Unterhaltsam, Knistern, berauschend!
Wie man sich einen Lord angeltTatsächlich hatte ich zu Beginn ein paar Zweifel, ob mir das Buch gefallen würde, doch ich wurde überrascht!
Es geht erstmal recht langsam los, es ist zu Anfang noch nicht unheimlich viel passiert, sodass ...
Tatsächlich hatte ich zu Beginn ein paar Zweifel, ob mir das Buch gefallen würde, doch ich wurde überrascht!
Es geht erstmal recht langsam los, es ist zu Anfang noch nicht unheimlich viel passiert, sodass es sich erst etwas schleppend angefühlt hat. Ich wusste nicht, ob es mich überzeugen könnte, wenn mir der Einstieg nicht gut gefällt und mich nicht richtig abholt, doch ich wollte unbedingt weiterlesen und muss sagen, dass ich mehr als froh war, als mich das Buch ab der Hälfte endlich richtig catchen konnten.
Es wurde einfach viel viel spannender ab der Hälfte, die Ereignisse im gesellschaftlichen Rahmen, die Bälle, die Manipulation und Intrigen und die Dialoge zwischen den Protagonisten haben zugenommen, wodurch Fahrt reingekommen ist und ich alles mehr gefühlt habe.
Ab der Hälfte wurde es geradezu fesselnd, mitzuerleben wie Kitty alles auf den Kopf stellt, um einen reichen Ehemann zu finden, wie sie die Gesellschaft aufwirbelt und sich als etwas ausgibt, was sie in Wahrheit gar nicht ist, um sich so hochzuarbeiten und Erfolg zu haben.
Es schien recht schnell zu gehen, dass diese Bemühungen fruchten, doch sie hat die Rechnung ohne den gewissen Lord Radcliffe gemacht, der ihr erst einmal gehörig die Suppe versalzt!
Und ab da geht es dann rasant los, die Bälle und gesellschaftlichen Treffen nehmen zu, Kitty muss allerhand lernen und verstehen über die gehobene Gesellschaft, versucht sich bei Müttern beliebt zu machen und nebenbei Lord Radcliffe zu ignorieren und als das nicht ganz nach ihren Vorstellungen funktioniert, versucht sie ihn zu rekrutieren ihr zu helfen.
Die Handlung wird mit der Zeit immer aufregender, je mehr Zeit vergeht und je weniger Zeit Kitty hat, um einen Ehemann zu finden.
Kitty war mir recht schnell sympathisch. Zwar manipuliert und intrigiert sie während der Londoner Ballsaison ganz schön, doch all das nur, um einen reichen Ehemann zu finden, der sie und ihre Schwestern von ihren Schulden befreit. In der ganzen Sache geht es ihr um das Wohl ihrer Schwestern, sie kümmert sich und ist besorgt, dass ihnen Schlimmes wiederfahren könnte und sie liebt ihre Schwestern zu sehr, als zuzusehen wie sie alles und sich selbst verlieren. Das macht sie zu einer unheimlich mitfühlenden Protagonistin, die das Glück und Wohlbefinden ihrer Schwestern über ihr eigenes stellt, da sie gewillt ist einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebt, um ihren Schwestern zu helfen und ein gutes Leben zu ermöglichen.
Doch sie ist nicht nur mitfühlend und empathisch, sondern auch ziemlich gerissen und schlagfertig. Wie sie die gehobene Gesellschaft so klug um ihren Finger wickelt ist bemerkenswert und sie schafft es wirklich sich von ganz unten nach ganz oben zu kämpfen, weil sie etwas hat wofür es sich lohnt weiterzumachen, nicht aufzugeben. Und dabei entstehen die verrücktesten Ideen.
Lord Radcliffe, James, ist ein zurückgezogen lebender, reicher Mann, der seit der Schlacht bei Waterloo komplett verändert ist und Schwierigkeiten hat, sich anderen anzuvertrauen. Er wird zurück nach London gebeten, nachdem ihm seine Mutter geschrieben hat, dass sein jüngerer Bruder Gefallen an einer Frau namens Kitty Talbot gefunden hat und das es ernst zu sein scheint. Aus diesem Grund kommt Radcliffe zurück nach London und ab da fängt es so richtig an interessant zu werden.
Er bringt Kitty dazu von seinem Bruder abzulassen, dafür hilft er ihr einen Ehemann zu finden und die Ereignisse, die dadurch entstehen sind geradezu grandios.
Die beiden können sich absolut nicht leiden, doch müssen zusammenarbeiten und natürlich, wie sollte es auch anders sein, kommen die beiden sich dadurch näher, verbringen viel mehr Zeit miteinander und fangen an sich nicht ganz so sehr zu hassen. Radcliffe taut bei ihr auf, lernt sich zu öffnen und zu vertrauen, wieder mit anderen Menschen zu sprechen über Ängste und Befürchtungen, Zweifel und Hoffnungen, die er hegt und man merkt, dass hinter der sehr harten Schale ein sehr freundlicher, aufgeweckter junger Mann steckt, der einfach vergessen hat wie man lebt und liebt und erst durch Kitty und die Gespräche mit ihr wieder zu sich gefunden hat.
Die Spannung zwischen den Protagonisten ist tatsächlich erst zum Ende hin zu spüren, wenn sich die Lage zuspitzt, und sie erkennen erst auf den letzten Seiten, dass sich zwischen ihnen etwas verändert hat. Deshalb ist nicht oft ein Knistern zu spüren, doch zum Ende hin nimmt es zu, denn dort werden auch die Gespräche persönlicher und die beiden merken, dass sie sich ganz vielleicht doch nicht so sehr hassen.
Der Schreibstil ist ziemlich süchtig-machend! Zwar brauchte ich zu Beginn ein wenig Anlauf, doch der Schreibstil hat einen immer durch die Geschichte getragen und später bin ich geradezu durch die Seiten geflogen, weil es so fesselnd erzählt war. Die Autorin kombiniert Witz und Verstand mit Tiefgründigkeit und ernsthaften Themen und das auf so wundervolle Weise, dass man gar nicht aufhören kann zu lesen!
Also abschließend kann ich sagen, dass ich zwar ein paar Startschwierigkeiten hatte, diese aber ab der Hälfte überwunden waren und ich mich komplett in die Geschichte hineindenken und hineinversetzen konnte. Ich habe es sehr genossen von dem großartigen Schreibstil durch dieses mit Humor und Lebhaftigkeit gefüllte Buch geführt zu werden, die besonderen, authentischen und recht sympathischen Charaktere kennenzulernen, genauso wie ihre ganz eigenen Geschichten und dieses Buch einfach erleben zu dürfen. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht und ist definitiv eine Empfehlung für alle, die gerne Geschichten aus der Regency-Zeit lesen!✨