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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2022

Ein blutiger Thriller mit viel Verwirrpotenzial

Jigsaw Man - Der tote Priester
3

„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist der zweite Band aus Nadine Mathesons Reihe um DI Anjelica Henley. Der Thriller fällt vor allem durch zwei Aspekte auf: seine exzessiv brutalen Morde und seine vielen ...

„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist der zweite Band aus Nadine Mathesons Reihe um DI Anjelica Henley. Der Thriller fällt vor allem durch zwei Aspekte auf: seine exzessiv brutalen Morde und seine vielen Handlungsstränge, die teils etwas chaotisch sind. Gerade für die, die neu in die Reihe einsteigen, nicht immer einfach!

Nach dem brutalen Mord an einem Pastor einer Freikirche findet die Londoner Polizei neben dem Opfer auch einen übel zugerichteten, aber noch lebendigen jungen Mann, der augenscheinlich über Wochen gefoltert wurde. Das führt sie auf die Fährte einer Gruppe Fanatiker, die eine religiöse Motivation für ihre blutigen Taten zu haben scheinen. Und es stellt sich die Frage: Was hatte der ermordete Pastor damit zu tun? Henley taucht ein in einen chaotischen Wirrwarr aus Beziehungen und Abhängigkeiten, bei dem so manche Untat ans Licht kommt und ein Zeuge unglaubwürdiger als der nächste ist. Dass Henleys Privatleben und auch das ihres Partners Ramouter zusätzliches Konfliktpotenzial bereithalten, vereinfacht die Übersicht über all diese Handlungsstränge nicht gerade.

Nadine Mathesons Thriller-Aufbau ist fraglos spannend, ihre Geschichte originell und voller Wendungen. Ihre etwas umständliche Erzählweise, die immer wieder neue Aspekte aufgreift und den Fokus der Lesenden häufig von einem auf den anderen Handlungsstrang zwingt, lässt diese reizvolle Prämisse jedoch oft nicht richtig zur Geltung kommen. Zu vieles passiert gleichzeitig, zu viele Entwicklungen erscheinen gleich stark gewichtet und sorgen dafür, dass die Konzentration auf eine stringente Entwicklung schwerfällt. Dass dabei Verwirrung entsteht und so manche Überraschung am Ende auftaucht, ist der positive Aspekt dieser Erzählweise. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es mitunter schwerfällt, im Fluss der Geschichte zu bleiben, da aufgrund der Vielzahl der Handlungsstränge immer wieder Figuren und Ereignisse neu eingeordnet werden müssen, die schon gar nicht mehr präsent sind. Möglicherweise wäre hier die Kenntnis des ersten Bandes hilfreich, auch wenn die grundsätzliche Handlung unabhängig zu verstehen ist.

„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist ein durchaus lesenswerter Thriller, verlangt aber etwas Geduld und ein recht hohes Maß an Konzentration. Für Fans von Band 1 treten die Schwächen sicher weniger stark zutage, weshalb ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann, sollte man diesen nicht gelesen haben.

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Veröffentlicht am 12.01.2022

Ein solider Skandi-Krimi, aber nicht der beste aus der Reihe

COLD CASE - Das gebrannte Kind
3

Der dritte Band der Cold-Case-Reihe um Kommissarin Tess Hjalmarsson dreht sich um ein Reihe von Brandstiftungen, die auffällige Parallelen mit einem alten, nie gelösten Fall aufweisen, der Tess auch persönlich ...

Der dritte Band der Cold-Case-Reihe um Kommissarin Tess Hjalmarsson dreht sich um ein Reihe von Brandstiftungen, die auffällige Parallelen mit einem alten, nie gelösten Fall aufweisen, der Tess auch persönlich stark berührt hat. Autorin Tina Frennstedt baut routiniert einen spannenden Kriminalfall auf, der jedoch in seiner Komplexität etwas hinter den Vorgängerbänden zurückbleibt.

Typisch für die Cold-Case-Reihe ist die Verbindung alter mit aktuellen Kriminalfällen, so auch in diesem Band. Zugleich hat Tess hier aber noch mit einer Reihe anderer Schwierigkeiten zu kämpfen: dem eifersüchtigen Ex ihrer Lebensgefährtin und einem weiteren alten Fall, der internationale Aufmerksamkeit auf sie zu lenken droht. Zudem ist sie bei den Ermittlungen persönlich stärker involviert, als gut für sie ist. Diese Vielzahl an Baustellen sorgt dafür, dass „Das gebrannte Kind“ weniger in die Tiefe geht als die anderen Bände der Reihe. Der Hauptverdächtige ist schnell ausgemacht, und ab diesem Punkt ist es nur noch eine Jagd auf Mister X, was der Handlung etwas den Wind aus den Segeln nimmt.

Trotz dieser leichten Schwächen ist „Das gebrannte Kind“ ein solider Kriminalroman, der wie gewohnt das persönliche Leben der Figuren und das gesellschaftliche Geschehen um sie herum geschickt einbindet, ohne dabei zu weit von der eigentlichen Handlung abzuweichen. Mit Tess Hjalmarsson hat Tina Frennstedt eine sympathische und interessante Ermittlerin erschaffen, die im Laufe der Reihe immer mehr an Tiefe gewinnt. Die Andeutungen auf ihren nächsten Fall, die das Buch reichlich enthält, versprechen deutlich mehr Action und Brisanz und machen neugierig auf die Fortsetzung.

Ein Muss für alle Fans von Tess Hjalmarsson, auch wenn der Band nicht ganz so stark ist wie seine Vorgänger. Ebenfalls geeignet für Neueinsteiger in die Reihe.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Ein Buch mit vielen spannenden Ansätzen, aber ein bisschen zu wenig von allem

Monstergott
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„Monstergott“ ist Caroline Schmitts zweites Buch. Der Roman dreht sich um zwei Geschwister und eine christliche Sekte und berührt somit viele existenzielle Themen: Glaube, Familie, Identität, Selbstbestimmung ...

„Monstergott“ ist Caroline Schmitts zweites Buch. Der Roman dreht sich um zwei Geschwister und eine christliche Sekte und berührt somit viele existenzielle Themen: Glaube, Familie, Identität, Selbstbestimmung und nicht zuletzt Geschlechterverhältnisse. Eine spannende Thematik, die jedoch in der Umsetzung leider etwas zu oberflächlich bleibt.

Ben und Esther sind beide seit ihrer Kindheit Teil einer sektenartigen Freikirche mit einem zutiefst konservativen Weltbild. Für die beiden Geschwister bedeutet die Kirche Heimat und Familie, und dass die Gemeinschaft ihnen Lebensregeln vorgibt, empfinden beide zunächst als nicht schlimm und „gottgewollt“. Für Lesende ist natürlich von vornherein klar, dass diese Kirche alles andere als harmlos ist und ihre Mitglieder bis in intimste Bereiche wie Sexualität und Ehe hinein kontrolliert. Doch für die beiden Hauptfiguren, vor allem für Esther, die als Frau in den Kirchenstrukturen massiv benachteiligt wird, wird erst nach und nach klar, dass sie aus diesem zerstörerischen System ausbrechen müssen.

Was mir an „Monstergott“ gut gefiel, ist, dass das Buch nicht aufmerksamkeitsheischend an das Thema herangeht. Es greift nicht zu drastischen Bildern oder extremen Entwicklungen, sondern zeigt „das ganz normale Leben“ innerhalb einer Sektenstruktur. Für Lesende wird greifbar, warum Ben und Esther zunächst nicht aus diesem System ausbrechen können – oder es überhaupt wollen. Allerdings hält die Geschichte auch keine Überraschungen bereit. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich wirkt das Buch sehr ruhig und relativ unaufregend. Die meisten Entwicklungen zeichnen sich von Anfang an ab, und sprachlich ist der Text solide, aber keinesfalls besonders originell. Zugleich bedient das Buch auch so manches Klischee: So wird die Doppelmoral der Oberhäupter auf recht vorhersehbare Weise veranschaulicht (ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten).

Insgesamt würde ich „Monstergott“ als ein wenig zahnlos beschreiben. Ein spannendes Thema, glaubwürdige Figuren, aber einfach etwas zu wenig Biss in der Zuspitzung von Gedanken, Konflikten und Figurenentwicklung. Es ist keinesfalls ein schlechtes Buch, aber eben auch keines, das besonders lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein spannender Fall, aber leider unaufregende Ermittlungen

Teufel, tanz mit mir!
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„Teufel, tanz mit mir!“ ist schon der vierte Band um das Ermittlungsduo Magnabosco und Pasqualina in Simone Darks Südtiroler Krimi-Reihe. Der Neueinstieg in die Reihe ist jedoch mit diesem Buch problemlos ...

„Teufel, tanz mit mir!“ ist schon der vierte Band um das Ermittlungsduo Magnabosco und Pasqualina in Simone Darks Südtiroler Krimi-Reihe. Der Neueinstieg in die Reihe ist jedoch mit diesem Buch problemlos möglich. Schade hingegen ist, dass die Ermittlungen in diesem sehr dünnen Krimi viel zu reibungslos ablaufen, obwohl der Kriminalfall selbst enormes Potenzial gehabt hätte.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der Rückblick zu den Hexenverfolgungen des 16. Jahrhunderts. Bei den grausamen Prozessen wurden mehrere Männer und Frauen aus der Region gefoltert und hingerichtet – und das Geschehen scheint auf die Gegenwart auszustrahlen. Kurz vor dem ersten Leichenfund müssen die Ermittlerinnen jedoch erst mal schnell heiraten, was wie ein eher bemühter Versuch anmutet, den Figuren mehr Leben zu verleihen. Solche kleinen Ausflüge ins Privatleben der Ermittlerinnen, die vermutlich humorvoll gedacht sind, gibt es mehrere im Buch. Aufgrund der Kürze des gesamten Texts (gerade mal knapp über 200 Seiten) wirken sie jedoch allesamt eher gehetzt. Schließlich ist ja kaum genug Platz für die Ermittlungen.

Die Ermittlungen sind tatsächlich die eine große Schwäche von „Teufel, tanz mit mir!“. Der Fall selbst ist spannend aufgebaut, enthält eine interessante Zusatzperspektive und birgt direkte Verbindungen in die Vergangenheit. Die Hintergründe der Hexenverfolgung sind gut aufbereitet und passen sich schön in die Geschichte ein, sodass man sogar noch ein bisschen Lokalgeschichte auf dem Weg mitnimmt. Der Krimi krankt allerdings daran, dass dem Ermittlungsduo sämtliche Hinweise mehr oder weniger in den Schoß fallen. Da werden eindeutige Objekte in der Nähe von Tatorten gefunden (bei denen man sich fragen muss, welcher Täterin so nachlässig wäre), und Zeugenaussagen sind zufällig immer sofort verfügbar und fügen sich passgenau ins Bild ein. Falsche Fährten und langes Brüten über kryptischen Hinweisen: Fehlanzeige. Wer also im Krimi gern miträtselt und an der Nase herumgeführt wird, ist mit diesem Buch schlecht beraten.

Meine Bewertung fällt daher sehr zwiespältig aus: Die Anteile über die Hexenverfolgung, die Grundidee des Falls und vor allem die kryptische Ich-Perspektive, die immer wieder eingestreut wird, haben mir sehr gut gefallen. Die Ermittlungen hingegen haben meinen Anspruch an Kriminalromane nicht erfüllen können. Ich muss hier also eine Durchschnittsbewertung im Mittelfeld geben: Für den einen Teil des Romans würde ich gern 4 Sterne vergeben, für andere Aspekte nur 2.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Unter die Haut gehende Grundidee, leider oberflächlich in der Ausführung

Heimat
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„Heimat“ von Hannah Lühmann hat einen unheimlich spannenden Ausgangspunkt: Was passiert mit einer orientierungslosen jungen Frau, der in ihrem Familienleben etwas fehlt, wenn sie mit dem radikal rechten ...

„Heimat“ von Hannah Lühmann hat einen unheimlich spannenden Ausgangspunkt: Was passiert mit einer orientierungslosen jungen Frau, der in ihrem Familienleben etwas fehlt, wenn sie mit dem radikal rechten Milieu in Gestalt einer Tradwife-Influencerin in Kontakt kommt? Das Buch trifft von der Themenwahl her genau meinen Geschmack, und ich habe mich begeistert in die Lektüre gestürzt. Was eine tiefgründige Charakter- oder Milieustudie hätte werden können, bleibt in diesem gerade mal 170 Seiten langen Roman allerdings leider zu weit an der Oberfläche.

Jana zieht mit ihrem Partner und den zwei Kindern hinaus ins Grüne in eine Neubausiedlung. Den Job hat sie gekündigt, die finanzielle Lage ist nicht gerade rosig, und in der Beziehung kriselt es. Jana liebt ihre Kinder, schwebt aber irgendwie orientierungslos durchs Leben. Als Leserin erfährt man nie so recht, wer sie eigentlich ist: was sie will im Leben, wo ihre Überzeugungen liegen, welche Leidenschaften sie antreiben (oder zumindest einmal angetrieben haben). Diese Kontrastlosigkeit ist es auch, die die eigentlich brisante Begegnung mit der Familien-Influencerin Karolin relativ unspektakulär verlaufen lässt: Karolin erzieht die fünf Kinder primär zu Hause, backt Kuchen und findet Kitas unmenschlich. Von Anfang an ist klar: Hier herrscht ein erzkonservatives Familienbild. Aber Jana bleibt im Kontakt merkwürdig passiv: Man begreift nicht, ob sie Karolins Haltung eigentlich ablehnt oder nicht – und folglich auch nicht so recht, wie ihre Haltung sich im Laufe des Romans verändert. Was also eine psychologisch tiefe Geschichte darüber hätte werden können, wie ganz normale Menschen in ein gefährliches Milieu abgleiten können, bleibt relativ monoton. Von Subtilität und Zwischentönen ist im Roman wenig zu spüren, stattdessen bekommen wir mehr oder weniger auf dem Silbertablett serviert, wer welche Agenda verfolgt (Janas Ehemann ist zum Beispiel ein glühender Gegner des Rechtsrucks, der im Buch klar ausbuchstabiert wird).

Trotzdem hat Lühmanns Buch auch seine Stärken. Der knappe, unaufgeregte Stil liest sich flüssig, und mit der Themenwahl trifft die Autorin trotz ausbaufähiger Umsetzung einen Nerv. Ihr nach rechts abgewandertes Deutschland mit seinen Stay-at-Home-Moms, den AfD-Ständen im Stadtzentrum und den Anschlägen auf Politiker
innen mag etwas plakativ daherkommen, fühlt sich aber doch nicht weit entfernt von der Realität an. Und auch wenn man sich bei Jana mehr Tiefe in der Entwicklung gewünscht hätte (und mehr Subtilität bei Karolins Versuch, sie auf ihre Seite zu ziehen), ist sie doch auch eine interessante Figur, gerade weil sie so wenig starke eigene Meinungen mitbringt. Vielleicht ist diese Figur sogar eigentlich keine Romanfigur, sondern eher eine Allegorie der schweigsamen Mitte der Gesellschaft, die sich ohne große Leidenschaft in die eine oder die andere Richtung ziehen lässt, je nachdem, von welcher Seite stärkere Kräfte wirken.

Insgesamt ist „Heimat“ ein Buch mit großem Potenzial, das vor allem an seiner Kürze krankt. Wäre das Szenario in doppelter Länge, mit mehr Tiefgang und psychologischer Vielschichtigkeit ausgebreitet worden, hätte das ein sehr bedrückendes, nachdenklich machendes Buch werden können. Vor allem dank des sehr abrupten Endes lässt einen die Lektüre dieses schmalen Bändchens leider ein wenig ratlos zurück. Kein schlechter Roman, aber auch keine große Leseempfehlung.

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