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Veröffentlicht am 30.01.2022

Sehr gut durchdacht, hatte aber einen Pageturner erwartet

You will be the death of me
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Die drei Jugendlichen Ivy, Mateo und Cal waren einige Jahre befreundet, bis sie sich voneinander entfernten. Zufällig treffen sich die drei vor der Schule und beschließen wieder gemeinsam blau zu machen, ...

Die drei Jugendlichen Ivy, Mateo und Cal waren einige Jahre befreundet, bis sie sich voneinander entfernten. Zufällig treffen sich die drei vor der Schule und beschließen wieder gemeinsam blau zu machen, den guten alten Zeiten willen. Als sie unterwegs sind, sehen sie einen Mitschüler, der offensichtlich auch schwänzt, und folgen ihm bis sie plötzlich mitten in einem Tatort stehen.

Den Anfang des Mordfalls finde ich etwas erzwungen. Ivy Mateo und Cal sehen nur die Schuhe von einer Person, die auf dem Boden liegt, und gehen direkt von einer Leiche aus. Erstens kann die Person aus vielerlei Gründen dort liegen, vielleicht sogar medizinische Hilfe benötigen (wobei es verständlich ist, dass man im Jugendbuch keine Leiche zeigen will) und zweitens haben sich die drei gefragt und gründlich darüber unterhalten, ob das ihr Mitschüler ist, aber wollten sich nie vergewissern. Außerdem finde ich es etwas unglaubwürdig, dass Mateo mit Ivy auf dem Arm leicht durch eine verschlossene Tür kommt, sie eine Treppe herunter und dann nochmal durch einige Straßen trägt. Und viertens Ivy durch einen Schwächeanfall mindestens eine Viertelstunde bewusstlos ist.

Darauf folgt trotzdem eine durchaus spannende Geschichte. In kurzen Kapitel wird die Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive der drei ehemaligen Freunde geschildert. Zu Beginn des Buches erfährt man somit auch, wie unterschiedlich das Leben von Ivy, Mateo und Cal ist und mit welchen Problemen sie zurechtkommen müssen. Auch zu ihrer auseinandergebrochenen Freundschaft erfährt der/die Leser/in im Verlauf einiges und jeder von ihnen hat ein Geheimnis, was der Geschichte neben dem Mordfall noch mehr Spannung gibt. Trotzdem hätte ich erwartet noch mehr vom Geschehen gefesselt zu werden, schließlich wird die Autorin gehypt, wodurch ich sehr gespannt auf mein erstes Buch von ihr war.

Karen M. McManus hat alles sorgfältig durchdacht, sodass die Ereignisse und der Mord stimmig und nachvollziehbar sind. Das Ende war doch etwas langatmig, meiner Meinung nach hätte man hier etwas kürzen können.



Fazit:
"You will be the Death of me" ist ein spannender und vor allem gut durchdachter Jugendthriller. Trotzdem war ich etwas enttäuscht, da ich aufgrund des Hypes um die Autorin einen fesselnden Pageturner erwartet hatte.

Veröffentlicht am 13.01.2022

Anfangs schwere Kost, später aber umso gefühlvollere und fesselnde Geschichte

Der Mut kommt auf kleinen Füßen
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Mit dieser Geschichte hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, weil so eine negative Grundstimmung herrschte. Brooke ist alleinerziehend und mit fast 40 wieder bei ihrer Mutter eingezogen. Doch das ist ...

Mit dieser Geschichte hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, weil so eine negative Grundstimmung herrschte. Brooke ist alleinerziehend und mit fast 40 wieder bei ihrer Mutter eingezogen. Doch das ist nicht genug, denn die beiden verstehen sich eigentlich überhaupt nicht und Brookes Mutter kritisiert alles. Und dann gibt es noch die eigentliche Handlung, als Brooke traurig und verzweifelt ist, weil ihrer Tochter Etta vermisst wurde. Das waren mir einfach zu viele negative Gefühle und ein Thema, über das ich nicht lesen möchte, wodurch ich das Buch mehrmals weglegen musste, sogar mal für längere Zeit. Auf dem zweiten Anlauf war die Geschichte dann viel einfacher zu lesen. Auch nachdem Etta gefunden wurde, wird das Buch nicht gerade fröhlich, weil Brookes Probleme natürlich immer noch da sind und auch Mollys Obdachlosigkeit thematisiert wird. Doch die Geschichte ist sehr einnehmend beschrieben und nimmt einen schönen Verlauf.

Der Schreibstil von Catherine Ryan Hyde ist wirklich schön! Der Roman wird abwechselnd aus Brookes und Mollys Perspektive geschildert. Die Autorin punktet vor allem mit letzterer und ich habe so gerne die Kapitel aus Mollys Sicht gelesen. Es ist, als ob Molly einem alles direkt in einem Gespräch erzählen würde. Die 16-Jährige erklärt viel und schildert ihre Gedanken und Gefühle ehrlich und offen.

Eine Geschichte, deren Schicksale mir sehr zu Herzen gingen und ich sehr gerne gelesen habe. Die Autorin erzählt von Obdachlosigkeit und über Mutter-Tochter-Beziehungen sehr gefühlvoll, ohne jedoch zu emotional zu werden, was das Geschehen noch eindrücklicher macht. Mit dem Ende bin ich zufrieden, weil es gut zur Geschichte passt.

Fazit:
In "Der Mut kommt auf kleinen Füßen" hat mich anfangs die negative Grundstimmung sehr gestört. Später habe ich aber gerne zu dem Buch gegriffen, weil es sehr gefühlvoll und verständlich die Geschichte der jungen Molly erzählt.

Veröffentlicht am 08.01.2022

Unterhaltsamer Roman für alle Jane Austen -Fans

Jane Austen und die Kunst der Worte
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Der Roman beginnt Ende 1795 kurz nach Janes 20. Geburtstag und erzählt anfangs vom Landleben in Steventon. Dort ist Jane als Tochter eines Landpfarrers mit einigen Brüdern und einer Schwester & zugleich ...

Der Roman beginnt Ende 1795 kurz nach Janes 20. Geburtstag und erzählt anfangs vom Landleben in Steventon. Dort ist Jane als Tochter eines Landpfarrers mit einigen Brüdern und einer Schwester & zugleich besten Freundin aufgewachsen. Während diesen Winters lernt sie ihre erste Liebe Tom Lefroy kennen und beginnt im darauffolgenden Jahr ihren beliebtesten Roman zu schreiben. Bälle und Tänze, Spaziergänge in der Natur und Besuche bei Freunden bestimmen nicht nur Jane Austens Bücher, sondern auch ihren eigenen Alltag. Ich finde es toll, dass die berühmte Schriftstellerin hier selbst zum Leben erwacht. Ich habe einige Bücher von Jane Austen gelesen und finde es schön nun etwas über sie zu lesen. Die Geschichte reicht bis wenige Jahre vor Janes Tod, als diese einige ihrer Bücher veröffentlicht und zunehmend bekannter wird.

Dies geschieht jedoch nicht chronologisch, sondern mit einigen Kapiteln, die aus ihrem späteren Leben erzählen und manchmal ziemlich wild in das aktuelle Geschehen eingeworfen werden. Mir hat sich der Sinn diesbezüglich nicht erschlossen und ich hätte Jane gerne bis zu bestimmten Punkten in ihrem Leben begleitet, statt die Tatsachen mitten in der Geschichte vorgesetzt zu bekommen.

》Was immer ihr geschah, sie hatte einen Ort, an den sie gehen konnte. In ihre Welt, jene, die sie anderen nahebringen konnte, indem sie beschrieb, was sie dort hörte, was sie sah, was die darin lebenden Figuren empfanden.《, S. 76

Der Schreibstil von Catherine Bell lehnt sich an den von Jane Austen an und drückt sich wie damals in der Regency-Ära aus, auch wenn das ein oder andere Mal zu moderne Ausdrücke dazwischen rutschen. Der Roman lässt sich angenehm lesen und hat mich zu Beginn an "Stolz und Vorurteil" erinnert, da Janes Eltern wie die von Lizzie Bennet beschrieben werden. An passenden Stellen wird aus Janes Werken zitiert, sodass ich das Gefühl hatte Jane während des Schreibens über die Schulter zu blicken.

Aus Janes Leben ist eher wenig bekannt und ich selbst weiß bisher nur einige wichtige Eckpunkte davon. Meiner Meinung nach hat Catherine Bell eine fundierte Geschichte über die berühmte Schriftstellerin geschaffen. Im Nachwort sind auch die Quellen als potentielle weitere Lektüre aufgeführt, was auf eine intensive Recherche der Autorin schließen lässt. Mit wenigen Anhaltspunkten hat Catherine Bell eine Version von Jane geschaffen, die oftmals wie ihre eigenen Buchfiguren agiert und gut zu der zielstrebigen Frau passen, deren größter Wunsch die Veröffentlichung eines Romans war. Besonders gefallen hat mir, dass z. B. die Tatsache, dass Jane in späteren Jahren einen Mann getroffen und sich verliebt hat, von dem tatsächlich aber nichts bekannt ist, schön und harmonisch von Catherine Bell ausgeschmückt wurde (auch wenn eine seltsame Bemerkung bezüglich ihrer ersten Liebe fiel), sodass es sich gut zu Jane fügt, zumindest zur fiktiven.

Fazit:
"Jane Austen und die Kunst der Worte" ist ein schöner biografischer Roman über die berühmte Schriftstellerin. Die wenigen bekannten Fakten über ihr Leben werden von Catherine Bell mit geeigneter und zumeist glaubhafter Fiktion gefüllt, wie es tatsächlich hätte sein können. Die zeitlichen Sprünge in der Erzählung geschehen ohne triftigen Grund und haben mich beim Lesen sehr gestört.

Veröffentlicht am 08.01.2022

Große Liebe, Großes Familiengeheimnis, große Gefühle

Wir zwei in diesem Augenblick
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Anna hat ihr Leben fest im Griff: Sie studiert BWL und will danach die Firma ihres Vaters übernehmen. Für anderes, wie Partys oder Hobbys, hat sie keinen Platz in ihrem fest strukturierten Leben. Doch ...

Anna hat ihr Leben fest im Griff: Sie studiert BWL und will danach die Firma ihres Vaters übernehmen. Für anderes, wie Partys oder Hobbys, hat sie keinen Platz in ihrem fest strukturierten Leben. Doch ihre offene und lebenslustige Freundin Fee nimmt sie mit auf Partys und stellt ihr dort Max vor. Ein junger Fotograf, der Abstand von seiner Familie sucht. Ihr Gespräch auf der Party in der dunklen Nacht wird ziemlich schnell offen, wodurch sich die beiden näher kommen. Daraufhin nimmt Max immer mehr Platz in Annas Leben ein, aber sie hat doch all ihre Pläne, die es einzuhalten gilt.



Neben der Liebesgeschichte aus Annas und Max' Perspektive gibt es von Anfang an auch noch einen weiteren Erzählstrang (bzw. später auch mehrere) aus der Vergangenheit. Darin geht es um Charlotte, die schwanger mit ihrem Mann von München in einen idyllischen Vorort von Bamberg zieht. Dabei wird erzählt, wie sich sich dort einlebt, mit dem Nachbarpärchen anfreundet und wie sie sich als Mutter schlägt. Gegenwart und Vergangenheit bilden immer mehr ein umfassendes Bild der Protagonist/innen, die alle vielschichtig dargestellt werden. Als Leser/in macht man sich Gedanken darüber, warum die Vergangenheit die Beziehung von Anna und Max negativ beeinflussen wird, doch die genauen Begebenheiten konnte ich nicht erraten. Und als man wusste was passiert ist, schafft die Autorin es, mich zusätzlich zu schockieren.



》Sie sieht ihn und sich im spiegelnden Glas eines Schaufensters. Seite an Seite. Hand in Hand. Anna und Max. [...] und sie beide mit einem Lächeln im Gesicht.《, S. 187



Es gibt vier Erzählperspektiven, jeweils eine männliche und weibliche in Gegenwart und Vergangenheit, was an jedem Kapitelanfang vermerkt ist. Zwei sind aus der Ich-Perspektive geschildert, die anderen beiden aus der personalen Erzählperspektive. Diesbezüglich hatte ich noch nie Vorlieben, weil der Blinkwinkel der gleiche ist, nur unterschieden durch die Wörter "ich" und "er/sie". Doch in diesem Buch hat mich die personale Perspektive von den Charakteren distanziert. Ich musste in den entsprechenden Kapiteln langsamer und konzentrierter lesen. Außerdem hatte ich manchmal den Eindruck, dass die Autorin selbst sich in den unterschiedlichen Erzählweisen verhaspelt hat, weil z. B. die Empfindungen einer anderen Buchfigur beschrieben wurden, als die, die gerade das Geschehen schildert oder auch die Leser/innen durch "du und ich" angesprochen werden, während aber nicht aus der Ich-Perspektive geschildert wurde. Ansonsten ist Isabell Mays Schreibstil flüssig zu lesen und ich konnte stets gut den Gefühlen der Protagonist/innen folgen. Als in der Geschichte der Prolog aufgegriffen wurde, spielt die Autorin mit der Erzählperspektive, wodurch ich ab da richtig tief ins Geschehen abtauchen konnte. Vielleicht war es aber auch den spannenden und dramatischen Ereignissen geschuldet, oder tatsächlich beidem. Isabell May hat einen sehr bildhaften und gefühlsintensiven Schreibstil entwickelt. Auf jeden Fall wurde die Geschichte richtig intensiv und ging mir sehr zu Herzen.



Fazit:

"Wir zwei in diesem Augenblick" erzählt auf zwei Zeitebenen mit einer Vielschichtigkeit von Charakteren, deren Leben stark miteinander verbunden sind. Die Erzählperspektiven sind immer erkennbar, aber haben mich manchmal vom Geschehen distanziert. Das letzte Drittel der Geschichte hat mich sehr mitgerissen, weil es sehr bildhaft, gefühlsintensiv und schockierend wurde.

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Veröffentlicht am 28.12.2021

Mitreißeinder und zumal düsterer Auftakt über die Polizeiärztin

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum
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Als Magdas Mann ums Leben kommt, fängt sie in Berlin neu an und beginnt dort als Polizeiärztin. Zu ihren Aufgaben zählt es Prostituierte im Frauengefängnis zu untersuchen und bei Gewaltverbrechen Frauen ...

Als Magdas Mann ums Leben kommt, fängt sie in Berlin neu an und beginnt dort als Polizeiärztin. Zu ihren Aufgaben zählt es Prostituierte im Frauengefängnis zu untersuchen und bei Gewaltverbrechen Frauen und auch einige Kinder medizinisch zu versorgen. Dabei stößt sie auf viel Leid und die Fürsorgerin Ina, die sich für die Kinder einsetzt, die in den Nachkriegsjahren meist ein sehr entbehrungsreiches Leben führen mussten. In der Pension, in die Magda gezogen ist, trifft sie auf Doris, die nach Berlin gekommen ist um eine berühmte Schauspielerin zu werden. Auch die Tochter Celia der Pensionswirtin ist nicht zufrieden mir ihrem Leben, da sie von ihrer Mutter mit einem reichen Bänker verheiratet wurde. Weiterhin kommt auch die Anwältin Ruth öfter in der Geschichte vor, die ein interessantes Leben führt.



Durch Magdas Arbeit als Polizeiärztin wird man sehr viel mit dem damaligen Leid konfrontiert. Durch ihre Einsätze an Tatorten herrscht auf den Buchseiten viel Gewalt und auch die Armut mit dem damit einhergehenden Hunger von Kindern spielt oft eine Rolle. Manchmal findet Magda verstörte Kinder am Tatort vor, die sie zunächst ins Krankenhaus bringen muss und danach mit der Fürsorgerin Ina versucht einen geeigneten Ort zum Leben für sie zu finden. Dadurch ist die Geschichte oftmals düster, was es mir manchmal schwer gemacht hat weiter zu lesen.

>>Berlin hatte hier zwei Geschwindigkeiten - die Schnelligkeit des Reichtums und der Stillstand der Armut.<<, 28 %

Der Schreibtisch des Autorenduos ist sehr anschaulich und beschreibt die Gefühle der Protagonistinnen und das damalige Leid sehr bildhaft. Die Art zu Schreiben hat mir sehr gefallen und die Schicksale lebendig werden lassen.



Fazit:
"Das Leben ein ewiger Traum" befasst sich mit Magdas Neuanfang als Polizeiärztin in Berlin und den Träumen der anderen Protagonistinnen. Sehr anschaulich beschreibt das Autorenpaar das oft sehr düstere Leben von damals, was es mir manchmal schwer gemacht hat weiter zu lesen. Ein fesselnder Auftakt der Trilogie rund um einige unterschiedliche Frauen in den 1920ern!

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