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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2021

Trügerisches Paradies

Rue de Paradis
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In Luc Verlains 5. Fall darf er wieder in seiner Heimat, rund um Bordeaux und Arcachon ermitteln.
Die Halbinsel Cap Ferret vor der Bucht von Arcachon ist ein wahres Paradies. Doch die Häuser in der Rue ...

In Luc Verlains 5. Fall darf er wieder in seiner Heimat, rund um Bordeaux und Arcachon ermitteln.
Die Halbinsel Cap Ferret vor der Bucht von Arcachon ist ein wahres Paradies. Doch die Häuser in der Rue du Paradis, einer Straße zwischen Ozean und Austernbucht, hätten dort eigentlich nie gebaut werden dürfen. Das rächt sich eines Nachts bei einer schweren Sturmflut, die viele Häuser überschwemmt und zerstört und auch ein Menschenleben kostet.
Die französische Regierung entscheidet, dass alle Häuser abgerissen werden müssen und die Bewohner umgesiedelt werden. Doch die Bewohner wollen das nicht hinnehmen und setzen sich zur Wehr. Erschwerend kommt hinzu, dass ausgerechnet das Haus des einflussreichen Bürgermeisters stehen bleiben darf, da es etwas erhöht gebaut wurde. Nun soll Luc Verlain zwischen Regierung und den aufgebrachten Bewohnern vermitteln, doch eine neue Sturmflut schneidet die Halbinsel vom Festland ab. Und dann treibt der Bürgermeister tot im Wasser. Als Täter kommt also nur ein Bewohner der Rue du Paradis in Frage. Das scheinbare Paradies erweist sich immer deutlicher als ein Geflecht aus Lügen, Neid und lang gehüteten Geheimnissen, das Luc entwirren. Muss.
Luc Verlain zeigt sich hier in Topform. Zeitweise wird er unterstützt durch seinen Vater, der die Gegend und ihre Bewohner wie seine Westentasche kennt. Anouk erwartet ihr Baby, das ausgerechnet in der Sturmnacht zur Welt kommen will, was der Geschichte eine weitere dramatische Note verleiht. Die vom Festland abgeschnittene Halbinsel erinnert etwas an Agatha Christie, da der Täter sich vor Ort befinden muss, was die Täter- und Motivsuche besonders knifflig und spannend macht.

Veröffentlicht am 28.11.2021

Für Kenner der Reihe top

Die Früchte, die man erntet
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Im 7. Band der Reihe des genialen Autorenduos Hjorth und Rosenfeldt ist der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman, der nun wahrlich kein Menschenfreund ist, endlich zur Ruhe gekommen. Zu seiner Tochter ...

Im 7. Band der Reihe des genialen Autorenduos Hjorth und Rosenfeldt ist der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman, der nun wahrlich kein Menschenfreund ist, endlich zur Ruhe gekommen. Zu seiner Tochter Vanja hat er inzwischen ein einigermaßen gutes Verhältnis und er genießt besonders die Zeit, die er mit seiner Enkelin Amanda verbringen darf. Die schlimmen Alpträume, die ihn seit dem Verlust seiner Frau und seiner Tochter beim Tsunami 2004 allnächtlich plagten, suchen ihn nur noch selten heim. Aus der Reichsmordkommission ist er ausgeschieden, dafür arbeitet er als Psychologe und Therapeut, was ihn allerdings eher langweilt. Als ihn jedoch ein Australier aufsucht, um seine Erlebnisse während des Tsunamis 2004 zu verarbeiten, werden alte Wunden wieder aufgerissen.
Vanja Lithner hat inzwischen die Leitung der Reichsmordkommission übernommen und steht vor ihrem ersten, schwierigen Fall. In der beschaulichen schwedischen Kleinstadt Karlshamn werden innerhalb weniger Tage drei Menschen von einem Heckenschützen erschossen. Die Opfer scheinen keinerlei Verbindung zueinander zu haben.
In diesem Fall wissen wir als Leser mehr als die Ermittler, da uns die Täter in einer Nebenhandlung vorgestellt werden. Spannend ist dies dennoch, da die Motive der Täter erst nach und nach erläutert werden.
Im letzten Drittel des Krimis wendet sich der Fokus Billy zu, IT-Spezialist der Reichsmordkommission und Vanjas bester Freund. Er hütet ein düsteres Geheimnis, das nur Sebastian kennt. Jetzt, wo Billy bald Vater von Zwillingen wird, will er mit seiner dunklen Vergangenheit abschließen, doch das ist nicht so einfach, und Sebastian behält Billy immer im Auge…..
Nach einer langen Pause hat mich dieser 7.Band des schwedischen Autorenduos wieder begeistert. Die Figuren gehen neue Verbindungen ein und entwickeln sich stetig weiter. Dazu sollte man allerdings die Vorgängerbände gelesen haben, um die persönlichen Konflikte und Verwicklungen zu durchschauen. Die Krimihandlung ist wie immer geschickt konstruiert und hochspannend. Und am Ende verraten uns zwei Cliffhanger, dass man auf den nächsten Band sehr gespannt sein darf.

Veröffentlicht am 19.09.2021

Kein Krimi

1981
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Die Bezeichnung ,,Krimi“ wird diesem Roman meiner Meinung nach nicht gerecht, auch wenn es durchaus spannend zugeht.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, 2001 und 1981 in Argentinien. Inspector Joaquín ...

Die Bezeichnung ,,Krimi“ wird diesem Roman meiner Meinung nach nicht gerecht, auch wenn es durchaus spannend zugeht.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, 2001 und 1981 in Argentinien. Inspector Joaquín Alzada möchte eigentlich bald in den Ruhestand gehen, ist aber aufgrund der Ebbe in der staatlichen Rentenkasse gezwungen, weiterzuarbeiten. Als eine Leiche auf einer Müllhalde gefunden wird und zeitgleich eine junge Frau aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien der Stadt verschwindet, wird Alzada an das Verschwinden seines jüngeren Bruders im Jahre 1981 erinnert. Zur Zeit der Militärdiktatur war dieser politisch aktiv, bis er eines Nachts mitsamt seiner Frau verhaftet wurde. Nur der kleine Sohn, Alzadas Neffe, konnte sich verstecken und lebt seit dieser Zeit bei Inspector Alzada und seiner Frau Paula. Durch die wechselnden Zeitebenen erfährt der Leser nur ganz allmählich, was sich vor 20 Jahren ereignet hat und welche schmerzhaften Erinnerungen Alzada nun dazu bringen, sich nicht mehr wegzuducken.
Die Figuren wachsen einem nach und nach ans Herz, auch wenn Alzada nicht immer ein Sympathieträger ist. Die Autorin versteht es in ihrem Debütroman vorzüglich, Zeitgeschichte spannend, authentisch und bildhaft zu vermitteln.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Filmreif

Das dunkle Herz von Palma
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Eng anknüpfend an den ersten Band ,,Verschollen in Palma", den man unbedingt vorher gelesen haben sollte, ist der schwedische Privatdetektiv Tim Blanck in ,,Das dunkle Herz von Palma“ weiter verzweifelt ...


Eng anknüpfend an den ersten Band ,,Verschollen in Palma", den man unbedingt vorher gelesen haben sollte, ist der schwedische Privatdetektiv Tim Blanck in ,,Das dunkle Herz von Palma“ weiter verzweifelt auf der Suche nach seiner Tochter Emme. Vor inzwischen fast 5 Jahren ist das damals 16-jährige Mädchen in der Partyhochburg Magaluf verschwunden. Ein Hinweis, dass sie bei einem Unfall ums Leben gekommen sei, beendete Tim Blancks rastlose Suche. Doch nun gibt es neue Informationen und für Blanck und seine Frau, die sich einander wieder etwas angenähert und sich mit dem Tod Emmes fast schon abgefunden hatten, beginnt eine neue Phase der Entfremdung und der Zerrissenheit. Blanck kehrt nach Mallorca zurück und taucht in die dunkelsten Hinterhöfe und schlimmsten Etablissements ein, um nach seiner Tochter zu suchen. Dabei überschreitet er so manche legale oder moralische Grenze, da er gezwungen ist, mit der Mafia zu kooperieren, um an Hinweise zu gelangen.
Kallentofts Schreibstil ist geprägt von schnellen Schnitten und abrupten Wechseln und wirkt dadurch atemlos und spannungsgeladen, ja fast schon filmreif!

Veröffentlicht am 30.04.2021

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück….

Die Erfindung der Sprache
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Adam ist ein besonderer Junge, der in einer besonderen Familie und auf einer besonderen Insel aufwächst.
Platteoog ist ein kleines, abgeschiedenes Inselidyll, von dem Oda eigentlich wegziehen will. Als ...

Adam ist ein besonderer Junge, der in einer besonderen Familie und auf einer besonderen Insel aufwächst.
Platteoog ist ein kleines, abgeschiedenes Inselidyll, von dem Oda eigentlich wegziehen will. Als dann aber Hubert auftaucht, um den Leuchtturm zu restaurieren, verlieben sich die beiden und bekommen bald Adam. Dieser beginnt erst mit zwei Jahren zu sprechen, dann aber gleich in Mehrwortsätzen. Nicht nur seine Großeltern kümmern sich liebevoll um ihn, auch die ganze Inselgemeinschaft nimmt Anteil an Adams Entwicklung.
Adam tut sich schwer mit sozialen Kontakten und unvorhergesehenen Ereignissen, hat dafür aber einen ganz besonderen Bezug zur Zahl Sieben. Zudem liest er schon bald Bücher über Themen, die so manchem Erwachsenen schwerfallen dürften. Diese autistischen Züge Adams werden in diesem Roman jedoch sehr liebenswert und unterhaltsam geschildert. Zum Vater Hubert, der ähnlich veranlagt scheint, hat Adam eine besondere Beziehung. Und die tschechische Großmutter Leska hat bei Problemen immer eine besondere Leckerei, die Abhilfe schaffen kann.
Als kurz nach Adams 13. Geburtstag der Vater Hubert allerdings von seiner Pilgerreise nach Santiago die Compostela nicht mehr zurückkehrt und spurlos verschwunden ist, bricht das Familienglück auseinander. Viele Jahre später, Adam ist inzwischen Dozent für Sprachwissenschaften, stößt er auf ein Buch mit dem Titel ,,Die Erfindung der Sprache“. Darin findet er Hinweise auf seinen Vater. Adam, der nichts mehr verabscheut als Ortswechsel und Überraschungen, begibt sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater. Dieses Reiseabenteuer fordert viel Mut und Selbstüberwindung von Adam, führt ihn quer durch Deutschland, nach Prag, und bis in die entferntesten Winkel der Bretagne.
,,Die Erfindung der Sprache“ ist nicht nur ein großartiger Roman, der eine Familiengeschichte geschickt mit der Zeitgeschichte verknüpft, sondern auch sprachlich ein Genuss.