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Veröffentlicht am 05.01.2022

Lesenswerter Klassiker

Der Gottkaiser des Wüstenplaneten
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Die ersten drei Teile der Neuauflage des Klassikers habe ich ziemlich schnell gelesen und bin dadurch auch gut in die Welt des Wüstenplaneten eingeführt worden. Als Jugendlicher habe ich die sechs Bände ...

Die ersten drei Teile der Neuauflage des Klassikers habe ich ziemlich schnell gelesen und bin dadurch auch gut in die Welt des Wüstenplaneten eingeführt worden. Als Jugendlicher habe ich die sechs Bände des (Original) Wüstenplaneten-Zyklus verschlungen und die Faszination hat mich auch als Erwachsener wieder erfasst. Frank Herbert ist die Schaffung einer genialen Welt gelungen, ein Weltenbau wie er nur selten so überzeugend und vielseitig ist. Andererseits hat man oft auch das Gefühl, dass viel Zeit mit der Weltenerschaffung verbracht wurde und das der Handlung schadet. DER WÜSTENPLANET bleibt das beste der Bücher, aber auch die Nachfolger (die meisten zumindest, wobei ich jetzt nicht auf Band fünf und sechs eingehen möchte, es ist zu lange her, als ich die beiden gelesen habe) haben durchaus ihre Stärken. In vielen Dingen erinnert DER GOTTKAISER DES WÜSTENPLANETEN an DER WÜSTENPLANET und DER HERR DES WÜSTENPLANETEN, mit einer anderen Handlung und Akteuren zwar, aber der Roman vermischt die Stärken und Schwächen der beiden genannten Romane. Und dabei hätte man es durchaus auch etwas actionreicher handhaben können (wobei ich damit nicht sagen will, dass der Roman langweilig ist, das ist er nicht, nur ... streckenweise vielleicht etwas langatmig).
Neben einer interessanten Handlung, die auch auf die Ereignisse der vergangenen Jahrtausende eingeht, ergießt sich Herbert in Weltenbau und -neuschaffung. Man bekommt (vielleicht zu viele) Einblicke in die Philosophie des Gottkaisers und seiner Untergebenen, psychologischen Ansichten und die Soziologie des Wüstenplaneten, den man schon gar nicht mehr als solchen bezeichnen kann, aufgrund der Veränderungen, die ihm widerfahren ist.
Stark erweist sich Herbert nach wie vor in der Zeichnung seiner Charaktere, die auch mehr als eine Seite aufweisen können und deren Motive nicht immer greifbar sind.
Und doch, trotz kleiner Schwächen kann DER GOTTKAISER DES WÜSTENPLANETEN überzeugen. Science Fiction-Fans werden ohnehin nicht an diesem Zyklus Und damit auch an diesem Band nicht vorbeikommen. Man kann sagen was man will: Frank Herbert hat etwas Großartiges geleistet und trotz des Alters (erschienen ist der Band erstmals 1981) sind die DUNE-Romane immer wieder lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.12.2021

Fulminantes Ende

Die Chroniken von Mistle End 3: Der Untergang droht
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Der letzte Teil der Chroniken von Mistle End hat es echt in sich. Actionreicher als die Vorgänger und auch viel brutaler. Es wird viel gekämpft, es fließt viel Blut und leider muss man dem Autoren zugute ...

Der letzte Teil der Chroniken von Mistle End hat es echt in sich. Actionreicher als die Vorgänger und auch viel brutaler. Es wird viel gekämpft, es fließt viel Blut und leider muss man dem Autoren zugute halten, dass er sehr bildlich beschreiben kann. Für zarte Seelen ist das nichts.
Aber … Benedict Mirow ist ein Finale gelungen, das man wirklich als fulminant bezeichnen kann. Spannend bis zum Schluss, mit neuen phantastischen Orten und Wesen.
Die Protagonisten entwickeln sich weiter und wachsen über sich hinaus. Was anfangs wie der klassische Kampf Gut gegen Böse erschien wird doch eher zu einem Kampf der Grauzonen und in meinen Augen kommen dabei die „Guten“ nicht ganz so gut weg wie die „Bösen“, deren Ansichten sogar nachvollziehbar sind.
Der Untergang droht ist (trotz der gewöhnungsbedürftigen Schlachten) spannende Fantasy, nicht nur für Kinder (ab 10 laut Verlagsangabe …). Kurzweiliges Abtauchen in eine andere Welt mit sympathischen Helden auf einem nie langweiligen Abenteuer.

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Veröffentlicht am 15.12.2021

Hervorragende Fortsetzung

Keeper of the Lost Cities – Das Exil (Keeper of the Lost Cities 2)
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Was soll man sagen. Der zweite Teil der Keeper of the lost cities-Reihe ist um einiges rasanter als der Vorgänger, aber ansonsten bekommt der Leser das geboten, was bereits im ersten Teil funktioniert ...

Was soll man sagen. Der zweite Teil der Keeper of the lost cities-Reihe ist um einiges rasanter als der Vorgänger, aber ansonsten bekommt der Leser das geboten, was bereits im ersten Teil funktioniert hat und was die Reihe lesenswert macht: Gut gezeichnete, sympathische und nachvollziehbare Charaktere, interessante Wendungen und mit jeder Seite wirklich gute Unterhaltung. Und auch die Themen bleiben gleich und es ist nicht wirklich ersichtlich ob es eine Art Schwarz und Weiß Denken gibt, denn bisher war bei den Elfen wohl alles Friede, Freude, Eierkuchen (oder zumindest der Schein dieses Zustands wurde gut bewahrt). Jetzt bröckelt die Fassade ..
Es ist dringend notwendig, den ersten Band zu lesen, um die Zusammenhänge überhaupt erfassen zu können. Aber durch die schnelle Erscheinungsweise kommt man auch schnell wieder in die Geschichte hinein und die nächsten Bände lassen nicht lange auf sich warten. Der leichte, lockere Schreibstil hilft dabei sehr. Man mag es kaum glauben, wie schnell fast 600 Seiten gelesen werden können. Nie wird es langweilig und Messenger schafft es den Leser dermaßen zu bannen, dass die zeit wie im Fluge vergeht.
Keepers of the lost Cities ist nicht nur für Jugendliche etwas und ich hoffe, dass die Serie das bisherige Niveau weiterhält.

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Veröffentlicht am 11.11.2021

Nature Writing in bestform

Das geheime Liebesleben der Pinguine
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Fast vierhundert Seiten Pinguinporno. Da wird gevögelt was das Zeugs hält. Noch nie wurden Pinguine so erotisch gezeigt. Okay, all das ist Quatsch. Das Buch mag anhand des Titels vielleicht Liebe, Romantik ...

Fast vierhundert Seiten Pinguinporno. Da wird gevögelt was das Zeugs hält. Noch nie wurden Pinguine so erotisch gezeigt. Okay, all das ist Quatsch. Das Buch mag anhand des Titels vielleicht Liebe, Romantik und auch Sex erwarten, aber es ist weit mehr und geht weit über ein Buch über das Fortpflanzungsverhalten von Pinguinen hinaus. Homosexualität, Vergewaltigung, Seitensprünge, als das ist Teil davon, aber neben den Vögeln spielen auch Menschen eine Rolle.
George Murray Levick war ein britischer Arzt, Antarktis-Forscher und Gründer der British Schools’ Exploring Society.
Levick studierte Medizin am St Bartholomew’s Hospital in London, bevor er 1902 der Royal Navy beitrat, wo er als Spezialist für Kraft- und Wiederaufbautraining tätig war.
Während der Terra-Nova-Expedition (1910–1913) unter Robert Falcon Scott war er Schiffsarzt im Rang eines Leutnants. Als Mitglied der sogenannten Nordgruppe verbrachte Levick das erste Jahr der Forschungsreise am Kap Adare, wo er die Biologie und das Sozialverhalten von Adeliepinguinen untersuchte. 1914 schrieb er ein Buch darüber (Antarctic penguins. A study of their social habits). G. M. Levicck war demnach der erste ernsthafte Pinguinforscher, der jedoch (genauso wie seine Beteiligung am der Terra-Nova-Expedition) in Vergessenheit geriet. Lloyd Spencer Davis versucht mehr über den Forscher herauszufinden und so widmet er sein Buch nicht nur den Pinguinen, sondern auch dem Forscher, der seine wahren Erkenntnisse vor der Öffentlichkeit verbarg. Denn wie bereits geschrieben, die niedlich erscheinenden Adeliepinguine haben es faustdick hinter den Ohren. Jeder der das Bild der kleinen und süßen Frackträger genau so im Auge behalten möchte sollte die Hände von DAS GEHEIME LIEBESLEBEN DER PINGUINE lassen, denn dann wird er Abgründe erkennen, die man sonst nur Menschen zutrauen würde.
Davis reist in die Vergangenheit und lässt die frühen Südpolexpeditionen lebendig werden. Nebenbei besucht er historische Stätten auf und entwirft ein Blick der großen Forscher Amundsen und Scott, aber auch von Levick. Fast treten die Pinguine in den Hintergrund, denn die Expeditionsbeschreibungen nehmen einen Großteil des Buches ein und lesen sich ebenso spannend wie das geheime Liebesleben der Pinguine.
Davis legt ein interessantes Buch vor, das neben den Adeliepinguinen auch die Menschen nicht vergisst und dabei Fakten offenbart, die man erst nach und nach wahrhaben möchte und die Pinguine in einem ganz anderen Bild darstellen lässt. Außerdem wird ein vergessener Forscher in den Vordergrund gestellt, der seine Forschungen zu seinen Lebzeiten nicht so veröffentlichen konnte wie er wollte und seine eigene Arbeit selbst zensierte. Levick und andere haben Mitschuld daran, dass man Adeliepinguine lange Zeit als liebenswerte, niedliche Tiere wahrnahm.

Spannend und Informativ. Nature Writing in Bestform. Geeignet für diejenigen, die sich für die Entdeckungen und Expeditionen rund um den Südpol zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessieren und keine Probleme damit haben, die dunklen Seiten der Pinguine kennen zu lernen.

Veröffentlicht am 11.11.2021

Klassisch aber gut

Ein Schritt ins Leere
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Es muss nicht immer Miss Marple oder Hercule Poirot sein. Agatha Christie schafft es auch anderen Charakteren Leben einzuhauchen und sie in spannende Kriminalfälle zu verwickeln. In diesem fall sind es ...

Es muss nicht immer Miss Marple oder Hercule Poirot sein. Agatha Christie schafft es auch anderen Charakteren Leben einzuhauchen und sie in spannende Kriminalfälle zu verwickeln. In diesem fall sind es Pfarrerssohn Bobby Jones und seine freundin seit Kindertagen Lady Frances Derwent.
Ein Schritt ins Leere ist typischer Agatha Christie und muss sich nicht hinter neuen Kriminalromanen verstecken. Die Lady of Crime zeigt auch verstorben noch, dass es ihre alten Bücher immer noch wert sind gelesen zu werden. Der Atlantikverlag hat zudem das Buch neu übersetzt (die bisher verwendete Übersetzung stammte noch aus dem Jahr 1935).
Natürlich ist klar, dass es sich bei dem Unglück nicht um einen Unfall handelt und der Leser wird sehr schnell in ein sehr unterhaltsames und spannendes Verbrechen verwickelt, mit zahlreichen falschen Fährten, falschen Verdächtigungen und mutigen Plänen. Es bleibt spannend bis zum Schluss und anders als Poirot oder Miss Marple (die beide ja schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben) agieren die jungen Protagonisten ihrem Alter entsprechend und teilweise auch sehr waghalsig. Gute Unterhaltung mit etwas Witz und auch einer kleinen (sehr dezenten) Liebesgeschichte.
Ein Schritt ins Leere ist ein weniger bekannter Christie-Roman, liest sich aber genauso flüssig und schnell zu lesen wie alle anderen Werke der großen Autorin. Langweilig wird es nie und antiquiert wirkt die Geschichte auch nicht. Der Christie-Charme funktioniert auch heute noch.

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