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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2018

Eine berührende Familiengeschichte

All die Jahre
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Als ich das Buch in die Hand nehme, fällt mir zunächst die hochwertige Verarbeitung auf: unter dem ansprechend gestalteten Schutzumschlag kommt ein grünes Hardcover mit Prägung zum Vorschein, zudem fühlen ...

Als ich das Buch in die Hand nehme, fällt mir zunächst die hochwertige Verarbeitung auf: unter dem ansprechend gestalteten Schutzumschlag kommt ein grünes Hardcover mit Prägung zum Vorschein, zudem fühlen sich die Seiten auffällig gut an.
J. Courtney Sullivan ist es gelungen Personen zu erschaffen, die einem nah gegen, obwohl sie bei weitem nicht unfehlbar (und vielleicht deshalb so sympathisch) sind. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm klar, direkt und doch anschaulich. Mit Rückblenden und Erzählungen in mehreren Ebenen ist die Gliederung spannend gemacht und das Gegenteil von eintönig.
Es wird ein sehr interessantes Familiengeflecht beschrieben, in dem es um ungesagte Dinge und Geheimnisse, uneheliche Kinder, Alkoholsucht, Homosexualität geht. Die Schwestern Nora und Theresa wachsen in Irland auf und wandern in die USA aus, als es dort keine Zukunft mehr für sie gibt. Doch auch das neue Leben gestaltet sich schwierig, Pläne und Sehnsüchte bleiben unerfüllt. Fünfzig Jahre später trifft die Familie anlässlich einer Beerdigung wieder aufeinander und stellt sich endlich den Dingen, die seit der Einreise in Amerika geschehen sind.
Ein wunderbar kluges und großartiges Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 20.02.2022

Berührend und eindrucksvoll

Dschinns
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Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven der sechs Familienmitglieder, was ein schöner und spannender Erzählstil ist, den die Autorin gekonnt einzusetzen weiß. Es ist interessant, die Geschehnisse ...

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven der sechs Familienmitglieder, was ein schöner und spannender Erzählstil ist, den die Autorin gekonnt einzusetzen weiß. Es ist interessant, die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Wahrnehmungen zu erleben. Die Charaktere sind dabei so authentisch und intensiv gezeichnet, dass ich mich ihnen gleich ganz nah fühle. Jedes Kapitel ist dabei einem Familienmitglied gewidmet, beginnend mit dem Vater und endend mit der Mutter.

Es geht um den Vater der Familie, Hüseyin, der sich nach einem langen und harten Arbeitsleben in Deutschland endlich den Traum einer Eigentumswohnung in Istanbul erfüllt. Die Frührente macht es möglich, in sein Heimatland zurückzukehren. Er fährt schon einmal vor und möchte den Rest seiner Familie nachholen, stirbt jedoch kurz nach seiner Ankunft. Die Familie macht sich auf den Weg zu seinem Begräbnis, der nicht ganz ohne Zwischenfälle verläuft. Es geht auch um Rassismus und damit einhergehende alltägliche Bedrohungen, um Familie und die manchmal schmerzhaften Beziehungen untereinander, um Wurzeln und Identität in der heutigen Gesellschaft.

Fatma Aydemir erzählt diese berührende Geschichte ganz behutsam und mit gekonnten Zwischentönen. Sie spielt mit Klischees und Vorurteilen und beleuchtet diese sehr differenziert.

Ich kann dieses sprachgewaltige und beeindruckende Buch nur jedem ans Herz legen und uneingeschränkt empfehlen. Es hat mich berührt und noch einige Zeit zum Nachdenken angeregt.

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Veröffentlicht am 16.12.2017

Aufwühlendes und spannendes historisches Porträt

Mudbound – Die Tränen von Mississippi
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Die Geschichte dreht sich um zwei Familien in den Südstaaten der 1940er Jahre. Eine Zeit und ein Ort, die schon in anderen Erzählungen Sklaverei und Rassenhass zum Thema hatten. Historisch gesehen eine ...

Die Geschichte dreht sich um zwei Familien in den Südstaaten der 1940er Jahre. Eine Zeit und ein Ort, die schon in anderen Erzählungen Sklaverei und Rassenhass zum Thema hatten. Historisch gesehen eine bedeutende Epoche, thematisch gesehen auch bedeutend für die heutige Zeit und daher lesenswert wie nie. Nicht zuletzt, weil die Geschichte authentisch und spannend erzählt wird. Die Personen, ihre Beziehungen untereinander und die zahlreichen Probleme werden detailliert und anschaulich beschrieben, man ist den Personen schon bald sehr nah.
Auf der Baumwollplantage „Mudbound“ will Lauras Ehemann Fuß fassen. Für sie eine Herausforderung, das Leben dort ist hart und entbehrungsreich, es gibt keinen Strom und kein Wasser. Unterstützt werden die beiden von ihren farbigen Pächtern. Missstände, Missgunst und Ausgrenzung liefern eine aufgeladene Stimmung und bieten zahlreiche Konflikte.
Interessant ist auch der Aufbau der Geschichte. Man erfährt zunächst das Ende, an das man nach und nach herangeführt wird. Sehr spannend gemacht!
Das Hörbuch wird durch die unterschiedlichen hervorragenden Sprecher zu einem echten Erlebnis. Die lebendigen Schilderungen reißen mich von Minute 1 bis Minute 586 mit.

Veröffentlicht am 20.01.2026

Nichts für schwache Nerven

Blutwild
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Ich muss sagen, dass ich einige Zeit gebraucht habe, um in das Buch zu finden. Das liegt zum einen daran, dass ich zur Hauptfigur Anka keinen Zugang gefunden habe. Ich fand ihre Wahrnehmungen, die aufgrund ...

Ich muss sagen, dass ich einige Zeit gebraucht habe, um in das Buch zu finden. Das liegt zum einen daran, dass ich zur Hauptfigur Anka keinen Zugang gefunden habe. Ich fand ihre Wahrnehmungen, die aufgrund des erlebten Traumas nicht immer der Realität entsprechen, gerade zu Beginn einfach nervig, zu oft, zu vorhersehbar. Zum anderen fand ich die Wendungen und Ereignisse im erste Drittel überzogen, Ankas Reaktionen – und auch die anderer Charaktere - unglaubwürdig.

Was mich am Anfang genervt hat, hat mich nach dem ersten Drittel nicht schlafen lassen – ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und habe das Buch nach dem überwundenen ersten Drittel nicht mehr aus der Hand legen können. Eine Wendung jagt die nächste und nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, war es genau das, was ich besonders fand und mir gefallen hat.

So manche Szene ist definitiv nichts für schwache Nerven. Der Täter ist schon ein schweres Kaliber, entsprechend seine Taten – die sehr anschaulich und detailliert beschrieben werden. Dessen sollte man sich bewusst sein. Wer Thriller/Krimis liest, hat sich in der Regel darauf eingestellt, aber „Blutwild“ hat es schon in sich. Auch wenn ich mit Anka bis zum Ende nicht warm geworden bin, hat zum Schluss vieles Sinn ergeben und war einfach rund. Das hat dazu geführt, dass ich das Buch am Ende zufrieden zuklappen konnte und doch ganz froh war, nicht zu früh aufgegeben zu haben.

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Unterhaltsame Familienbande

Malibu Rising
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An Taylor Jenkins Read kam man in letzter Zeit nur schwer vorbei. Umso mehr habe ich mich gefreut, „Malibu Rising“ in den Händen zu halten und war sehr gespannt, was mich erwartet.
Worum geht es? Es gibt ...

An Taylor Jenkins Read kam man in letzter Zeit nur schwer vorbei. Umso mehr habe ich mich gefreut, „Malibu Rising“ in den Händen zu halten und war sehr gespannt, was mich erwartet.
Worum geht es? Es gibt zwei Erzählstränge, die sich in die Gegenwart im Jahr 1983 und die Vorgeschichte zu den Geschehnissen aufteilen. In Malibu findet die jährliche Sommerparty von Supermodel und Surfstar Nina Riva statt. Deren Stimmung ist allerdings denkbar schlecht, da ihr Mann sie kurz vor der Party betrogen hat. Doch ihre Geschwister stecken schon mitten in den Vorbereitungen und schließlich steigt die Party – Überraschungsgäste und aufkommende Familiengeheimnisse inklusive.

Zugegeben, die Riva-Geschwister klingen zunächst Malibu-stereotypisch: wir haben ein Supermodel/Surfstar, einen Starfotografen und einen Surfweltmeister. Doch gerade die Riva-Geschwister entpuppen sich als vielschichtige Charaktere und ihre Konfrontationen und Geheimnisse liefern tiefe Einblicke hinter die Kulisse. Mit der Zeit habe ich die Charaktere wirklich lieben gelernt, auch wenn das etwas gedauert hat. Hier zeigt sich mal wieder: der Schein trügt. In den Rückblicken wird die Geschichte der Eltern erzählt, die zeitweise in den Vordergrund rückt. Die Sprünge wirken dann teilweise etwas holprig und konstruiert. Zudem sind mir teilweise zu viele andere Partygäste zu ausufernd besprochen wurden, was nur abgelenkt, das Ganze unnötig in die Länge gezogen hat und letztendlich für die Kernhandlung irrelevant war.

Lohnt sich der Hype? Na ja, ich hatte ehrlich gesagt mehr erwartet. Bekommen habe ich: Skandale, zwischenmenschliche Verwicklungen, eine gewisse Leichtigkeit in der Stimmung die das Buch überträgt, allerdings auch eine Oberflächlichkeit und Vorhersehbarkeit. Was ich wirklich mochte, war die Atmosphäre des Buches, die durch Kulisse, Zeitgeist und Erzählstil der Autorin kreiert wurde. Ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt und das Buch gerne gelesen, es ist allerdings etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben (die durch den Hype allerdings auch sehr hoch waren).

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