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Veröffentlicht am 28.03.2022

Die richtige Perspektive

Die Aosawa-Morde
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„Ich hoffe, Sie verstehen, dass Wahrheit nichts anderes ist als die Sichtweise auf einen Gegenstand aus einer bestimmten Perspektive.“ Seite 64

Drei Generationen der hochangesehen Ärztefamilie Aosawa ...

„Ich hoffe, Sie verstehen, dass Wahrheit nichts anderes ist als die Sichtweise auf einen Gegenstand aus einer bestimmten Perspektive.“ Seite 64

Drei Generationen der hochangesehen Ärztefamilie Aosawa feiern Geburtstag, als ein unbekannter Mann Getränke liefert, die mit Zyanid versetzt sind. Es sterben siebzehn Menschen, darunter einige Kinder, lediglich Hisako, die blinde Tochter des Hauses, überlebt unversehrt. Der Mörder begeht kurz darauf Selbstmord, aber es bleiben viele Fragen offen und nicht alle sind von seiner Schuld überzeugt.

Das Buch ist ungewöhnlich aufgebaut. Es gibt Interviews mit Angehörigen der Opfer, den Nachbarn, dem damaligen Ermittler und anderen Beteiligten, wobei die Fragen nicht genannt werden. Es sind fast Selbstgespräche, denen ich folge, die Ausführungen springen von hier nach da, manchmal verliert sich die interviewte Person in Belanglosigkeiten, schweift ab, um dann wieder auf den Punkt, nämlich die Tragödie, zurückzukommen. Dazwischen geht es in Romanform weiter, kurze Sequenzen sind es, die diese Gespräche unterbrechen, Zeitungsartikel und Briefe. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, was an jenem Sommertag geschah, der Zweifel an der Täterschaft aber wächst.

Die Erzählweise fand ich ungewöhnlich und faszinierend, allerdings ging für mich dadurch etwas von der Spannung verloren, da die Gespräche immer wieder von der Thematik abwichen. Interessant fand ich, wie unterschiedlich die Personen über das gleiche Ereignis berichteten, manches passte zusammen, vieles widersprach sich. Nicht immer war klar, wer da erzählt, dies ergab sich oft erst im Laufe der Kapitel. Das Puzzle zusammenzustellen, war knifflig und bis zuletzt war ich nicht sicher, was stimmt und was nicht. Wer ein klares Ergebnis mag und lose Fäden meidet, wird enttäuscht, denn am Ende bleibt die Interpretation des Falls dem Leser überlassen. Mich hat dieses ungewöhnliche Buch gut unterhalten, ich vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Wo ist Viola?

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Seit dreiundzwanzig Jahren sucht LKA-Ermittler Tom Babylon bereits nach seiner Schwester Viola und nun gibt es endlich einen Hinweis, der zu ihr führen könnte. Er findet im Keller seines Elternhauses ein ...

Seit dreiundzwanzig Jahren sucht LKA-Ermittler Tom Babylon bereits nach seiner Schwester Viola und nun gibt es endlich einen Hinweis, der zu ihr führen könnte. Er findet im Keller seines Elternhauses ein Foto, das Viola als Erwachsene zeigt, seine Ermittlungen führen ihn nach London. Als kurze Zeit später sein Vater bei einem Überfall stirbt, verdächtig Tom seinen früheren Mentor Dr. Walter Bruckmann, hieran beteiligt zu sein. Dumm nur, dass dieser in einer psychiatrischen Einrichtung eingesperrt ist.

Es handelt sich hierbei um den abschließenden Band der vierteiligen Reihe um den LKA-Ermittler Tom Babylon und mein erstes Buch des Autors, das ich gelesen habe, die ersten drei Teile der Serie kenne ich bisher nicht. Meine Befürchtungen, ich würde deswegen der Story nicht folgen können, haben sich nicht bestätigt, obwohl mir durch Andeutungen und Hinweise natürlich schon immer wieder vor Augen geführt wurde, dass mir bestimmte Informationen fehlen. Der Schreibstil war toll, die Zeitsprünge aber oft etwas verwirrend und lediglich die Gespräche von Tom mit seiner verschwunden Schwester im Alter zum Zeitpunkt ihres Verschwindens fand ich ein wenig seltsam. Vielleicht fehlt mir hier aber einfach nur die Nähe zur Hauptfigur, die mit den vorherigen Büchern gewachsen wäre. Ein spannender Fall, ein rasantes Verwirrspiel, interessante Charaktere und ein befriedigender Abschluss. Es gibt kaum etwas zu bemängeln, außer dass es schade ist, dass ich die Reihe nicht bereits früher für mich entdeckt habe. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.03.2022

Wo ein Wille ist

Mörderfinder – Die Macht des Täters
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Als Leon, der Neffe der Polizeibeamtin Katharina Baumann, sich umbringt, weil er des Mordes beschuldigt wird, wendet sich diese an den Fallanalytiker und früheren Polizeibeamten Max Bischoff, weil sie ...

Als Leon, der Neffe der Polizeibeamtin Katharina Baumann, sich umbringt, weil er des Mordes beschuldigt wird, wendet sich diese an den Fallanalytiker und früheren Polizeibeamten Max Bischoff, weil sie von der Unschuld Leons überzeugt ist. Max soll sich den Fall ansehen und dies beweisen. Die Beweislast in dem Fall aber ist erdrückend, alles weist darauf hin, dass Leon die Tat begangen hat. Kurz darauf geschieht ein zweiter Mord, der mit dem ersten jedoch nicht in Verbindung gebracht werden kann, zu unterschiedlich sind die Taten. Max vermutet trotzdem einen Zusammenhang, hat aber Probleme damit, sich in den Kopf des Täters versetzen zu können. Irgendetwas blockiert ihn und das macht ihn schier verrückt.

Dies ist der zweite Teil der Reihe um Max Bischoff, die zeitlich nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst ansetzt. Ich kenne weder den ersten Teil, noch die diesem Buch vorausgehende Trilogie um Max, hatte aber überhaupt keine Probleme damit, der Story zu folgen. Es gab zwar einige Hin- und auch immer wieder Verweise auf die polizeiliche Laufbahn von Max und frühere Geschehnisse, dies war aber erfreulicherweise sehr dezent, sodass es mich einerseits nicht störte, andererseits aber jedem interessierten Leser die Möglichkeit gibt, die vorherigen Bücher lesen zu können, ohne gespoilert worden zu sein. Mir hat das vorliegende Buch gut gefallen. Ich fand Max zwar oft etwas humorlos und auch nicht übermäßig genial, aber das macht ihn menschlich und dadurch sympathisch, weil es den Ernst der Sache eher unterstreicht. Der Fall selbst war sehr interessant, die Auflösung schlüssig und trotz einiger Längen habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Ich werde den ersten Teil ganz bestimmt nachholen und freue mich bereits jetzt auf eine Fortsetzung. Von mir gibt es vier Sterne.

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Veröffentlicht am 02.02.2022

Sauber, adrett, Mord

The Maid
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Molly Gray ist Zimmermädchen im Londoner Regency Grand Hotel und liebt ihren Job. Für sie gibt es nichts schöneres, als für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, die Zimmer in einen Zustand der Perfektion ...

Molly Gray ist Zimmermädchen im Londoner Regency Grand Hotel und liebt ihren Job. Für sie gibt es nichts schöneres, als für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, die Zimmer in einen Zustand der Perfektion zu versetzen. Die immer gleiche Routine ist ihr dabei sehr wichtig, denn Molly ist anders, um nicht zu sagen einzigartig. Ausgeprägte autistische Züge machen ihr Leben für Außenstehende kompliziert, aber Molly selbst kennt es nicht anders. Als sie eines Tages des Multimillionär Black tot in seinem Zimmer findet, führt ihr Verhalten leider dazu, dass die Polizei sie des Mordes verdächtigt.

Cosy-Krimis (im englischen steht cosy für gemütlich, behaglich) sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, sodass ich hier anfangs skeptisch war, ob das Buch mich überzeugen wird. Anfangs war ich auch recht überfordert von dem wirklich großartigen Humor, der größtenteils dem Wesen von Molly und der hieraus entstehenden Situationskomik geschuldet ist. Hierbei sind es einerseits Mollys autistische Züge, die für viele kuriose, manchmal sogar skurrile Situationen sorgen, andererseits aber der Umstand, dass Molly bei ihrer Oma aufgewachsen ist und diese ein großer Fan alter Sitten, Gebräuche sowie vieler mittlerweile veralteter Begriffe und Redewendungen war, die sie ihrer Enkelin beibrachte. Dazu kommt, dass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte, wie Molly behandelt wird; ich hätte am liebsten eingegriffen und die junge Frau beschützt. Es war sehr schwer auszuhalten, weil Molly so ein liebenswerter und freundlicher Charakter war. Unglaublicherweise hat die Geschichte mich dann irgendwann trotzdem so gepackt, dass ich förmlich durch die Seiten geflogen bin und das Buch nicht habe aus der Hand legen können. Der Einfallsreichtum der Autorin hat mich mehrfach überrascht und die Wendungen erfreut. Ein humorvoller, unblutiger Wohlfühlkrimi, bei dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Letztendlich wurde ich sehr überrascht und vollends überzeugt, vergebe vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

Verschwunden im Schnee

Grenzfall - Ihr Schrei in der Nacht
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Eine junge Frau ist auf dem Weg nach Hause, als sie spurlos verschwindet. Erst vermutet man, sie könnte sich wegen einem Schneesturm verirrt haben, als kurze Zeit später weitere Personen verschwinden. ...

Eine junge Frau ist auf dem Weg nach Hause, als sie spurlos verschwindet. Erst vermutet man, sie könnte sich wegen einem Schneesturm verirrt haben, als kurze Zeit später weitere Personen verschwinden. Alexa Jahn und ihr Partner Florian Huber haben in Oberbayern alle Hände voll zu tun. Gleichzeitig verschwinden auf der österreichischen Seite zwei Studentinnen aus ihrem Wohnheim, niemand hat etwas bemerkt, keiner was gehört. Bernhard Krammer und seine Kollegin Roza Szabo nehmen die Ermittlungen auf und ahnen noch nicht, dass die Fälle wieder einmal grenzübergreifend miteinander verbunden sind.

Dies ist der zweite Fall um Alexa Jahn und Bernhard Krammer, der aber lückenlos an den ersten Teil anschließt. Wieder konnte ich den Ermittlungen in Deutschland und Österreich folgen, die hier, anders als im Vorgängerband, lange Zeit parallel, aber unabhängig voneinander erfolgten, sodass wichtige Zusammenhänge von den Beamten nicht erfasst wurden, mir aber früh klar wurden. Das Buch war für mich überwiegend mehr ein Roman als ein Krimi, ich empfand die Handlung etwas gedrosselt und hätte mir oft etwas mehr Tempo gewünscht. Erst im letzten Drittel zog die Geschichte etwas an, die Ereignisse überschlugen sich und es stand ein furioses Finale an. Ich ahnte bereits früh, wer die Taten begangen hat, aber dennoch hat es Spaß gemacht, den Protagonisten bei der Suche über die Schulter zu schauen. Für mich eine etwas schwächere Fortsetzung, die aber nicht weniger lesenswert ist. Ich vergebe vier Sterne und empfehle, die Reihenfolge einzuhalten, da das Privatleben der Hauptpersonen zwar nicht übermäßig im Vordergrund steht, aber dennoch einen gewissen Platz beansprucht.

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