Steinige Wege
Mutters LügeMarta und ihr Zwillingsbruder Tomek werden Ende der 1960er Jahre, in Polen geboren. Sie leben mit ihrer Mutter in Breslau. Die Mutter arbeitet sehr viel und so sind die Kinder, schon in sehr jungen Jahren ...
Marta und ihr Zwillingsbruder Tomek werden Ende der 1960er Jahre, in Polen geboren. Sie leben mit ihrer Mutter in Breslau. Die Mutter arbeitet sehr viel und so sind die Kinder, schon in sehr jungen Jahren sich häufig selbst überlassen. Halt erfahren sie von einer befreundeten Familie die sich liebevoll um die Drei kümmert. In ihrer Jugend müssen sie ihre Heimat Polen verlassen. Ihre Mutter flieht in einer Nacht-und Nebel Aktion mit ihnen nach Westdeutschland. Obwohl die Familie in Polen in äußerst ärmlichen Verhältnissen gelebt hatte, ist besonders für Marta dieser Einschnitt schwer. Sie ist sehr gut in der Schule, hat sich alles hart erarbeitet und den Wunsch Ärztin zu werden. Zurück blieb alles was ihr viel bedeutete, wie die geliebten Menschen und ihre Zukunftsträume. Doch Marta lässt sich nicht unterkriegen, sie lernt rasch die neue Sprache und sucht Anschluss in der neuen Schule. Schon bald hat sie sich auf ihr altes Leistungsniveau zurückgekämpft. Die Beziehung zwischen Marta und ihrer Mutter ist schwierig. Es herrscht ein großes Schweigen. Die Mutter ist Marta gegenüber unnahbar, gefühlskalt und verständnislos. Sie hält ihre Tochter auf Distanz, wohingegen sie ihren Sohn Tomek vergöttert. Marta schuftet und beißt sich durch und findet nach ihrem Studium Arbeit in der Schweiz, wo sie sich erneut ein neues Leben aufbaut. Diesmal jedoch ohne die Mutter. Trotz der räumlichen Trennung, ist diese ständig präsent. In allem was Marta tut, erhofft sie sich Anerkennung, Aufmerksamkeit und die Liebe ihrer Mutter. Lohn erhält sie jedoch kaum.
Obwohl der Schreibstil der Autorin recht nüchtern und distanziert wirkt, hat es mir das ein und andere Mal Tränen in die Augen getrieben. Die Gefühllosigkeit der Mutter gegenüber ihrer Tochter macht einen nur fassungslos. Man hat das Bedürfnis die kleine Marta einfach nur in den Arm zu nehmen und zu trösten. Bereits am Anfang des Romans fühlt man zudem die Präsenz eines dunklen Geheimnisses. Dies hat mich beim Lesen stark vorangetrieben, da ich unbedingt wissen wollte was denn da nur los ist. Gerne hätte ich den ein oder anderen genommen und geschüttelt um dahinter zu kommen. Diese Sprachlosigkeit der Protagonisten war oft kaum ertragbar. Allerdings sehr stimmig. Das Geheimnis liegt wie ein Schatten auf ihrer aller Leben. Jedoch bringt die Wahrheit zuerst viel Schmerz, der allerdings notwendig ist, damit die Heilung beginnen kann. Das Buch hat mich tief bewegt, denn.es zeigt die Macht die Eltern haben mit ihrem Verhalten das Leben ihrer Kinder nachhaltig zu beeinflussen. Und es zeigt wie sich erlittenes Unrecht von einer auf die andere Generation überträgt. Wie unschuldiges neues Leben vergiftet wird. Und dennoch macht die Geschichte doch auch so unglaublich Mut. Marta zeigt das es sich lohnt sein Leben in die Hand zu nehmen und es täglich neu zu beginnen. Stolz auf das zu sein, was man aus eigener Kraft erreicht und geleistet hat, zu verzeihen und die zu lieben die sich selber und andere nicht lieben können.