Profilbild von holdesschaf

holdesschaf

Lesejury Star
offline

holdesschaf ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit holdesschaf über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2021

Spannende Vergangenheitsbewältigung

Das Geheimnis
0

Ulla wurde 1969 mit neun Jahren von ihrer Mutter Helga, einer Künstlerin, welche in einer Kommune auf dem Moarhof lebte, zum Vater abgeschoben. Die Werk und Installationen von Helga waren immer recht düster ...

Ulla wurde 1969 mit neun Jahren von ihrer Mutter Helga, einer Künstlerin, welche in einer Kommune auf dem Moarhof lebte, zum Vater abgeschoben. Die Werk und Installationen von Helga waren immer recht düster und niemand verstand wirklich das Motiv hinter der Kunst. Jahrelang litt Ulla unter der Zurückweisung ihrer Mutter und obwohl sie es besser machen will, hat auch sie Probleme mit ihrer Tochter. Im Sommer 2020 beschließt Ulla ein paar Tage in dem alten Häusl ihrer Mutter auf dem nun umgebauten Hof an Chiemsee zu verbringen und ahnt noch nicht, dass dort etwas wartet, das ihr das Geheimnis von Helga offenbaren wird.

Schon beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Das ist genau das richtige Buch für mich! Geheimnisse in der Vergangenheit, die nur darauf warten von mir gelüftet zu werden. Ich war sofort von der zunächst ruhigen, aber subtil spannenden Schreibweise gefesselt. Ellen Sandberg erzählt in mehreren Zeitebenen und aus der Perspektive unterschiedlicher Personen, so dass man der Lösung nur Stück für Stück näher kommt, immer ahnend, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Die ganze Zeit ist da das Gefühl einer Bedrohung in der Vergangenheit und man möchte gar nicht aufhören zu lesen, um endlich zu erfahren, welches Ereignis dazu geführt hat, dass Helga ihre Tochter ablehnte.

Überhaupt geht es auch viel um Mutter-Tochter-Beziehungen, Frauenbilder und darum, was man mit dem Leben noch anfängt, wenn man älter wird. Die Handlungen und Gedanken der Personen fand ich dabei sehr glaubwürdig und authentisch, eben weil sie nicht so sympathisch und perfekt waren, so dass ich mir vorkam wie jemand, der ganz nah dabei ist. Ich hab das Buch dann auch in einem Rutsch durchgelesen. Trotz oder gerade wegen der ganzen in der Vergangenheit schlummernden schrecklichen Geheimnisse habe ich mich total gut unterhalten gefühlt, daher gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2021

Wunderschön gestaltetes Betthupferl

Mias kleine Schlafmusik
0

Für die kleine Mia ist es Zeit ins Bett zu gehen. Doch natürlich fallen ihr noch ganz viele Sachen ein, die sie machen möchte. Da hört sie ein Geräusch aus dem Garten. Was war das wohl? Mia kommt beim ...

Für die kleine Mia ist es Zeit ins Bett zu gehen. Doch natürlich fallen ihr noch ganz viele Sachen ein, die sie machen möchte. Da hört sie ein Geräusch aus dem Garten. Was war das wohl? Mia kommt beim Tieresuchen langsam zur Ruhe bis deren Schlaflied sie zum Träumen bringt.

Dieses Pappbuch ist aus unserem Einschlafritual schon nach kurzer Zeit nicht mehr wegzudenken. Jeden Abend soll ich es meinen Töchtern vorlesen. Die wunderschönen Reime kommen genauso gut an wie die zauberhaften Bilder, die niedlich und kindgerecht, aber kein bisschen kitschig sind. Verwendet werden vor allem Töne, die sehr beruhigend wirken.

Besonders gelungen finde ich die Bilder des nächtlichen Gartens. Hier gibt es jede Menge Details zu entdecken, viele Tiere, die auch die Kleinsten schon erkennen, huschen durch das Bild. Sie bieten die Möglichkeit den Tag mit einem Gespräch darüber ausklingen zu lassen, sie zu zählen oder sie in ihren Verstecken zu suchen. Dabei sind die Bilder aber auch nicht zu wimmelig. Jede Unruhe wird vermieden. Größere Kinder können die Reimpaare im Text bald selbstständig ergänzen oder sogar die Verse auswendig aufsagen.

Für mich ist dieses Buch bereits für Kinder ab etwa 18 Monaten gut geeignet, da es stabile Pappeseiten hat. Zu alt wird man für diese zauberhafte Einschlafgeschichte anscheinend nicht. Meine Siebenjährige ist genauso begeistert wie ich. Ingesamt ein Buch, das ich wirklich sehr gern empfehle, nicht nur für Einschlafmuffel, sondern für alle, die mit ihren Kindern gern am Abend noch ein bisschen kuscheln. 5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2021

Mitreißende Spannung

Verloschen: Thriller
0

Julia Schwarz von der Rechtsmedizin wird von ihrem Freund und Kriminalkommissar Florian Kessler an den Fundort einer Leiche in einem Containerlager gerufen. Was Julia dort erwartet lässt böses ahnen: Der ...

Julia Schwarz von der Rechtsmedizin wird von ihrem Freund und Kriminalkommissar Florian Kessler an den Fundort einer Leiche in einem Containerlager gerufen. Was Julia dort erwartet lässt böses ahnen: Der Toten wurden nicht nur die Ohren abgetrennt, es wurden auch fremde Ohren angenäht. Sofort beginnen die Ermittlungen, doch schon bald wird eine zweite Leiche gefunden. Ist ein grausamer Serienmörder unterwegs?

Verloschen war mein erster Thriller/Krimi aus der Julia Schwarz Reihe, trotzdem fand ich mich sogleich zurecht. Die ermittelnden Personen lernt man recht schnell kennen und ich muss sagen, dass mir vor allem die Rechtsmedizinerin gut gefallen hat. Sie ist engagiert, manchmal waghalsig und gibt einfach nie auf. Auch die persönlichen Beziehungen untereinander waren total plausibel.

Noch interessanter, flüssig und total spannend war allerdings der Plot, bei dem die Spannung nahezu dauernd ansteigt, bis man am Ende nicht aufhören kann, bevor man weiß, wer der Täter ist. Dies liegt auch an einigen eingebauten Rückblenden zu einem früheren Vergewaltigungsfall und einem weiteren Erzählstrang. Man fragt sich dauernd, wo da die Zusammenhänge sein könnten. Verdächtige finden sich ebenfalls genug, so dass man natürlich versucht, den Täter vor dem Ende herauszufinden. Ich war ganz gut, dennoch lag ich falsch und genau so muss für mich ein Thriller sein. Unvorhersehbar, spannend und mit sympathischen Ermittlern.

Es war zwar mein erstes Buch von Catherine Sheperd, aber sicher nicht das letzte. 5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2021

Wer Merdyn nicht kennet, leset ihn

Merdyns magische Missgeschicke – Zaubern will gelernt sein!
0

Das Urteil ist gefällt: Sieben Jahre soll Hexenmeister Merdyn für seine Taten im Strom der Verdammnis verbringen. Doch durch die List seines Erzfeindes Jeremiah Jerabo landet er in unserer Gegenwart, genauer ...

Das Urteil ist gefällt: Sieben Jahre soll Hexenmeister Merdyn für seine Taten im Strom der Verdammnis verbringen. Doch durch die List seines Erzfeindes Jeremiah Jerabo landet er in unserer Gegenwart, genauer gesagt in einem englischen Einkaufszentrum. Vollkommen überfordert von dieser Hölle flieht er in den Wald und trifft dort auf Rosie, die Sängerin werden möchte, sich aber in der Schule blamiert hat und bei der es auch zu Hause gerade gar nicht gut läuft. Sie soll dem Hexenmeister helfen, in seine Zeit zurückzukehren. Doch das möchte Erzfeind Jerabo auf keinen Fall.

Allein die Idee hinter dieser Geschichte und die sehr besonderen Charaktere sorgen dafür, dass hier so einige urkomische und vollkommen verrückte Dinge passieren. Sprechende Meerschweinchen, rappende Hexenmeister und jede Menge Tränke und Zauber mit unglaublicher Wirkung bringen den Leser zum Lachen. Merdyn ist wirklich ein schräger Typ, man kann aber gar nicht anders, als ihn zu mögen, obwohl er mitunter auch sehr arrogant ist. Rosie kann einem wirklich leid tun, sie hat es in der Schule nicht leicht und auch in der Familie interessiert sich gerade niemand wirklich für sie. Alle sind wie betäubt, weil der Vater vor nicht allzu langer Zeit gestorben ist. So enthält die Geschichte auch ernstere Töne. Beide Hauptcharaktere machen im Laufe der Zeit aber eine Entwicklung durch. Voller Sprachwitz erzählt der Autor über Freundschaft, über das, was uns wichtig sein sollte und ein bisschen über die Naturverbundenheit, die uns heute fehlt. Dabei lässt er es sich nicht nehmen, sich auch immer wieder mit Kommentaren und Erklärungen selbst in die Geschichte einzumischen. Sehr lustig ist dabei das kleine Sammelsurium an mittelalterlichen Schimpfwörtern, das man kennenlernt. Die Illustrationen sind witzig und passen super zu dieser skurilen und actionreichen Zeitreise.

Meine Tochter (7) fand das Buch toll und lauschte fasziniert, wenn ich ihr vorgelesen habe. Mit fast 400 Seiten ist das Buch nicht gerade dünn und durch die teils nachempfundene mittelalterliche Sprechweise nicht immer einfach, so dass ich das Buch zum Selberlesen eher ab 10 Jahren empfehle. Ich würde 4,5 Sterne geben, meine Tochter (bei Kinderbüchern maßgeblich) gibt glatte 5. So gehet hin und leset es endlich, ihr Tranfunzeln! Hehe

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2021

Teuflische Verstrickungen auf hoher See

Der Tod und das dunkle Meer
0

Schon bevor die Saardam, ein Schiff der Ostindienflotte, sich im Jahr 1634 auf den langen Weg von Batavia nach Amsterdam macht, steht die Fahrt unter düsteren Vorzeichen. Ein Aussätziger ohne Zunge verflucht ...

Schon bevor die Saardam, ein Schiff der Ostindienflotte, sich im Jahr 1634 auf den langen Weg von Batavia nach Amsterdam macht, steht die Fahrt unter düsteren Vorzeichen. Ein Aussätziger ohne Zunge verflucht das Schiff und geht in Flammen auf. Trotzdem legt das Schiff auf Geheiß des Generalgouverneurs, der mit seiner Frau Sara und der gemeinsamen Tochter reist, ab. Auch mit an Bord sind der Detektiv Sammy Pipps, den man in Ketten gelegt hat und sein treuer Begleiter Arent Hayes. Schon bald mehren sich mysteriöse Vorkommnisse, die nur dämonischen Ursprungs sein können. Arent und Sara tun sich zusammen, um den Fall zu lösen, bevor sich der Fluch des Aussätzigen erfüllt.

Stuart Turton legt hier einen bildgewaltigen, düsteren Roman vor, der nicht nur Züge eines Kriminalromans trägt, sondern ebenso als historischer Roman oder Mystery durchgeht. Auffällig gut sind seine Beschreibungen der Zustände auf dem Schiff, der rauhen See und der Mannschaft aus Matrosen und Musketieren, die alles andere als vertrauenerweckend wirken. An Bord herrscht zudem das Gesetz des Stärkeren, so dass es auch die ein oder andere brutale Szene gibt. Es gelingt Turton eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die einem das Gefühl gibt, mittendrin statt nur dabei zu sein. Auch die Abgehobenheit und Machtgier einiger Charaktere schwingt überall mit.

Personen, die eine Rolle spielen, gibt es nicht wenige, so dauerte es etwas, bis ich einen Überblick über die Beteiligten hatte. Sehr schön war da die Möglichkeit im kleinen Personenverzeichnis nachzuschauen. Doch wenn man erstmal mit den Leuten vertraut ist, stört nichts mehr den Lesegenuss. Ein Plan des Schiffes sorgt dafür, dass man sich auf diesem besser zurechtfindet.

Die Spannung ist mal größer, mal zieht sich die Handlung auch etwas in die Länge, da die Ermittlungen eher schleppend anlaufen. Die Vorkommnisse auf der Saardam sind so mysteriös, dass man sich häufig fragt, ob es auf eine natürliche oder eine übernatürliche Lösung hinausläuft. Gelegenheiten zu kombienieren und mitzurätseln gibt es immer und mit der Zeit wird klar, dass nicht alle das Ziel der Reise erreichen werden. Gegen Ende spitzt sich die Lage immer mehr zu und man fiebert regelrecht dem Showdown entgegen.

Insgesamt waren es die sympathischen Ermittlercharaktere, die düstere Stimmung und das doch überraschende Ende, die das recht umfangreiche Buch zu einem tollen Leseerlebnis gemacht haben. Leseempfehlung und 5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere