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Veröffentlicht am 16.02.2022

Vielschichtiger Roman, der ein Spiegelbild der Zeit darstellt

Die Buchhändlerin: Die Macht der Worte
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Der Roman "Die Buchhändlerin - Die Macht der Worte" aus dem Rowohlt Verlag ist der zweite Teil der Buchhändler-Reihe von Ines Thorn.

Frankfurt, 1950. Christa hat sich in ihrer Ehe mit Werner arrangiert, ...

Der Roman "Die Buchhändlerin - Die Macht der Worte" aus dem Rowohlt Verlag ist der zweite Teil der Buchhändler-Reihe von Ines Thorn.

Frankfurt, 1950. Christa hat sich in ihrer Ehe mit Werner arrangiert, doch ihre Liebe zu Jago ist ungebrochen. Leider kann Christa nicht ihrem Herzen ohne weiteres folgen und dieser Umstand begleitet sie auch bei ihrer Doktorarbeit und beim Wunsch, den Menschen mit den Buchverkäufen neue Freude zu schenken. Ständig ist die Vergangenheit sichtbar und noch in den Köpfen der Menschen vorhanden. Dabei wollen alle eine heile Welt und vor allem auch Christa, denn die Scheinehe bringt sie ihren Wünschen nach einer eigenen Familie nicht näher.


In diesem Roman erzählt Ines Thorn vor dem damaligen Wandel in der Nachkriegszeit Christas Geschichte der Jahre 1951 bis 1968 weiter. Christa führt nach außen eine Ehe mit Werner und ihren Adoptivsohn Heinz. Diese Ehe dient als Scheinehe, denn Werner lebt die meisten Zeit zusammen mit seinem Lebensgefährten, Christas Onkel Martin in der Schweiz. Christa führt weiterhin die Buchhandlung und schreibt gleichzeitig an ihrer Doktorarbeit. Glücklich ist sie nur mit dem Lyriker Jago und muss sich darüber klar werden, ob sie für das besondere Arrangement mit Werner auch ihr Glück mit Jago und eigenen Kindern aufs Spiel setzen will.

Christa ist immer noch der Mittelpunkt der Familie und fühlt sich für alle verantwortlich, dabei wünscht sie sich eine Ehe mit Jago und mit ihm eigene Kinder. Aber ihr fehlt es an Selbstbewusstsein, um diesen Schritt zu wagen. Und als sie von der nationalsozialistischen Vergangenheit von Jagos Vater erfährt, ist sie äußerst betroffen und möchte keinen Kontakt mehr. Aber wie kann sie ihre eigenen Sehnsüchte und Wünsche umsetzen, ohne ihrer eigenen Familie zu schaden?


Ines Thorn ist es gut gelungen, die vielen Facetten dieser Zeit lebendig und umfangreich darzustellen. Dazu gehören nicht nur die gesellschaftlichen Konventionen und politischen Ereignisse, sondern auch die neu erwachsene Literaturszene, die Kinofilme und die Besonderheiten im Buch-Antiquariat dieser Tage. Besonderes Augenmerk wird auf die Nazivergangenheit gelegt, Onkel Martins Vergangenheit ist damit eng verknüpft. Wir beobachten die historischen Vorgänge der Zeit wie den Berliner Mauerbau und die Studentenunruhen mit und sehen wie Frauen in ihrer Ehe Gewalt angetan und der §175 streng durchgesetzt wurde.

An Christas Seite erlebt man ihr mutiges privates Arrangement der Scheinehe und wie sie sich bei allen Problemen mutig behauptet. Besonders ergreifend ist die herzzerreißende Szene, als Heinz von seinem Vater abgeholt wird und man leidet mit Christa, dass sie später trotz einer eigenen glücklichen Familie immer noch nicht alle ihre großen Wünsche in die Tat umsetzen kann.

Die beruflichen Träume kann Christa teilweise umsetzen, aber ihre Doktorabeit muss sie für die Familie ganz hinten anstellen. Doch sie bringt den nötigen Einsatz und kämpft weiter, das hat mir sehr imponiert und auch ihre ablehnende Haltung gegenüber speziellen Nazis. Die Schreiberfolge von Jago, die Situation auf dem Buchmarkt und das Antiquariat spielen in dem Buch eine große Rolle, die meiner Meinung nach etwas ausufert. Christas Lebensgeschichte hat mich viel mehr interessiert.

Ein vielschichtiger und zeitbeschreibender Roman, der die Themen Selbstverwirklichung von Frauen, Entwicklung des Buchhandels und den politischen Umbruch aufgreift!

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Veröffentlicht am 15.02.2022

Ein leichter Wohlfühlroman mit Nordsee-Flair!

Ein Fest im kleinen Friesencafé
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Im Rowohlt Verlag erscheint der Roman "Ein Fest im kleinen Friesencafé" von Janne Mommsen.

Es wird Herbst auf Föhr, dort hat sich Julia mit dem kleinen Friesencafé ihren Traum erfüllt und stellt nebenbei ...

Im Rowohlt Verlag erscheint der Roman "Ein Fest im kleinen Friesencafé" von Janne Mommsen.

Es wird Herbst auf Föhr, dort hat sich Julia mit dem kleinen Friesencafé ihren Traum erfüllt und stellt nebenbei noch ihre Bilder aus. Nach der Sommersaison werden nur noch wenige Gäste ins Café kommen, da muss sie sich etwas einfallen lassen, um finanziell durch den Winter zu kommen. Ein paar Ideen hat sie bereits, sie möchte Tanzstunden anbieten und Familienfeiern ausrichten. Trotz ihrer Verliebtheit zu Finn-Ole ist aus dem beiden leider kein Paar geworden, ständig gibt es zwischen ihnen Missverständnisse und nun muss er beruflich auch noch nach Amrum. Aber das ist ja bei Ebbe kein Problem, dann läuft man eben einfach durchs Watt.

Oma Anita und Kapitän Hark wagen einen Tanzkurs und weil sich Hark den Knöchel verletzt, lässt sich Anita vom attraktiven Tanzlehrer führen. Schliesslich will sie ja tanzen lernen. Das macht dem eifersüchtigen Hark ordentlich zu schaffen und er bringt sich durch unüberlegtes Handeln auch in Gefahr. Julia darf eine Silberhochzeitsfeier ausrichten und lenkt sich damit von ihrem Beziehungskummer ab. Aber wird diese Feier wirklich stattfinden? Man wird sehen...

Durch den leichten und flüssig zu lesenden Schreibstil Janne Mommsens taucht man sofort in die Handlung ein und nimmt teil am alltäglichen Leben auf der Nordsee-Insel. Julia ist glücklich mit ihrem Café, hat aber finanzielle Sorgen, denn die nachlassenden Einnahmen werden sie nicht über den Winter bringen und ihre Oma Anita möchte sie auch nicht um Hilfe bitten. Deshalb versucht sie das Geschäft mit einem Partydienst und dem Ausrichten von Familienfeiern umzusetzen. Leider läuft es auch privat nicht so gut, ihre große Liebe Finn-Ole hat scheinbar eine neue Flamme auf Amrum und Julia findet nie die richtigen Worte, um ihm zu sagen, wie sehr sie ihn mag. Sehr gefreut habe ich mir für die späte Liebe zwischen Hark und Anita. Anita genießt ihr Rentenalter, möchte ihre Zeit nun mit schönen Dingen verbringen und freut sich auf den Tanzkurs. Allerdings kann sie Harks komisches Verhalten und seine Eifersucht nicht richtig deuten und bekommt plötzlich doch Zweifel, ob sie beide zusammen passen.

Bei diesem Roman spürt man das Zwischenmenschliche der Figuren, erlebt ihre Sorgen und wie sie bei Schwierigkeiten zusammenhalten. Über allem spürt man die frische Luft und das besondere Flair auf der Insel. Man hört die Wellen rauschen und steckt bei der Wattwanderung mit den Füßen im Schlamm. Und dann wäre man zum Aufwärmen selbst gerne im kleinen Frisencafé mit einem leckeren Stück Ostfriesentorte und einer heißen Tasse Tee mit Kluntje.

Janne Mommsen präsentiert mit seiner Geschichte das normale Leben mit Alltags- und Beziehungsproblemen, mit einem abenteuerlichen Segel-Ausflug nach Helgoland, mit matschiger Wattwanderung und herbstlicher Küstenlandschaft und sorgt damit einfach für Wohlfühlstimmung. Wer das Leben an der Nordseeküste kennt, wird sich sofort dorthin sehnen und dabei alle Szenen bildhaft genau vor sich ablaufen sehen.

Dieser stimmungsvolle Wohlfühlroman sorgt für angenehme Lesestunden, in denen man ohne Abstandsregeln eine Reise an die Nordsee erleben darf. Dabei kann man vom Urlaub auf Föhr oder Amrum träumen und wird gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Miss Marples heimliche Töchter

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Der Kriminalroman "Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar" von Robert Thorogood erscheint im KiWi Verlag.

Dieser Krimi liefert ein originelles Clübchen an Ermittlerinnen, die durch eine Zufallsbeobachtung ...

Der Kriminalroman "Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar" von Robert Thorogood erscheint im KiWi Verlag.

Dieser Krimi liefert ein originelles Clübchen an Ermittlerinnen, die durch eine Zufallsbeobachtung überhaupt erst in den Fall involviert werden. Neugierig und interessiert verfolgen sie die Spuren, die vermeintlich in die Kunstszene führt.

Mrs Judith Potts ist 77, liebenswert skurril, lebt in einem großen Herrenhaus und liebt es, abends einen Whisky zu trinken und nackt in der Themse zu schwimmen. Bei so einer Gelegenheit hört sie einen Schrei und anschließenden Schuß im Garten ihres Nachbarn. Die Polizei vermutet Selbstmord, aber Judith ist anderer Meinung und sofort dabei, Erkundigungen einzuholen. Dabei bekommt sie schnell Hilfe von Becks, die perfekte Hausfrau und Ehefrau des Pfarrers, die mit ihrem umgänglichen Wesen stets Wogen glätten kann. Und die Hundefrau Suzie mit ihrem speziellen Kleidungsstil ist die unkonventionelle Ergänzung des Trios. Auf Seiten der Kripo ermittelt die Polizistin Tanika, die scheinbar erkennt, mit welchem intelligenten Ermittlungstrupp sie es hier zu tun hat und scheinbar toleriert, wie die Frauen hier mitmischen.

Ein flüssiger Schreibstil führt durch die bildhaft beschriebenen Szenen, die Ausarbeitung der charakteristischen Besonderheiten der drei Protagonistinnen werden ausführlich dargestellt, sodaß man die Frauen gut vor Augen hat und ihren persönlichen Typ und ihre Eigenarten einschätzen kann. Immer wieder werden Einzelheiten der Frauen preisgegeben, die allmählich auch ihr persönliches Leben näher beleuchten.

Der Fall hat es in sich, denn es wird nicht schnell ersichtlich, worauf es dem Täter überhaupt ankommt. Immer wieder sorgen die Erlebnisse des Trios für Schmunzelmomente und man freut sich diebisch, wie sie trotz ihres Alters an Informationen und Beweisstücke kommen.

Mit ihren Nachforschungen katapultieren sich die Ermittlungen die Seniorinnen mehrfach in prekäre Situationen, die ihnen gewieftes Handeln und intelligentes Auftreten abverlangt. Sie verfügen über genügend Lebenserfahrung, um sich in jeder noch so schwierigen Situation zu behaupten, sie wachsen zusammen, können sich aufeinander verlassen und schaffen es, die einzelnen Puzzleteile zusammen zu tragen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die die Ermittlung vorantreiben, der entscheidende Hinweis ist gleichzeitig auch ein gefährliches Unterfangen, denn der Mörder könnte seine Verfolgerinnen kennen. Zwischendurch gibt es etwas langatmige Szenen, die dem Krimi die nötige Ruhe verleihen. Trotzdem ist ein mittelmäßig Grundspannung vorhanden, die zum Ende hin noch einmal ansteigt.

Ich habe mich mit den originellen Seniorinnen über ihren Zusammenhalt im "Marlow Murder Club" gefreut und hoffe auf weitere Fälle, die in ihrer englischen Heimat stattfinden werden. Ein unterhaltsamer und durch die Figuren auch origineller Krimi nach englischem Strickmuster.

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Veröffentlicht am 04.02.2022

Herrlich charmanter Cosy Crime

The Maid
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Im Droemer Verlag erscheint der Krimi "The Maid - Ein Zimmermädchen ermittelt" von Nita Prose.

Willkommen im Londoner Regency Grand Hotel! Die Gäste erwarten besten Komfort und die hier arbeitenden (fast ...

Im Droemer Verlag erscheint der Krimi "The Maid - Ein Zimmermädchen ermittelt" von Nita Prose.

Willkommen im Londoner Regency Grand Hotel! Die Gäste erwarten besten Komfort und die hier arbeitenden (fast unsichtbaren) Zimmermädchen sorgen für makellos saubere und aufgeräumte Zimmer. Zu ihnen gehört auch Molly Gray, die ihren Job liebt und wie sie es von ihrer Großmutter vermittelt bekam, auch mit größter Ordnung und Sorgfalt ausübt. Eines Tages findet sie in der Suite die Leiche des reichen Mr. Black und wird kurz darauf zur Hauptverdächtigen. Denn sie hat nicht nur den Fund gemeldet, sondern sie hat auch gründlich aufgeräumt und sauber gemacht.

Wir begleiten Molly dabei, wie sie im Regency Hotel ihre Arbeit verrichtet und die Zimmer täglich aufs Neue in einen Zustand höchster Perfektion versetzt. Denn die Herstellung von Ordnung und Sauberkeit gibt Mollys Leben Struktur, der Umgang mit anderen Menschen ist für sie eher schwierig. Deshalb ist ihr Job auch ihr absoluter Traumjob, sie ist ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch, der vor kurzem ihre einzige Bezugsperson, ihre Granny, verloren hat. Molly ist anders, etwas schrullig, ihr Leben ist bestimmt von Ordnungs-Zwängen, Folgen von Inspektor Colombo und Lebensweisheiten ihrer verstorbenen Großmutter. Nun droht Molly zu vereinsamen und findet den einzigen Halt bei ihrer Arbeit. In ihrem Verhalten entdeckt man gewisse autistische Züge, deshalb kann sie die Mimik anderer Menschen nicht genau einordnen und traut niemandem etwas Böses zu.

Nita Prose besondere Art der Darstellung Mollys hat mir sehr gut gefallen, man taucht in diesem Buch in ihre Mollys Gedankenwelt und ihre spezielle Sicht auf die Dinge ein und lernt sie immer besser verstehen. Sie scheint als Zimmermädchen unsichtbar zu sein, niemand nimmt sie wirklich wahr. Und in ihrer Gutmütigkeit lässt sie sich auf Dinge ein, die sie in den Fall verwickeln und sie als Tatverdächtige darstehen lassen. Doch sie hat Glück, denn sie findet Menschen, die es gut mit ihr meinen und ihr helfen wollen.

Während des Lesens baute ich eine immer stärker werdende Verbindung zu Molly auf und hoffte, dass sich ihre Unschuld herausstellen würde. Natürlich habe ich mitgerätselt, wer denn nun Mr. Black auf dem Gewissen haben könnte.

Molly ist überkorrekt und eine Herzensseele und erinnert ein wenig an Forrest Gump. Ihre Gutmütigkeit wird ihr zum Verhängnis, denn das wird von Menschen in ihrem Umfeld ausgenutzt und am Ende steht sie als Hauptverdächtige in diesem Mordfall da.

Die Geschichte entwickelt ungefähr ab der Mitte eine immer stärker ansteigende Spannung, die davon lebt, dass man mit einen geschickt ausgetüftelten Plan mitfiebert, durch den sich Mollys Fallstricke und Tatverdacht entwirren sollen.

Nita Prose schreibt ihre Geschichte sehr flüssig, bildhaft genau und ausgestattet mit vielen unterhaltsamen Details. Auch wenn sich anfangs die Handlung etwas zieht, genau so soll man sich auf Molly und ihre Art einstellen und sie immer besser kennenlernen. Denn erst dann sieht man den Mordfall aus ihrer speziellen Perspektive und kann mitfiebern und auf den Beweis ihrer Unschuld hoffen.

Einen Kritikpunkt möchte ich aber noch erwähnen. Und zwar erschien mir eine besondere Handlung Mollys sehr unrealistisch und damit nicht zu ihrem Charakter passend. Auch wenn diese Aktion der Story noch eine entscheidende Note verliehen hat.

Dieser Cosy Crime besticht mit einer liebenswerten, etwas ungewöhnlichen Protagonistin und einer wendungsreichen Handlung und Mordaufklärung. Eine gute Unterhaltung nach englischer Art!

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Veröffentlicht am 02.02.2022

Neubeginn vor traumhafter Kulisse

Nordlichtträume am Fjord
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Julie Larsen ist die Autorin von "Nordlichtträume am Fjord" aus dem Harper Collins Verlag.

In Annabells Leben läuft gerade alles schief: Freund weg, Wohnung weg und dann auch noch schwanger. Also beschließt ...

Julie Larsen ist die Autorin von "Nordlichtträume am Fjord" aus dem Harper Collins Verlag.

In Annabells Leben läuft gerade alles schief: Freund weg, Wohnung weg und dann auch noch schwanger. Also beschließt sie, Hamburg hinter sich zu lassen und in das norwegische Dorf Elvasund zu fahren, um sich dort über einiges klar zu werden. Sie will bei Familie Solberg als Aushilfe arbeiten und wird gleich bei ihrer Ankunft darüber informiert, dass ein Vertrag gar nicht zustande gekommen ist. Doch die Bewohner des kleinen Dörfchens sind hilfsbereite Leute und dank Berit Solberg bekommt Annabell eine Chance. Es gilt die historische Spinnerei einzurichten, die Marketingaufgaben zu übernehmen und ein touristisches Konzept für die Gegend zu erstellen. In dieser malerischen Landschaft fühlt sich Annabell gleich heimisch und bemerkt auch die heimlichen Blicke von Schäfer Bjarne, zu dem auch sie sich hingezogen fühlt.

In diesem Roman begleiten wir Annabell, die vor den Katastrophen ihres Lebens in Hamburg nach Norwegen flüchtet. Die Schwangerschaft belastet sie mit viel Ungewissheit, denn wahre Mutterliebe hat sie als Kind kaum gekannt. Was kommt da auf sie zu? Bei den Solbergs fühlt sie sich familiär aufgenommen, zwar hat Berit eine harte Schale, aber einen weichen Kern und ihre Tochter Camilla und die Kinder sind ganz liebenswürdig. Ich mag auch den pensionierten Tierarzt Thorbjörn, der Berit überreden will, ihre Spinnerei einer Genossenschaft anzugliedern, damit sie sichere Abnehmer gewinnt. Und dann ist da noch Bjarne, wir lernen ihnen als hilfsbereiten und herzensguten Mann kennen, der sich gern zurückzieht, denn er hat einen Sprachfehlen und die Erinnerungen an einen zurückliegenden Unglücksfall machen ihm schwer zu schaffen. Doch er und Annabell nähern sich an, allerdings gibt es immer wieder Unsicherheit auf beiden Seiten. Für mich war es recht vorhersehbar, dass sie gut zueinander passen. Die Liebesgeschichte, die auch romantische Szenen enthält, zieht sich etwas in die Länge. Die Handlung zeigt abwechslungsreiche Szenen, mal muss ein Lamm von Hand aufgezogen werden oder es gilt die Marketingkampagne für den Ort zu stemmen und auch in der Spinnerei ist einiges zu tun. Mit wachsendem Appetit habe ich die Szenen in der Küche genossen, wo zum Ende des Buches die vorweihnachtliche Zubereitung norwegischer Spezialitäten stattfinden. Zimtschnecken und andere Köstlichkeiten haben mir echt den Mund wässerig gemacht. Auch die bildhaft beschriebenen Ausflüge vor der wunderschönen winterlichen Kulisse mit schneebedeckten Wäldern und zugefrorenen Fjorden sind einfach ein echter Genuß. Dazu noch die tanzenden Nordlichter, die waren natürlich die Kirsche auf der weihnachtlichen Torte.

Bei "Nordlichtträume am Fjord" kann man wunderschön abtauchen ins winterliche Norwegen mit seiner landschaftlichen Schönheit. Aber es werden auch durch die schwierige Ausgangslage Annabells Sorgen und Nöte aufgezeigt und ihre Unsicherheit über ihre Gefühle. Sie macht eine Entwicklung durch und wird erwachsen, doch zuvor muss sie sich über ihre Schwangerschaft klar werden und ob sie Verantwortung übernehmen will. Mit Bjarne führt sie viele Gespräche, fühlt sich verstanden und unterstützt. Kann sie sich hier eine Zukunft aufbauen?



Für den Winter ist diese schöne, teilweise romantische Geschichte mit Norwegen-Flair eine absolut passende Lektüre. Am Ende kommt dann noch weihnachtliche Hygge-Stimmung auf.

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