden gezwungen sieht, einen heiklen Auftrag anzunehmen. Doch eine Rauchbombe und ein dreister Diebstahl bringen Flynns Leben in Gefahr und auch Colins Posten bei der Stadtgarde steht durch diese Ereignisse auf der Kippe, so dass Zwerg und Elb zunächst eher unfreiwillig zusammen arbeiten müssen......

"Grünblatt & Silberbart" von Tom Flambard umfasst die ersten drei Fälle des außergewöhnlichen Detektiv-Duos, die sich durchaus angenehm lesen lassen. Den Hintergrund bildet die Hafenstadt Brae Flammar, die umfassend und fantasievoll beschrieben ist, so dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Den Protagonisten wurden einige Eigenschaften zugeteilt, die der erfahrene Fantasy-Leser als recht typisch für die jeweilige Rasse empfinden wird, so ist Zwerg Colin gutem Essen zugeneigt und entsprechend schwerfällig und übergewichtig dargestellt. Der Elb Flynn hingegen ist flink und leichtfüßig unterwegs, ein Meister der Tarnung und auch seine Mentalität wird eher als leichtherzig beschrieben.

So weit so gut, die Grundeigenschaften der beiden Hauptfiguren haben für mich gepasst, doch mir hat ein deutlicheres Eintauchen in die individuellen Charaktertiefen gefehlt. Für meinen Geschmack war die Persönlichkeit der Protagonisten nur oberflächlich erfasst, so dass ich sie als austauschbar empfunden habe und ihnen emotional nicht nahe gekommen bin. Zwischen den einzelnen Fällen hätte ich mir auch eine Art Überleitung gewünscht, für mich war weder erkennbar, wie die Gründung der Detektei vonstatten gegangen ist, noch wie viel Zeit zwischen den Abenteuern liegt. So sind die Geschichten zwar spannend geschrieben und ich habe mich davon recht gut unterhalten gefühlt, doch meiner Meinung nach hätte etwas mehr "Drumherum" um das Knochengerüst der Erzählung nicht geschadet.

Fazit: Die im Fantasy-Genre angesiedelten Detektivgeschichten sind durchaus spannend verfasst und angenehm zu lesen, für meinen Geschmack hätte allerdings den Figuren etwas mehr persönliche Tiefe gut getan.