Auf der Suche nach der Wahrheit
Ein dunkler AbgrundDie junge Mutter Tess lebt seit der Trennung von ihrem langjährigen Partner allein mit ihrer dreijährigen Tochter Poppy. Die Kleine ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind, das die Trennung gut verkraftet ...
Die junge Mutter Tess lebt seit der Trennung von ihrem langjährigen Partner allein mit ihrer dreijährigen Tochter Poppy. Die Kleine ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind, das die Trennung gut verkraftet zu haben scheint. Doch dann kommt Poppy eines Tages einem Wochenende bei ihrem Vater zurück und scheint verändert. Tess entdeckt eine ganz in schwarz gehaltene Zeichnung, auf der ein Mensch von einem Hochhaus stürzt. Dazu befragt, antwortet Poppy mit „tot macht“. Für Tess ist klar, dass ihre Tochter etwas Schreckliches mit angesehen haben muss. Als die Kleine dann noch einen obszönen Ausdruck benutzt, beschließt Tess, zuerst zur Polizei und dann zu einem Kinderpsychologen zu gehen. Natürlich kann die Polizei nichts unternehmen, es ist ja kein Verbrechen geschehen, und auch der Psychologe hält Tess für übervorsichtig. Es geschehen weitere seltsame Dinge und Tess wird immer paranoider, sie traut keinem mehr. Jeder Mann in ihrem Umfeld stellt für sie eine potentielle Gefahr dar. Bei ihren Nachforschungen findet sie einiges über ihren Ex-Partner heraus und entwickelt darüber hinaus eine gehörige Portion krimineller Energie. An dieser Stelle im Buch kam mir Tess vollkommen durchgeknallt vor und es fiel mir schwer, mich auf ihre düsteren Fantasien einzulassen. Manchmal hätte ich sie am liebsten geschüttelt und zu ihr gesagt, jetzt komm mal wieder runter. Das Ende war überraschend, aber die Auflösung für mich nicht ganz befriedigend. Manche Szenen habe ich nochmal gelesen, nachdem ich wusste, was sich anscheinend abgespielt hat, aber sie erschienen mir auch mit diesem Wissen nicht plausibel. Das Verhalten einiger Leute ist ausgesprochen seltsam –Beispiel: eine Szene in einem Restaurant - und für meine Begriffe sehr an den Haaren herbeigezogen und wenig glaubhaft. Was mich auch gestört hat, ist, dass Tess angeblich als Grundschullehrerin arbeitet, doch ich frage mich, wann. Sie ist eigentlich ständig unterwegs in Cafés und Parks oder recherchiert auf der Suche nach der Wahrheit. Das Einzige, was auf ihre Unterrichtstätigkeit hindeutet, ist, dass sie eines Tages zwei Zeugnisse schreibt. Trotz dieser Kritikpunkte ist das Buch zweifelsohne sehr spannend und hat mich gut unterhalten.