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Veröffentlicht am 12.12.2021

Was hinter Fremdenfeindlichkeit steckt

Operation Falkenstein und die Angst vor dem Unbekannten
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Die vier Freunde, Emma, Franky, Jaron und Antonia, stoßen wieder auf rätselhafte Vorkommnisse. Als sie am Seeufer radeln, sehen sie etwas Merkwürdiges im Wasser. Bei näherem Hinsehen stellen sie fest, ...

Die vier Freunde, Emma, Franky, Jaron und Antonia, stoßen wieder auf rätselhafte Vorkommnisse. Als sie am Seeufer radeln, sehen sie etwas Merkwürdiges im Wasser. Bei näherem Hinsehen stellen sie fest, dass es ein Taucher ist, der in Lebensgefahr schwebt. Sie können ihn retten, doch er liegt anschließend im Koma. Als sie feststellen, dass er investigativer Reporter ist, vermuten sie, dass mehr hinter diesem Tauchunfall steckt.

Doch sie werden bei ihren Ermittlungen unterbrochen, denn noch etwas geschieht. Eine Flüchtlingsunterkunft im Ort wird zuerst mit rassistischen Sprüchen beschmiert, etwas später gibt es sogar einen Brandanschlag. Eine Familie aus Syrien verliert dabei alles. Antonias Familie nehmen die vier liebevoll auf.

In einem benachbarten Hotel ist ein Junge aus Amerika zu Besuch, der sich mit den vier Kindern anfreundet. Wegen seiner Hautfarbe ist ihm die rassistische Einstellung mancher Menschen vertraut. Auch Franky, dessen Eltern aus Italien stammen, wird von zwei Jugendlichen angefeindet.

In einem zweiten Erzählstrang geht es um vier Kinder im Jahr 1945. Ihre Eltern werden beide verhaftet. Mitten in der Nacht werden die Kinder abgeholt und zu einem Kinderheim gebracht. Dort werden sie äußerst lieblos behandelt, denn sie gelten als Verräterkinder.

Was beide Geschichten verbindet, ist der Schauplatz, eine Burg am Starnberger See, die es tatsächlich gibt. Die Erzählweise dieses Buchs passt sehr gut zur Zielgruppe, Kinder im Alter von elf bis dreizehn Jahren. Der christliche Glaube steht immer im Hintergrund und ist Lebenshilfe und Wegweiser.

Wichtige Fragen werden angesprochen, dabei ist das Hauptthema des Buchs Fremdenfeindlichkeit. Die vier Kinder wundern sich darüber, dass manche Menschen so ablehnend auf Menschen aus anderen Ländern reagieren. Anstatt sie abzuurteilen, versuchen sie auch diese Menschen zu verstehen. Sie erfahren, dass sie oft aus Angst heraus handeln. „Sie haben Angst. Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird, dass andere besser sind als sie, dass sie im Leben nichts erreichen. Also suchen sie einen Sündenbock, und es ist immer einfach, dafür die Schwächsten zu nehmen. Sie behaupten also, dass Ausländer an vielem Schlechtem Schuld seien, dass sie kriminell sind, stehlen oder so. Sie haben natürlich keine Beweise dafür, denn die gibt es nicht. Ausländer sind genauso gut oder schlecht wie Inländer. Aber es ist angenehm, wenn jemand anderes Schuld an der Misere hat. Dann muss man ihn scheinbar nur loswerden, um alle Probleme zu lösen.“

Am Ende des Buchs bleiben viele Fragen offen. Da kann man nur hoffen, dass der nächste Band bald erscheint!

Fazit: Ein kindgerechtes und spannendes Buch über das Thema Fremdenfeindlichkeit. Sehr empfehlenswert für Kinder von elf bis dreizehn Jahren! Obwohl Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden nicht nötig sind, ist dieses Buch nicht in sich abgeschlossen. Am Ende bleiben viele Fragen offen, die erst in einem weiteren Band beantwortet werden.

Veröffentlicht am 23.11.2021

New Age Gedankengut in christlichen Gemeinden

Von der Engelkönigin zur Königstochter
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Der Name Doreen Virtue ist in der esoterischen Szene sehr bekannt. Bis vor vier Jahren gehörte sie zu den Privilegierten. Sie reiste um die Welt, um gutbesuchte Vorträge zu halten und ihre Bücher und Engelskarten ...

Der Name Doreen Virtue ist in der esoterischen Szene sehr bekannt. Bis vor vier Jahren gehörte sie zu den Privilegierten. Sie reiste um die Welt, um gutbesuchte Vorträge zu halten und ihre Bücher und Engelskarten waren Verkaufsschlager. Als Esoterikerin war sie davon überzeugt eine Christin zu sein, denn sie sah keinen Widerspruch zwischen ihrer Botschaft und dem Glauben an Jesus Christus.

Eines Tages hört sie im Radio eine Predigt, die sie aufrüttelt. Es geht um Irrlehrer, die Menschen nach dem Mund reden. Damit beginnt für Doreen Virtue eine Suche nach der Wahrheit, denn sie will nicht mehr etwas verkündigen, dass gut ankommt, wenn es nicht der Wahrheit entspricht. Langsam verändert sich ihr Denken und eines Tages hat sie eine Begegnung mit Jesus, die ihr Leben komplett verwandelt.

In diesem Buch erzählt Doreen von ihrem Glaubensweg. Schon früh sieht sie Gestalten, die andere nicht wahrnehmen können, und sie kann # mit ihnen kommunizieren. Diese hellseherische Fähigkeit nutzt sie zuerst als Therapeutin, später als Vortragsrednerin und Autorin. Nach ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ist sie erschüttert als sie sieht, dass falsche Lehren und New Age Gedankengut sich langsam in christliche Gemeinden ausbreiten. Mit diesem Buch möchte sie warnen und aufklären.

Die Kapitel folgen grob dem Verlauf ihres Lebens, orientieren sich aber in erster Linie an Lebensthemen, wie zum Beispiel ihr Leben als Rockstar, das Bild von Christus in der Esoterik, Engelslehren oder Irrlehren. Sie hatte einen großen Wirkungskreis und bereut nunzutiefst, dass sie Menschen in die Irre geführt hat. Immer wieder entschuldigt sie sich dafür. Zum Schluss des Buchs geht es um ihr verändertes Leben als Christin. Vom Reichtum ist nichts geblieben, aber dafür hat sie eine große Lebensfreude und ist frei von Angst.

Es ist interessant und vor allem wichtig zu erfahren, wo sich christlichen Gemeinden einer esoterischen Weltanschauung anpassen. Ob es ein gesteigertes Interesse an Engeln ist, oder das Gefühl Gott beeinflussen zu können, diese Lehren stellen den Menschen im Mittelpunkt, und nicht Gott. Darum ist es so wichtig sich zu informieren und sich davon zu distanzieren.

Der Anfang dieses Buch wirkt ein bisschen wirr, aber das wird nach den ersten Kapiteln besser. Es stört außerdem ein bisschen, dass die Autorin sehr viel von der Hölle spricht. Es ist klar, dass sie tief bewegt ist, von dem schrecklichen, falschen Weg, den sie gegangen ist, aber die Einladung zum Glauben darf in erster Linie von Gnade und Liebe sprechen.

Fazit: Die Lebensgeschichte einer bekannten Esoterikerin, die Jesus Christus findet und damit eine große Verwandlung erfährt. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 10.11.2021

Schätze im Wald und auf Wiesen

Mein Wildkräuter-Guide
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Der Autor dieses Buchs, Manuel Larbig, ist der Gründer von „Waldsamkeit“, einer Gruppe von naturbegeisterten Fachleuten, die die Natur lieben und wertschätzen. Sie wollen gerne ihr Wissen weitergeben und ...

Der Autor dieses Buchs, Manuel Larbig, ist der Gründer von „Waldsamkeit“, einer Gruppe von naturbegeisterten Fachleuten, die die Natur lieben und wertschätzen. Sie wollen gerne ihr Wissen weitergeben und Interesse für die verborgenen Schätze der Natur wecken.

In diesem, seinem zweiten Buch, geht es um die Schätze am Wegesrand. Wer hätte gedacht, dass Brennnessel nicht nur brennt, sondern ausgezeichnet schmeckt und auch noch sehr gesund ist? Neben Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn, Bärlauch und anderen bekannten Wildkräutern, gibt es allerdings auch Kräuter, die giftigen Pflanzen ähneln. Darum ist es so wichtig sich gut auszukennen.

Im ersten Teil dieses Buchs vermittelt der Autor grundlegende Kenntnisse rund um die verschiedensten Kräuter, und legt damit die Grundlage für den zweiten Teil, im dem die einzelnen Pflanzen näher beschrieben werden. Doch dieses Buch ist nicht ein trockenes Sachbuch. Der Autor erzählt von seinen Erlebnissen bei der Kräutersuche und gib Anekdoten von seinen Kursen wieder. So fühlt man sich mit hineingenommen auf eine Wanderung, bei dem der Blick auf dem Boden geheftet ist, auf der Suche nach dem richtigen Kraut.

Besonders interessant sind die Fragen, die beantwortet werden. Welche Jahreszeit ist für die Kräutersuche am besten geeignet? Was ist mit giftigen Abgasen? Gibt es auch in der Großstadt Kräuter?

Dieses Buch enthält eine Fülle an Informationen, die über das bloße Bestimmen von Kräutern hinausgeht. So erfährt der Leser beispielsweise viel über Nährwerte und Inhaltsstoffe von Kräutern, über die Gesetzeslage beim Kräutersammeln, und sogar inwieweit Kräuter in der Schwangerschaft und Stillzeit nützlich sind.

Eine schöne Ergänzung sind die Bilder, nicht nur von den Kräutern, sondern vom Autor auf Kräuterwanderungen, von Kräuter im Wald, oder von der Kräutervielfalt, die am Wegesrand auf den Wanderer wartet.

Fazit: Wer nur ein Handbuch sucht, dass sich leicht auf Wanderungen mitnehmen lässt, wird vielleicht enttäuscht sein, denn es ist teilweise schwierig inmitten der Erzählungen und Anekdoten des Autors die gesuchte Information zu finden. Aber wer eine unterhaltsame Kräuterlektüre mit wertvollen Informationen sucht, wird mit Sicherheit von diesem Buch begeistert sein.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Ausweisung aus der Wahlheimat

Unerwünscht im Orient
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Bei einer routinemäßige Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis erhält Hans-Jürgen Louven eine überraschende Mitteilung. Sein Visum wird nicht verlängert. Er muss innerhalb von zehn Tagen das Land verlassen.

Seit ...

Bei einer routinemäßige Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis erhält Hans-Jürgen Louven eine überraschende Mitteilung. Sein Visum wird nicht verlängert. Er muss innerhalb von zehn Tagen das Land verlassen.

Seit Mitte der 90er Jahre lebt er zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie in Muğla in der Türkei, also über zwanzig Jahre. Er liebt diese wunderschöne Gegend, in der mehrere biblische Stätten zu finden sind, und möchte dort seinen Ruhestand verbringen. Mit einer offiziellen Genehmigung organisiert er dort Reisen für Christen.

Auch seine Tochter liebt dieses Land und sie beginnt dort zu studieren. Als ein amerikanischer Pastor inhaftiert und schließlich ausgewiesen wird, scheint das der Anfang von Ende für alle ausländische Christen zu sein. Viele werden aufgefordert das Land zu verlassen. Hans-Jürgen Louven und andere Christen sind in der Türkei nicht mehr willkommen.

Der Autor kämpft für das Recht zu bleiben. Er will auch auf keinen Fall seine Tochter zurücklassen. In der türkischen Kultur ist klar, dass ein junges Mädchen nicht alleingelassen wird. Doch seine Versuche scheitern. Bis heute darf Hans-Jürgen Louven nicht in der Türkei leben.

In diesem Buch beschreibt der Autor zunächst sein Gastland und klärt über einige kulturelle Unterscheide zu Deutschland auf. Er verschweigt auch nicht, dass auch er sich am Anfang manches Mal falsch verhalten hat. An seinen Beschreibungen ist seine tiefe Liebe zu diesem Land zu spüren. So lobt er beispielsweise viele Aspekte des Unterrichts in der einheimischen Schule seiner Tochter.

Nach dieser Einführung in das Leben in der Türkei, erzählt der Autor von seinem aussichtlosen Kampf gegen die Behörden. In dieser schwierigen Zeit ist es ihm und seiner Familie ein großer Trost, dass weltweit Christen für sie beten.

Man spürt deutlich, die Türkei ist sein Zuhause und seine Nachbarn sind seine Freunde. Darum ist die Ausweisung so ein großer Schock für ihn. Mit diesem Buch möchte er auf die fehlende Glaubensfreiheit in der Türkei aufmerksam machen, denn es ist klar, dass sein aktiv gelebtes Christsein der versteckte Grund für die Abschiebung ist.

Fazit: Ein Buch über einen Mann, der dafür kämpft in seiner geliebten Wahlheimat, der Türkei, zu leben. Neben interessanten kulturellen Informationen geht es vor allem um seine Abschiebung, seinen Kampf für Gerechtigkeit und seinen Glauben, der ihn durch diese schwere Zeit trägt. Empfehlenswert für Menschen, die sich für Themen rund um Menschenrechte und Glaubensfreiheit interessieren.

Veröffentlicht am 10.10.2021

Gnade für einen 16jährigen Mörder

Der Polizist
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Josie wartet nachts zitternd auf ihren Lebensgefährten. Hübsch angezogen, in der Hoffnung, dass ihre Aufmachung ihn auf andere Gedanken bringt. Denn sie weiß, was sie erwartet. Prügel.

Und so kommt es ...

Josie wartet nachts zitternd auf ihren Lebensgefährten. Hübsch angezogen, in der Hoffnung, dass ihre Aufmachung ihn auf andere Gedanken bringt. Denn sie weiß, was sie erwartet. Prügel.

Und so kommt es tatsächlich. Stu ist total betrunken. Er beschimpft sie aufs Übelste und schlägt sie zusammen. Die verängstigten Kinder hören alles mit. Als Stu sich dem Zimmer nähert, in dem sie ängstlich aneinander gekauert sitzen, geraten sie in Panik. Aber er schafft es nicht ins verriegelte Zimmer zu dringen.

Alles im Haus ist still. Vorsichtig wagen sich die Beiden heraus. In der Küche liegt die Mutter. Die Kinder können keinen Puls finden. Stu liegt schlafend im Bett. Doch dann hören sie, wie er sich rührt.

Der 16jährige Drew ist sehr klein für sein Alter. Klein, ängstlich und schüchtern. Doch er weiß, dass er seine kleine Familie verteidigen muss. Er nimmt Stus Revolver und tötet ihn. Als die Polizei eintrifft lässt er sich widerstandslos mitnehmen. Er ist wie in einer Trance.

Der Anwalt Jake wird gebeten den Jungen zu verteidigen, eine aussichtslose Aufgabe, die ihn seinen Ruf in der Kleinstadt kosten wird. Da Stu Polizist war, geht es um die Todesstrafe. Kaum jemand ahnt, wie sehr Drews Familie unter dem gewalttätigen Mann leiden musste. Jake wird bedroht und geächtet, weil er einen Mörder verteidigt. Dazu hat er große finanzielle Probleme, und ein anderer Fall, der Geld für die Kanzlei einbringen sollte, trifft auf unerwartete Schwierigkeiten. Alles scheint für Jake zusammenzubrechen. Er verliert jede Hoffnung.

Dieser Justizroman ist, wie die meisten von Grishams Büchern, sehr gut geschrieben, mit sympathischen Charakteren. Die Handlung wirft wichtige Fragen auf – muss ein Mörder in jedem Fall bestraft werden? Darf Erwachsenenrecht auf Jugendliche angewandt werden? Kann es eine Rechtfertigung für die Todesstrafe geben?

Mit fast 700 Seiten ist dieses Buch ein dicker Schmöker, dabei gibt es einige Längen. Die Geschichte ist eigentlich gut und spannend, doch hätten deutlich weniger Seiten gereicht, um sie zu erzählen. Enttäuschend ist auch das Ende, denn die wichtigsten Fragen bleiben offen.

Fazit: Ein gewohnt gutes Buch aus der Feder Grishams. Es ist schön, wie er wichtige Fragen der Moral mit einer guten Handlung verbindet. Trotz einiger Längen und einem unbefriedigenden Schluss sehr empfehlenswert!