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Veröffentlicht am 23.03.2022

Summer of '99

Man vergisst nicht, wie man schwimmt
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Der fünfzehnjährige Pascal, der von allen nur Krüger genannt wird, mag den Sommer nicht, denn er kann nicht mehr schwimmen. Auch verlieben darf er sich niemals. Er verbringt die meiste Zeit mit Freund ...

Der fünfzehnjährige Pascal, der von allen nur Krüger genannt wird, mag den Sommer nicht, denn er kann nicht mehr schwimmen. Auch verlieben darf er sich niemals. Er verbringt die meiste Zeit mit Freund Victor: Abhängen, Playsi bei Müller Zocken und Pommes im Schwimmbad snacken. Doch eines Tages kollidiert seine Welt mit der von Zirkusmädchen Jacky, die ihn nach einem Ladendiebstahl anrempelt und den Rucksack mit seinen heimlich verfassten Geschichten auch gleich mitgehen lässt. Nachdem Victor und er Jacky vor der Polizei warnen, beschließen die drei, den letzten Tag des Sommers 1999 gemeinsam zu verbringen. Doch das bringt nicht nur Spaß, sondern große Gefühle und Gefahr mit sich.

Das Buch hörte sich recht geheimnisvoll und spannend an. Und schon nach den ersten Kapiteln fand ich die Schreibweise des Autors sehr eingängig, wenn auch manchmal etwas sehr detailliert, was dafür sorgte dass es Längen gab. Aber es kam auch ein bisschen Sommergefühl auf und Erinnerungen an den Sommer 1999, was vor allem an äußeren Umständen lag, wie z. B. genannte Musiktitel, Playstationspiele und Markennamen. Auch das nahende Millenium wird erwähnt.

Während man also sowas wie Nostalgie verspürt, taucht man mit der Hauptfigur Krüger (eigentlich Pascal) in die Geschichte ein. Als Protagonist ist Krüger sehr zurückhaltend, verletztlich, schüchtern und kommt selten aus sich heraus. So richtig kann man ihn und seine widerstreitenden Gefühle eigentlich nicht verstehen, denn er hat Geheimnisse, die dem Leser zwar immer wieder in Erinnerung gerufen, aber nicht erzählt werden. Nur bei seinem einzigen Freund Victor ist Krüger offener. Die Begegnung mit Jacky sorgt bei ihm gleichzeitig für Hoffnung, aber auch Angst gegenüber seinen aufkommenden Gefühlen für sie. Dies stellt für mich den Hauptstrang der Geschichte dar.

Aber im Roman werden auch Elemente genutzt, die ich nicht so wirklich mit einer süddeutschen Kleinstadt in den Neunzigern verbinden konnte und die etwas zu übertrieben ausgefallen sind. Darunter die Hunnen, eine Marihuana vertickende, nicht ungefährliche Gruppierung und eine Party, die beide wie aus Hollywoodfilmen entsprungen wirkten. Das passte für mich dann nicht ganz zusammen. Stellenweise war es eben zu unrealistisch.

Für den Spannungsbogen war die zeitweise Übertreibung aber sehr gewinnbringend, denn etwa ab der Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, weil eine bedrohliche Stimmung über allem lag und ich dauernd damit rechnete, dass noch etwas Schreckliches passieren wird. Zudem sind die zarten Gefühle, die sich zwischen Krüger und Jacky entwickeln einfach authentisch und wunderschön in die Geschichte eingewoben. Das Ende konnte mich vor allem in einem Punkt überraschen: wie gut der Autor mich an der Nase herumgeführt hatte

Insgesamt 4 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Swing high statt Sieg heil

Swing High
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Henri ist Musikfan, Swing und Jazz haben es ihm angetan und verkörpern für ihn die Freiheit. Doch aus Angst der Eltern vor einem Kriegsbeginn, muss er vorzeitig seine Ferienreise zu einer befreundeten ...

Henri ist Musikfan, Swing und Jazz haben es ihm angetan und verkörpern für ihn die Freiheit. Doch aus Angst der Eltern vor einem Kriegsbeginn, muss er vorzeitig seine Ferienreise zu einer befreundeten Familie in England abbrechen. Bei Kriegsbeginn werden die Freunde zu Feinden, jüdische Mitglieder seiner Swing-Clique müssen fliehen und die "Swingheinis" werden wegen der Musik des Feindes verfolgt und schikaniert. Trotzdem kann Henri die nun geheimen Partys und die Musik nicht loslassen und findet darin seine Art, Widerstand gegen das Regime zu leisten, jedoch nicht ohne Folgen.

Allein vom Cover her, hätte ich vielleicht gerade noch auf ein musikalisches Thema geschlossen, jedoch nicht damit, dass es hier um eine so ernste Zeit geht, wie den Zweiten Weltkrieg und den Widerstand durch Musik. Da hätte ich mir eine etwas passendere Gestaltung gewünscht. Die Geschichte selbst erzählt die Autorin Cornelia Franz sehr authentisch. Man merkt, dass einige Recherchearbeit in dem Buch steckt. Denn das Hotten zur Swingmusik als Dorn im Auge der Nationalsozialisten hat es tatsächlich gegeben.

Henri ist eigentlich ein ganz normaler Jugendlicher. Er möchte wie jeder Jugendlich frei sein, das Leben und die erste Liebe genießen, feiern. Mit dem Krieg und allem, was dahinter steht und dem, was er mit sich bringt kann er nichts anfangen. Sehr deutlich wird, dass durchaus viele, aber eben nicht alle die Begeisterung für den Krieg teilten. Vor allem das Schicksal der Personen aus Henris Umfeld und die Machtlosigkeit, mit der man zusehen musste, wollte man nicht selbst in die Schusslinie geraten, berühren.

Gleichzeitig ist es immer wieder ein Lichtblick, wenn Henri und die Swingheinis ihre Platten auflegen und gegen den Sturm tanzen, auch wenn die Folgen teilweise grausam sind und für die heutige Jugend gar nicht wirklich vorstellbar. Gerade deswegen finde ich, ist es lohnenswert, dieses Buch zu lesen. Sehr gut kann ich es mir auch als Schullektüre im fächerübergreifenden Unterricht vorstellen. Am Ende des Buches erfahren wir einige Folgen des Krieges in Henris Freundeskreis, leider werden diese etwas schnell abgehakt, so dass wenig Raum für Betroffenheit bleibt. Ein paar Seiten mehr, wären mir hier lieber gewesen, aber das ist Geschmackssache. Ich empfehle das Buch gern.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Schöner Lesestoff

Die magische Welt von Leonie Looping - Doppelband - Erstlesebuch für Kinder ab 7 Jahren
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In diesem Doppelband erlebt Leonie die Ferien mit ihren kleinen Elfenfreundinnen und besteht zwei Abenteuer:

Band 1: Leonie ist sauer auf ihre Eltern, weil sie statt ans Meer zu fahren zu ihrer Oma muss. ...

In diesem Doppelband erlebt Leonie die Ferien mit ihren kleinen Elfenfreundinnen und besteht zwei Abenteuer:

Band 1: Leonie ist sauer auf ihre Eltern, weil sie statt ans Meer zu fahren zu ihrer Oma muss. Eigentlich mag Leonie die Oma recht gern, doch unzufrieden ist sie trotzdem. Das führt dazu, dass sie auf den verbotenen Balkon geht und ihre Wut an den kleinen Häuschen im Blumentopf auslässt. Sie kann doch nicht ahnen, dass dort jemand wohnt. Und dann ist da auch noch der Nachbarjunge, den sie anfangs doof findet ...

Band 2: Leonie macht mit ihren neuen Freundinnen einen Ausflug zum Waldsee. Doch was ist das? Überall liegt Müll herum. Zunächst haben die drei Omas Nachbarjungen Florian im Verdacht, doch dann kommen sie den wahren Tätern auf die Spur. Doch wie können sie sie davon abhalten, den Wald weiter zu verschmutzen?

Meine Tochter hat schon nach den ersten Seiten Gefallen an Leonie gefunden. Sie konnte sich echt gut in ihre Launen hineinversetzen, gerade, weil Leo ein ziemlich normales Mädchen ist. Dass sie im Blumentopf auf neue Freunde trifft war natürlich der Hit. Elfen kommen eben doch bei vielen Mädchen gut an. Man kann sich herrlich wegträumen und seiner Vorstellung freien Lauf lassen. Zudem gab es zum Beispiel mit der Katze auch actionreiche Szenen, was die ganze Geschichte recht abwechslungsreich macht. Dafür sorgt auch die Vielfalt an Themen wie Ferien, Naturerlebnisse, Freundschaft und auch mal große Jungs, die nicht wissen, wie man sich benimmt usw.

Die Schrift kann man super lesen und durch die tollen Illustrationen sind die Seiten sehr aufgelockert, so dass die Motivation zum Lesen hoch bleibt. Die Charaktere hätte ich mir noch etwas tiefgründiger gewünscht. Man lernt sie erst nach und nach etwas besser kennen, schließlich gibt es von der Reihe noch weitere Einzelbände. Insgesamt ist "Die magische Welt von Leona Looping" vor allem für Mädchen ein schöner Lesestoff zum Vorlesen oder Selberlesen, gerade, wenn man erhöhten Bedarf an Nachschub hat. 4 Sterne

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Veröffentlicht am 20.02.2022

Sehr umfangreiches Buch über Nahrungsmittel

Was uns schmeckt
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Über tausend Lebensmittel darunter Grundnahrungsmittel, Zutaten und fertig verarbeitetes Essen finden sich in diesem sehr umfangreichen Nachschlagewerk, das für Kinder gedacht ist, aber auch Erwachsenen ...

Über tausend Lebensmittel darunter Grundnahrungsmittel, Zutaten und fertig verarbeitetes Essen finden sich in diesem sehr umfangreichen Nachschlagewerk, das für Kinder gedacht ist, aber auch Erwachsenen durchaus noch einiges an neuem Wissen vermitteln kann. Man erfährt viel über den Nutzen von Essen, über die Bestandteile und Nährstoffe, die darin enthalten sind, sowie die größten Anbaugebiete oder wo das Lebensmittel häufig verzehrt wird. Der weiter Aufbau erfolgt nach Art des Lebensmittels: Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Proteihaltiges und aus Getreide zubereitete Lebensmittel. Alle Lebensmittel wurden liebevoll gezeichnet, wobei mir bei mancher Zeichnung etwas der Kontrast fehlt, was dazu führt, dass einige Bilder verwaschen wirken. Die Texte zu den Lebensmitteln werden durch Nummern gekennzeichnet an den Rand gestellt. Sie sind sehr informativ und stellen auch Dinge vor, die in anderen Ländern besonders gern gegessen werden. Leider ist die Schrift allgemein etwas klein, aber der Informationsgehalt entschädigt das bei Weitem. Ich finde das Buch toll, weil Kinder so Dinge kennenlernen, die sie vielleicht ansonsten niemals entdeckt hätten und mit den kurzen Rezepten im hinteren Teil, kann man seine Geschmacksknospen noch überraschen.

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Veröffentlicht am 19.01.2022

Sportler in all ihren Facetten

Champions – Sporthelden, die Geschichte schreiben
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Dies ist das erste Buch dieser Art, das ich bisher auf dem Buchmarkt kennengelernt habe. Es enthält kurze Biographien von 40 Sportlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen wie Fußball, Schwimmen, Boxen, ...

Dies ist das erste Buch dieser Art, das ich bisher auf dem Buchmarkt kennengelernt habe. Es enthält kurze Biographien von 40 Sportlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen wie Fußball, Schwimmen, Boxen, Motorsport, Surfen oder Klettern. Mal geht es um sehr bekannte Sportler, mal um solche, die ihre Karrieren bereits beendet haben. Einige Champions wie Niki Lauda oder Boxlegende Muhammad Ali sind auch schon verstorben, haben aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nicht alle Namen werden den Kindern von heute noch etwas sagen, weil sie eher zu meiner Kindheit in den 80ern bekannt waren. Es gab genügend, die auch ich nicht kannte, so dass ich begierig lesen konnte, welche Leistungen sie erbracht haben. Dabei geht es nicht immer nur um sportliche Leistungen, sondern auch um Lebensschicksale, die Menschen dazu gebracht haben, sich dem Sport zu widmen, alles zu geben und ein Champion zu werden. Natürlich wird auch nicht ausgelassen, wenn ein Sportler mal die Motivation verlor, private Schwierigkeiten hatte oder Niederlagen erleben musste. Die Texte sind lebhaft in der Gegenwart verfasst und weisen alle eine zutiefst menschliche Note auf. Man liest nicht nur Lebensdaten, sondern vom Leben selbst, mit all seinen Wegen und Umwegen, von Sportlern, die Geflüchtete sind und von solchen, die sich für eine gute Sache einsetzen wie zum Beispiel die Fußballerin Megan Rapinoe für die Gleichberechtigung. Es ist interessant wie unterschiedlich Sportler ihren Erfolg und ihre Bekanntheit nutzen. Meine Tochter mochte einige der Sportlerbiographien, die ich ihr vorgelesen habe, andere fand sie weniger spannend, was auch ein bisschen von der Sportart abhing.

Vom Aufbau her ist das Buch sehr übersichtlich gestaltet. Nach einem Vorwort folgt das Inhaltsverzeichnis. Hier sieht man runde Bilder der Sportler, darunter Name, Sportart und Seitenangabe. Danach folgen die Texte zu den Biographien, immer mit Angabe der Geburts- und ggf. Sterbedaten und Orte. Keine Biographie ist dabei länger als 4 Seiten. Eine Seite zeigt jeweils auch eine illustrierte Abbildung des Sportlers. Ich muss gestehen, dass nicht alle Sportler anhand der Abbildungen sofort zu erkennen sind. Während ich sofort sagen konnte "Das ist der Klopp", wäre ich bei einem anderen nie drauf gekommen, dass es Dirk Nowitzki sein soll. Hier hätte ich ein Foto auf jeden Fall mehr geschätzt. Das Format ist für ein Kindersachbuch etwas ungewöhnlich, sehr kompakt zwar, dadurch schrumpft aber auch die Schrift auf eine Größe, die ich gerade noch gut lesen kann. Für Leseanfänger oder Lesemuffel ist sie hingegen kaum geeignet. Daher ziehe ich auch einen Stern ab.

Fazit: Die unterschiedlichen Lebensläufe und -umstände waren für mich als Erwachsenen, dem viele der Sportler bekannt waren, sehr interessant. Meine Tochter war etwas wählerischer. Die Texte überzeugen jedoch durch ihre Schreibweise. Die Schrift und die Illustrationen hätten besser sein können. Ein bisschen fehlten mir auch ein Geräteturner und ein Skispringer. Fußball kam hingegen gleich 6 mal vor.

Daher 4 Sterne

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