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Veröffentlicht am 17.03.2025

Nette Geschichten um eine liebenswerte Kinderbande

Die Ahoibande
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Sie nennen sich Ahoibande: die Kinder Paule, Willi und Jojo von der Insel. Auch Schulz gehört dazu, obgleich er eigentlich Berliner ist.
Autorin Silke Lambeck hat eine Art Wohlfühlbuch für junge Menschen ...

Sie nennen sich Ahoibande: die Kinder Paule, Willi und Jojo von der Insel. Auch Schulz gehört dazu, obgleich er eigentlich Berliner ist.
Autorin Silke Lambeck hat eine Art Wohlfühlbuch für junge Menschen geschrieben, und für deren Eltern gleich mit, denn die hier geschilderten Geschichten eignen sich perfekt zum Vorlesen und Diskutieren. Die Illustrationen von Lena Hesse, die in Farbgebung und Stil angenehm ruhig, beinahe nostalgisch wirken, ergänzen den Text auf das Beste.
Paule, das kernige Mädchen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, sein kleiner Bruder Jojo, der immerzu irgendwie verschwindet, der beste Freund Willi, dem seit kurzem ein Hund namens Ohdschie gehört, und der etwas großspurige Schulz erleben in jedem Kapitel ein neues Abenteuer. Mal retten sie den alten, verwirrten Hannes, dann kümmern sie sich um eine Robbe. Willi stellt sich seiner Wasserscheu und Jojo mausert sich im Inselwettkampf zum unerwarteten Helden. Es bleibt nicht aus: Man muss sie allesamt mögen.
Wir dürfen die Kinder einmal durch die vier Jahreszeiten begleiten. Da kommen schon mal Erinnerungen an die heile Welt von Bullerbü auf oder an die fünf Freunde längst vergangener Tage. Aber weshalb eigentlich nicht? Weshalb nicht einmal die Seele baumeln lassen in einem weitgehend konfliktfreien Inselrefugium? Und sich von den Personen im Buch, die stets mit gutem Beispiel vorangehen, vorleben lassen, dass Empathie, Mut und Freundschaft vieles möglich und das Leben schöner und bunter machen.
Vielleicht hätte ein roter Faden, der die einzelnen Episoden stärker miteinander verknüpft, den Gesamteindruck noch runder wirken, oder ein, zwei etwas pfiffigere Ideen etwas mehr Witz hineinbringen können. Aber wie gesagt: Auch so werden an diesem Buch sicher viele große und kleine Menschen Gefallen finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2025

Perfekt die viktorianische Ära eingefangen

Der tote Antiquar von Limehouse
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London, 1871. Der Antiquitätenhändler Jakob Jakobus wird ermordet in seinem Laden aufgefunden, kurz nachdem der Diebstahl eines wertvollen Smaragdcolliers bei der Polizei zur Anzeige gebracht wurde. Inspector ...

London, 1871. Der Antiquitätenhändler Jakob Jakobus wird ermordet in seinem Laden aufgefunden, kurz nachdem der Diebstahl eines wertvollen Smaragdcolliers bei der Polizei zur Anzeige gebracht wurde. Inspector Ben Ross von Scotland Yard vermutet einen Zusammenhang.
Ann Granger beweist im neunten Band der Reihe wieder einmal, wie leichtfüßig sie das viktorianische London zum Leben erwecken kann. (Gleich vorweg: Der Band lässt sich problemlos ohne Kenntnis der Vorgänger lesen.) Bei der Beschreibung eines Staus auf der Waterloo Bridge vermag sie beinahe zu überzeugen, sie wäre selbst dabei gewesen. Das Gesellschaftsleben der damaligen Zeit samt der sozialen Strukturen und Missständen umrahmt und trägt die Handlung. Die Charaktere, alle mit der leichten Überspitzung versehen, die sie prägnant und leicht merkbar macht, verhalten sich glaubhaft und konsequent.
Ermittler Ben Ross und seine Ehefrau Elizabeth erzählen jeweils aus der Ich-Perspektive ihren Teil der Handlung. Beide sind sich sehr verbunden und arbeiten wohlwollend einander zu.
Dass sie dennoch lange im Dunkeln tappen, liegt an der verwickelten Geschichte. Mühsam und langwierig gestaltet sich die Ermittlungsarbeit, Bruchstück um Bruchstück muss herbei getragen, ein Detail ums andere ans Licht gezerrt werden. Es macht durchaus Spaß, dies alles zu verfolgen, doch vermisst man ein wenig die Spannung. Auch an Überraschungen hält die Story wenig bereit. Natürlich ist klar, dass es sich hier um einen klassischen Cosy-Krimi handelt, das signalisiert jede Körperfaser des Lesenden, aber etwas eifriger mitfiebern würde man sicher gerne.
Irritierend sind einige Stellen, bei denen Unverständlichkeit oder falsche Bezüge auf kleine Übersetzungsprobleme hinweisen.
Die Stärken des Krimis liegen in der Wiedergabe der Atmosphäre, der Darstellung der Personen und der Souveränität und Eleganz des Schreibstils. All das sorgt für Lesevergnügen und Wohlbefinden und vermag auf eigene Weise zu fesseln.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.10.2022

Lebensfroh und sehr französisch

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
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Der lebensfrohe Lucien hat ein großes Problem: Auf dem Sterbebett nimmt ihm sein Vater das Versprechen ab, die Tradition des alten Adelsgeschlechts der von Chacarasse fortzusetzen. Dabei liegt dem jungen ...

Der lebensfrohe Lucien hat ein großes Problem: Auf dem Sterbebett nimmt ihm sein Vater das Versprechen ab, die Tradition des alten Adelsgeschlechts der von Chacarasse fortzusetzen. Dabei liegt dem jungen Comte nichts ferner, als gut bezahlte Auftragsmorde zu begehen, wie seine Vorfahren es seit Jahrhunderten taten. Viel wohler fühlt er sich in seinem Feinschmeckerlokal Le Bouchon oder in charmanter Damengesellschaft.
Pierre Martin liefert hier den Auftakt zu einer neuen Krimireihe, die sich von anderen durchaus unterscheidet. Es gelingt ihm mühelos, ein federleichtes Wohlfühlklima zu erschaffen, in dem blutige Aktionen und spannende Momente nur insoweit zugelassen werden, wie das Genre es erfordert.
Viel mehr Aufmerksamkeit widmet er anderen Aspekten. Die Region um Nizza kennt er offensichtlich wie seine Westentasche und beschreibt Landschaft, Orte und kulturelle und historische Besonderheiten mit Hingabe. Wichtig ist ihm auch die Kulinarik. Oft werden besondere Gerichte erwähnt, zunächst in französischer Sprache, dann auch ins Deutsche übersetzt. So verfährt er übrigens auch mit den Dialogen: Immer wieder werden kurze französische Bemerkungen eingeflochten. Auf diese Weise lassen sich bei der Lektüre ganz nebenher Sprachkenntnisse auffrischen.
Die Hauptfiguren sind unglaublich sympathisch. Allen voran natürlich Lucien, der mit vielen Raffinessen versucht, seinen Auftrag zu töten mit seinem Vorsatz, eben dies nicht zu tun, in Einklang zu bringen. Warmherzig, loyal und ausgestattet mit gesundem Menschenverstand ist die schwerhörige Rosalie. Dann gibt es noch die überaus tüchtige und höchst attraktive Assistentin Francine. Die drei bilden beinahe eine funktionale Familie, in der sich alle respektieren, auch wenn fleißig geneckt wird. Und wenn es doch mal ernst wird, gibt es ja noch den Tresterschnaps.
Am Ende wird deutlich auf das Thema des Folgebands hingewiesen, allerdings völlig ohne Cliffhanger, so dass sich dieser Band wirklich abgeschlossen anfühlt.
Liebhaber französischer Lebensweise und leichter Lektüre werden hier vielleicht einen Suchteinstieg finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2022

Harte Kerle in Louisiana

Eine Zelle für Clete
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Detective Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel versuchen, Licht in das Dunkel um eine Mordserie an jungen Frauen zu bringen. Ausgerechnet mit einem der Hauptverdächtigen hat sich Daves Stieftochter ...

Detective Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel versuchen, Licht in das Dunkel um eine Mordserie an jungen Frauen zu bringen. Ausgerechnet mit einem der Hauptverdächtigen hat sich Daves Stieftochter gerade angefreundet, was ihn in besondere Alarmbreitschaft versetzt.
James Lee Burke nimmt sich auch im 18. Band der Reihe die Zeit, als Grundlage eine intensive Südstaatenatmosphäre auszubreiten. Es gelingt ihm hervorragend, die besondere Stimmung der Region zu übermitteln. Die Historie der Bevölkerungsgruppe der Cajuns in Louisiana wirkt unaufdringlich präsent, Orts- und Naturbeschreibungen beschwören die Vorstellungskraft, politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse zeigen ihre Einflüsse. Die Vergangenheit atmet aus jeder Zeile, auf eine irgendwie trostlose Weise, und wirkt sich besonders in der Diskriminierung farbiger Menschen bis ins Heute aus.
Auf der Suche nach Wahrheit erweisen sich nicht nur die kriminellen Personen als äußerst gewaltbereit. Auch Dave und besonders Clete versuchen in vielen Situationen erst gar nicht, die Kontrolle über ihre testosterongesteuerten Handlungsweisen zu behalten. Ein echtes Kerlsgetue, rüpelnd und provozierend mischen sie alles auf, was sich in den Weg stellt. Bereits bei einfachen Dialogen sorgen ständige Sticheleien für Eskalation. Da geht es schnell hart und blutig zu und die Anzahl der Toten steigt gefühlt von Seite zu Seite. Fast aus keiner Begegnung findet der alkoholaffine Clete ohne nennenswerten Konflikt wieder heraus. Der wenig schmeichelhafte Nickname „Abrissbirne“ trifft daher genau ins Schwarze.
Da ist so gar nichts Feines, Subtiles. Sobald die beiden im Gegenüber einen Gegner wittern, wird Schuld vorausgesetzt und im Wespennest herumgestochert.
Bei all den Problemen, die sie magisch anziehen, ist es wunderbar und überlebenswichtig, dass sie sich hundertprozentig aufeinander verlassen können.
Manchmal wird Bezug genommen auf ehemalige Erlebnisse, aber der Roman lässt sich ohne Weiteres ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen.

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Barcelona und viel Liebe zum Detail

Die Tränen der Welt
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1901, Barcelona: Obgleich der junge Dalmau Sala sich für seine Arbeit in der Fliesenfabrik Don Manuels begeistert, teilt er zumindest gedanklich die radikale Einstellung seiner Schwester und seiner Freundin ...

1901, Barcelona: Obgleich der junge Dalmau Sala sich für seine Arbeit in der Fliesenfabrik Don Manuels begeistert, teilt er zumindest gedanklich die radikale Einstellung seiner Schwester und seiner Freundin Emma. Die beiden Frauen engagieren sich mit vollem Einsatz bei den alltäglichen Protesten gegen Armut und Unterdrückung durch die Kirche und die Reichen der Stadt.
Ildefonso Falcones hat gründlich recherchiert. Er vermag eine Atmosphäre zu schaffen, aus der Personen und Umgebung heraustreten und wahr zu werden scheinen. Alles wirkt authentisch und zum Greifen nah.
Zwischen der neu entstehenden Architektur des Modernisme und den armseligen Behausungen des Stadtteils Barceloneta lässt er streikende Arbeiterinnen auf die Barrikaden steigen, um leidenschaftlich für kürzere Arbeitszeiten und bessere Löhne zu kämpfen. Das gerät so präsent, dass der eigentliche Handlungsstrang manchmal beinahe in den Hintergrund tritt.
Die Charaktere sind bunt gemischt. Da gibt es Dalmau, der den Künstler in sich erst noch entdecken muss, seinen reichen Arbeitgeber Don Manuel, der ihn zunächst wie ein Gönner unterstützt und fördert, die Mutter Josefa, die Nacht für Nacht an der Nähmaschine sitzt, um sich ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften, natürlich die sinnliche, starke Emma, die nicht nur die ökonomische Ungerechtigkeit anprangert, sondern sich auch für Frauenrechte einsetzt. Aber auch zwei Straßenkinder, die durch das gesamte Buch irrlichtern und intrigant und meist boshaft dem Lauf der Dinge mehr als einmal eine Wendung geben, die alles aus den Fugen reißt und die Hauptpersonen ins Schlingern und Straucheln stürzt.
Das alles ist ein gutes Zusammenspiel, allerdings nehmen die Stilbeschreibungen viel Raum ein, selten erhalten einige der oft erwähnten Künstler und Architekten ein Gesicht und dürfen sich zumindest als Randfiguren in der Geschichte positionieren.
Störend wirken sich auch häufige Wiederholungen aus, die stark entschleunigen und so manche Leselänge verursachen.
Trotz dieser Mängel bleibt das Buch ein Leckerbissen für alle, die sich für die Stadt Barcelona, die politischen und sozialen Verhältnisse und/oder die Entwicklung der Künste in dieser Zeit interessieren.

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