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Veröffentlicht am 14.12.2021

Tolle Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart

A. S. Tory und die verlorene Geschichte
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Mich hat das Cover des Buchs schon auf den ersten Blick fasziniert, weil sich darin schon Vergangenheit und Gegenwart zu vermischen scheinen und obwohl ich den ersten Teil des Buches nicht kenne, bin ich ...

Mich hat das Cover des Buchs schon auf den ersten Blick fasziniert, weil sich darin schon Vergangenheit und Gegenwart zu vermischen scheinen und obwohl ich den ersten Teil des Buches nicht kenne, bin ich gleich neugierig geworden.

Die Handlung ist sehr gut auch ohne die Kenntnis des ersten Teils zu verstehen, da die Geschichte in sich abgeschlossen ist und alles, was man dennoch wissen sollte, wird kurz und leicht verständlich erklärt.
Der 16-Jährige Sid und seine gute Freundin Chiara, die in Italien bei ihrem Vater lebt, bekommen einen geheimnisvollen Auftrag von Mr. Tory, den sie bereits früher kennen gelernt haben, dessen wahre Identität sie aber nicht kennen.

Sie sollen ein Rätsel aus dessen Vergangenheit lösen, das sie nicht nur in das alte jüdische Ghetto Venedigs führt, sondern auch nach Wien und in die Neonaziszene Berlins.

Dem Autor gelingt es geschickt, die geheimnisvolle Vergangenheit des ominösen Mr. Tory mit aktuellen Geschehnissen der Gegenwart zu verknüpfen und zu zeigen, was geschieht, wenn man die Fehler historischer Katastrophen nicht reflektiert, sondern wiederholt. Das Geheimnis der alten Geschichte ist erschütternd und bewegend.

Die beiden jugendlichen Hauptfiguren Sid und Chiara geraten dabei in so manche brenzlige Situation und zeigen gleichzeitig auch, welche Rolle eine reflektierte Jugend in der Aufarbeitung der Vergangenheit einnehmen kann.

Ich würde den Roman interessierten jungen Leuten empfehlen, die bereit dazu sind, sich mit der Vergangenheit und ihren Auswirkungen auf die Gegenwart und Zukunft zu beschäftigen und die gleichzeitig erkennen, dass das sinnlose Nachbrüllen antisemitischer und rassistischer Parolen zu menschlichen Tragödien in unglaublichen Ausmaß führen kann. Außerdem ist es auch für Erwachsene Leser*innen interessant.

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Veröffentlicht am 13.12.2021

Ein Feuerwerk für die Liebe

Unsere Zeit ist immer
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Minnie Cooper hat es nicht leicht. Schon ihre Geburt steht unter keinem guten Stern, denn wäre sie nur eine Minute früher auf die Welt gekommen, hätte sie einen wunderschönen Namen und ihre Eltern 50.000 ...


Minnie Cooper hat es nicht leicht. Schon ihre Geburt steht unter keinem guten Stern, denn wäre sie nur eine Minute früher auf die Welt gekommen, hätte sie einen wunderschönen Namen und ihre Eltern 50.000 Pfund erhalten. Seit diesem Tag glaubt sie sich von einem Fluch verfolgt, der sie immer in der Silversternacht und am 1 Januar heimsucht, sodass sie diese Schicksalsnacht am liebsten im Bett verbringt. Eines Tages begegnet sie jedoch an ihrem Geburtstag dem jungen Mann, der damals kurz vor ihr geboren wurde, und der scheinbar ein perfektes Leben führt. Was sie auf gar keinen Fall möchte, ist, sich in ihn zu verlieben. Ob ihr das gelingen wird?

Der Roman „Unsere Zeit ist immer“ von Sophie Cousens ist Balsam für die Seele und ein Feuerwerk an witzigen Einfällen. Man leidet, hofft, bangt und freut sich mit der Protagonistin und die Geschichte geht ans Herz, ohne dabei flach oder banal zu sein. Nach und nach entdeckt man in Rückblicken, was die beiden Hauptfiguren Minnie und Quinn in der Vergangenheit schon alles erlebt haben und dass nicht alles unbedingt so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ein fester Fixpunkt des Romans bleibt immer die Silversternacht, in der sich kleine und mittlere Katastrophen ereignen, die die Leserinnen zum Lachen bringen, manchmal aber auch nachdenklich machen.

Ich selbst habe das Buch in einem Zug durchgelesen und habe mich so richtig wohl beim Lesen gefühlt. Deswegen vergebe ich die volle Zahl an Sternen. Ein Feuerwerk für die Liebe
Minnie Cooper hat es nicht leicht. Schon ihre Geburt steht unter keinem guten Stern, denn wäre sie nur eine Minute früher auf die Welt gekommen, hätte sie einen wunderschönen Namen und ihre Eltern 50.000 Pfund erhalten. Seit diesem Tag glaubt sie sich von einem Fluch verfolgt, der sie immer in der Silversternacht und am 1 Januar heimsucht, sodass sie diese Schicksalsnacht am liebsten im Bett verbringt. Eines Tages begegnet sie jedoch an ihrem Geburtstag dem jungen Mann, der damals kurz vor ihr geboren wurde, und der scheinbar ein perfektes Leben führt. Was sie auf gar keinen Fall möchte, ist, sich in ihn zu verlieben. Ob ihr das gelingen wird?

Der Roman „Unsere Zeit ist immer“ von Sophie Cousens ist Balsam für die Seele und ein Feuerwerk an witzigen Einfällen. Man leidet, hofft, bangt und freut sich mit der Protagonistin und die Geschichte geht ans Herz, ohne dabei flach oder banal zu sein. Nach und nach entdeckt man in Rückblicken, was die beiden Hauptfiguren Minnie und Quinn in der Vergangenheit schon alles erlebt haben und dass nicht alles unbedingt so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ein fester Fixpunkt des Romans bleibt immer die Silversternacht, in der sich kleine und mittlere Katastrophen ereignen, die die Leser
innen zum Lachen bringen, manchmal aber auch nachdenklich machen.

Ich selbst habe das Buch in einem Zug durchgelesen und habe mich so richtig wohl beim Lesen gefühlt.

Deswegen vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Erschreckend und bewegend

Das Schweigen brechen
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Erschreckend und bewegend

Es gibt Themen, die sind so unglaublich und so grauenvoll, dass man erst gar nicht darüber spricht, weil jede Thematisierung unangenehm ist.

Hierzulande wird ca. jedes zehnte ...

Erschreckend und bewegend

Es gibt Themen, die sind so unglaublich und so grauenvoll, dass man erst gar nicht darüber spricht, weil jede Thematisierung unangenehm ist.

Hierzulande wird ca. jedes zehnte Kind bis zum Teenageralter mindestens einmal Opfer sexueller Gewalt, in jeder Klasse haben wir also statistisch gesehen 3 betroffene Opfer.
Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher. Das liegt vor allem daran, dass die Opfer schweigen, ihre Leiden oft nicht greifbar sind, man vielleicht irgendwie den Verdacht hat, dass etwas nicht stimmt, aber nicht erkennen kann, was eigentlich geschieht. Und falls wirklich ein Opfer sich wagt, zu sprechen, muss es sich (ebenfalls statistisch gesehen) an 7 verschiedene Personen wenden, bis die Anschuldigung ernst genommen werden und endlich irgendwer versucht, zu helfen.
Die Autorin teilt mit uns ihre grauenvolle und bewegende Geschichte, die Fassungslosigkeit und Entsetzen auslöst. Sie selbst wurde seit dem Alter von 7 Jahren schwer sexuell missbraucht, von der eigenen Familie aber auch von Fremden mit Wissen und unter Organisation der Eltern. Sie versucht, ihr schweres Trauma mit Hilfe ihrer Biographie zu verarbeiten und schreibt sich von der Seele, was sie erleben musste.
Wir lernen die Strategien der Täterinnen kennen, die den Wunsch nach Liebe und Geborgenheit eines kleinen Mädchens ausnutzen und es durch Gewalt und seelische Grausamkeit brechen. Zum Schweigen verdammt, wächst Gisela zu einer zutiefst verunsicherten und gebrochenen Frau heran, die nicht in der Lage ist, ein erfülltes Leben zu führen.
Eindringlich schildert die Autorin, wie sie versucht, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben und wie viel Kraft es sie kostet, ihr jahrzehntelanges Schweigen zu brechen und ihr Trauma aufzuarbeiten. Die Misshandlungen ihrer Kindheit sind auch für die Leser
innen nahezu unerträglich und die Taten sowie auch die Tatenlosigkeit der Erwachsenen skandalös.
Wir wissen heute, dass die meisten Kinder, denen ähnliche Dinge widerfahren sind, nicht in der Lage sind, sich zu offenbaren und wenn überhaupt, erst als Erwachsene über den Missbrauch sprechen können. Der Druck der Täter, Angst und persönliche Abhängigkeiten sind oft zu stark. Außerdem wissen die meisten nicht einmal, was ihnen geschieht, weil das Urvertrauen in die Täter, wenn sie aus der eigenen Familie stammen, ihnen vermittelt, dass das alles wohl "normal" sei.
Umso mehr können wir alle aus dem Buch lernen. Lernen, genauer hinzusehen, nachzufragen, einen Verdacht nicht zu ignorieren und Kindern zuzuhören. Wir müssen ihnen Glauben schenken, wenn sie zu uns sprechen, wir dürfen nicht zulassen, dass so etwas in unserer Nähe geschieht und wir dürfen nicht akzeptieren, dass Täter unbehelligt bleiben.
Was mich besonders entsetzt hat, ist die riesige Anzahl der Täter in dem Buch, die mich befürchten lässt, dass Pädophilie so viel häufiger in unserer Gesellschaft anzutreffen ist, als man das erwarten würde. Oder hatte Gisela nur unfassbares Pech, wenn sie gleichzeitig Opfer von Vater, Mutter, Stiefvater und Arbeitskollegen ihres "Papis" wird? Ich kann das fast nicht glauben und denke, dass im Verborgenen noch viel mehr unerkannte Täter leben.

Fazit: Das Buch ist wichtig, um uns die Augen zu öffnen, aber es ist grausam und es tut weh zu lesen, was Erwachsene der kleinen Gisela angetan haben. Dennoch sind solche Bücher nötig, um uns dazu zu zwingen, hinzuschauen.

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Brillant erzählt

Blau-Auge
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Brillant erzählte Reise eines Edelsteins
Die außergewöhnliche Geschichte eines wertvollen Edelsteins, brillant erzählt von Jasna Mittler

Hanna hat ihren Vater verloren und kehrt mit einem Versprechen ...

Brillant erzählte Reise eines Edelsteins
Die außergewöhnliche Geschichte eines wertvollen Edelsteins, brillant erzählt von Jasna Mittler

Hanna hat ihren Vater verloren und kehrt mit einem Versprechen zurück in ihr ehemaliges Elternhaus. Sie möchte eine Skulptur eines französischen Gelehrten fertigstellen, die ihr Vater begonnen hat, aber nicht mehr vollenden konnte. Bald schon macht sie zufällig eine ungewöhnliche Entdeckung und begibt sich auf die Spuren eines lange verschollenen Edelsteins.

Jasna Mittler erzählt in "Blauauge" unter anderem einfühlsam die Geschichte einer Verbindung zwischen Vater und Tochter, die von Konflikten, aber auch tiefer Liebe geprägt ist. Sprachlich nimmt sie den Leser mit in die Welt einer Kunst, die den wenigstens vertraut sein dürfte, beim Lesen konnte ich den Basalt förmlich spüren und den Staub der bearbeiteten Skulptur riechen. Die Handlung des Romans entführt uns in verschiedene Jahrhunderte, die geschickt durch das Motiv des Edelsteins und der Bildhauerei verbunden werden und wir verfolgen die Geschichte "Blauauges" parallel zum Schicksal Hannas und erhalten so Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten und Protagonistinnen. Die Autorin vermischt hierbei reale historische Persönlichkeiten und Ereignisse geschickt mit Fiktion und dezenten fantastischen Elementen, die aus dem Roman etwas ganz Besonderes machen.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für Freunde schöner Sprache und Literatur, die auch mal etwas anspruchsvoller sein darf. Hier erwartet uns keine actionreiche Handlung, sondern eine fein ausgearbeitete Geschichte mit zahlreichen Facetten.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Das Jenseits mal ganz anders

Khendra - Eine Erzählung zwischen Himmel und Hölle
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Es ist schwer zu beschreiben, was der „Roman“ des Autors Pete Snyder eigentlich ist, denn er ist schwer in irgendeine Kategorie einzuordnen. Nicht nur dieser Umstand macht das Werk zu einem sehr ungewöhnlichen ...

Es ist schwer zu beschreiben, was der „Roman“ des Autors Pete Snyder eigentlich ist, denn er ist schwer in irgendeine Kategorie einzuordnen. Nicht nur dieser Umstand macht das Werk zu einem sehr ungewöhnlichen Buch.

Der Inhalt ist dabei schnell erzählt: Peter, ein alternder Herr, verstirbt ganz plötzlich und findet sich nach seinem Ableben in einer sehr merkwürdigen jenseitigen Welt wieder, die ihn an seine Grenzen bringt. Nach und nach lernt er aber mit der Hilfe Khendras, einer Frau, die förmlich aus dem Nichts erscheint, was er im vergangenen Leben und im Leben nach dem Tod falsch gemacht hat bzw. verbessern kann.

Der Autor erzählt sprachlich gewitzt und mit viel Humor davon, wie das Leben nach dem Tod aussehen könnte. Dabei betrachten die Hauptprotagonisten für die Leser und Leserinnen sehr gut verständlich Fragen nach dem Sinn des Lebens und wir begleiten den verstorbenen Peter auf seiner Suche nach dem, was Zufriedenheit und Glück wirklich ausmacht. Die Figuren sind ansprechend gezeichnet, in Peters Lebensart und seinen Sprüchen wird sich manch einer gut wiedererkennen, das macht diesen Charakter so nahbar und seine Erlebnisse so gut nachvollziehbar.

Khendra wirkt dabei wie sein guter Geist, die Stimme der Weisheit und der Wahrheit und Helferin in größter Not.

Das Buch gibt beim Lesen viele Denkanstöße (Was wollen wir überhaupt erreichen? Wie wollen wir leben? Welche Kraft steckt in uns selbst?), befasst sich mit ernsten und wichtigen Themen, behandelt aber all diese Aspekte immer mit einer gehörigen Portion Humor, sodass beim Lesen keine trübsinnige Stimmung aufkommt.

Am Ende bleiben wir versöhnt zurück und haben auf jeden Fall Tips bekommen, wie wir unser Leben auch VOR dem Tod besser führen können.

Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung.

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