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Veröffentlicht am 17.02.2022

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Berlin, 24. Juni 1922
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Walter Rathenau war weder das erste noch das letzte Opfer des rechten Terrors. Auch die ersten Opfer dieses Buches - Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Mathias Erzberger - waren es genau genommen nicht. ...

Walter Rathenau war weder das erste noch das letzte Opfer des rechten Terrors. Auch die ersten Opfer dieses Buches - Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Mathias Erzberger - waren es genau genommen nicht. Anhand einzelner Biografien schafft Thomas Hüetlin einen lebhaften Einblick, warum man Ende des langen 19. Jahrhunderts und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs der Rechtsterrorismus entstanden ist: Angefangen von kulturbefreiten Kadettenschulen über den Völkermord in Namibia bis hin zu Kriegsverbrechen und der Entwertung vieler kaiserlichen Biografien nach dem ersten Weltkrieg. Der titelgebende Mord an Walther Rathenau steht dabei nicht ohne Grund im Mittelpunkt.

Seine Entwicklung vom Unterstützer und Profiteur des Kaiserreichs hin zum Protagonisten einer demokratischen Regierung steht antagonistisch zu seinen Mördern, die sich nicht mit den neuen Zeiten arrangieren konnten und wollten. Als Präsident der AEG und im Krieg für die Rohstoffversorgung zuständig, machte Rathenau den ersten Weltkrieg auf deutscher Seite erst möglich. Er unterstützte den Krieg auch dann noch, als dieser schon längst verloren war. In der Rolle des Wiederaufbauministers und Außenministers wollte er Deutschland in Europa durch wirtschaftliche Zusammenarbeit in eine friedliche Zukunft des Wohlstandes führen - eine frühe Formulierung der europäischen Union. Verhasst bei den Rechten war er dann auch nicht nur, wegen dieser antagonistischen, progressiven Ideen, sondern auch, weil er Jude war. Anders als von seinen Mördern erhofft, sorgte seine Ermordung nicht für den Zusammenbruch der Weimarer Republik, sondern stärkte diese zumindest kurzfristig. Insofern ist sein Mord dann doch eine Zäsur, denn die Weimarer Republik erkannte, dass ihre Feinde rechts sind.

Die Darstellung ist dabei hier und da etwas schwermütig in der Formulierung. Gerade beim Hörbuch ist teilweise nicht klar, ob es ein Quellenzitat oder eine Formulierung des Autors ist. Auch gilt für die nähere Geschichte meist ein Selektionsproblem aufgrund der schieren Masse an möglichen primären und sekundären Quellen. Insgesamt sind die Wirren der frühen Republik damit allerdings literarisch eingefangen und in gewisser Weise haptisch begreifbar beim Lesen. Aufgrund dessen ist dieses Buch vor allem für Geschichtsinteressierte geeignet. Ein seichter Roman ist es zum Glück nicht.

Als Leser zieht man während der gesamten Zeit Parallelen in die Gegenwart. Und so verwundert es auch nicht, dass der Autor diese auch am Ende selbst analysiert und die Verbindung über den Mord an Walter Lübke in die heutige Zeit sucht. Wer die Gegenwart verstehen will, muss manchmal eben doch in die Vergangenheit gucken. Auch wenn Geschichte sich nicht wiederholt, so reimt sie sich doch.

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Veröffentlicht am 11.02.2022

Ein fesselndes Hörbuch mit etwas Fantasy, viel Action und einer Prise Gefühl

Gladiator's Love. Vom Feuer gezeichnet
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Seitdem ich den Film „Gladiator“ gesehen habe, habe ich irgendwie einen kleinen Faible für diese Kämpfer. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mir selber einen Kampf in der Arena angeschaut hätte, wenn ...

Seitdem ich den Film „Gladiator“ gesehen habe, habe ich irgendwie einen kleinen Faible für diese Kämpfer. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mir selber einen Kampf in der Arena angeschaut hätte, wenn ich in der damaligen Zeit gelebt hätte, aber rückblickend gibt es einige epische Geschichten, die davon handeln. Somit habe ich mich wirklich auf das Hörbuch gefreut und habe viel Spannung erwartet. Diese habe ich in jedem Fall bekommen.

Der Leser oder Hörer wird allerdings nicht nach Rom in die große Arena, sondern in eine fiktive Welt entführt. In dieser gibt es Magie und zumindest auch magiebegabte Frauen, die sogenannten Vantyr. Aeryn gehört zu diesen Frauen und könnte theoretisch über das Feuer verfügen, wenn sie nicht versklavt worden wäre und dadurch ihre Kräfte blockiert wären. So muss sie ohne ihre größte Waffe jeden Tag in die Arena treten und um ihr Leben kämpfen. Ihr größter Wunsch ist dabei ihr Sklavendasein zu beenden und in ihre Heimat zurückkehren zu können. Es ist somit unnötig zu sagen, dass Aeryn einen großen Überlebenswillen sowie einen starken Kampfgeist hat.

Zunächst einmal hat mir das Setting sehr gut gefallen. Die fantastischen Elemente haben wirklich gut in die Arena gepasst und ich fand es interessant mehr über die Vantyr zu erfahren. Bis dato sind mir solche Wesen beziehungsweise Frauen noch nie in anderen Büchern begegnet. Es gab somit genug neue Elemente, die diese Geschichte zu etwas besonderem gemacht haben und mich motiviert haben, immer weiterzuhören. Aeryn war zudem ein faszinierender Charakter. Sie scheint sehr traditionsbewusst zu sein, hat ein sehr starker Ehrgefühl und hat trotz der äußeren Umstände immer noch Träume. Ein Makel an ihrer Charakterdarstellung wäre gegebenenfalls nur, dass sie ziemlich perfekt dargestellt wird. Durch ihre Abstammung als Vantyr hat sie deutlich mehr Kraft als andere Menschen, sodass sie sich überlegen fühlt und es auch häufig ist. Alle Kämpfe von ihr waren spannend beschrieben, aber als Leser hätte ich mehr mitgefiebert, wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre, ob sie gut genug ist.

Neben der Spannung und den schönen, fantastischen Elementen gibt es auch genug Emotionen. Hier gibt es wirklich ein breites Spektrum von Hass, Vertrauen und ein paar romantische Gefühle. Mir hat es gut gefallen, dass es nicht nur so einseitige Emotionen gab und dass die Liebesgeschichte nicht zu stark im Vordergrund stand. Es geht in erster Linie um Aeryn, die gerne ihre Freiheit wieder erlangen würde.

Das Hörbuch wird von Jodie Ahlborn und Jesse Grimm gesprochen. Soweit ich das im Kopf habe, habe ich noch keine Geschichte von den beiden Sprechern gehört. Beide hatten eine angenehme Stimmlage und haben Aeryn sowie Cato gut Leben eingehaucht. Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass beide Stimmen nicht sonderlich markant sind oder eine besondere Betonung hatten. Sie haben die Geschichte wirklich gut gelesen, aber es sind keine Stimmen, die einem prägnant im Gedächtnis bleiben.

Diese Hörbuch ist in sich abgeschlossen, sodass keine Fragen offen bleiben und es auch keinen Cliffhanger gibt. Mir hat die Geschichte sehr zugesagt und ich werde schauen, ob ich vielleicht noch einmal die Möglichkeit habe ein Buch von Asuka Lionera zu lesen oder zu hören. Für mich war es der erste Roman der Autorin, aber hoffentlich nicht der Letzte.

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Veröffentlicht am 06.02.2022

Eine junge, beharrliche Lady, die viel zu sagen hat

Bridgerton - Mitternachtsdiamanten
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Bei all den ganzen vorherigen Bridgerton Romanen ist mir Hyacinth nie wirklich als eigene Persönlichkeit aufgefallen, da sie meistens zu jung war und noch nicht in die Gesellschaft eingeführt worden war. ...

Bei all den ganzen vorherigen Bridgerton Romanen ist mir Hyacinth nie wirklich als eigene Persönlichkeit aufgefallen, da sie meistens zu jung war und noch nicht in die Gesellschaft eingeführt worden war. Auch wenn dies noch nicht der letzte Band ist, so erzählt er doch die Geschichte des jüngsten Familienmitglieds. Im letzten Teil wird somit noch von Gregory handeln.

Bei Hyacinth hat für mich eindeutig ihre Persönlichkeit überzeugt. Als jüngstes Kind hatte sie wohl immer einige Freiheiten und wurde nicht ganz so streng wie ihre Geschwister aufgezogen. Man könnte somit meinen, dass sie etwas vorlaut ist. In jedem Fall ist sie sehr selbstbewusst und weiß genau was sie möchte. Dazu gehört in keinem Fall ein langweiliger Ehemann oder einer, der ihr nicht Paroli bieten kann. Somit hat sie bereits einige Heiratsanträge abgelehnt und ihre Mitgift wurde deutlich erhöht. Mich hat es da nicht verwundert, dass sie sich mit Lady Danburry angefreundet hat. Viel mehr hat es mich gefreut, dass die Lady somit hier eine deutlich größere Rolle spielt.

Nach der Aufdeckung der Lady Whistledown gibt es auch in diesem Teil leider keine Klatschkolumnen, dafür wird jedes Kapitel mit einer kleinen Zusammenfassung eingeleitet. Diese klingt so wie aus einem Abenteuerroman. Von Hyacinth wird hier als Heldin gesprochen, die sich auf die Suche nach der Liebe und ein paar Diamanten macht. Diese Erzählerstimme hat mir auch sehr gut gefallen, wobei auch diese leider nicht an das Gesellschaftsjournal herankommt.

Der Klappentext und eigentlich auch der Titel verrät bereits, dass sich Hyacinth auf die Suche nach Diamanten begibt. Ich hatte hier die Befürchtung, dass es sich um eine ausgiebige Schatzsuche handeln könnte, aber war hier froh, dass es eher eine Nebenhandlung ist und es in erster Linie doch wieder um die Charaktere und die Liebe geht. Dennoch hat diese Suche ein paar neue Themen aufgebracht und der Roman ist somit wieder etwas Besonderes. Durch die kleine Schatzsuche und vor allem auch durch Hyacinths Schlagfertigkeit erhält dieser Teil eine einzigartige Note und sorgt wieder für ein einzigartiges Lesevergnügen. Ich musste mehrfach schmunzeln und wurde sehr gut unterhalten. Wer vielleicht von den beiden vorherigen Bänden etwas enttäuscht wurde, der kommt hier wieder voll auf seine Kosten. Ich freue mich jetzt in jedem Fall auf den Abschluss der Reihe.

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Veröffentlicht am 20.01.2022

Ein echt schöner Liebesroman mit einer wundervollen weiblichen Hauptperson

The Chances We Take
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In den bisherigen Bänden der Reihe habe ich schon gute Eindrücke von der geheimnisvollen Beziehung zwischen Jules und Berk bekommen. Jules hat angefangen Berk anonyme, erotische Briefe zu schreiben und ...

In den bisherigen Bänden der Reihe habe ich schon gute Eindrücke von der geheimnisvollen Beziehung zwischen Jules und Berk bekommen. Jules hat angefangen Berk anonyme, erotische Briefe zu schreiben und ihm zu erklären, was sie alles gerne mit ihm machen würde. Was als ein zunächst alberner Briefwechsel beginnt wird schnell deutlich persönlicher und sie freunden sich über die Briefe an. So wird das ganze noch komplizierter, als Berk Jules bittet ihm zu helfen, die anonyme Briefeschreiberin zu finden.

Dieser Roman hat mich echt bewegt, da er so viel tiefgründiger war, als ich erwartet hätte. Ich hatte es erst als Streich angesehen, dass Jules Berk schreibt, weil sie sich niemals trauen würde, ihm diese Dinge ins Gesicht zusagen, aber ich hätte nie so viel tiefergehende Gründe erwartet. Aus den Bänden davor weiß man, dass Jules nicht so glücklich mit ihrem Körper ist und Pole Dance als Möglichkeit nutzt ihrem Körper mehr Form zu geben. Wie groß ihre Probleme mit ihrem Körper sind, war mir nicht klar. Dieses Buch ist somit eine ganz klare Hymne dafür, dass jeder Körper liebenswert ist.

Auch Berks Geschichte ist nicht so trivial wie sie zunächst gewirkt hat. Über seine Vergangenheit möchte ich allerdings noch nichts verraten, da dies doch ein größeres Geheimnis ist und zu viel vorwegnehmen würde. Bei diesem Buch war es besonders schön, dass es aus zwei Perspektiven geschrieben wurde. Es hat wieder einmal gezeigt, wie leicht doch das Leben sein könnte, wenn jeder offen und ehrlich kommunizieren würde. Beide haben das Gefühl – aus den unterschiedlichsten Gründen - für den anderen nicht gut genug zu sein. Das fand ich ausgesprochen faszinierend.

Dieser Roman hatte für mich wieder etwas mehr Abwechslung sowie Tiefgang als der Teil davor. Er hat mir wieder Lust auf mehr gemacht. Der nächste Band „The Rules We Break“ erzählt nun endlich die Geschichte von LJ und Marissa. Schon seit dem ersten Buch möchte ich gerne wissen, warum die beiden aus ihrer Freundschaft nicht mehr gemacht haben. Ich werde dieses Buch somit in jedem Fall lesen und freue mich schon jetzt riesig darauf.

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Wundervoll geschrieben und eine echt süße Liebesgeschichte

City of Love – Hunter & Josie
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Eine Liebesgeschichte zwischen zwei guten Freunden, die dann auch noch in der traumhaften Stadt New York spielt – wie hätte ich dazu nein sagen sollen. Somit ist dieses Buch direkt auf meiner Wunschliste ...

Eine Liebesgeschichte zwischen zwei guten Freunden, die dann auch noch in der traumhaften Stadt New York spielt – wie hätte ich dazu nein sagen sollen. Somit ist dieses Buch direkt auf meiner Wunschliste gelandet und das, obwohl ich die Autorin noch gar nicht kannte. „Diamonds of Love“ liegt zwar noch auf meinem SUB, aber bis dato hatte ich noch nicht die Zeit mich diesem Roman zu widmen. Jetzt freue ich mich, dass ich noch mehr von der Autorin lesen kann. Ich habe mich echt in ihren Schreibstil verliebt.

Josie und Hunter sind seit der Schulzeit beste Freunde und teilen alle wichtigen Erlebnisse miteinander. So ist es nicht verwunderlich, dass Hunter auch Josie aufsucht als sein Visum nicht mehr verlängert wird. Obwohl er seit Jahrzehnten in den USA lebt, hat er es nie für wirklich wichtig erachtet sich um seine Greencard zu kümmern. Da ist der Rat seiner besten Freundin und gleichzeitig auch Anwältin sehr gefragt. Der einzige Ausweg scheint eine vorgespielte Ehe zu sein.

Ich schätze jeder, der nur auch schon einmal Urlaub in den USA gemacht hat, hat mitbekommen, dass die Kontrollen und die Visabestimmungen dort ziemlich streng sind. Dass man es da nicht dem Zufall überlassen möchte, ob man noch eine Greencard bekommt, kann ich da sehr gut nachvollziehen, auch wenn eine vorgetäuschte Ehe sehr extrem klingt. Von dem ersten Moment an war dem Leser eigentlich schon klar, dass es sich hier nicht nur um eine vorgetäuschte Ehe oder eine platonische Beziehung handelt, dennoch war es sehr spannend mitzuerleben, wie sich langsam ein Knistern zwischen den beiden gebildet hat, bis irgendwann die Spannung quasi greifbar war. Die beiden sind wirklich ein wundervolles Paar.

Mir haben auch die Charaktere als einzelne echt gut gefallen. Josie ist eindeutig ein Kopfmensch. Sie liebt ihre Pro-und-Kontra-Listen und muss erst einmal alles analysieren. Das ist eine Eigenschaft, die ihr in ihrem Job als Anwältin zugutekommt. Hunter ist da eher ein Mensch, der im Moment lebt und diesen genießt. Zwar kann er auch Pläne machen, aber er ist nicht jemand, der schlaflose Nächte hat und zu Tode analysiert. Es war herrlich wie seine Mentalität auch ein bisschen auf Josie abgefärbt hat.

Mir hat der Roman echt gut gefallen. Es ist ein wirklicher Gute-Laune-Wohlfühl-Roman, der einem einen Vorgeschmack auf den Sommer gibt. Hier konnte der Leser bereits die Cousins und Cousinen von Hunter kennenlernen. Von ihnen handeln die weiteren Teile der Reihe, auf die ich mich schon sehr freue.

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