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Veröffentlicht am 23.02.2022

Macht Lust aufs Gärtnern

Querbeet ins Glück
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Maddie lebt noch nicht lange in Berlin und kennt nicht viele Leute. Zum Glück versteht sie sich gut mit ihrer Wand-an-Wand-Wohnungsnachbarin, der Frührentnerin Gabi samt deren Kaninchen Opa. Als Gabi ins ...

Maddie lebt noch nicht lange in Berlin und kennt nicht viele Leute. Zum Glück versteht sie sich gut mit ihrer Wand-an-Wand-Wohnungsnachbarin, der Frührentnerin Gabi samt deren Kaninchen Opa. Als Gabi ins Spital mit anschliessender Reha muss, bittet sie Maddie, für sie zweimal die Woche im Gemeinschaftsgarten mitzuarbeiten. Der Frühling steht vor der Türe und im Garten gibt es einiges zu tun. Doch etwa gleichzeitig beginnen die Proben zum neuen Musical, in dem Maddie mit zwei anderen Darstellerinnen eine der Hauptrollen ergattert hat.

Maddie ist scheu - erstaunlich, dass sie sich auf der Bühne wohl fühlt. Umso weniger in der "grünen Freiheit", wie der Garten genannt wird: alles ist neu für Maddie, doch sie getraut sich immerhin nachzufragen. Auch ohne grünen Daumen fühlt sie sich bald wohl in der Gemeinschaft. Nicht nur mit Inge, dem Huhn, hat sie Freundschaft geschlossen, auch mit dem attraktiven Mo, derem Sohn Elvis, Lila, Hanna und vielen mehr. Aber auch mit der Gartenkonkurrenz - die Schrebergärtner von nebenan, Rainer, Cordula, Jürgen usw. Hier, in den beiden Gärten, kann Maddie auch von ihren Problemen im Musical erzählen, sie fühlt sich von einer der anderen Darstellerinnen gemobbt. Aber wohin mit ihren Gefühlen für Mo?

Die Sache ist kompliziert - der Roman aber nicht, im Gegenteil. Er ist unterhaltsam und lädt regelrecht zum Schmökern ein. Am Schönsten wär er wohl lesend in einem Garten zu geniessen, aber dazu ist es jetzt im Februar ja noch zu kalt.

Mir hat "Querbeet ins Glück" gut gefallen und noch mehr, dass die Autorin an einer bestimmten Stelle kein Drama folgen lässt. Ich hätt auf Drama getippt, zum Glück blieb es aus! Mir fehlte aber, dass ein Thema, das Maddies Mutter betrifft, nicht wirklich zu Ende erzählt, sondern nur angedeutet war. Für mich jedenfalls kam nicht richtig raus, wie stark Maddie tatsächlich davon beeinflusst ist oder nicht und einige Sätze mehr dazu wären für mich stimmiger gewesen.

Etwas, was mit der Geschichte an sich nichts zu tun hat, aber was ich generell in Büchern nicht sehr mag, nahm meiner Meinung nach in "Querbeet ins Glück" überhand: dass fast alle Figuren Übernamen oder Abkürzungen von ihren tatsächlichen Namen haben. Egal ob Maddie (Madita), Mo (Moritz), Elvis (Elias) oder Lila (Liselotte), Hinnert und viele mehr. Man könnte doch gleich von Anfang an kurze Namen für seine Figuren wählen, aber nicht noch solche Namen nehmen, die dann stetig in abgekürzter Form verwendet werden, aber eben auch immer mal wieder mit Klarnamen.

Abgesehen davon konnte ich den Roman sehr geniessen, insbesondere die Gartenszenen. Ich mag Gartenromane und hab schon einige gelesen, aber oft wird das Gärtnern zur Nebensache erklärt. Zum Glück nicht hier in "Querbeet ins Glück". Hier gefällt mir ausserordentlich gut, dass sogar ausführlich über das Gärtnern berichtet wird. Zum einen über die Schrebergärten-Szenerie, zum andern geht es ums Biogärtnern. Diese Kombination fand ich toll. Maddie versteht sich mit beiden Parteien, die die jeweils anderen aufgrund Vorurteilen nicht mögen. Gegen Ende jedoch müssen sie alle gegen Aussenstehende wehren und sich zusammenraufen. Nebenbei erfährt man viel über die Hühnerhaltung, dies nicht nur informativ, sondern auch auf witzige Art.

Der neue Roman von Lisa Kirsch macht Lust auf Frühling und aufs Gärtnern und fast beneidet man die grüne Freiheit um ihre Hühner.

Fazit: Ein schöner Frühlings-Garten-Roman mit Wohlfühlgarantie.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 22.02.2022

Wenn das Pendlerherz höher schlägt

Das Glück in vollen Zügen
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Eigentlich wollte ich den Roman während einer Zugsreise lesen, doch zu längeren -Bahnfahrten ist es aufgrund der Pandemie nicht gekommen und so las ich ihn halt zuhause auf meinem Lesesessel. Auch ohne ...

Eigentlich wollte ich den Roman während einer Zugsreise lesen, doch zu längeren -Bahnfahrten ist es aufgrund der Pandemie nicht gekommen und so las ich ihn halt zuhause auf meinem Lesesessel. Auch ohne Zug: als frühere jahrzehntelange Pendlerin konnte ich mir die Szenen bildlich vorstellen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: zwei Menschen, die sich fast täglich in der Bahn von Herrsching nach München und umgekehrt sehen, sich irgendwie gut finden. Sie wollen sich ansprechen, getrauen sich aber beide nicht.

Und wenn sie sich mal trauen würden, kommt garantiert etwas dazwischen. Zum Beispiel belauschte Telefongespräche, die die das Gedankenkino auf Vollbetrieb laufen lassen, aber total missverstanden werden, weil aus dem Zusammenhang gerissen und sie die jeweiligen Hintergrundgeschichten ja nicht kennen. Marie meint, Jo wäre verheiratet, dabei spricht er nur mit seiner Nachbarin, die bei seinem Vater ist. Jo denkt, Marie hätte ein Baby, denn er sieht sie Babyzeugs kaufen, das aber für ihre Welpen ist. Trotz allem sind sie voneinander fasziniert und möchten den jeweils anderen gerne kennenlernen.

Marie wohnt in ihrem Wohnwagen am See, im Garten ihrer Mutter. Johannes, Jo genannt, in seinem Elternhaus, zusammen mit seinem dementen Vater. Beides sind sympathische Figuren.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus abwechselnder Perspektive, einmal aus Sicht von Marie, einmal aus Sicht von Jo. So lernt man die Protagonisten besser kennen als sie sich gegenseitig. Man kann sich vorstellen, dass die beiden gut zusammen passen würden, aber ich hätte mir trotzdem mehr gemeinsame Zeit gewünscht und weniger gegenseitiges Umkreisen.

"Das Glück in vollen Zügen" ist ein toll gewählter und äusserst passender Titel, und beinhaltet eine Story, die wahr sein könnte.

Fazit: Ein amüsant verpackter und stimmiger Roman, aber mir dauerte das "bis sie sich endlich kriegen" viel zu lange.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Hawaii mit Mord und Luft nach oben

Aloha. Tod im Paradies
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Romane, die auf Hawai spielen, hab ich schon gelesen. Krimis bisher noch nicht, aber mit "Aloha. Tod im Paradies" hat sich das geändert.

Das Nichte-Onkel-Gespann, bestehend aus Police Capitain Walter ...

Romane, die auf Hawai spielen, hab ich schon gelesen. Krimis bisher noch nicht, aber mit "Aloha. Tod im Paradies" hat sich das geändert.

Das Nichte-Onkel-Gespann, bestehend aus Police Capitain Walter Alaka'i und Detective Kali Mahoe ermitteln in ihrem ersten Fall den Tod eines jungen Surfers, der auf den zweiten Blick eben doch kein Unfall, sondern klar ein Mord war. Ein Haifischzahn in einer Wunde gibt den beiden Ermittlern Rätsel auf. Da sie hier gefühlt nicht weiterkommen, kümmert sich Kali um Solarpaneel-Diebstähle, die rätselhaft sind - einige der Bestohlenen sprechen von einem gesichtslosen Geist, den sie gesehen haben.

Eigentlich der perfekte Fall für Kali Mahoe, die nicht nur Polizistin ist, sondern auch einen Doktortitel in Kulturanthropologin hat und zudem noch durch ihre Grossmutter, eine spirituelle Leiterin, bestens mit der hawaiianischen Tradition vertraut ist.

In diesem Auftaktband erfährt man einiges über Kali und ihre Vergangenheit. Zum Beispiel, dass ihr Partner getötet wurde und sie sich stellenweise immer noch für dessen drogensüchtige Tochter Makata verantwortlich fühlt.

Onkel Walter scheint eine nette Familie zu haben: eine Frau, die gerne kocht und drei Töchter. Mehr erfährt man von ihnen (noch) nicht. Walter ist gemütlich, arbeitet aber effizient. Er kennt Maui sehr gut, inklusive kleinkriminelle Taschendiebe wie Polunu, auf den man in diesem Band öfters trifft. Sein erst 23jähriger Officer David Hara ist übereifrig, weshalb Walter ihn gerne mit Arbeiten wie Auto wachsen beschäftigt. David Hara muss noch einiges lernen, ist aber ein Frauenschwarm - mal sehen, ob ihm das bei weiteren Ermittlungen zum Vorteil gereicht.

Im Laufe der Geschichte werden viele scheinbar nebensächliche Dinge thematisiert und ebenso viele Personen, die man nicht einordnen kann, treten auf. Sind sie bloss Nebenfiguren, oder sind sie wichtig für den Verlauf?

Aufgrund des Schreibstils ist das überhaupt nicht eindeutig, auf mich wirkte das leicht langatmig und spannungslos, obwohl sehr gute Ermittlungsarbeit geleistet wird. Ich musste erst in diesen Schreibstil einfinden, doch "Aloha. Tod im Paradies" macht Lust auf mehr. Ich war neugierig zu erfahren, wie alles zusammen hängt und wurde am Ende durch überraschende Twists belohnt.

Der Pluspunkt dieser Krimireihe ist der Schauplatz Hawai und die Verbindung der Fälle mit der hawaiianischen Urkultur. Diesbezüglich fand ich es in diesem Band unglaubwürdig, dass die Tatwaffe so spät bekannt, bzw. erkannt, wird. Aber die Kombination hat Potential, weswegen ich schon jetzt gespannt bin, wie sich die Serie entwickelt und lese auf jeden Fall weiter - und hoffe, dass Band 2 und 3 auch bald übersetzt werden.

Fazit: Ein Auftakt mit Luft nach oben - der Schauplatz plus die kulturelle Verbindung ist höchst interessant.
3.5 Punkte.

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Veröffentlicht am 16.02.2022

Tolle Protagonistin, fragliches Ende

The Maid
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Molly ist nicht wie andere Leute. Sie ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, mit der sie bis zu derem Tod zusammen lebte und hat einen Job in einem Londoner Hotel als Zimmermädchen. Molly arbeitet sehr ...

Molly ist nicht wie andere Leute. Sie ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, mit der sie bis zu derem Tod zusammen lebte und hat einen Job in einem Londoner Hotel als Zimmermädchen. Molly arbeitet sehr genau und gut. Aufgrund ihrer Persönlichkeit, die wohl irgendwo im Autismus-Spektrum anzusiedeln ist, merkt sie aber sehr oft nicht, dass andere Leute sie ausnutzen und Freundschaft nur vorgaukeln.

Als ein Stammgast tot in seinem Bett aufgefunden wird, wird sie verdächtigt - vor allem auch deshalb, weil Molly sich anders verhält als andere Menschen. Ihre Unschuld zu beweisen gilt es jetzt.

Die Geschichte, die Nita Prose zu Papier gebracht hat, macht Spass zu lesen.

Die Vorgänge im Hotel, die interessanten Nebenfiguren mit all ihren unterschiedlichen Eigenheiten und vor allem Mollys Persönlichkeit - alles ist toll beschrieben und man fliegt beim Lesen nur so durch die Seiten.

Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn der Krimi Fahrt aufnimmt, merkt man, wie toll die Autorin ihre Story aufgebaut hat.

Nur die finale Auflösung am Ende passt da nicht wirklich rein, passt auch nicht recht zu Mollys Art, damit umzugehen und kommt vor allem aus heiterem Himmel. Mit der Auflösung kann ich so zwar leben, hätte es aber besser gefunden, wenn irgendetwas davon zu erwarten gewesen wäre. Da das Buch verfilmt werden soll, bin ich gespannt, wie diese Schlussszenen in der Verfilmung gelöst werden.

Auf jeden Fall ist es mal ein etwas anderer Krimi. Aber vielleicht sollte man ihn nicht gerade während eines Hotelaufenthalts lesen

Fazit: Auch wenn man sich aufgrund des fraglichen Endes streiten kann, nur schon allein wegen der originellen Protagonistin lohnt sich dieser gemütliche Krimi zu lesen.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Morde wie aus dem Buch

Eine verdächtig wahre Geschichte
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Wenn ihr "Eine verdächtig wahre Geschichte" lesen wollt, beginnt dann, wenn ihr eine Stunde, noch besser zwei Stunden, am Stück dran lesen könnt. Wer es unterwegs anfängt, und nur jeweils so 10 Minuten ...

Wenn ihr "Eine verdächtig wahre Geschichte" lesen wollt, beginnt dann, wenn ihr eine Stunde, noch besser zwei Stunden, am Stück dran lesen könnt. Wer es unterwegs anfängt, und nur jeweils so 10 Minuten lesen kann, kommt nicht richtig rein. So ist es jedenfalls mir ergangen. Ich kam auf den ersten etwa 50 Seiten nicht rein in diese verdächtig wahre Geschichte und hatte lange auch nicht wirklich den Drang Dinge liegen zu lassen und stattdessen zu lesen.

Denn die Geschichte baut sich an einem Punkt auf, geht von da zurück und macht eine Schleife, bis man wieder am anfänglichen Punkt ist und die Vorgeschichte versteht.

Antoine Laurain baut dazwischen immer wieder neue überraschende Dinge mit ein, und je weiter man kommt, je neugieriger ist man auf das Ende. Da hab ich dann Dinge liegen gelassen und weiter gelesen.

Ich würde jetzt mal sagen, der Weg dahin, also zum Ende, ist das Ziel. Diesen Weg zu lesen macht Spass. Das Ende selbst kommt plötzlich und wirkt deshalb auf mich ambivalent. Aber der Aufbau des Romans ist schon sehr stimmig und die Auflösung Ergebnis guter Polizeiarbeit. Es ist halt ein typischer Laurain-Roman - immer ein toller Aufbau, auf den ein Ende folgt, mit dem man nicht gerechnet hat.

Ausserdem hat bei Laurain immer jede Figur seinen Platz in der Geschichte, niemand ist überflüssig. Hier ist es das Verlagsteam, die beiden Polizisten, sowie Violaines Umfeld. Jede Figur wird vorgestellt und besonders im Verlag spürt man, dass sich das schon sehr familiär anfühlt.

Das Rätsel um die Morde, die genau so ablaufen, wie der für den Literaturpreis nominierte Spitzentitel aus dem Verlag, geben allen grosse Rätsel auf. Die Suche nach dem Autor, der auch Violaine unbekannt ist,

Fazit: Ein Roman mit Krimi-Elementen - der immer wieder überraschende Details an Licht bringt.
4 Punkte.

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