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Veröffentlicht am 23.11.2021

Ein spannender Kriminalfall mit überzeugendem Lokalkolorit

Die Bildermacherin
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Der Titel dieses Krimis hatte mich neugierig gemacht und ich wollte wissen was sich unter dem Begriff einer "Bildermacherin" verstehen muss. Dieses Rätsel war, einmal mit Lesen angefangen, sehr schnell ...

Der Titel dieses Krimis hatte mich neugierig gemacht und ich wollte wissen was sich unter dem Begriff einer "Bildermacherin" verstehen muss. Dieses Rätsel war, einmal mit Lesen angefangen, sehr schnell gelöst und ich steckte mitten in einem mysteriösen Kriminalfall in Südtirol, genauer gesagt in Pfrunden. Stellte sich nach polizeilichen Ermittlungen bereits der Tod von Amalias Großmutter als Mord heraus so versetzte kurz darauf der gewaltsame Tod einer jungen Frau die ganze Dorfgemeinschaft in Aufruhr. Amalia, in dem kleinen Ort bei ihrer Großmutter aufgewachsen und mit den Dorfbewohnern und der Dorfstruktur bestens bekannt, stellt nicht nur eigene Nachforschungen und wird dabei mehr und mehr in Dorfereignisse hineingezogen, die weit in die Vergangenheit reichen und durch ihr Zutun nicht nur endlich ans Tageslicht gelangen sondern auch zur Klärung so mancher dörfliche Vorbehalte beitragen.
Dieser Krimi hat mich, obwohl ich dem Grunde nach kein Krimifan bin, von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Dies vor allem durch Amalia, mit der ich mich sofort identifizieren konnte und die mich vor allem durch die überzeugende Darstellung ihrer Rückkehr in die Dorfgemeinschaft und die nach wie vor bei ihr vorhandene Verbundenheit zu "Land und Leute" mitgerissen hat. Dem Autorinnenduo gelingt es gerade auch durch die Einbindung von Redebeiträgen einzelner Protagonisten in der gebräuchlichen Dialektform und der kenntnisreichen und mit interessanten Details versehenen Beschreibung eines üblichen Dorffestes dem Dorf und Dorfgeschehen gleichsam Leben einzuhauchen.
Überaus interessant und informativ, aber auch sehr bestürzend und berührend der Ausflug in die Geschichte Südtirols, insbesondere in den Kampf um Freiheit.
Für mich ein überzeugender, fesselnder und spannender Kriminalfall mit vielfachem und interessanten Lokalkolorit, wobei die Verbindung zwischen geschichtlichen Ereignissen und dem zu lösenden Fall ein besonderes highlight darstellt. Zumal mit Informationen über den Südtiroler Freiheitskampf aufgewartet wird, die außerhalb dieser Gegend alles andere als bekannt sein dürften.
Für diesen Kriminalroman eine ganz klare und eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Ein historischer Ausflug nach Helgoland

Die Insel der Wünsche - Stürme des Lebens
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Tine Tidkens, ein junges Mädchen, das mit mehreren Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen im Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts aufwächst, muss schon sehr früh zum Lebensunterhalt der gesamten Familie ...

Tine Tidkens, ein junges Mädchen, das mit mehreren Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen im Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts aufwächst, muss schon sehr früh zum Lebensunterhalt der gesamten Familie beitragen, da der Vater durch einen schrecklichen Unfall ums Leben kam. Dabei hat mich Tines "Geschäftsidee" sehr berührt: wandert sie doch in aller Frühe weit vor die Tore Hamburgs, um mit Hilfe von Blumen, Gräsern und zarten Zweigen kleine Blumensträußchen zu binden, die sie am Hafen den neu eintreffenden und betuchten Reisenden verkauft – ein für mich sehr emotionaler Beginn des Romans. Doch Tine ist inzwischen in einem Alter, das sie die Hoffnungslosigkeit ihrer Tätigkeit mehr und mehr erkennen lässt und durch Zufall auf eine erfolgversprechendere Arbeit auf der Insel Helgoland aufmerksam wird. Heimlich verlässt sie ihre Mutter und ihre Geschwister und wagt die Überfahrt nach Helgoland, wo sich zunächst alle und alles gegen sie verschworen erscheint. Dass und wie das Leben sie bis zur Ehefrau des Besitzers eines Grand-Hotels führt – eine ungemein spannende, ereignisreiche Lesereise.
Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte um die zunächst noch sehr junge Tine Tidkens in ihren Bann gezogen. Dabei ist es der Autorin auf eine ganz besondere Art gelungen, Tines Lebensumstände und –verhältnisse einfühlsam und mit sehr viel Empathie, mehrfach nur leicht anzudeuten als offen darzulegen. Es fällt nicht schwer, sich alles bildlich vorzustellen und auch aus Andeutungen wie z.B. über die Tätigkeiten der beiden älteren Schwestern die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, wodurch sich das Gesamtbild tragisch abrundet.
Man fühlt und leidet förmlich mit, wenn Tine sich die Überfahrt nach Helgoland wegen nicht ausreichender Barmittel durch Schwerstarbeit verdienen muss und kann ihre Freude, endlich auf Helgoland angekommen zu sein und wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, hautnah miterleben. Dass sich ihre berufliche Zukunft dann jedoch alles andere als erhofft gestaltet, und dies nicht nur wegen fehlender Kenntnisse, erstaunt nicht wirklich. Tines weiteres (Über-)leben auf Helgoland ist reich an unerwarteten und unverhofften Wendungen und Schicksalsschlägen. Manches wirkt zwar etwas konstruiert, wenn beispielsweise die herrschsüchtige und erbarmungslose Hausdame des Grand Hotel später vor Tine Abbitte tut – das ist der Autorin bei der kreativen Gestaltung des Lebensweges von Tine verziehen. Ebenso die fehlende Tiefe bei der Berücksichtigung der politischen Verhältnisse auf der Insel in dieser Zeit. Aber vollkommen ausreichend, um der fiktiven Geschichte um die junge Tine Tidsen Authentizität zu verleihen.
Der erste Ausflug mit bzw. zu Tine nach Helgoland hat mir so gut gefallen, dass ich liebend gerne noch zwei weitere Ausflüge unternehmen werde. Denn Tines Geschichte ist noch nicht bis zum Ende erzählt, zwei weitere Ausflüge, sprich 2 Folgebände, werden folgen

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Borkum ist immer eine Reise wert – auch wenn es sich nur um eine Lesereise handelt

Herzklopfen unterm Sternenhimmel
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Und wieder gelingt es der Autorin, mir zu einer zauberhaften und wunderschönen Auszeit auf der Insel Borkum zu verhelfen. Mit dem Tierarzt Hark und der alleinerziehenden Ella treffe ich dann auch gleich ...

Und wieder gelingt es der Autorin, mir zu einer zauberhaften und wunderschönen Auszeit auf der Insel Borkum zu verhelfen. Mit dem Tierarzt Hark und der alleinerziehenden Ella treffe ich dann auch gleich bekannte Figuren aus dem vorherigen Roman wieder. Und wieder entsteht die große Frage: wird aus der großen Jugendliebe vielleicht und endlich wieder ein Paar? Beide mit Altlasten aus vergangenen und beendeten Beziehungen vermeiden sie es tunlichst, sich über den Weg zu laufen bzw. vermeiden liebend gerne mögliche Begegnungen. Aber Amor hat andere Pläne, gegen die der menschliche Wille nichts auszurichten vermag. Als ob das sich mehr und mehr abzeichnende wieder-aufeinander-zugehen nicht schon genug amüsanten Lesespaß verspricht, sorgen auch die Mütter auf ihre ganz eigene Weise für Unterhaltung.
Harks Tätigkeit als Tierarzt sorgt mitsamt seinen Patienten für so manche interessante Abwechslung, ebenso wie Ellas unternehmerische Tätigkeit als Betreiberin einer beliebten Kneipe. Dass diese Kneipe letztendlich noch eine wichtige Rolle zufallen wird, kann gerne bereits jetzt verraten werden.
Auch wenn die Charaktere von Hark und Ella eine tragende und führende Rolle im Romangeschehen innehaben, so sorgen auch die Nebencharaktere für ein gelungenes und stimmiges Gesamtbild. Natürlich nicht zu vergessen die Einbindung der Nordseeinsel Borkum, die zu einem ganz besonderen Flair beiträgt.
Auf alle Fälle fühlt man sich im Kreise von Ella, Hark und ihren zwei- und vierbeinigen Freunden sehr wohl und verlässt am Ende des Romans nur ungern Insel und Menschen. Aber mit der großen Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen bzw. Wiederlesen.
Der Roman eignet sich hervorragend, um Alltagsstress zu entfliehen und sich ein Stück weit verwöhnen zu lassen. Liebend gerne mehr von und über Ella und Hark!

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Aufregende Zeiten und Schicksalsschläge auf Falkenbach

Der Bund der Familien
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Und wieder kehrt man zurück zu altbekannten Freunden - oder auch Feinden? – der Familien Lehmann und von Falkenbach. Wilhelm Lehmann, der noch immer unter den Folgen seines Schlaganfalls leidet und maßlos ...

Und wieder kehrt man zurück zu altbekannten Freunden - oder auch Feinden? – der Familien Lehmann und von Falkenbach. Wilhelm Lehmann, der noch immer unter den Folgen seines Schlaganfalls leidet und maßlos enttäuscht und hintergangen von seinem Sohn Leopold, verkauft zum maßlosen Erstaunen aller seine Fabrik für einen eher symbolischen Betrag an Paul-Friedrich von Falkenbach. Eine überraschende und doch verständliche Entscheidung, deren Hintergrund den übrigen Familienmitgliedern jedoch verborgen bleibt.
Nicht die einzige Überraschung in diesem Band, denn auch bei Elisabeth, voller Vorfreude auf die Geburt ihres ersten Kindes, nimmt das Schicksal seinen Lauf und sorgt für eine große Überraschung, die auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen darf bzw. von der Gauleiter Langenmüller kein Sterbenswort erfahren darf.
Und wieder gelingt es der Autorin, mit Hilfe der fiktiven Familien von Falkenbach und Lehmann ein Kapitel deutscher Geschichte im und mit dem damaligen Alltag zum Leben zu erwecken. Dabei reich an interessanten und unterschiedlichen Charaktere, denen man ohne weiteres eine überzeugende Glaubwürdigkeit attestieren kann. Mit deren Hilfe man auf eine sehr ergreifende, berührende aber auch nachvollziehbare Art den Einzug der grauenhaften Naziherrschaft in die damalige Bevölkerung und dabei alle Gesellschaftsschichten verfolgen kann. Und dabei auch verstörende Blicke in die abgrundtiefe Verachtung und den Hass, gerade in der Person des Gauleiters, die maßgebend und in beherrschender Anzahl zu dem beigetragen haben, was sich in den nächsten Jahren ereignete. Kaum vorstellbar und doch Fakten.
Eine gelungene Fortsetzung, die nahtlos an den zweiten Band anschließt. Wobei die mit dem Erscheinen verbundene Wartezeit des dritten Bandes die bisherigen Ereignisse zum Teil nicht mehr vollumfänglich präsent sind. Dies wurde von der Autorin durch die geschickte Verknüpfung und Verpflechtung der wichtigsten Ereignisse aus den Vorbänden in die aktuellen Abläufe gelöst. Ein sehr wichtiger und erwähnenswerter Bestandteil, der nicht unerwähnt bleiben soll.
Ein überzeugender und gelungener Ausflug in vergangene Zeiten, mit lebensechten Charakteren und einer realistischen Entwicklung – sowohl was die Protagonisten angeht als auch den Verlauf der Ereignisse.

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Veröffentlicht am 21.11.2021

Ein mutiger Kampf gegen gesellschaftliche Konventionen

Träume von Freiheit - Ferner Horizont
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Silke Böschen widmet auch ihren zweiten Roman über die Träume nach Freiheit einer jungen Frau im Deutschland des 19. Jahrhunderts: Florence de Meli. Jung, hübsch, charmant, offen, freundlich, lebensfroh ...

Silke Böschen widmet auch ihren zweiten Roman über die Träume nach Freiheit einer jungen Frau im Deutschland des 19. Jahrhunderts: Florence de Meli. Jung, hübsch, charmant, offen, freundlich, lebensfroh zählt durch die Heirat mit ihrem recht betuchten, allerdings auch deutlich älteren Ehemann zur gehobenen Gesellschaftsschicht Dresdens. Sie liebt und genießt Einladungen und bereichert mit ihrer unverfälschten und fröhlichen Art jede Veranstaltung. Obwohl noch recht jung, ist sie bereits Mutter von zwei Kindern, die sie heiß und innig liebt, bereitet ihr die damals herrschende Erziehungsmethode gerade des ersten männlichen Nachkommen und potentiellen Erben durch ihren Ehemann großen Kummer. Dies nicht der einzige Konfliktpunkt in der Ehe zwischen Florence und Henri, da es dessen Mutter Antoinette, fest verhaftet und verwurzelt in der im 19. Jahrhundert geltenden Erwartungshaltung an verheiratete (junge) Frauen, gelingt ihren negativen Einfluss auf ihren Sohn mehr und mehr auszubauen. Und letztendlich dazu führt, dass auf ihr Betreiben die junge Florence nicht nur entmündigt, sondern gleichzeitig auch in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird. Dass Florence nicht aufgibt, ihr die Flucht nicht nur aus dieser Anstalt sondern bis nach Amerika gelingt und von diesem sicheren Aufenthaltsort dann den gerichtlichen Kampf um eine Scheidung und das Sorgerecht für ihre Kinder aufnimmt: ein ungemein spannender und fesselnder, aber auch ein berührender mit sehr viel Einfühlungsvermögen geschriebener Roman, der zudem auf Tatsachen beruht und gerade vor diesem Hintergrund mehrfach Fassungslosigkeit beim Lesen erzeugt.
Dank hervorragender, detailreicher und umfangreichen Recherchen, die von der Autorin im Nachwort ihres Romans sehr aufschlussreich erklärt werden, berührt die (reale) Geschichte um Florence de Meli auf ganz besondere Weise. Einmal mehr gelingt es der Autorin, die Stellung von Frauen im 19. Jahrhundert auf eine besonders eindrückliche Weise darzustellen. Die bereits bekannte Gedankenwelt und gelebte Erwartungshaltung gerade von Mitgliedern der gehobenen Gesellschaftsschicht mit Hilfe dieses Einzelschicksals auf eindrückliche Weise mit Leben zu erfüllen und gleichsam daran teilhaben zu können – eine überaus gelungene Darstellung, in der zudem sehr gekonnt und überzeugend Fakten und Fiktion zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt wurden. Eine interessanter und wichtiger Beitrag über eine Frau, die es wagte, den Kampf gegen Familie und Gesellschaft aufzunehmen.

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