Profilbild von julemaus94

julemaus94

Lesejury Star
offline

julemaus94 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit julemaus94 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.12.2021

Ruhig und poetisch

Der perfekte Kreis
0

Benjamin Myers "Offene See" hat letztes Jahr eine große Begeisterungswelle ausgelöst. Entsprechend groß waren die Erwartungen an sein nächstes Buch.

Allerdings klingt die Geschichte um Redbone und Calvert, ...

Benjamin Myers "Offene See" hat letztes Jahr eine große Begeisterungswelle ausgelöst. Entsprechend groß waren die Erwartungen an sein nächstes Buch.

Allerdings klingt die Geschichte um Redbone und Calvert, die sich regelmäßig die Nächte um die Ohren schlagen, um immer größere und komplexere Kornkreise zu erschaffen, auf den ersten Blick nicht besonders fesselnd. Und oberflächlich betrachtet nimmt die Erzählung auch nur sehr schwach Fahrt auf. Spannung oder Aufregung sucht man hier vergeblich.

Zum Glück überzeugt der Autor erneut mit seiner wunderschönen poetischen Sprache. Es geht weniger um das, was als um das, wie erzählt wird. Zudem werfen die beiden vollkommen unterschiedlichen Männer in ihren Unteraltungen sehr interessante, zum Teil ernste Themen auf und regen dabei zum Nachdenken an.

An sein erstes Buch reicht es leider nicht mehr heran, trotzdem hat mir "Der perfekte Kreis" wirklich gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2021

Die Verantwortung der Freundschaft

Der Mauersegler
0

Jasmin Schreiber hat ein Händchen dafür, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und die verschiedenen Formen der Trauer in Worte zu kleiden.

Während ihr Debutroman diese Themen mit Humor und Situationskomik ...

Jasmin Schreiber hat ein Händchen dafür, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und die verschiedenen Formen der Trauer in Worte zu kleiden.

Während ihr Debutroman diese Themen mit Humor und Situationskomik aufgegriffen hat, wimdet sich "Der Mauersegler" diesen von einer eher ernsten Seite.

Prometheus und Jakob sind seit ihrer Kindheit engste Freunde, die Freundschaft hat sich im Erwachsenenalter zwar verändert, ist jedoch nicht weniger stark. Als Jakob an Krebs erkrankt wendet er sich natürlich an Prometheus, schließlich ist er Arzt und leitet zur Zeit eine passende Studie. Wie sehr sich diese Entscheidung auf ihrer beider Leben auswirkt, erzählt die Geschichte.

Das spannende dabei sind die immer wieder eingebundenen Rücklicke, man lernt die Freundschaft der beiden Männer von Kindesbeinen an kennen. Dabei bekommt man mehr und mehr das Gefühl, dass Jakob der emotional stärkere von beiden war und sich Prometheus Zeit seines Lebens immer auf ihn verlassen konnte.

Umso tiefer trifft es den Leser, Prometheus mit seinem Kummer kämpfen zu sehen. Jasmin Schreiber schafft es auf sehr gelungene Art, Emotionen und tiefgehende Gefühle zu vermitteln und zum Ausdruck zu bringen. Dabei blitzt immer wieder ein sehr feiner Humor hervor, ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen.

Die Figuren gefallen mir immer wieder sehr, da sie nie eindimensional wirken. Niemand ist grundsätzlich gut oder schlecht. Auch wenn Prometheus auf den ersten Blick kein sonderlich sympathischer Mann zu sein scheint, lernt man doch im Laufe der Geschichte auch seine weiche Seite kennen und schließt ihn langsam ins Herz.

Fazit:
Auch wenn das Buch nicht allzu dick ist, besitzt die Geschichte einen emotional packenden Tiefgang und trifft mitten ins Herz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2021

Kriminalistische Sozialkritik

Harlem Shuffle
0

Es sind die 1960er in New York, Ray Carney führt ein Möbelgeschäft in Harlem. Doch die Geschäfte laufen nicht besonders gut, weshalb er des Öfteren Sachen verkauft, die sein Cousin Freddy im Laden vorbei ...

Es sind die 1960er in New York, Ray Carney führt ein Möbelgeschäft in Harlem. Doch die Geschäfte laufen nicht besonders gut, weshalb er des Öfteren Sachen verkauft, die sein Cousin Freddy im Laden vorbei bringt. Diese kaum legalen Geschäfte ufern irgendwann immer mehr aus, bis er bis zum Hals im Mist steckt.

Colson Whitehead hat eine ganz besondere Art zu erzählen. Er bietet seinen Figuren sehr viel Raum zum Entfalten und Entwickeln, bezieht eine manchmal etwas überfordernde Anzahl an Figuren in seine Geschichte ein. Diesen Blick fürs Detail muss man mögen und genießen können.

Genauso schafft er es aber auch unheimlich gut, die Atmosphäre dieses turbulenten Kessel der Kulturen, das Harlem 1960 einzufangen und dieses Viertel im Kopf lebendig werden zu lassen.

Nicht zuletzt aber ist es immer wieder beeindruckend wie er Themen wie Alltagsrassismus und Sozialkritik einzubinden, das Bewusstsein des Lesers für diese Themen zu erregen.

Neu für den Autor (und auch für mich) war der kriminalistische Aspekt der Geschichte. Der ist ihm leider nicht ganz so gut gelungen, die Spannung lässt ab und zu etwas auf sich warten. Aber ich denke, dass dies auch nicht sein Hauptanliegen war, einen reißerischen Roman zu schreiben. Tatsächlich hat mir die Mischung letztlich wirklich gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2021

Verschiedene Blickwinkel

Wenn ich wiederkomme
0

Marco Balzano schafft es irgendwie immer wieder, Themen aufzugreifen, über die ich mir bisher noch überhaupt keine Gedanken gemacht habe; sei es, weil ich keine Berührungspunkte damit hatte oder weil ich ...

Marco Balzano schafft es irgendwie immer wieder, Themen aufzugreifen, über die ich mir bisher noch überhaupt keine Gedanken gemacht habe; sei es, weil ich keine Berührungspunkte damit hatte oder weil ich sie verdrängt habe. Die Geschichte der Pflegekräfte aus dem Osten, die ins Ausland auswandern um mit der Knochenarbeit, die bei uns niemand übernehmen möchte, ihre Familien zuhause versorgen, ist ein solches Thema.

Daniela lässt eines Nachts ihre Familie und ihre rumänische Heimat hinter sich, um in Italien als Pflegerin Geld zu verdienen und damit ihre Lieben daheim zu ernähren. Was diese Entscheidung sowohl für sie als Zurücklassende als auch für ihren Sohn und ihre Tochter als Zurückgelassene bedeutet, beleuchtet der Roman in drei Teilen.

Durch die wechselnde Perspektive wird die Erzählung besonders eindrücklich. Man erhält Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Beteiligten, entwickelt sowohl Verständnis für Manuels jugendlichen Trotz als auch für die Hilfslosigkeit und Verlorenheit Danielas, die sich in der neuen Stadt mit schwierigen Patienten und Verständnisbarrieren auseinandersetzen muss und dafür Verständnis und Anerkennung von der Familie erhofft, die ihr verwehrt bleibt.

Die Figuren bleiben für mich, obwohl die Einblicke teilweise sehr tiefgreifend sind, etwas unnahbar. Manchmal fehlen mir ein wenig die Emotionen. Und doch schafft es das Buch, eine gewisse Verbindung aufzubauen. Das Verständnis, das Daniela bei ihren Kindern sucht, findet sie zumindest bei mir.

Fazit:
Ein interessantes und wichtiges Thema, aus allen Blickwinkeln betrachtet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2021

24 Weihnachtskatastrophen

Morgen, Klufti, wird's was geben
0

Der Herr Inspektor Kluftinger scheint vielen ein Begriff zu sein, seine Kriminalgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit. Für mich war es eine gänzlich neue Erfahrung, um ehrlich zu sein hat mich das ...

Der Herr Inspektor Kluftinger scheint vielen ein Begriff zu sein, seine Kriminalgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit. Für mich war es eine gänzlich neue Erfahrung, um ehrlich zu sein hat mich das weihnachtliche Thema mehr angezogen als die Hauptfigur.

Herr Kluftinger steht kurz vor Weihnachten plötzlich alleine mit Besorgungen und Erledigungen da, nachdem seine Frau Erika von der Leiter gestürzt ist. Zu welchen Katastrophen sich seine Bemühungen auswachsen, wird schnell ersichtlich.

Die 24 kurze Kapitel lange Geschichte ist unterhaltsam und amüsant, solange man auf Klamauk steht und einen recht simplen Sinn für Humor hat. Fans von "Schöne Bescherung" werden auf ihre Kosten kommen und humoristische Parallelen entdecken, wer allerdings Wert auf political correctness legt, ist mit diesem Büchlein wirklich nicht gut beraten.

Besonders empfehlen kann ich, das Ganze als Hörbuch zu genießen. Die Vertonung einer Live-Lesung der beiden Autoren erweckt die Figuren erst so richtig zum Leben, die Interaktion mit dem Publikum trägt den Spaß nochmal auf eine neue Ebene und lädt ein zum Mitlachen.

Fazit:
Ob ich mir die Ermittlungsfälle des Herrn Kluftinger nun anschließend zu Gemüte führen werde, weiß ich noch nicht, mein weihnachtliches Herz hat es auf jeden Fall erfreut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere