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Veröffentlicht am 06.11.2021

Die Isdal-Frau

Das letzte Bild
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"Das letzte Bild" von Anja Jonuleit ist ein Roman, den ich am liebsten am Stück gelesen hätte. Er hat es geschafft, mich ganz tief in diese Geschichte eintauchen zu lassen. Die Erzählung beruht auf wahren ...

"Das letzte Bild" von Anja Jonuleit ist ein Roman, den ich am liebsten am Stück gelesen hätte. Er hat es geschafft, mich ganz tief in diese Geschichte eintauchen zu lassen. Die Erzählung beruht auf wahren Begebenheiten und es wurde in eine fiktive Rahmenhandlung eingebettet.
Eva sieht ein Bild einer Frau in der Zeitung, die ihr selber sehr ähnlich sieht. Als ihre Mutter bei Nachfragen gänzlich verstummt, ist ihr klar, dass das kein Zufall sein kann. Auf dem Foto ist die Isdal-Tote, die vor vierzig Jahren in Norwegen gewaltsam zu Tode kam. Ihre Identität und die Tat wurden nie aufgeklärt.
Eva lässt es keine Ruhe und sie beginnt zu recherchieren....
Es gibt hier verschiedene Erzählstränge, die aber sogar in der Schriftart zu unterscheiden sind, das ist sehr gut gelöst. Zum einen haben wir eine junge Frau, Marguerite, die in der Nachkriegszeit verzweifelt auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrer Familie ist. Sie hatte alle als kleine Mädchen verloren und nur noch wenige Erinnerungen und Bilder im Kopf. Es ist sehr spannend, sie bei ihrer Suche zu begleiten.
Dann gibt es einen Universitätsprofessor, der sich mit der Vergangenheit seines Vaters auseinandersetzen muss, den Strang konnt ich erst später richtig einordnen, er bringt aber immer mal eine andere Perspektive.
Und dann natürlich Eva, die nach Norwegen reit, mit der Polizei zusammen arbeitet und jede noch so kleine Spur verfolgt. Das ist spannend wie ein Krimi, grade durch die vielen historischen Hintergründe.
Das Buch hat mir rundum gut gefallen, die Charaktere wirkten authentisch, der Schreibstil war gekonnt und flüssig und es blieb durchweg spannend. Am Ende des Buches werden von der Autorin nochmals Quellen und Fakten zu dem Fal dargelegt, so dass man sieht, was Fiktion ist und was wahr. Das fand ich total interessant. Ein sehr lebendiges Stück Geschichte wurde hier verarbeitet, sehr gelungen.

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Veröffentlicht am 01.11.2021

Angeklagt oder schuldig

Inside Strafverteidigung
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"Inside Strafverteidigung" von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt ist ein Sachbuch, in dem die beiden Autoren uns einen Einblick in ihre tägliche Arbeit geben.
Die beiden sind zwei der bekanntesten ...

"Inside Strafverteidigung" von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt ist ein Sachbuch, in dem die beiden Autoren uns einen Einblick in ihre tägliche Arbeit geben.
Die beiden sind zwei der bekanntesten Strafverteidiger Deutschlands und gehen hier auch gegen das Vorurteil vor, die "Advokaten des Bösen" zu sein. Durch ihre langjährige Berufserfahrung sind sie in der Lage, das Geschehen in deutschen Gerichtssälen und was alles vor der Verhandlung stattfindet, genau zu werten und zu beschreiben. Sehr verständlich und spannend zu lesen, wird das Buch durch die vielen angeführten Beispiele aus der Praxis, die jedem Krimi zur Ehre gereichen. Da sind schon einige Fälle dabei, die unter die Haut gehen. Diese Beispiele machen auch sehr gut den Unterschied zwischen angeklagt und schuldig klar. Erst wenn man das alles verstanden hat, ist auch verständlich, warum wirklich jeder einen Strafverteidiger verdient hat.
Durch dieses Buch habe ich viele der Vorgänge im deutschen Rechtssystem erst richtig begriffen und zu würdigen gelernt. Vieles davon wusste ich so gar nicht, weil ich damit noch nie zu tun hatte. Sehr schnell kann es aber jedem geschehen, angeklagt zu werden, das muss man sich bewusst machen.
Persönlich gelungen fand ich auch den Einblick in den typischen Arbeitstag eines Strafverteidigers, der schon recht lang, aber auch sehr abwechslungsreich ist.
Die Gliederung des Buches ist gut und die Lektüre wirklich zu empfehlen, wenn man einen guten und spannenden Einblick in diese Materie bekommen möchte.

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Veröffentlicht am 28.10.2021

Schwere Zeiten

Der Brand
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"Der Brand" von Daniela Krien ist ein eher ruhiger Roman, der es schaffte, mich vollständig in die Atmosphäre mit einzubeziehen.
Rahel und Peter sind lange verheiratet, die Kinder aus dem Haus, sie wissen ...

"Der Brand" von Daniela Krien ist ein eher ruhiger Roman, der es schaffte, mich vollständig in die Atmosphäre mit einzubeziehen.
Rahel und Peter sind lange verheiratet, die Kinder aus dem Haus, sie wissen sich zu schätzen, aber nicht so recht, wohin ihr Weg weitergehen soll. Ihr Urlaubsziel, eine Hütte in den Alpen, brennt ab, somit haben sie Zeit, auf dem Hof einer guten Freundin zu helfen, Tiere versorgen, Gartenarbeit und sowas. Es bleibt auch viel Zeit für sich selbst zu zweit, die sie aber jeder für sich verbringen.
Peter ist der eher ruhige Professor an der Uni, Rahel eine lebenslustige Psychologin. Jeder hat sich zusätzlich zum gemeinsamen Eheleben in eine andere Richtung entwickelt. Warum das so ist und wie sich das für sie anfühlt, wird hier sehr schön in schlichte und ergreifende Worte gefasst.
Nach und nach lernt man die Familie der beiden kennen und tiefer hinter die Fassaden zu blicken und begreift, dass da schon noch eine tiefe Liebe zueinander vorhanden ist. Sie wurde nur leider im Laufe der Jahre zur Nebensache in ihrem Leben.
Die Beschreibung dieses Lebens in der Uckermark, dieses Einfache, Natürliche, Ruhige, das nimmt mich vollständig gefangen, ich konnte fast die Staubfahnen sehen. Es ist ein durchatmen, ein Zur-Ruhe-Kommen, ein Besinnen auf sich selber. Beide begreifen auch, dass man nicht alles ändern kann und muss, manches geschieht einfach so.
Brände gibt es hier so einige, die den Titel erklären, mir hat das Buch sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Meisterhafte Rettungsaktion

Die Walin
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"Die Walin" von Christian Mahlow ist ein wunderbares kleines Buch mit einer Parabel.
Der Protagonist besucht regelmäßig im Ozeanarium eine Walin, die dort in einem Aquarium lebt. Er bewundert die Schönheit ...

"Die Walin" von Christian Mahlow ist ein wunderbares kleines Buch mit einer Parabel.
Der Protagonist besucht regelmäßig im Ozeanarium eine Walin, die dort in einem Aquarium lebt. Er bewundert die Schönheit des Tieres sehr. Man kann sich sein Erstaunen vorstellen, als ebendiese Walin eines Tages mitten in seinem Wohnzimmer liegt, auf dem Trockenen.
Er versucht sich Hilfe zu holen und alles zu tun, was für ihn im Bereich des Möglichen liegt, dem Meereswesen zu helfen. Die Geschichte klingt so fantastisch und grotesk, es macht sehr viel Spaß sich darin zu versenken. Erzählt wird sie aus der Sicht des Protagonisten, der für uns namenlos bleibt.
Sehr schnell beginnt man sich zu fragen, wo seine Grenzen liegen bei der Liebe zur Walin und auch bei den Hilfsmaßnahmen zu ihrem Überleben.
Als Leser habe ich hier ganz vielfältige Möglichkeiten diese Erzählung zu deuten und zu verstehen, vielleicht ist auch keine davon wahr, oder alle. Das spielt aber wirklich nur eine ganz untergeordnete Rolle, denn diese Geschichte wird mir noch lange in meinem Kopf bleiben.
Was mich absolut überzeugt hat, ist das Gesamtkonzept von diesem Buch, das Cover, die Seitengestaltung, die wunderbar in die Erzählung eingebundenen, Illustrationen, alles das stellt zusammen ein kleine Kunstwerk dar. Respekt dem Autor und dem Verlag für diese tolle Umsetzung.

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Revolverheldaugen

Die Rache der Polly McClusky
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"Die Rache der Polly McClusky" von Jordan Harper ist ein Thriller über ein ganz außergewöhnliches Mädchen und ihren Vater.
Nate hat im Gefängnis so mächtig Ärger, dass ihm sein Tod und er seiner Familie ...

"Die Rache der Polly McClusky" von Jordan Harper ist ein Thriller über ein ganz außergewöhnliches Mädchen und ihren Vater.
Nate hat im Gefängnis so mächtig Ärger, dass ihm sein Tod und er seiner Familie angedroht wird. Er kann fliehen und Polly noch rechtzeitig holen, für ihre Mutter ist es zu spät. Auf der Flucht lernen sich Vater und Tochter erstmals richtig kennen und mit der Zeit auch achten und lieben.
Polly schleppt immer einen Teddy mit und als Tarnung färbt sie sich die Haare quietschrot, ihr Vater macht mit ihr Kampftraining und sie gewinnt an Selbstbewußtsein.
Die beiden fliehen quer durchs Land, was das Ganze zu einer Art Roadtrip macht, aber hauptsächlich geht es um die Geschichte zwischen Polly und ihrem Vater. Polly kann mit ihrem analytischen Verstand so manche Situation retten, dennoch geht es in diesem Buch mit sehr viel Gewalt zur Sache, Gewalt, in die ein Kind nicht verwickelt sein sollte.
Von Anfang an faszinierend ist die Geschichte, wie sich Vater und Tochter aneinander annähern, in diesem Sumpf aus Gewalt, Blut, Drogen und Flucht. Die Bilder die hier gezeigt werden, sind schockierend, kalt, ohne Beschönigung.
Von Anfang an ist hier eine Spannung vorhanden, an die nicht viele Bücher rankommen, es ist beklemmend und hast, aber auch voller Liebe und Hoffnung.

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