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Veröffentlicht am 06.02.2023

Spannende Geschichte, aber ich hatte mir mehr versprochen

Der Riss
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Vulkanologin Antonia Rauwolf soll auf der Forschungsstation Neumayer III untersuchen, ob die neu entdeckten fast 100 Vulkane in der Westantarktis aktiv werden und so das Weltklima katastrophal beeinflussen ...

Vulkanologin Antonia Rauwolf soll auf der Forschungsstation Neumayer III untersuchen, ob die neu entdeckten fast 100 Vulkane in der Westantarktis aktiv werden und so das Weltklima katastrophal beeinflussen könnten. Und sie will nach ihrem seit Wochen vermissten Bruder suchen, der von einer Expedition nicht zurück kam.

Das Cover mit dem Riss im Eis, den Eisschollen und den Farben Schwarz, Weiß und Rot hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und mich neugierig gemacht. Besonders gefällt mir, dass „Rot“ symmetrisch verteilt ist, rechts und links vom Riss, etwas Symmetrie im Chaos, das hat was ;)

Durch den eingängigen bildhaften und lebendigen Schreibstil gelingt dem Autor Thilo Winter eine glaubhafte Beschreibung der unwirtlichen gleichförmigen Eiswüste der Antarktis, der globalen Bedeutung der gigantischen Eismassen und auch der Schwierigkeiten, dort als Mensch zu überleben.
Durch den Prolog weiß der Leser mehr als Antonia und auch durch ihre Vermutungen und Andeutungen wird von Beginn an ein Spannungsbogen aufgebaut, dazu tragen auch Perspektivwechsel und Cliffhanger an Kapitelenden bei. Der Autor verknüpft tatsächliche Ereignisse mit einer packenden Geschichte mit hohem Erzähltempo, die sich jedoch immer mehr zu einer Aneinanderreihung von übertriebenen und unglaubwürdigen Actionszenen entwickelt. Besonders im letzten Drittel des Buchs fühlte ich mich von all der Action fast überrollt. Am Ende der Geschichte bleiben Fragen offen. Der Figurenzeichnung mangelt es an Einfühlungsvermögen und Glaubwürdigkeit, sie bleibt oberflächlich und Entwicklungen, so es sie denn gibt, sind nicht nachvollziehbar. Die Protagonistin Antonia ist impulsiv, stur und rücksichtslos, so dass es mir schwer fiel, mit ihr zu fühlen.

Das Nachwort des Wissenschaftsjournalisten Thilo Winter hat mir wiederum gut gefallen, es ist sehr interessant und vermittelt gut recherchierte Informationen und Wissen über die in großen Teilen noch unerforschte, unbedingt schützenswerte Antarktis. Leider spielt im Roman Wissenschaft nicht die erhoffte Rolle, die Verknüpfung mit der Handlung ist meiner Meinung nach nicht überzeugend gelungen, ich hatte mehr erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.04.2022

Hoffnung auf ein gutes Ende

Automaton
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Die alleinerziehende junge Mutter Tiff arbeitet von zu Hause aus im Akkord: online erledigt sie schlecht bezahlte monotone Klick- und auch Video- Überwachungsjobs für die Plattform Automa. Tiff leidet ...

Die alleinerziehende junge Mutter Tiff arbeitet von zu Hause aus im Akkord: online erledigt sie schlecht bezahlte monotone Klick- und auch Video- Überwachungsjobs für die Plattform Automa. Tiff leidet an einer Angststörung, sie kann nur unter Schwierigkeiten das Haus verlassen, macht sich Vorwürfe wegen ihres Sohns, dem sie kaum etwas bieten kann und der natürlich ebenfalls unter ihren psychischen Problemen leidet, und sie ist einsam.

Unterstützung und Beistand erfährt sie von zwei Wohnungsnachbarn und da gibt es noch die beiden Chatpartner, Kollegen, mit denen sie sich im Geheimen austauscht. Sie musste einen Verschwiegenheitsklausel unterschreiben, denn ihre Arbeit wird den Kunden als Überwachungsleistung einer KI verkauft.

Es gibt einen zweiten Handlungsstrang um die verwitwete Stella und einen Freund, den sie jahrzehntelang nicht gesehen hat, beide haben ebenfalls Erfahrung mit prekären Arbeitsverhältnissen.

Das Verschwinden eines Obdachlosen, der oft auf einem der Überwachungsvideos zu sehen war, bedeutet eine Unterbrechung der monotonen Bildschirmarbeit und wird für Tiff zum Anlass, sich aktiv um die Aufklärung dieses Verschwindens zu bemühen. Ihr unbedingter Wunsch, dass „diese Geschichte gut ausgeht“, erscheint wie ein Gegengewicht zu den furchtbaren Bildern, die sie in ihrem vorigen Onlinejob moderiert hat und die ihre Angststörung verursacht haben. Das Internet wird für Tiff auch zur Möglichkeit, etwas in Gang zu setzen und die Geschichte des Obdachlosen mit Hilfe ihrer befreundeten Nachbarn und Kollegen aufzuklären.

Berit Glanz schildert die Lebenssituation der jungen Mutter glaubwürdig, berührend und authentisch und beleuchtet die monotone, anstrengende Tätigkeit der „clickworker“, die allein, auf sich gestellt und nicht abgesichert, schlecht bezahlte Arbeit leisten. Die Erzählung ist latent spannend, weiß Tiff (und damit auch der Leser) doch nie, was auf den Bildern oder in den Videos zu sehen sein wird. Der Handlungsstrang um Stella und ihren Freund nimmt für mich jedoch zu viel Platz ein, obwohl es Parallelen im Leben der beiden Frauen gibt und die beiden Erzählebenen schließlich zusammengeführt werden.
Der Schreibstil ist flüssig und lebendig, sehr angenehm zu lesen, die Kapitel sind kurz und werden durch Chatprotokolle ergänzt.
Der Klappentext ist irreführend, denn er deutet eine Entwicklung an, die nicht eintritt, weshalb ich einen halben Stern abziehe. Ich hatte auf Grund des Verlagstextes eine andere Geschichte erwartet. Am Schluss bleibt offen, wie es für Tiff weitergeht, aber das Buch endet in einer hoffnungsvollen Stimmung.

Veröffentlicht am 29.03.2022

Zu viel des Guten

Schwarzlicht
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Schwarzlicht ist der erste Band einer Trilogie, die die bekannte Autorin Camilla Läckberg zusammen mit dem Mentalisten Henrik Fexeus schreibt.

Der erste grausame Mord zu Beginn des Buchs erinnert an einen ...

Schwarzlicht ist der erste Band einer Trilogie, die die bekannte Autorin Camilla Läckberg zusammen mit dem Mentalisten Henrik Fexeus schreibt.

Der erste grausame Mord zu Beginn des Buchs erinnert an einen misslungenen Zaubertrick. Es gibt keine verwertbaren Spuren oder Hinweise und so bittet die Kommissarin Mina Dabiri den Mentalisten Vincent Walder um Hilfe.

Beide Protagonisten sind ziemlich spezielle Menschen, Mina hat panische Angst vor Keimen aller Art, eine Zwangsstörung beherrscht ihr Leben, und Vincent ist Autist mit einer Vorliebe für gerade Zahlen. Beide haben es nicht leicht im Umgang mit anderen, arbeiten aber gut zusammen und verstehen sich, fühlen sich zueinander hingezogen. Mein Interesse galt von Beginn an vor allem diesen beiden Protagonisten, aber ihre Besonderheiten und auch ihr Alltag werden ausschweifend beschrieben, das war mir dann relativ bald zu viel des Guten. Ebenso detailliert lernen wir fast alle anderen Charaktere kennen, wodurch die Krimihandlung oft in den Hintergrund tritt.

Ausführliche Informationen über einzelne Illusionen und deren Aufbau oder Erfinder fand ich zwar interessant, sie tragen jedoch nicht zur Spannung bei. Die Ermittlungen kommen langsam voran und immer wieder gibt es Beschreibungen des Privatlebens aller Charaktere. Ebenso unterbricht ein wiederholt eingeschobener Handlungsstrang, der auf einer anderen, früheren Zeitebene spielt, regelmäßig den Spannungsbogen. Der Showdown am Ende ist zwar dramatisch, in Teilen jedoch unglaubwürdig. Das Buch insgesamt empfinde ich als zu lang, eine Straffung hätte ihm gut getan. Einige Nebenhandlungsstränge bleiben offen, da geht es wohl im nächsten Band weiter.

Der Schreibstil ist klar und flüssig, angenehm zu lesen.
Das auffällige Cover passt zum Buch, ebenso wie der Titel: was von „Schwarzlicht“ beschienen wird, bleibt für uns größtenteils im Dunkel, diese Frequenzen kann das menschliche Auge nicht sehen.

Eine Empfehlung für eine bestimmte Lesergruppe fällt mir schwer – für Krimileser gibt es zu viel „Drumherum“ in diesem Buch, für Leser von Romanen zu viel Mord und Gewalt.

Veröffentlicht am 09.12.2021

Interessante umfassende Erörterungen zur Homöopathie mit leider schwachem Personentableau

Die Euphonomicon-Enthüllungen
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2048 ist die Firma Koksa weltweit erfolgreich mit einer grünlichen Flüssigkeit, die materiell nur aus Wasser besteht, aber wie eine Droge stark süchtigmachend ist. Ein ungleiches Ermittlerpaar kommt bei ...

2048 ist die Firma Koksa weltweit erfolgreich mit einer grünlichen Flüssigkeit, die materiell nur aus Wasser besteht, aber wie eine Droge stark süchtigmachend ist. Ein ungleiches Ermittlerpaar kommt bei der Untersuchung eines zunächst unbedeutenden Falls der Wahrheit um Koksa immer näher...

Ich war sehr neugierig auf diesen Homöopathie-Weltuntergangskrimi, den ich nun nach dem Lesen mit gemischten Gefühlen aus der Hand lege.

Der Autor hat umfangreiches Wissen von der Homöopathie, die er fiktiv weiterentwickelt zur Homöophorie, von Rupert Sheldrakes morphogenetischen Feldern und Ganderwasser, von Lovecrafts Necronomicon und dem Cthulu-Mythos und kann dies sehr gut vermitteln, auch die Krimihandlung ist nachvollziehbar, aber die Darstellung der Protagonisten war für mich sehr unbefriedigend. Trotz des vorsorglichen Hinweises bereits auf Seite 7, dass es sich sozusagen um ein Buch im Buch handelt, um ein „hastig geschriebenes vervollständigtes Fragment“ und die Autorin Succsy „nicht auf Stil achtet beim Schreiben der Dokumentation“ (S. 374), konnten mich die Charaktere nicht überzeugen. Sie erscheinen farblos und distanziert, Dialoge sind hölzern und Bericht-artig, besonders die Frauenfiguren werden klischeehaft dargestellt und erst gegen Ende des Buchs lassen sich auch mal Gefühlsregungen erkennen.

Die detaillierte Beschreibung von abstoßenden Folterszenen fand ich überflüssig und verstörend.
Die dystopische Erzählung nimmt auch Bezug auf den Klimawandel, die „Pandemie“ und Trump, einige grün unterlegte „aktuelle“ Meldungen am Ende des Buchs lassen Humor und Ironie erkennen, wie auch die vielsagenden Namen einiger Protagonisten oder die mysteriösen grünen und weißen Pfeile. Mehr Humor im ganzen Buch hätte der Erzählung meiner Meinung nach gut getan. Ich kann so nur 3,5 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 31.10.2021

da geht noch mehr...

Mind Games
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London: Vier Menschen erhalten anonym eine Geburtstagskarte mit der Nachricht: »Dein Geschenk ist das Spiel – traust du dich zu spielen?« Danach verschwinden sie spurlos. Da die Polizei die Sache nicht ...

London: Vier Menschen erhalten anonym eine Geburtstagskarte mit der Nachricht: »Dein Geschenk ist das Spiel – traust du dich zu spielen?« Danach verschwinden sie spurlos. Da die Polizei die Sache nicht ernst nimmt, engagiert die Tochter einer der Verschwundenen die Psychologin und Privatdetektivin Dr. Augusta Bloom. Als Bloom die Lebensläufe der Vermissten analysiert, entdeckt sie eine Gemeinsamkeit: Alle vier hatten eine dunkle Seite, die sie vor der Welt geheim hielten – und die sie höchst gefährlich macht. Offensichtlich nutzt der Täter das Gewaltpotential seiner Opfer. Und versucht, auch Augusta Bloom in sein tödliches Spiel hineinzuziehen …

Die Autorin Leona Deakin ist Psychologin und hat als Profilerin für die West Yorkshire Police gearbeitet, bevor sie sich als Psychotherapeutin selbstständig gemacht hat. Die Grundidee des Buchs ist faszinierend und spannend, ob glaubwürdig, sei dahingestellt.

Die Kapitel sind unterschiedlich lang und oft wechselt mit Beginn eines neuen Kapitels der Schauplatz bzw. die handelnde Person, dadurch erhöht sich die Dynamik.
Eingestreute Kapitel aus Sicht einiger der „Verschwundenen“ steigern die Spannung und enthüllen häppchenweise die Spielregeln des „Spiels“.
Der Schreibstil ist verständlich, flüssig und rhythmisch angenehm zu lesen, kurze und längere Sätze wechseln sich ab.

Das Buch hat mich gut unterhalten und ich habe interessante Einblicke in psychopathisches Denken und Verhalten gewonnen. Das Buch beschreibt derart veranlagte Menschen aus einem für mich neuen und unerwarteten Blickwinkel. Darüber hinaus warnt es deutlich und eindrucksvoll davor, in social media Persönliches preis zu geben.

Die Charakterisierung der Hauptprotagonisten Dr. Bloom und Marcus Jameson ist ausbaufähig. Besonders Jameson bleibt vage und distanziert. Hier würde ich mir vom Folgeband mehr Tiefe wünschen. Dr. Bloom arbeitet analytisch und professionell und vor allem dadurch kommen die Ermittlungen voran.

Erst durch einen unerwarteten Twist erfährt der Leser etwas persönliches über Dr. Bloom und hat ein aha-Erlebnis.
Trotz dieses Twists bleibt die Auflösung vorhersagbar, aber der Weg dahin ist durch die psychologischen (Er)Kenntnisse der Autorin lesenswert.

Das Cover ist farblich und optisch gut gemacht, ebenso wie die beiden Klappeninnenseiten. Unverständlich ist mir der Text auf dem hinteren Cover, der verrät zu viel!

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