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Veröffentlicht am 25.05.2022

Spannend und sehr unterhaltsam erzählter Jugendkrimi

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Der Fall der Roten Libelle (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 2)
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Inhalt:
Matilda ist gar nicht mal so traurig darüber, dass ihre Eltern über die Osterferien verreist sind. So kann sie nämlich - lediglich von ihrer Nachbarin Frau Zeigler mit köstlichem Essen und spannenden ...

Inhalt:
Matilda ist gar nicht mal so traurig darüber, dass ihre Eltern über die Osterferien verreist sind. So kann sie nämlich - lediglich von ihrer Nachbarin Frau Zeigler mit köstlichem Essen und spannenden TV-Abenden versorgt - gemeinsam mit Rory Shy in einem neuen, brisanten Fall, einem Kunstdiebstahl mit schwerer Körperverletzung, ermitteln. Einmal mehr sind ihre gesellige Art und ihr Mut genau die Faktoren, welche Licht ins Dunkel bringen.

Meine Meinung:
Sicher erinnert ihr euch an meine begeisterte Rezension zum ersten Band der Rory-Shy-Reihe. Den zweiten Band habe ich mir vom Liebsten (aka "Osterhasen") zu Ostern gewünscht und habe ihn mehrheitlich zu Hause auf Balkonien gelesen. Das Buch ist nämlich so schön gestaltet, dass ich es nitgendwohin mitnehmen wollte. Entsprechend lange habe ich für die Lektüre gebraucht, aber ich habe jede Seite geniessen können.
Die eigentliche Hauptfigur Matilda ermittelt erneut in einem abenteuerlichen und gefährlichen Fall und ist nicht selten mit ihrer unkomplizierten, offenen Art genau die Hilfe, die Rory Shy, der zu schüchtern ist, um Befragungen durchzuführen oder zu telefonieren, für seine Arbeit braucht.
Der Fall führt Matilda ans Filmset ihrer Lieblingsserie "Mörderische Ehefrauen", welche sie sich täglich mit Frau Zeigler ansieht. Und Rory Shy kommt sogar zu einem Gastauftritt in der Serie, den er aufgrund seiner Schüchternheit nur mit einem kleinen Schwips bewältigen kann.
Einzig die vielen Lügen, welche Matilda der gutgläubigen Frau Zeigler auftischt/auftischen muss, um tagelang wegzubleiben, finde ich ein wenig gar dreist, schliesslich könnte Matilda ihr einfach sagen, dass sie auf eigene Faust ermittelt und Rory Shy komplett aus dem Spiel lassen. Ansonsten hat mir das Buch aber sehr gut gefallen und mich mit seinem Witz bestens unterhalten. Die wundervollen Figuren (unter anderem Matildas änglicher Hund Dr. Herkenrath oder Rorys charmante und ebenfalls sehr schüchterne Liebste Charlotte) haben es mir wieder angetan und ich freue mich schon riesig auf den nächsten Band der Reihe.

Meine Empfehlung:
"Der Fall der roten Libelle" ist wunderbar unterhaltsam und spannend erzählt, führt ganz viele weitere Figuren mit tollen Hintergrundgeschichten ein und macht einen Abstecher in die Kunstwelt und ans Set der Serie "Mörderische Ehefrauen". Von mir gibt es eine sehr, sehr herzliche Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Sehr düster, spannend und bewegend

Hagebuttenblut
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TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
1. Löwenzahnkind
2. Hagebuttenblut
3. Mohnblumentod

Inhalt:
Charlie Lager ...

TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
1. Löwenzahnkind
2. Hagebuttenblut
3. Mohnblumentod

Inhalt:
Charlie Lager stösst eher zufällig auf einen ungelösten Vermisstenfall und reist widerwillig und äusserst ruhelos in ihre Heimat Gullspång, um die Ermittlungen neu aufzurollen. Bei der Suche nach Hinweisen zum drei Jahrzehnte zurückliegende Verschwinden der sechzehnjährigen Francesca begegnen ihr einige Geister aus der Vergangenheit und immer mehr Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend werden sehr präsent. Dabei entdeckt sie nicht nur zahlreiche Geheimnisse sondern erfährt auch erschreckende Dinge über ihre Mutter.

Meine Meinung:
Beim Tippen der Rezension habe ich bemerkt, dass dieses Buch heute vor einem Jahr erschienen ist und ich muss ehrlich sagen, dass mir dies kurz Gänsehaut beschert hat. Das passt irgendwie sehr gut zum Buch, denn in "Hagebuttenblut" wird nichts dem Zufall überlassen, die Handlug knüpft nahtlos an "Löwenzahnkind" an, alte Bekannte und viele neue Figuren tauchen auf und Charlie Lager gibt sich auf gefährliche Spurensuche. Nicht nur ihre eigenene Vergangenheit wird immer fassbarer, auch viele weitere Geheimnisse aus und um Gullspång kommen ans Tageslicht.
Am liebsten würde ich sofort noch einmal "Mohnblumentod" lesen und die Geschichte nun mit dem Vorwissen aus den ersten beiden Bänden erleben. Sicher würden dabei noch mehr Dinge über Charlie Lager und ihre Familie klar und ich werde in den nächsten Tagen wohl zumindest noch einmal intensiv im Buch blättern.
Charlie Lager und ihre manchmal schroffe, äusserst intelligente und scharfsinnig kombinierende Art mag ich sehr gerne. Auch die anderen Figuren sind passend und facettenreich beschrieben und so düster es in Gullspång auch ist, so gerne reise ich trotzdem dahin, um einen weiteren grandios konstruierten und bis ins letzte Details stimmigen Fall an Charlie Lagers Seite aufzuklären.

Stimmung und Sprache:
Lina Bengtsdotter erzählt diese ausgeklügelte und tragische Geschichte mit einer Sprache, die vor Dunkelheit nur so trieft. Es scheint nie hell zu werden in Gullspång, die meisten Menschen im kleinen Ort sind sehr arm, die wenigen reichen Menschen sind um so unglücklicher und die Geheimnisse, welche alle mit sich tragen, sind unendlich abgründig. Diese Sprache ist etwas ganz Besonderes, sie kann sehr kalt und abweisend wirken, aber trotzdem blickt Bengtsdotter ihren Figuren stets mitten ins Herz. Sie beschreibt einfühlsam und nachvollziehbar, welche Schicksale die Menschen mit sich tragen und zu dem machen, was sie sind.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine dringende Empfehlung für "Hagebuttenblut" und die ganze Reihe und ausnahmsweise empfehle ich es wirklich sehr, die Bücher chronologisch zu lesen. Leider ist die Trilogie mit Mohnblumentod komplett, aber Lina Bengtsdotter schreibt an einem neuen Buch mit einem neuen Ermittlerteam.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Warmherzig und poetisch erzählt

Baba Dunjas letzte Liebe
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Inhalt:
Baba Dunja lebt im fiktiven, Tschernobyl nachempfundenen Ort Tschernowo, einem Teil der sogenannten Todeszone. Sie ist einige der wenigen Rückkehrerinnen, welche stur und einfach ihr restliches ...

Inhalt:
Baba Dunja lebt im fiktiven, Tschernobyl nachempfundenen Ort Tschernowo, einem Teil der sogenannten Todeszone. Sie ist einige der wenigen Rückkehrerinnen, welche stur und einfach ihr restliches Leben in der verstrahlten Gegend, ihrer Heimat, verbringen. Ohne fliessendes Wasser und mit einer nur teilweise funktionierenden Telefonverbindung leben die bereits alten und kranken Menschen als eingeschworene Gemeinschaft, welche sich vor der Radioktivität in ihrem selbstgezogenen Gemüse und im Brunnenwasser nicht mehr zu fürchten brauchen, zusammen. Alle paar Wochen fährt die längst pensionierte ehemalige Hilfsschwester Baba Dunja, die als eine Art unfreiwillige Dorfvorsteherin fungiert, mit dem Bus in die Stadt, um einige Einkäufe zu tätigen und die Post zu holen. Der beschauliche und stets ein wenig gleichförmige Alltag der nebeneinanderher existierenden aber in ihren Überzeugungen zusammenhaltenden Menschen wird jäh erschüttert, als ein Vater mit seiner jungen und gesunden Tochter in die Gegend ziehen will, was von den Bewohnerinnen Tschernowos, die zwar ihre eigenen Krankheiten und ihren eigenen bevorstehenden Tod akzeptiert haben, aber dieses Risiko für ein gesundes Kind nicht zulassen können, mit allen Mitteln verhindert wird. Die Ereignisse überschlagen sich und locken einige dieser von der restlichen Gesellschaft zugleich bewunderten, bemitleideten und gefürchteten Menschen aus ihrer Reserve. Auch todgeweihte Menschen lieben und leben noch, wollen sich Träume erfüllen und ihren Frieden finden.

Meine Meinung:
"Baba Dunjas letzte Liebe" stand schon jahrelang auf meiner Wunschliste. Durch die aktuellen Ereignisse in der Ukraine erschüttert, habe ich mich dazu entschieden, dieses Buch zu kaufen und sofort zu lesen. Die sehr berührende und kurzweilige Lektüre hat mir ganz viele Einblicke in das Leben von Tschernobyl-Rückkehrerinnen beschert, orientiert sich Alina Bronsky doch an historischen Fakten und den realen Geschichten der Menschen, welche sich - des Risikos bewusst, aber ohne etwas zu verlieren zu haben - in ihrer alten Heimat, der heutigen Todeszone um Tschernobyl niedergelassen haben und in fast kompletter Unabhängigkeit und Freiheit ihre restlichen Jahre erleben wollen.

Figuren:
Innerhalb von so wenigen Seiten gelingt es Alina Bronsky, eindrückliche Charakterskizzen der Bewohner
innen von Tschernowo zu erstellen. Da ist Baba Dunja, die bedächtig, überlegt und voller Dankbarkeit für die Schätze, welche ihr Garten und die umliegenden Wälder hergeben, ihren Alltag begeht und voller Sehnsucht zu ihrer Tochter und der Enkelin, welcher sie noch nie begegnet ist, Briefe nach Deutschland schreibt. Sie hinterfragt dabei zwar stets ihre Qualität als Mutter, sendet ihrer Tochter aber im gleichen Atemzug die schönsten, optimistischsten Berichte in die Ferne, damit sich diese auf keinen Fall Sorgen machen muss. Sie ist eine Art Bürgermeisterin wider Willen und kümmert sich nicht nur um die täglichen Sorgen, Nöte und Bedürfnisse ihrer Nachbar*innen, sondern kommuniziert auch permanent mit den Toten, welche die friedliche Umgebung immer noch bewohnen.
Auch Marja, die sich gefühlt nur von den von Baba Dunja gekochten Gerichten und mitgebrachten Medikamenten ernährt und stets ihrem verstorbenen Mann nachtrauert, obwohl er sie geschlagen hat, nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Ihr Hahn und ihre gute Seele lassen sie zuerst ein Festmahl und später einen zweiten Frühling erleben und sie steht für die Hoffnung in einer selbstgewählten, todgeweihten Schicksalsgemeinschaft.
Besonders gut unterhalten haben mich die Szenen, in denen Sidorow, der über das einzige und eigentlich nie funktionierende Telefon verfügt und der krebskranke Petrow, dessen entschlossenes Handlung zum entscheidenden Wendepunkt der Geschichte führt, vorkommen. Das Ehepaar Gavrilow übernimmt die Rolle der neureichen Zugezogenen und Lenotschka die der ewig vor sich hinstrickenden Frau, welche nie Kinder bekommen wollte.

Schreibstil:
Alina Bronsky schafft es, diverse existenzielle Themen und zutiefst menschliche Regungen und Dramen, aber auch ganz viel Humor, Zusammenhalt und wunderschöne Naturschilderungen in diesem so kurzen Büchlein unterzubringen. Die Geschichte scheint langsam und poetisch erzählt und ist dennoch durch die enorme Vielschichtigkeit sehr dicht gewoben, wirkt aber nie überladen, sondern vielmehr sehr schlicht. Ein ganz bewonderes Gewicht erhält die nur durch Briefe und Erinnerungen aufrecht erhaltene Beziehung zwischen Baba Dunja und ihrer Tochter Irina sowie Baba Dunjas Enkelin Laura. Diese in ihrer Schönheit und Tragik einzigartige Familienstudie hat mich tief berührt.

Meine Empfehlung:
Voller Begeisterung empfehle ich euch diesen unaufgeregt erzählten Aussteigerroman, der gleichzeitig auch ein Familienroman und eine Art Krimi ist. Die einfühlsamen und warmherzigen Charakterstudien, die am Rande mitschwingende Gesellschaftskritik und die mitten ins Herz treffende und mit ihrer Schönheit und ihrer mit dem Leben und Sterben versöhnende Sprache haben mich komplett für sich eingenommen und auf die weiteren Bücher von Alina Bronsky neugierig gemacht.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Spannend, unterhaltsam und liebenswert erzähltes Kinder- und Jugendbuch

Rory Shy, der schüchterne Detektiv (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 1)
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Inhalt:
Die zwölfjährige Matilda ist eine aufgeweckte Hobby-Detektivin, welche es liebt, Fälle in ihrer Nachbarschaft zu lösen. Immer an ihrer Seite aber nur mässig hilfreich ist dabei ihr überaus ängstlicher ...

Inhalt:
Die zwölfjährige Matilda ist eine aufgeweckte Hobby-Detektivin, welche es liebt, Fälle in ihrer Nachbarschaft zu lösen. Immer an ihrer Seite aber nur mässig hilfreich ist dabei ihr überaus ängstlicher Cockerspaniel Dr. Herkenrath. Ihr grösstes Vorbild ist der berühmte Detektiv Rory Shy, den sie bei einer abendlichen Gassirunde aus einer misslichen Situation befreit. Als Entschädigung für die Rettungsaktion verlangt sie, Rory Shy als Praktikantin zur Seite stehen zu dürfen. Zumindest während der Weihnachtsferien. Innerhalb von wenigen Stunden geraten die beiden mitten in einen komplizierten Fall und die mitteilsame Matilda wird zum grössten Trumpf für den schüchternen Detektiv.

Meine Meinung:
Auf die Reihe aufmerksam geworden bin ich bei Aleshanee vom Blog Weltenwanderer. Ihre begeisterten Rezensionen haben mich dazu bewegt, mir diesen ersten Band der Reihe von meinem Mann zu Weihnachten schenken lassen und ich habe es nicht bereut. Rory Shy und vor allem seine Assistentin Matilda, welche die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und die eigentliche Hauptperson des Krimis ist, habe ich sofort ins Herz geschlossen und die beiden haben mich ein wenig aus meinem turbulenten Alltag entfliehen lassen.
Den Fall um die verschwundene Perle der Millionenerbin Charlotte Strudel habe ich mit grösstem Vergnügen gelesen und besonders gut gefallen haben mir dabei der unkomplizierte Umgang unserer Heldin Matilda mit Rory Shys Schüchternheit und allen anderen Eigenschaften der auftretenden Figuren, aber auch die leicht überzogenen und um so amüsantere Situationskomik. Zur Jahreszeit passend - das Buch spielt mitten in Matildas Weihnachtsferien - sorgen eine riesige aber gemütliche Villa, ein verschneiter Park und eisig kalte Temperaturen für Lesestunden, die man am liebsten schön eingekuschelt mit einem Heissgetränk geniessen möchte, was ich auch im März noch gerne getan habe.

Schreibstil:
Das Buch liest sich äusserst flüssig und ist sehr, sehr unterhaltsam geschrieben. Auf den Vorsatzseiten finden sich Skizzen der vorkommenden Personen und die Kapitelanfänge sowie die einzelnen Seiten sind sehr liebevoll gestaltet. Die Altersempfehlung des Verlages (ab 10 Jahren) empfinde ich als sehr passend und die Erzählsprache ist dem jungen Publikum angemessen. Besonders aufgefallen sind mir die zu den Figuren passenden Namen - so wird Matildas Lieblingscafé beispielsweise von Doro Puderzucker geführt - Details, welche mich immer sehr für sich einnehmen. Ausserdem plappert Matilda in allen Gesprächen so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist (oder spinnt ihre wilden Theorien in ihren Gedanken fort), geht aber mit ihren Mitmenschen trotzdem sehr rücksichtvoll und einfühlsam um, erzählt keine Geheimnisse weiter und und tritt niemandem zu nahe, was ich für ein Kinder- und Jugendbuch als besonders schöne und wichtige Botschaft empfinde.
Der Fall bleibt übrigens bis zum Schluss spannend und mit Matildas Hilfe und Rory Shys ganz besonders geheimen (und schrägen) Fähigkeit, kommen wir diversen Geheimnissen und Verstrickungen auf die Spur, die letztendlich zu einem grossen Ganzen zusammengefügt werden können.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung für dieses spannende und herzerwärmende Jugendbuch, das sich sicher wunderbar im Winter oder zur Weihnachtszeit lesen lässt, aber auch sonst für ganz viele unterhaltsame Lesestunden sorgt.

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Veröffentlicht am 27.02.2022

Aktueller und wichtiger denn je

Im Westen nichts Neues
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Dieses Buch soll weder eine Anklage
noch ein Bekenntnis sein.
Es soll nur den Versuch machen,
über eine Generation zu berichten,
die vom Kriege zerstört wurde -
auch wenn sie seinen Granaten entkam.
- ...

Dieses Buch soll weder eine Anklage
noch ein Bekenntnis sein.
Es soll nur den Versuch machen,
über eine Generation zu berichten,
die vom Kriege zerstört wurde -
auch wenn sie seinen Granaten entkam.
- Im Westen nichts Neues -

Inhalt:
Paul Bäumer hat sich freiwillig in die Armee gemeldet und dort erlebt er die Schrecken des ersten Weltkriegs an der Front. Er erfährt die Schikanen eines Ausbildners, gnadenlose Angriffe, Ohnmacht und Aussichtslosigkeit und er sieht, wie Kameraden verwundet und getötet werden, während die Gedanken an ein Leben und eine Gesellschaft nach dem Krieg immer unwirklicher werden.

Meine Meinung:
"Im Westen nichts Neues" habe ich am Sonntag vor einer Woche begonnen und seither ist so viel geschehen, dass ich kaum weiss, wo mir der Kopf steht. Dieses Buch zu lesen, während in unmittelbarer Nähe wirklich ein Krieg ausbricht und tobt (von allen anderen Konflikten und Kriegen ganz zu schweigen), hat mich sehr gefordert, aber gleichzeitig konnte ich auch nicht mit dem Lesen aufhören und wollte diese Geschichte mit ihrem ganzen Schrecken aber auch mit dieser grandios konstruierten Handlung und dem packenden, manchmal überraschend humorvollen Stil unbedingt beenden. "Im Westen nichts Neues" erinnert ein wenig an "Wo warst du, Adam" von Heinrich Böll. Auch dieser - allerdings im zweiten Weltkrieg spielende - Roman berichtet vom Schrecken und vor allem auch der Sinnlosigkeit des Krieges. So schwer es gerade fällt: dieses Buch ist wichtig, es hält uns allen und unserer Gesellschaft den Spiegel vor, es schmerzt, es ist unangenehm, aber wir dürfen die Augen nicht davor verschliessen, solange es auf diesem Planeten Kriege gibt.

Schreibstil:
Immer wieder äusserst detailliert und emotional aufwühlend beschreibt Remarque die Kampfhandlungen, das Töten und Sterben, die Verletzungen und den Schmerz, die Angst, die Rattenplagen, den Hunger und die Aussichtslosigkeit. Diesen erschütternden Szenen stellt er leichtere, manchmal sogar humorvolle Momente gegenüber, einiges an stark verpackter Gesellschafts- und Kriegskritik wird geäussert und immer wieder sorgen berührende, zutiefst menschliche Momente des Erinnerns und Vermissens, der Begegnung, der Erleichterung und der Wiedersehensfreude für ein kurzes Aufatmen.

Meine Empfehlung:
Ja, dieses Buch ist - gerade jetzt, aber auch generell - keine leichte Kost. Aber es ist meisterhaft erzählt und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges, berichtet vom Grauen auf dem Schlachtfeld und der Kameradschaft, welche viele Soldaten am Leben hält. Im ausführlichen Nachwort werden die Entstehungsgeschichte sowie die Überarbeitungen und Änderungen am Roman im Detail beschrieben. Auch habe ich noch mehr über Erich Maria Remarque und sein Verhältnis zu "Im Westen nichts Neues" erfahren. Dies alles sorgt für eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Gelesenen und ein ausführliches Literaturverzeichnis lädt zu weiteren Recherchen ein. Diese Lektüre ist ein Muss und das Buch gehört in jedes Regal.

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