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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2017

Solider Krimi mit Humor

Tödliches Treibgut
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Denzil Meyrick, Tödliches Treibgut

DCI Jim Daley, normalerweise in Glasgow tätig, hat ein äußerst kompliziertes Verhältnis zu seiner Frau, ein sehr angespanntes zu seinem Chef und ein durchaus freundschaftliches ...

Denzil Meyrick, Tödliches Treibgut

DCI Jim Daley, normalerweise in Glasgow tätig, hat ein äußerst kompliziertes Verhältnis zu seiner Frau, ein sehr angespanntes zu seinem Chef und ein durchaus freundschaftliches zu seinem Partner DC Scott. Als eine Flugstunde von Glasgow entfernt in einem kleinen Fischerdorf eine grausam entstellte Frauenleiche gefunden wird und die Ortspolizei mit den notwendigen Ermittlungen überfordert ist, werden Daley und Scott dorthin beordert und müssen unter den wachsamen Augen der Dorfeinwohner eine sehr mühsame Ermittlungsarbeit aufnehmen. Dass es weitere Leichen gibt, macht die Aufgabe nicht einfacher…
Das Buch macht Spaß zu lesen, nicht weil es besonders spannend wäre, sondern weil man Daley einfach mögen muss, diesen Ermittler mit Bauch, der immer zu kleine Hosen kauft, teuren Whisky liebt und zum Jähzorn neigt. Er ist kein Held, er hat viele Macken und Kanten, aber er verfügt über einen untrüglichen Instinkt. Man verlässt sich als Leser auf Daley und folgt ihm unverdrossen. Auch wenn die Geschichte hoffnungslos verworren erscheint: Daley wird es richten. Spaß machen auch die witzig-derben Dialoge und die ausführlichen, bildhaften Schilderungen der wunderschönen Landschaft und der Eigenheiten der Einwohner. Spannung ist stets gegeben, ganz besonders gegen Ende. Mit anderen Worten: Ein grundsolider Krimi, liebenswert, humorvoll und gut zu lesen.

Veröffentlicht am 12.05.2017

Mord mit Kultur

Die Morde von Morcone
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"Was ist Freiheit ohne Bindung" fragt sich Robert Lichtwald, ein deutscher Strafverteidiger, der sich nach Scheitern seiner Beziehung auf ein Häuschen in der Toscana, genauer, in der Maremma, zurückzieht, ...

"Was ist Freiheit ohne Bindung" fragt sich Robert Lichtwald, ein deutscher Strafverteidiger, der sich nach Scheitern seiner Beziehung auf ein Häuschen in der Toscana, genauer, in der Maremma, zurückzieht, um zu malen, zu lesen und vor allen Dingen nachzudenken, ganz in Ruhe und in Einklang mit der Natur. Doch mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als er nahe einer stinkenden Schwefelquelle eine(n) Toten findet, einen Hermaphroditen. Und das sollte nicht die letzte Leiche sein...

Das Buch ist kein Reißer. Es bewegt sich in gemächlicher Gangart, sozusagen in einem der Hitze angepassten Tempo. Die Maremma, der "wilde" Süden der Toscana, ist Hintergrund der Geschehnisse. Die italienische ausdrucksstarke Lebensart, die abwechslungsreiche Landschaft und die Handlung, die den Leser sehr lange im Ungewissen lässt, gehen eine wunderbare Verbindung ein. Dem Autor ist es, wie ich finde, perfekt gelungen, Spannung und Kultur zu vereinen. Wenn man das Buch, das sich leicht lesen lässt, weglegt, bleibt der dringende Wunsch zurück, diesen reizvollen Landstrich selbst kennen lernen zu wollen - trotz der grausamen Morde...

Veröffentlicht am 05.05.2017

Warmherzig und ergreifend

Wünsche, die uns tragen
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Geschichten, die das Leben schrieb (oder die zumindest so ähnlich klingen), sind immer noch die besten. Man schlüpft in ein fremdes Leben und leidet mit, als sei es das eigene.

Da ist das Kind Jake, ...

Geschichten, die das Leben schrieb (oder die zumindest so ähnlich klingen), sind immer noch die besten. Man schlüpft in ein fremdes Leben und leidet mit, als sei es das eigene.

Da ist das Kind Jake, das wegen Nierenversagen dringend eine Spenderniere benötigt. Die Eltern, die ihren Sohn abgöttisch lieben, eignen sich nicht als Spender und andere Verwandte scheint es nicht zu geben.
Im Rückblick wird von einem schrecklichen Autounfall erzählt, bei dem drei Menschen sterben. Die Überlebenden gehen ihren eigenen Weg.
Erst viel, viel später kann das verwirrende Beziehungsgeflecht entwirrt werden und die Frage nach Schuld und Verantwortung auf einer neuen Ebene zum Guten geführt werden.

Die Autorin schildert auf lebendige Weise in ihrem Buch sehr liebenswerte Menschen, die bemüht sind, nur das Beste zu wollen und zu tun. Insofern scheint mir die Realität sehr, sehr weit weg. Andererseits tut es einfach gut, sich in dieses Buch fallen zu lassen, Tee zu trinken, Hitze und Regen zu spüren und sich mit den einzelnen Schicksalen zu identifizieren, vor allen Dingen aber das Wohlwollen zu fühlen, mit dem die Autorin ihren Protagonisten begegnet. So wollte man selbst auch gerne gesehen werden.
Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen, denn es hat mich gefesselt, es hat mich bewegt und es hat in mir ein sehr warmes Gefühl, ein sehr positives Gefühl ausgelöst. Unterhaltung ja, aber nicht von der seichten Art, sondern mit einer durchaus nachdenklichen Komponente.

Veröffentlicht am 04.05.2017

So viel gelacht wie schon lange nicht mehr

Im Grab schaust du nach oben
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Wer bereits andere Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, weiß, was ihn erwartet. Ich kannte den Autor noch nicht und bin daher völlig unvorbereitet in seine Schreibe hineingefallen – so ähnlich, wie bei ...


Wer bereits andere Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, weiß, was ihn erwartet. Ich kannte den Autor noch nicht und bin daher völlig unvorbereitet in seine Schreibe hineingefallen – so ähnlich, wie bei der Beerdigung von Hansi das Mikrofon aus Versehen ins Grab fällt („Will uns Hansi noch etwas sagen?“). Das Herausklettern aus dem Buch war mühsam, und zurück bleibt ein enormer Suchtfaktor!
Da findet der G7-Gipfel in dem kleinen bayerischen Kurort statt. Demonstranten schlagen ihre Zeltlager auf. Hubschrauber kreisen. Internationale Sondereinheiten beobachten alles und jeden und nichts. Und zwischen all dem Chaos bewegen sich die Einheimischen, wie sie sich immer bewegen, mit guten und mit bösen Absichten, mit ihrer ganz eigenen Sicht der Dinge. Mehrere Tote gibt es, Mafiosi mit hypnotischen Fähigkeiten, eine Bloggerin ohne Blog, ein Bestatter-Ehepaar, das nicht mehr bestatten darf und natürlich ganz viel Glöckl-Senf… Kommissar Jennerwein nimmt wie ein Hund die Witterung auf und lässt nicht locker, bis auch dieser Fall gelöst ist.
Eine wahrhaft verwickelte Handlung, und es zeigt sich die Kunst des Autors, uns Leser durch allerlei Sperenzchen in die Irre zu führen. Manche der zahlreich auftretenden Personen tauchen nur für einen Moment auf, ohne jegliche Tragweite fürs Geschehen, weil sie vielleicht so schöne alteingesessene Namen haben, oder einfach nur um des Spaßes willen. Überhaupt Spaß: Jörg Maurer macht sich einen Spaß mit uns Lesern, wenn er seine Thesen mit solch einem Ernst darlegt, dass man bei Google nachschaut, ob er recht haben kann, ob es z. B. ein Profugium gibt. Schlitzohrig bringt er kleine Hiebe in Richtung Politik, Kirche, Jägertum und Mensch-Sein generell unter, alles watteweich in Humor verpackt. Kein Buch für ernsthafte Gemüter. Aber Lektüre vom Feinsten für die Leser, die hinter all der vordergründigen Situationskomik den scharfen und liebevollen Blick des Autors auf Heimat und den darin verwurzelten Menschen entdecken wollen. Und die bereit sind zu lachen…

Veröffentlicht am 29.04.2017

Fast cooking statt Fastfood

Björn Freitag – Smart Cooking
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Vorneweg: Björn Freitag's Smart Cooking ist für mich DAS Kochbuch, das ich unbedingt haben musste, und das mich, seit es in meinem Besitz ist, bislang nicht ein einziges Mal enttäuschte. Sämtliche Reizwörter, ...

Vorneweg: Björn Freitag's Smart Cooking ist für mich DAS Kochbuch, das ich unbedingt haben musste, und das mich, seit es in meinem Besitz ist, bislang nicht ein einziges Mal enttäuschte. Sämtliche Reizwörter, die mich verlocken, passen auf dieses Buch bzw. seine Rezepte: Schnell, einfach, lecker. Kein Chaos in der Küche. Wenig einzukaufen, und schon gar keine Zutaten, die es nur in irgend einem exotischen Geschäft weit draußen am Stadtrand gibt...

Die Idee zu diesem Buch kam Björn Freitag, dem Sternekoch, als er im Urlaub an der Nordsee ein kleines Apartment bewohnte, das über 2 Herdplatten, einen Minibackofen, einen Topf und eine Pfanne verfügte. So war er gezwungen, Rezepte zu entwickeln, die sich mit dieser Minimalausrüstung schnell und problemlos umsetzen ließen. Und in der Tat, die Rezepte sind tatsächlich so, wie im Vorwort versprochen: schnell, einfach, lecker. Die ganzseitigen großartigen Fotos lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen und verlocken schon rein optisch zum Nachkochen. Auch sonst ist das Buch sehr klug gestaltet, denn im Rezept selbst sind zum Beispiel die Zutaten in Fettdruck gesetzt, das erleichtert das Nacharbeiten erheblich. Und dass überschriftsmäßig bei jedem Rezept angegeben wird, ob ich nur einen Topf benötige oder ein Blech oder nichts von alledem, empfinde ich ebenfalls als sehr hilfreich.
Für Kochfaule aber Gern-Esser wie mich das absolut ideale Kochbuch.