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Veröffentlicht am 13.02.2022

Eine faszinierende Alternativwelt, fantastisch in jeder Beziehung

Geistkrieger: Libellenfeuer
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Staunend lerne ich Powtanka kennen, ein alternatives Amerika, das nie erobert wurde, und relativ isoliert zu einer technologisch hochentwickelten Weltmacht geworden ist, in der Menschen dennoch in Einklang ...

Staunend lerne ich Powtanka kennen, ein alternatives Amerika, das nie erobert wurde, und relativ isoliert zu einer technologisch hochentwickelten Weltmacht geworden ist, in der Menschen dennoch in Einklang mit der Natur leben und die Astralwelt, der große Geist und Totems sehr real sind.

Zu Beginn hilft eine Zusammenfassung der Ereignisse des ersten Bandes (Geistkrieger: Feuertaufe) dem Neueinsteiger in die Reihe. Der Schotte Finnley ist der Liebe wegen nach Powtanka gekommen und arbeitet bei den Geistkriegern, einer Spezialeinheit der Polizei, die sich um Fälle spirituellen Missbrauchs kümmert. Der grausame Mörder aus dem ersten Band ist noch nicht gefasst und es gibt neue merkwürdige Ereignisse, die die Geistkrieger beschäftigen.

Einfallsreich und glaubhaft beschreibt Sonja Rüther diese faszinierende Alternativrealität, wobei die Gegensätze von Hochtechnologie und Astralwelt einen Teil des Reizes ausmachen, aber es geht noch um so viel mehr. Das Geistkrieger-Team besteht aus Individualisten mit verschiedenen Fähigkeiten und sehr eigenem Charakter und muss erst noch zu einer Einheit verschmelzen, Finnley hat permanent Schwierigkeiten mit der Clan-Gesellschaftsstruktur und ihrem Machtgefüge und sieht sich auch auf ganz privater Ebene mit einem großen Konflikt konfrontiert. Und es geht auch um aktuelle Themen wie Rassismus, Migration, Machtmissbrauch und die Klimaerwärmung als globale Herausforderung.

Sonja Rüthers Schreibstil ist flüssig, lebendig und bildhaft, sie ist ihren Protagonisten sehr zugewandt, die Geschichte ist sehr spannend, temporeich, komplex, auch grausam und gruselig, alle Charaktere sind glaubwürdig geschildert und wecken bei mir Interesse, Zuneigung oder Abneigung, Bewunderung oder Mitleid, keiner lässt mich unberührt.

Am Ende des Buchs überrascht eine Kurzgeschichte von Markus Heitz, die auf Sonja Rüthers Alternativrealität basiert. Ich mag seinen Schreibstil, mir gefällt die Kurzgeschichte, sie pass auch zur powtankanischen Welt.

Das Ende von Libellenfeuer bietet Ideen für eine Fortsetzung der Reihe, die hoffentlich nicht allzu lang auf sich warten lässt. Ich freue mich schon fast ungeduldig darauf, Neues aus dieser faszinierenden Welt zu lesen.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Anspruchsvoll, fesselnd und ungewöhnlich

Der Holländer
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Ein deutscher Wattwanderer wird tot auf einer Sandbank in der Emsmündung im umstrittenen deutsch-niederländischen Grenzgebiet gefunden. Da die Zuständigkeit nicht so schnell geklärt werden kann, schickt ...

Ein deutscher Wattwanderer wird tot auf einer Sandbank in der Emsmündung im umstrittenen deutsch-niederländischen Grenzgebiet gefunden. Da die Zuständigkeit nicht so schnell geklärt werden kann, schickt die Bundespolizei See in Cuxhaven inoffiziell einen auf Texel aufgewachsenen Ermittler in die Niederlande, um herauszufinden, was genau im Watt passiert ist.

Der Leser begegnet authentischen und allesamt interessanten Protagonisten mit speziellem Hintergrund, der auch manche Charaktereigenschaft erklärt. Da ist vor allem der schweigsame, eigenwillige titelgebende Ermittler, der die Puzzleteile der Kriminal-Geschichte letztendlich richtig zusammensetzt, aber auch Geeske Dobbenga, Opperwachtmeester beim niederländischen Grenzschutz, die eigentlich ihren letzten Arbeitstag vor Rentenbeginn hat oder der tote asthmakranke Wattwanderer Klaus, für den Wasser zeitlebens eine Herausforderung war, sportliches und sogar berufliches Betätigungsfeld.

Zu Beginn habe ich, um meine Wissenslücken aufzufüllen, im Netz über das Watt, das Grenzgebiet an der Nordsee und den deutsch-niederländischen Ems-Dollart-Vertrag gelesen und durch das Buch habe ich viel gelernt über das Wattenmeer und seine Gefahren und seine Faszination, über das Wattwandern als Herausforderung und Abenteuer, das dem Menschen seine Bedeutung(slosigkeit) und Stellung in der Natur sehr schnell sehr klar machen kann.
Mathijs Deens Schilderungen sind sehr anschaulich und bildhaft, er hat einen ruhigen anspruchsvollen Schreibstil, der die Stimmung am Wattenmeer und die Menschen, die dort leben, atmosphärisch gelungen beschreibt.

Sehr schön finde ich das Cover, es zeigt das durch Sonnenlicht golden schimmernde Watt, im Hintergrund das Meer und ein wolkenverhangener Himmel. Eine willkommene Hilfe ist die Karte des Wattenmeers auf der Innenseite des Schutzumschlags.

Das Buch mit seiner außergewöhnlichen Geschichte hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es Lesern von Spannungsliteratur, die offen für ein ungewöhnliches Setting sind.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Spannendes Wiedersehen mit liebgewonnenen, ganz besonderen Herrschaften

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Der Donnerstagsmordclub von der Seniorenresidenz Coopers Chase und seine Freunde müssen wieder ermitteln. Es geht um mehr als ein Verbrechen und diesmal ist das charmante Quartett auch persönlich betroffen. ...

Der Donnerstagsmordclub von der Seniorenresidenz Coopers Chase und seine Freunde müssen wieder ermitteln. Es geht um mehr als ein Verbrechen und diesmal ist das charmante Quartett auch persönlich betroffen. Ibrahim, ehemaliger Psychiater, wird im Ort Fairhaven überfallen und schwer verletzt und Elizabeth wird von einem früheren Kollegen vom Geheimdienst und Ex-Ehemann um Hilfe gebeten. Auch Ron, ehemaliger Gewerkschafter und Joyce, die frühere Krankenschwester, sind wieder voll gefordert bei der Aufklärung der Verbrechen. Mit Scharfsinn, Einfallsreichtum, Witz und Mut geht das Seniorenquartett ans Werk.

Lebendig, humorvoll und augenzwinkernd erzählt Richard Osman die Geschichte fast im Plauderton, es gibt auch wieder Kapitel mit witzigen Tagebucheinträgen von Joyce in ihrer unnachahmlichen Art. Einfach köstlich sind die Dialoge zwischen Elizabeth und Joyce und die skurrilen Diskussionen der vier Senioren.
Der Autor spricht auch Themen an wie Liebe und Freundschaft, Einsamkeit, Demenz, Tod und Trauer, immer einfühlsam, mitfühlend und tiefgründig. Ganz großartig und berührend finde ich hier das letzte Kapitel des Buchs.

In diesem zweiten Band gibt Richard Osman den Charakteren seiner Protagonisten noch mehr Tiefe, auch die befreundeten Polizisten und Bogdan bekommen weiter Profil. Die Krimihandlung ist durchaus komplex, spannend und voller Wendungen, wenn auch teilweise unrealistisch.

Das mutig farbenfrohe Cover passt zum ersten Band und macht durchaus einen britischen Eindruck, wobei die Cover der englischen Ausgaben ganz anders gestaltet sind.

„Der Mann, der zweimal starb“ hat mich bestens unterhalten und ist mindestens so gelungen wie der Vorgänger. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und freue mich auf den 3. Band, der im Original im September erscheinen soll und hoffentlich dann auch bald in deutscher Übersetzung.

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Veröffentlicht am 22.01.2022

Noch besser als Band 1 – spannend, komplex, aktuell

Todland
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Während Martin Junckersen im provinziellen Sandsted den Mord am einem Anwalt untersucht, bekommt seine Noch-Ehefrau Charlotte, eine Investigativjournalistin, einen anonymen Hinweis zum Terroranschlag in ...

Während Martin Junckersen im provinziellen Sandsted den Mord am einem Anwalt untersucht, bekommt seine Noch-Ehefrau Charlotte, eine Investigativjournalistin, einen anonymen Hinweis zum Terroranschlag in Kopenhagen vor einem halben Jahr. Da der Inlandsgeheimdienst den Polizeibeamten einen Maulkorb verpasst hat, erfährt Charlotte nichts von Juncker, als sie ihn mit den Informationen konfrontiert. Auch Signe Kristiansen blockt zunächst ab, aber als der Informant brutal ermordet wird, erkennt Signe als Ermittlungsleiterin, dass sie mit Charlotte zusammenarbeiten muss, um auch sich selbst zu schützen.

Rückblenden zu den Ereignissen vor 6 Monaten helfen dem „Neueinsteiger“ in die Reihe, einen Überblick zu bekommen, aber zum besseren Verständnis ist es doch empfehlenswert, den ersten Band auch zu kennen. So kann der Leser auch die Entwicklung der Protagonisten nachvollziehen, die als Charaktere noch besser ausgearbeitet sind als in „Winterland“. Mir hat hier besonders gefallen, dass sowohl Juncker als auch Signe nicht mehr so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, sie sind in diesem zweiten Band vielseitiger und nahbarer, sie scheuen als Ermittler kein Risiko und sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Die Begegnung mit Junckers Tochter Karoline macht den Ermittler als Person für mich authentischer und auch die Zusammenarbeit mit der enthusiastischen Kollegin Nabiha macht ihn greifbarer. Charlotte als weitere Protagonistin bereichert den Krimi, ihre journalistische Recherchearbeit und die polizeilichen Ermittlungen ergänzen sich gut.

Der lebendige Schreibstil der erfahrenen Autoren, die in Dänemark ein aus Fernsehen und Tageszeitung bekanntes Journalistenpaar sind, ist angenehm zu lesen und es geht neben den kriminalistischen Aspekten auch um andere Themen aus Politik und Gesellschaft. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten und die letzten losen Fäden werden wohl erst im dritten und letzten Band der Reihe miteinander verknüpft, der schon im Mai erscheinen soll.

Irritierend finde ich den Klappentext, der ist entweder falsch oder nimmt einen Aspekt des 3. Bandes vorweg, beides ist bedauerlich.

Veröffentlicht am 16.01.2022

Nichts ist, wie es scheint

Seelen unter dem Eis
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Tom Döbbe ist ein erfolgreicher verheirateter Unternehmer, dessen Leben durch die toxische Affäre mit der Studentin Amal völlig aus dem Takt gerät und in eine Katastrophe mündet.

Zurückgeworfen auf sich ...

Tom Döbbe ist ein erfolgreicher verheirateter Unternehmer, dessen Leben durch die toxische Affäre mit der Studentin Amal völlig aus dem Takt gerät und in eine Katastrophe mündet.

Zurückgeworfen auf sich selbst, in der Isolation und Trostlosigkeit des Todestrakts eines Gefängnisses, in Erwartung seines Hinrichtungstermins, gelingt es Tom, seine Vergangenheit zu reflektieren und sich selbst gegenüber endlich ehrlich zu sein.
In Rückblenden erzählt er Episoden aus Kindheit und Jugend, seiner beruflichen Laufbahn, seiner Ehe und beschreibt die unheilvollen Begegnungen mit Amal. In der Gegenwart schildert er den brutalen und erniedrigenden Gefängnisalltag hautnah. Diese Beschreibungen lesen sich äußerst authentisch und beruhen auf Recherchen der Autorin und ihren Besuchen in einem US-Staatsgefängnis.

Spannend, mit nicht vorhersehbaren Wendungen überrascht dieser leise Thriller mit seinem lebendigen, fesselnden Schreibstil, guter Charakterausarbeitung nicht nur des Protagonisten, gibt tiefe Einblicke in die Psyche eines Menschen. Er setzt sich auch mit der Todesstrafe auseinander, die den Menschenrechten widerspricht und eher Rache als Strafe ist. Auch im Nachwort beschäftigt sich Astrid Korten weiterführend mit der Todesstrafe. Die Autorin beweist wieder einmal ihre Vielseitigkeit und Ihre Fähigkeit, vielschichtige Roman zu schreiben.
Dieses Buch hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern beschäftigt mich gedanklich auch noch nach dem Lesen.

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