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Veröffentlicht am 12.03.2022

Mutmachbuch

Solange es ein Morgen gibt
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Jessica Jackson ist 32 Jahre alt, erfolgreiche neue Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins „Luxxe“, glücklich mit dem Juristen Johnny liiert – und bekommt plötzlich die schockierende Diagnose „Brustkrebs“. ...

Jessica Jackson ist 32 Jahre alt, erfolgreiche neue Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins „Luxxe“, glücklich mit dem Juristen Johnny liiert – und bekommt plötzlich die schockierende Diagnose „Brustkrebs“. Zeitgleich findet sie heraus, dass Johnny sie betrogen hat. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie es war und Jess Leben scheint in Scherben zu liegen. Während sie sich von Johnny trennt, sich auf die bevorstehende Chemotherapie vorbereitet, ihre Eizellen einfrieren lässt und die Diagnose verarbeitet schmieden ihre Freundinnen Hochzeits- und Familienpläne. Doch eines Tages lernt Jessica im Krankenhaus Annabel kennen. Die neue Freundin hat ebenfalls Krebs, jedoch bereits im Endstadium ohne Hoffnung auf Heilung. Dennoch gibt sie durch ihre positive Einstellung Jess Kraft und den Mut, jeden Moment des Lebens zu genießen. Jessica beginnt, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen, schreibt eine Kolumne darüber und beginnt sogar das Online-Dating. Annabel überredet sie dazu jeden Tag zu leben, als wäre es ihr letzter. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Bruder Joe, der immer mit von der Partie ist und sich langsam zu jemandem entwickelt, der für Jessica mehr als nur ein Mitstreiter gegen die tückische Krankheit ist…
Wow, was für ein Buch! Laura Price ist es gelungen, mich von der ersten bis zur letzten Seite voll mitzunehmen! Zum einen ist ihr das durch ihren wunderbaren Schreibstil gelungen, welcher nicht nur durch Wortwitz und anschauliche Beschreibungen, sondern vor allem auch durch die transportierten Gefühle überzeugt: Sämtliche Emotionen aus dem Buch waren so lebensecht beschrieben, dass ich mit den Figuren geweint, gelitten und gelacht habe. Ebenfalls absolut authentisch waren die zahlreichen Lebenssituationen, in denen ich mich wiedergefunden habe und die mich dementsprechend berührt und zum Nachdenken gebracht haben. Insbesondere durch Jessicas abgedruckte Kolumne habe ich mich angesprochen gefühlt und bin somit endgültig Jess-Fan geworden. Wobei wir direkt bei den Figuren wären: Laura Price hat sowohl Protagonist*innen, als auch Nebencharaktere facettenreich und liebevoll ausgearbeitet. Insbesondere die weiblichen Figuren sind mir dabei ans Herz gewachsen, allen voran natürlich Annabel. Ihre Einstellung trotz krassen Schicksals ist erfrischend und inspirierend und viele Menschen sollten sich ein Beispiel an ihr nehmen! Mir persönlich ist Joe leider etwas zu kurz gekommen und die Annäherung an Jess war für mich nicht hundertprozentig überzeugend, aber darauf lag ja nicht der Fokus.
Bewundernswert empfand ich insgesamt den Umgang mit dem schwierigen Thema Krebserkrankung und Tod. Der Autorin ist es ganz wunderbar gelungen, mit einem positiven, lebensbejahenden Blick auf dieses Thema zu schauen ohne ihm seine natürliche Ernsthaftigkeit zu nehmen. Deshalb ist für mich „Solange es kein Morgen gibt“ kein Buch über Krankheit und Trauer. Vielmehr ist es ein Buch über das Leben, über Freundschaften, Liebe und das Hier und Jetzt – und vor allem ist es wahnsinnig inspirierend und Mut machend!

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Veröffentlicht am 20.02.2022

Endlich ein authentisches amerikanisches Kochbuch

American Christmas
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Gerade zu Corona-Zeiten sind Fernreisen unmöglich geworden und so ist mein USA-Fernweh immer größer geworden und mein Traum, einmal Weihnachten bei meiner dort lebenden Familie zu verbringen, in weite ...

Gerade zu Corona-Zeiten sind Fernreisen unmöglich geworden und so ist mein USA-Fernweh immer größer geworden und mein Traum, einmal Weihnachten bei meiner dort lebenden Familie zu verbringen, in weite Ferne gerückt. Gut, dass das Autoren-Duo Gabriele Frankemölle und Petrina Engelke dem wenigsten kulinarisch entgegenwirkt und ein wirklich lebensechtes Kochbuch für Feiertage nach amerikanischer Art herausgebracht hat! Dass die beiden Journalistinnen Land und Leute kennen und lange dort gelebt haben bzw. immer noch dort leben macht das Buch so authentisch, noch dazu spürt man als Leser auf jeder Seite ihre Liebe zur amerikanischen Küche.

Doch zunächst zur Optik von „American Christmas“: Das Buch hat eine tolle Haptik und wirkt absolut hochwertig. Das Cover ist schlicht gehalten und überzeugt durch einfache weihnachtliche Motive, aufgepeppt durch einzelne Elemente in schimmerndem Gold. Passend dazu gibt es ein gelb-goldenes Lesebändchen, mit dem man sein aktuelles Rezept schnell wiederfinden kann. Die ganzseitigen Bilder der Rezepte im Inneren des Buches sind sehr ansprechend und machen direkt Lust aufs Loskochen – absolut gelungen mit passenden Accessoires in Szene gesetzt!

Bei den Rezepten selbst ist für jeden Geschmack und verschiedene Koch-Niveau etwas dabei, wobei schon etwas Erfahrung bzw. Koch-Affinität gegeben sein sollte – ein Anfänger würde sich aber wahrscheinlich sowieso nicht an Festtagsgerichte wagen. Und diese decken neben Weihnachten auch andere traditionelle amerikanische Feiertage ab: So beginnt das Buch mit zahlreichen Rezepten zu Thanksgiving, geht über verschiedene Weihnachtsgesellschaften bis hin zu New Year. Besonders gut hat mir gefallen, dass auch afroamerikanische Festtage (Kwanzaa) mit ihren interessanten Menüs bedacht wurden. Das Buch wirkt sehr durchdacht und Strukturieren. Jedes Rezept beginnt mit einer kurzen Einführung, es folgt die Zutatenliste und die Zubereitung. Schön, dass die Autorinnen zusätzliche Tipps, beispielsweise für alternative Zutaten, Rezeptabwandlungen oder Aufbewahrungshinweise dazugeschrieben haben. Das lässt auf hohe Expertise und intensive Beschäftigung mit den Rezepten schließen!

Was ich wahnsinnig spannend fand waren die zahlreichen Hintergrundinformationen und Geschichten rund um die kulinarisch verarbeiteten Feiertage in den USA. Ich war total begeistert, so viel über verschiedene Traditionen und Bräuche aus dem Buch lernen zu können, ebenfalls authentisch belegt durch passende, ansprechende Fotos. Das macht „American Christmas“ so besonders, es ist so viel mehr als „nur“ ein Kochbuch! Ich bin restlos begeistert und empfehle das Buch jedem, der sich ein Stück echte USA nach Hause auf den Tisch holen möchte!

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Veröffentlicht am 16.01.2022

Grandioser, vielschichtiger Justiz-Thriller

Thirteen
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Ein grauenhafter Mordfall erschüttert New York: Der aufstrebende Schauspieler Bobby Solomon soll seine junge Frau und seinen Chefbodyguard brutal hingerichtet haben. Dieser beteuert hartnäckig, nichts ...

Ein grauenhafter Mordfall erschüttert New York: Der aufstrebende Schauspieler Bobby Solomon soll seine junge Frau und seinen Chefbodyguard brutal hingerichtet haben. Dieser beteuert hartnäckig, nichts mit dem Mord zu tun zu haben, obwohl sämtliche Indizien gegen ihn sprechen. Von seinem eigenen Anwalt in Stich gelassen nimmt sich Eddie Flynn dem vertrackten Fall an. Eigentlich gehören Fälle mit prominenten Angeklagten so gar nicht zu Eddies üblicher Arbeit, aber eines haben all seine Klienten gemeinsam: Eddie ist der festen Überzeugung, dass diese zu Unrecht angeklagt sind – und dieses Gefühl hat er auch bei Bobby Solomon. Der Fall scheint aussichtslos, doch Eddie und sein Team ermitteln in alle Richtungen – und stoßen auf eine Fährte, die zu unglaublich ist, um wahr zu sein: Bobbys Schuldspruch scheint von einer dritten Person eiskalt kalkuliert zu sein. Und diese Person schickt nicht zum ersten Mal jemand unschuldiges für seine Taten ins Gefängnis…

„Thirteen“ ist Steve Cavanaghs neuester Thriller rund um den „Anwalt der Armen“ Eddie Flynn. Wer wie ich bisher noch nichts über ihn gelesen hat kommt dennoch gut in die Geschichte hinein, Eddies Privatleben taucht an der ein oder anderen Stelle zwar auf, nimmt aber keinen zentralen Fokus ein. Des Weiteren wird alles vorher geschehene Relevante kurz erläutert. Das Cover zu „Thrirteen“ gefällt mir sehr gut, es ist minimalistisch gehalten, erregt durch die roten Details wie den Jury-Stuhl und die clever in den Titel eingearbeitete Zahl „13“ Aufmerksamkeit. Auch der Untertitel/ Aufreißer am oberen Rand lässt direkt die Spannung nach oben schießen. Den Titel finde ich gut gewählt, mir hat gefallen, dass seine Bedeutung erst relativ spät im Buch ersichtlich wird.

Für mich persönlich war das Buch eines meiner absoluten Thriller-Highlights! Steve Cavanaghs Schreibstil ist einfach grandios, er beschreibt authentisch, nachvollziehbar und absolut mitreißend – eine sehr hohe Spannung war permanent gegeben und sogar meist trockene Szenen wie Zeugenbefragungen im Gerichtssaal waren interessant und kurzweilig zu lesen. Im Buch wechseln sich die Erzählperspektiven des Anwalts Eddie Flynn und des wirklich schuldigen Serienmörders ab, so dass der Leser Einblick in beide Leben, Denk- und Handlungsweisen erhält. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, die Introspektive eines Mörders darzustellen, ich habe mich gegruselt und war fasziniert gleichermaßen.

Inhaltlich besonders gelungen fand ich auch Eddies Beweisführung während des Gerichtsprozesses, mir hat gut gefallen, wie er Zeugen vorgeführt, scheinbar wasserdichte Beweise entkräftet und neue Aspekte beigetragen hat. Seine Gedankengänge dazu waren interessant und kreativ, haben mich erstaunt zurück gelassen und an der ein oder anderen Stelle schmunzeln lassen. Der Plot an sich war von Steve Cavanagh perfekt bis ins kleinste Detail durchkonstruiert – Chapeau für diese geniale Leistung! Sowohl aus Sicht der Verteidigung, als auch der Anklage und des perfide agierenden Killers war das Geschehen absolut plausibel dargestellt. Es gab einige überraschende Wendungen und dem Autor ist es an einigen Stellen gelungen, mich an der Nase herum zu führen. Was für ein Fall! Natürlich könnte man kritisieren, dass das Buch an manchen Stellen etwas brutal war und mit Klischees gespielt hat, des Weiteren mag ich es nicht, wenn die Polizei als korrupt und böse dargestellt wird. In „Thirteen“ hat das jedoch alles zum Inhalt gepasst und war so wohldosiert, dass es mich nicht gestört hat. Eddie Flynn als Protagonist war zudem ein Charakter mit Ecken und Kanten und mir sehr sympathisch.

Insgesamt fand ich „Thirteen“ absolut herausragend! Der dem Buch zugrunde liegende Kriminalfall ist sooo gut und clever bis ins Detail durchdacht und hat mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Hochspannend bis zum Schluss mit vielen unvorhergesehenen Wendungen und AHA-Effekten. Ein wahnsinnig tolles Buch, dass ich jedem Thriller-Fan nicht nur empfehlen, sondern absolut ans Herz legen kann!

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Veröffentlicht am 11.11.2021

Absolut authentisch – so kann man nur als Tänzerin schreiben!

Dance into my World
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Jade flieht vor ihrer Vergangenheit nach New York, um dort noch einmal neu anzufangen und sich ihren Traum vom Modedesign-Studium zu erfüllen. Die Highschool-Zeit in der Kleinstadt Beckhaven hat sie in ...

Jade flieht vor ihrer Vergangenheit nach New York, um dort noch einmal neu anzufangen und sich ihren Traum vom Modedesign-Studium zu erfüllen. Die Highschool-Zeit in der Kleinstadt Beckhaven hat sie in schlimmer Erinnerung und zieht sich aufgrund der dort gemachten Erfahrungen gerne von anderen Menschen zurück. Da hat sie die Rechnung aber ohne Olivia gemacht, ihre Arbeitskollegin in dem Café, in dem Jade zu jobben beginnt. Olivia ist das glatte Gegenteil der introvertierten Jade: Lebensfroh, optimistisch und aufgeschlossen. Und sie ist HipHop-Tanzlehrerin im „Move District“. Die beiden werden Freundinnen und so gelingt es Olivia schließlich, Jade zu einer Probestunde in die Tanzschule zu locken. Dort entdeckt Jade nicht nur eine neue Leidenschaft für sich, sondern kommt auch in engeren Kontakt mit Olivias Trainerkollegen Austin. Zwischen den beiden knistert es heftig, doch Jade möchte keine Gefühle zulassen, da die Vergangenheit ihr noch in den Knochen sitzt – und zudem droht sie einzuholen. Wird es Austin gelingen, ihren Panzer zu knacken?

„Dance into my world“ ist das Debüt der jungen Freiburger Autorin Maren Vivien Haase und gleichzeitig der Auftakt der dreibändigen „Move District“-Reihe. Jedes der drei Cover folgt einem anderen Farbschema, passt vom Muster her aber perfekt zu den anderen Bänden. „Dance into my world“ ist in leuchtenden Orange- und Rottönen gehalten und macht auf den ersten Blick gute Laune! Ich liebe die Farbgebung, aber auch das quirlige Muster, das mich bereits an die geslideten Spuren eines Tänzers erinnert. Insofern finde ich die dynamische Wirbel absolut passend zum Inhalt. Besonders gut gefallen mir auch die goldenen Sprenkel auf dem Cover, die ihm etwas hochwertige und noch dazu eine sehr angenehme Haptik verleihen.
Dass das Motto „Tanz“ sich durch das gesamte Buch ziehen wird, bemerkt man auch bereits auf den ersten Seiten: Nicht nur ist die Autorin selbst semiprofessionelle Tänzerin in einer mir duraus bekannten, namhafen HipHop-Crew, auch ist dem Buch eine passende Playlist vorangestellt und durch einen QR-Code kann der interessierte Leser ein Video der Autorin beim Tanz zum Buch anklicken. Toll gemacht, ein perfekter Rahmen für Jades und Austins Dance-Lovestory!

Marens Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, er ist flüssig und lebendig, voller liebevoll beschriebener Details und Wortwitze in den Dialogen. Einige Szenen waren so gut beschrieben, dass ich laut loslachen musste, in anderen ist das Kribbeln zwischen den Protagonisten auf mich übergegangen. Da ich selbst Tänzerin bin haben mich aber insbesondere die authentisch beschriebenen, gefühlvollen Tanzszenen berührt – so kann man über diesen Sport nur schreiben, wenn man dieselbe tiefe Leidenschaft dafür verspürt wie ich. Ein ganz großes Kompliment an die Autorin, bisher hat noch kaum ein Buch das für mich mit dem Tanzen verbundene Lebensgefühl so perfekt eingefangen wie „Dance into my world“! Aber auch die Stimmung im „Move District“, im Café und insgesamt die Atmosphäre New Yorks wurden so authentisch beschrieben, dass ich mich als Teil davon gefühlt habe. Maren besitzt wirklich ein tolles Gespür für Stimmungen.

Die Geschichte an sich startet eher langsam, man lernt Jades Persönlichkeit und den Start ihres neuen Lebens kennen. So bin ich gut in der Story gelandet und konnte mir ein Bild von der Protagonistin verschaffen, bevor die eigentliche Handlung beginnt. Hinsichtlich ihrer Vergangenheit werden bereits einige Andeutungen gemacht, die meine Neugier, aber auch mein Mitgefühl wecken und erklären, warum sie in manchen Situationen so zurückhaltend reagiert. Jades Kontakt mit dem Tanzen und wie gut der Sport ihr tut waren schön ausgearbeitet, so werden auch tanzunerfahrene Leser:innen gut in diese Welt eingeführt – und entwickeln hoffentlich das Bedürfnis, diesen tollen Sport auch selbst einmal ohne Scheu auszuprobieren! Auch die Annäherung zu Austin fand langsam und gefühlvoll statt, ich mochte seine Kreativität und Hartnäckigkeit in Bezug auf Jade, auch wenn ich nicht so ganz verstanden habe, warum er sich so auf sie eingeschossen hat. Sein Fingerspitzengefühl und sein sensibler Umgang mit der traumatisierten Jade haben mir aber sehr imponiert und lassen auf eine ausgiebige Recherche seitens der Autorin schließen. Am Ende bleiben noch ein paar Fragen offen, ein Drama wirkte etwas konstruiert und einige Handlungen waren recht absehbar, aber darüber kann ich hinwegsehen, da die positiven Aspekte bei weitem überwiegen: Die Haupthandlung wurde abgeschlossen, das von mir ersehnte Happy End ist eingetreten und es bleiben noch genügend bereits angedeutete Hinweise auf Band 2 – auf den ich mich schon heute sehr freue! Viele der liebevoll ausgearbeiteten Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich kann kaum erwarten die Geschichte meiner Lieblings-Figur Olivia zu lesen!

Insgesamt ist „Dance into my world“ ein Buch, bei der die Leidenschaft der Autorin für das Tanzen sich in jedem Wort widerspiegelt. Maren Vivien Haase beschreibt die Tanzszenen so lebendig und authentisch, dass auch ich als Leserin sofort das Bedürfnis verspüre, die Musik laut aufzudrehen und mich dazu zu bewegen. Meine absolute Leseempfehlung für alle Tänzer*innen und solche, die es werden wollen.

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Veröffentlicht am 16.10.2021

Eine toxische Schwesternbeziehung

SCHWEIG!
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Es ist der Tag vor Weihnachten und Esther möchte trotz familiären Vorweihnachtsstress ihrer Schwester Sue gerne ein Geschenk vorbeibringen. Diese lebt alleine in einem großen Haus mitten im Wald und repräsentiert ...

Es ist der Tag vor Weihnachten und Esther möchte trotz familiären Vorweihnachtsstress ihrer Schwester Sue gerne ein Geschenk vorbeibringen. Diese lebt alleine in einem großen Haus mitten im Wald und repräsentiert somit das komplett gegenteilige Leben als Esther. Ein Schneesturm setzt ein und die beiden Schwestern sitzen gemeinsam isoliert in dem Haus im Wald. Sie hatten noch nie das beste Verhältnis zueinander, wie kaputt die Beziehung ist wird aber erst an diesem Abend deutlich: Es kommen Sachen aus der Vergangenheit ans Licht, Unausgesprochenes wird sich an den Kopf geworfen, die Situation spitzt sich immer mehr zu – und am nicht jeder wird das Ende des Abends überleben…

„SCHWEIG!“ von Judith Merchant ist der zweite Thriller der Autorin beim Verlag „Kiepenheuer & Witsch“. Bereits das puristisch gehaltene Cover passt super zum Buch, die Mischung aus den Bäumen und Wurzeln kombiniert mit dem Titel ist absolut stimmig und durchdacht. Trotz der wenigen Farben gefällt es mir sehr gut und erregt Aufmerksamkeit.
Bereits der Einstieg in die Geschichte gestaltet sich interessant, da er sowohl Raum für Interpretation, als auch viele Fragen beim Leser hinterlässt. Sowieso ist das Buch sehr intelligent aufgebaut, die Konstruktion des Plotes sowie der Beziehungen der Figuren untereinander wirkt sehr durchdacht. Die Autorin schafft ein detailliertes Psychogramm der vorhandenen Familienkonstellation, welches sich dem Leser erst nach und nach erschließt. Dabei wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt, welche alle in sich authentisch, stimmig und nachvollziehbar sind – sich aber gegenseitig ausschließen. Als Leser stehe ich permanent vor der Entscheidung, wem ich Glauben schenken und vertrauen soll, wer mich überhaupt sympathisch ist und was wohl die objektiv betrachtete Wahrheit ist. Eingestreute Kapitel aus der Kindheit der Schwestern geben nach und nach Einblick und Aufschluss über die Entwicklung der Charaktere. Dieser Aufbau und die unvereinbaren Erzählperspektiven sind der Autorin wirklich meisterhaft gelungen! Durch die sehr kurzen Kapitel und den flüssigen Schreibstil liest sich das Buch zudem sehr schnell und baut ein eigenes Tempo auf.

Ebenfalls meisterhaft versteht es Judith Merchant, eine düstere Atmosphäre mit unterschwelliger Spannung aufzubauen. Alles ist sehr undurchsichtig und niemand wirklich vertrauenswürdig, die Geschehnisse entwickeln eine eigene Dynamik und mich überkommt beim Lesen zunehmend das Gefühl, dass es noch zu einer Katastrophe, einem großen Knall kommen wird. Die unheilverkündende Grundspannung ist permanent vorhanden und steigert sich im Verlauf des „Abends“ immer weiter. Nach und nach kommt immer mehr Unausgesprochenes ans Licht und Esther und Sue schaukeln sich gegenseitig immer mehr hoch – auch für mich als Leser ein absolutes Wechselbad der Gefühle, meine Einstellung jeder Schwester gegenüber ändert sich nach jeder neuen Enthüllung erneut – ein hervorragendes Psychospiel wird hier konstruiert! Das Ende hingegen empfand ich einfach nur als krass, ich hätte so nicht damit gerechnet, fand es im Sinne eines „gruseligen Happy Ends“ aber absolut stimmig.

Insgesamt hat Judith Merchant in meinen Augen ein kunstvolles Psychogramm einer toxischen Schwesternbeziehung geschaffen, das mich sehr beeindruckt hat. Ich war gefesselt, abgeschreckt und fasziniert gleichzeitig. Das Buch ist spannend, unvorhersehbar und auf psychologischer Ebene brutal, wobei mir gerade dieser tiefe Blick in die gestörte menschliche Psyche gut gefallen hat. Ein tolles Buch für alle, die Psychothriller mögen – meine absolute Leseempfehlung!

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