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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2022

Humorvolle und turbulente Geschichte in der Welt der Literatur um zwei Charaktere nach der Devise "Was sich neckt, das liebt sich", die durch raffinierte Wendungen überraschen kann.

Aber der Sex war gut
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Annie Shepherd ist eine erfolgreiche Liebesromanautorin. Mit Elizabeth Sunderland hat sie in ihrer "Trust me"-Reihe eine Heldin geschaffen, mit der sich vor allem ihrer weiblichen Leserinnen identifizieren ...

Annie Shepherd ist eine erfolgreiche Liebesromanautorin. Mit Elizabeth Sunderland hat sie in ihrer "Trust me"-Reihe eine Heldin geschaffen, mit der sich vor allem ihrer weiblichen Leserinnen identifizieren können. Was niemand ahnt, ist, dass Annie hinter der Romanreihe ein Geheimnis verbirgt, das nur ihr Lebensgefährte und Literaturprofessor Joe Duke kennt. Als dieser bei einem letzten Liebesakt ums Leben kommt, droht ihr nicht nur ihr Versteckspiel kurz vor der Veröffentlichung des nächsten Bandes aufzufliegen, Annie steht auch noch finanziell vor dem Nichts, denn Alleinerbin von Joes Nachlass ist seine unausstehliche Tochter Lacey. Annie bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrem biederen Literaturagenten Henry Higgins zusammenzutun. Während ihrer Arbeit an dem Buchprojekt entwickelt sich eine ungeahnte Hassliebe. Kann Annie nun doch noch ihr eigenes Happy End schreiben?
Der Roman ist aus den Perspektiven von Annie und Henry geschrieben, die sich abwechseln, wobei aber nicht jeweils jedes zweite Kapitel aus der Sicht von Annie oder Henry verfasst ist, so dass man auch über mehrere Kapitel hinweg länger in die Lebens- und Gedankenwelt eines der Protagonisten eintauchen kann.
Beide sind wie Tag und Nacht, er der kühle Brite, sie die temperamentvolle Amerikanerin und scheinen bis auf die Liebe zur Literatur keine Gemeinsamkeiten zu haben. Während Henry hohe Ansprüche an sich selbst und seine Klienten hat und Trivialliteratur verabscheut, hat Annie selbst angeblich kein Talent zum Schreiben und pflegt lieber die soziale Komponente zu ihren Leserinnen. Sie ist zudem naiv und wenig verantwortungsbewusst, weshalb ihr auch das Abhängigkeitsverhältnis zu Joe zum Verhängnis wurde. Sie lebt sorglos in den Tag hinein und gerät in Panik, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat, während Henry strukturiert und gewissenhaft arbeitet und stets die Ruhe bewahrt.
Es macht Spaß ihre Kabbeleien zu verfolgen, denn der Roman ist wunderbar witzig geschrieben. Die Dialoge und Schlagabtauschs zwischen Annie und Henry sind erfrischend und humorvoll, ohne jemals aufgesetzt oder albern zu wirken. Dass das Ende der Geschichte frühzeitig zu erahnen ist, stört dabei nicht. Wie in Annies Romanreihe, in der es für die Heldin nach einer abenteuerlichen Geschichte stets ein Happy End gibt, ist auch dieser Roman um das Suchen und Finden der Liebe, wenn zwei Figuren die Liebe vor sich haben, diese jedoch nicht erkennen können, klassisch aufgebaut.
Für alle Buchliebhaber interessant, ist der Einblick in das Schaffen eines Romans und die Handlungsabläufe zwischen Agenten, Verlagen und Autoren, die anschaulich geschildert werden. Es geht um die Förderung von Talent, aber auch, wie viel gelogen und betrogen wird, wenn nur noch der finanzielle Profit und nicht die Leidenschaft und die eigene Stimme für das Schreiben im Vordergrund steht.
"Aber der Sex war gut" ist ein humorvolles und abwechslungsreiches Buch, das durch die Weiterentwicklung der Charaktere und ihrem Weg zur Selbstfindung nicht oberflächlich bleibt und eine Spur Feinsinn erhält. Im Vordergrund stehen jedoch der Humor und eine turbulente Geschichte in der Welt der Literatur um zwei Charaktere nach der Devise "Was sich neckt, das liebt sich", die gerade im letzten Drittel durch raffinierte Wendungen überraschen kann.

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Veröffentlicht am 17.02.2022

4.0 out of 5 stars Kein nervenaufreibender Thriller, aber eine dennoch spannende, authentische Geschichte um den Verdienst einer zweiten Chance

Safe House - Nirgends bist du sicher
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Wenige Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis sucht sich Steffi Finn eine renovierungsbedürftiges Cottage in Cornwall, um neu anzufangen. Sie hat einen anderen Namen angenommen und möchte als ...

Wenige Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis sucht sich Steffi Finn eine renovierungsbedürftiges Cottage in Cornwall, um neu anzufangen. Sie hat einen anderen Namen angenommen und möchte als Charlie Miller die Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hatte ihrem damaligen Lebensgefährten vor zwei Jahren zunächst ein falsches Alibi gegeben, wodurch er nicht verhaftet wurde, sondern erneut einen Mord begehen konnte. Nach den Ermittlungen begann eine Hetzjagd durch die Medien und die Angehörigen der Opfer auf Steffi und selbst ihre Eltern wendeten sich von ihr ab. Sie selbst macht sich Vorwürfe aufgrund ihrer Naivität und der starken Abhängigkeit von ihrem manipulativen Exfreund, hofft aber dennoch auf eine zweite Chance. Doch die Dämonen der Vergangenheit lassen sie selbst in dem abgelegenen Dorf nicht los.

Der Roman handelt im Herbst 2018, zwei Monate nach der Entlassung von Steffi Finn aus dem Gefängnis wegen Behinderung der Justiz. Durch Rückblenden in das Jahr 2016 wird deutlich, welche toxische Beziehung sie zu Lee Fisher führte und wie es dazu kam, dass sie ihm voll Vertrauen in seine Integrität ohne nachzudenken ein falsches Alibi gegeben hat.
In Cornwall angekommen, versucht sie sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, beteiligt sich an einem Buchclub und übernimmt kleine handwerkliche Tätigkeiten. Mit ihrer neuen Identität fühlt sie sich sicher, doch dann ereignen sich immer wieder kleinere Unfälle und seltsame Zufälle lassen sie glauben, dass sie jemand enttarnt hat und verfolgt.
Die Angst von Steffi ist spürbar und ihre Paranoia nachvollziehbar geschildert.

Tatsächlich erfährt der Leser aus zwei weiteren Perspektiven, dass sich Steffi nicht sicher fühlen kann. Mindestens zwei Personen sind hinter ihr dicht auf den Fersen, um Rache zu üben.

"Safe House - Nirgends bist du sicher" ist kein nervenaufreibender, komplexer Thriller, entwickelt aber trotz seiner Vorhersehbarkeit eine solide Grundspannung. Zudem sind das Alltagsleben und die Hoffnung auf einen Neuanfang, auf Rehabilitation nach einer verbüßten Strafe und einen gerechten Neuanfang, authentisch und abwechslungsreich geschildert. Auch die charakterliche Veränderung von Steffi ist glaubwürdig. Durch die Haftstrafe und Reflexion über ihre Beziehung und ihre Tat hat sie sich von einer naiven, unsicheren jungen Frau zu einer körperlich und mental stärkeren Person entwickelt, die es verdient hat, neu zu beginnen. Eine drohende Gefahr von mehreren Seiten - sei es eingebildet oder echt - ist kontinuierlich vorhanden.
Das Ende des Romans mutet fast schon ein wenig kitschig an und ist für einen Thriller entschieden zu glückselig.

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Veröffentlicht am 15.02.2022

Bittersüße Geschichte, die abwechslungsreich und lebendig und trotz der Ernsthaftigkeit und Schwere der Themen spielerisch-leicht statt bedrückend geschildert ist.

Ewig braucht doch keiner
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Tischlerlehrling Meyer ist an Thymuskrebs erkrankt und befindet sich nach Operation und Chemotherapie in einer Rehaklinik für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern. Dort freundet er sich mit mehreren ...

Tischlerlehrling Meyer ist an Thymuskrebs erkrankt und befindet sich nach Operation und Chemotherapie in einer Rehaklinik für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bayern. Dort freundet er sich mit mehreren Jugendlichen in seinem Alter an, darunter Adrian, der die Idee hat, eine neue Religion zu gründen. Die sechs Jugendlichen philosophieren und entwickeln Ideen. Unabhängig davon, ob es einen Gott gibt oder nicht, soll die Religion den Menschen in erster Linie Trost spenden. Der Tod soll dabei nicht das Ende sein. Menschen sollen solange wiedergeboren werden, wie es die Menschheit gibt - denn ewig braucht doch keiner.
Während der Treffen in ihrer Verschwörerecke verliebt sich Meyer in Johanna und erlebt mit ihr trotz des Damoklesschwerts Krebs, das über ihnen allen schwebt, die unbeschwerte Zeit des Verliebtseins und die süßen Früchte der ersten Liebe.

"Ewig braucht doch keiner" ist ein Jugendbuch, kann aber auch ohne Weiteres von lebensälteren Leserinnen gelesen werden. Die Geschichte handelt in einer Einrichtung für krebskranke Kinder und Jugendliche, die von einer Stiftung gefördert wird, in der es weniger um die körperliche, als vielmehr die seelische Gesundung der jungen Patienten geht.

Das Buch ist auch Sicht des 17-jährigen Meyer geschrieben, der seinen altbackenen Vornamen zunächst bewusst verheimlicht und den Leser direkt anspricht. Er schreibt selbst seine eigene Geschichte über den Aufenthalt in der Reha auf und könnte sich das Szenario auch gut als Film vorstellen.

Auch wenn alle handelnden Personen von der Diagnose Krebs betroffen sind und das Leid, das sie in ihren jungen Leben schon haben durchmachen müssen, ihnen anzusehen ist, ist die Geschichte keinesfalls beklemmend oder deprimierend. Die Krebsarten, Behandlungen und Heilungschancen werden - wenn überhaupt - nur als Nebensache erwähnt. Im Fokus der Handlung stehen die Freundschaft der Protagonisten und ihr gemeinsames Ziel der Gründung einer neuen Religion. Das Projekt beschäftigt sie intensiv und ist eine Form der Ablenkung von den vordringlichen Problemen. Religion ist dabei ein sehr großes Wort. Die Jugendlichen, die keine Angst vor dem Tod haben und mit ihren Erkrankungen souverän umgehen, suchen eher nach einem Anker und einem Trost, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist.
Die Charaktere sind individuell gezeichnet - manch einer schüchtern und zurückhaltend, der eine feinfühlig, der andere plump, von selbstbewusst und fordernd bis liebenswert skurril. So philosophieren, diskutieren, streiten und vertragen sie sich, bis sie die Grundlagen für ihre Religion gefunden haben, die sie der breiten Masse vorstellen möchten.

Die Geschichte ist abwechslungsreich und lebendig und trotz der Ernsthaftigkeit und Schwere der Themen spielerisch-leicht statt bedrückend geschrieben. Die scharfsinnige und optimistische Erzählstimme von Meyer, der sich selbst niemals bedauert oder mit seinem Schicksal hadert, macht Mut und schenkt Leser
innen jeder Altersklasse Hoffnung, beschönigt jedoch auch nichts. Gerade am Ende wird die bittersüße Geschichte nicht nur etwas langatmig, sondern auch ein wenig wehmütig, zeigt aber eben ganz realistisch wie das Leben so spielt und weckt keine falschen Erwartungen.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Kein sonderlich komplexer Kriminalfall, jedoch weiß der Thriller durch seine interessanten Figuren und deren geheimnisvolle Vergangenheit zu überzeugen

Dunkle Seele
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Nach dem Hinweis einer Nachbarin wird Gregor Franks, ein angeblich alleinstehender Mann, bewusstlos mit einer schweren Kopfverletzung in seiner Badewanne aufgefunden. Ob es sich um einen Unfall oder um ...

Nach dem Hinweis einer Nachbarin wird Gregor Franks, ein angeblich alleinstehender Mann, bewusstlos mit einer schweren Kopfverletzung in seiner Badewanne aufgefunden. Ob es sich um einen Unfall oder um Fremdeinwirkung handelt, ist zunächst unklar. Im Treppenhaus wurde eine Frau mit einem kleinen Kind gesehen, die das Haus an dem Tag auffällig überstürzt verlassen hat. Detective Sergeant Joanna Harper beginnt mit den Ermittlungen, nimmt den Hinweis auf und fahndet als einzigen Anhaltspunkt nach der Frau. Über Videoabgleiche an öffentlichen Plätzen stellt sich heraus, dass es sich um zwei Frauen handelt, die identisch gekleidet offenbar mit einem Kind auf der Flucht sind. Zu ihrem eigenen Entsetzen erkennt Joanna eine der Frauen, unterschlägt diese Tatsache jedoch, um den Sachverhalt eigenmächtig zu klären und nicht wegen Befangenheit von dem Fall eines möglicherweise versuchten Mordes abgezogen zu werden.
"Dunkle Seele" ist der zweite Band einer Reihe um Detective Sergeant Joanna Harper. Die Bücher können jedoch problemlos unabhängig voneinander gelesen werden.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen: wenige Tage vor Weihnachten, als der bewusstlose Mann aufgefunden wird und mehrere Monate davor, die eine Erklärung zu den beiden gesuchten Frauen liefern. Als Leser*in ist man dem Ermittlerteam um DS Harper deshalb mit einem Wissensvorsprung voraus. Aufgrund der Vorgeschichte ist bald zu erahnen, was in der Wohnung geschehen sein mag, weshalb ein Teil der Spannung eingebüßt wird. Letztlich bleibt der Fall jedoch verwirrend und erhält insbesondere durch die Bezüge zur schottischen Mystik einer der beiden gesuchten Frauen eine geheimnisvolle, nicht durchschaubare Komponente. Auch die persönliche Involvierung Joannas und ihre ungewöhnliche Familienkonstellation tragen dazu bei, dass die Aufklärung des Verbrechens und die Suche nach Opfern und Tätern trotz eines eindeutigen Verdachts fesselnd bleibt.
Im letzten Drittel spitzt sich die Lage zunehmend zu, die Perspektiven wechseln schneller und enden mit Mini-Cliffhangern. Die drohende Gefahr ist allgegenwärtig und es wird immer rätselhafter, bei wem es sich um den Mann aus der Badewanne handelt. Umso enttäuschender ist dann, dass seine Rolle nach meinem Empfinden nur unzureichend aufgeklärt wird.
Der Fall und die Hintergründe der Tat sind dabei nicht sonderlich komplex oder außergewöhnlich. Der Thriller weiß vielmehr durch seine interessanten Figuren, deren geheimnisvolle Vergangenheit und die Frage, wer Opfer und wer Täter ist, zu überzeugen. Es ist ein vielschichtiger Roman mit märchenhaften, mythologischen Elementen, der ein großes Augenmerk auf die Beziehungen zwischen Mutter und Kind legt, die hier auf beiden Erzählebenen nachvollziehbar und eindringlich geschildert werden.

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Veröffentlicht am 02.02.2022

Spannendes Familiendrama mit dunklen Geheimnissen, die schrittweise entschlüsselt werden und Erschütterndes einer dysfunktionalen Familie offenbaren.

Das Geheimnis des Sturmhauses
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Rita Murphy arbeitet als Kindermädchen bei der Familie Harrington. Nach einem Brand müssen sie ihr Haus verlassen und ziehen in das abgelegene Haus Foxcote Manor in den Wäldern Englands. Jeannie Harrington ...

Rita Murphy arbeitet als Kindermädchen bei der Familie Harrington. Nach einem Brand müssen sie ihr Haus verlassen und ziehen in das abgelegene Haus Foxcote Manor in den Wäldern Englands. Jeannie Harrington versinkt nach einer Tragödie in Trauer und blüht erst wieder auf, als ihre Tochter ein wenige Wochen altes Baby auf dem Anwesen findet, das offenbar von einer verzweifelten Mutter abgelegt worden war. Rita möchte die Behörden verständigen, aber Jeannie möchte das Geheimnis wahren. Rita kümmert sich liebevoll um die drei Kinder, verurteilt aber das Verhalten Jeannies, die noch mehr zu verbergen hat. Das junge Kindermädchen fühlt sich zunehmend unwohler und dann wird auch noch ein Toter auf dem Anwesen aufgefunden.
Jahrzehnte später versucht Ritas Tochter Sylvie, als deren Mutter einen Unfall erleidet und schwer verletzt bewusstlos im Krankenhaus ist, herauszufinden, was sich im Sommer 1971 in Foxcote Manor ereignet hat und warum ihre Mutter ihr insbesondere nie von dem Todesfall erzählt hat.

Der Roman wird aus drei Perspektiven geschildert. In der Vergangenheit ist es die Sicht von Rita und Jeannies Tochter Hera in dritter Person, in der Gegenwart die Sicht von Sylvie als Ich-Erzählerin.
Die 46-jährige Sylvie wird nach der Trennung von ihrem Ehemann mit mehreren einschneidenden Ereignissen konfrontiert. Ihre Mutter befindet sich nach einem Unfall im Krankenhaus und ihre 18-jährige Tochter Annie ist ungewollt schwanger. Beides trägt dazu bei, dass Sylvie endlich mehr über ihre Herkunft herausfinden möchte, denn die Umstände ihrer Adoption sind mehr als ungewöhnlich. Parallel dazu erzählen Rückblenden in die Vergangenheit die Ereignisse des Sommers 1971, die peu à peu zur Aufklärung von Sylvies Wurzeln beitragen. Rita ist jung und unerfahren und hat mit einem Gewissenskonflikt zu kämpfen. Einerseits kann sie das Verhalten ihrer Arbeitgeberin nicht gutheißen, andererseits empfindet sie eine Solidarität für sie, nachdem ihre Ehemann Rita als Spitzel benutzen möchte. In erster Linie möchte sie allerdings für die Kinder des Ehepaars da sein. Die ältere Hera leidet darunter von ihrer depressiven Mutter kaum wahrgenommen zu werden und entwickelt in ihrer Sehnsucht nach Liebe gefährliche Züge, um Aufmerksamkeit zu erregen.
In Bezug auf den Todesfall verrät der Klappentext fast zu viel, denn die Geschehnisse in der Vergangenheit entwickeln sich eher gemächlich. Die Atmosphäre ist dabei unheimlich und mysteriös. Es ist zu spüren, dass ein Sturm aufzieht und dass die Ereignisse in dem Herrenhaus zu einer Katastrophe führen werden und man fiebert unweigerlich darauf hin.
Mini-Cliffhanger am Ende der Kapitel auf beiden Zeitebenen sorgen für Spannung, genauso wie die Frage, was die Herkunft des Findelkindes betrifft und bei wem es sich um den Toten handeln mag.

"Das Geheimnis des Sturmhauses" ist ein spannendes Familiendrama mit dunklen Geheimnissen, die in der Vergangenheit ruhen, die durch die Verknüpfung beider Erzählebenen schrittweise entschlüsselt werden. Die Offenbarungen sind erschütternd und zeugen von einer verzweifelten, dysfunktionalen Familie. Selbst als man denkt, alle Geheimnisse zu kennen, wird man am Ende noch mit einem Plottwist überrascht.

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