Profilbild von CrimeChrissi13

CrimeChrissi13

aktives Lesejury-Mitglied
offline

CrimeChrissi13 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit CrimeChrissi13 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2022

Kommissarin mit Herausforderungen

Die Kommissarin und die blutigen Spiegel
1

Außergewöhnliche Morde und eine Kommissarin mit beruflichen und privaten Herausforderungen - eigentlich hat der Krimi des Autorenduos Strotmann/ Neubauer alles, was sich der gediegene Leser wünscht. Der ...

Außergewöhnliche Morde und eine Kommissarin mit beruflichen und privaten Herausforderungen - eigentlich hat der Krimi des Autorenduos Strotmann/ Neubauer alles, was sich der gediegene Leser wünscht. Der Erzählstil ist gut verständlich und flüssig, die Beschreibungen und Charakterisierungen nachvollziehbar und ja, Kommissarin und Ermittlerteam sind sympathisch. Obwohl es sich bereits um das zweite Buch der Reihe handelt, gelingt der Einstieg auch ohne Band 1 gelesen zu haben.
Einige Punkte aber trüben das Lesevergnügen: Der auf den ersten Blick gute Plot wirkt durch Ungenauigkeiten nicht mehr ganz stimmig. Was hat es mit den blutigen Spiegeln auf sich? Einen klareren Bezug wäre hier wünschenswert. Im ersten Teil braucht der Leser schon etwas Muße, um das Nebeneinander aller auftretenden Personen richtig einzuordnen. Mein Hauptkritikpunkt: Die Informationen stehen eher nebeneinander, als das sie ein homogenes Bild ergeben. Im zweiten Fall ist‘s nicht mehr ganz zäh, das Buch nimmt an Fahrt auf. Auch die Familiengeschichte bekommt etwas mehr Tiefe. Hier blitzt durch, was ich mir durchgängig gewünscht hätte: eine stimmige Ausarbeitung des gut angelegten Plots. Insgesamt ist das Privatleben, ohne mehr Zuwendung in der Charakterisierung, gemessen am Gesamtumfang des Buches zu umfangreich bemessen.

Mein Fazit: „Die Kommissarin und die blutigen Spiegel“ ist ein solider Krimi, der mit einer sympathischen Hauptdarstellerin punktet und mit außergewöhnlichen Morden daherkommt. Schaut man über so manche Ungenauigkeit und den einen oder anderen Zufall hinweg, ist die Lektüre durchaus keine vergebene Zeit. Es bleibt zu hoffen, dass das Autorenduo sich intensiver mit dem Zusammenspiel der einzelnen Krimi-Komponenten befasst. Potenzial für die Reihe ist nämlich durchaus da!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 08.03.2022

Für Freunde leichter Krimikost

Deichfürst
1

Das Titelbild gibt das Credo des Romans vor: Der titelgebende Deichfürst wirft einen langen Schatten. Und wie schon zu erahnen ist, dieser Deichfürst de Vries ist alles andere als ein netter Zeitgenosse. ...

Das Titelbild gibt das Credo des Romans vor: Der titelgebende Deichfürst wirft einen langen Schatten. Und wie schon zu erahnen ist, dieser Deichfürst de Vries ist alles andere als ein netter Zeitgenosse. Rücksichts- und skrupellos, von sich eingenommen, durch die Gnade der Geburt und windige Geschäfte gesellschaftlich ganz oben und doch von niemandem anerkannt und selbst von seiner Familie ungeliebt, ja sogar verhasst - schnell wird klar, hier hat‘s scheinbar keinen Unschuldigen getroffen. Kein Wunder, dass man de Vries in einem Grab auf der Baustelle eines umstrittenen Sperrwerks auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen will -was natürlich nicht gelingt.

Auf Tätersuche gehen gleich zwei: Kommissar Möllenkamp mit seinem Team und die derbe Lokalreporterin Gertrud. Er ganz neu in der Region und noch unbeleckt, was Landstrich und Menschen betrifft, sie die Kennerin von Land & Leuten, geschätzt von allen Nachbarn und Bekannten, aber ohne Partner. An potenziellen Tätern mangelt es nicht: Waren es Sperrwerks-Gegner oder liegt das Motiv doch eher im persönlichen Bereich?

Die Lösung des Falls ist für den Leser kaum eine Überraschung, zu sehr ist das Motiv des Täters und dessen Geschichte bereits in Rückblenden beleuchtet worden. Wer diese Person nun wirklich ist, spielt kaum eine Rolle, wenngleich dessen Geschichte zum Ende hin noch einen durchaus versöhnlichen Abschluss findet. Die Protagonisten bleiben blass, es scheint fast so, als würde selbst die Autorin ihre Figuren kaum ernst nehmen. Und was den Figuren an Charakterzeichnung fehlt, wird mit mehr Schauplätzen und mehr Figuren aufgefüllt, ohne dass die Geschichte nennenswert Fahrt aufnimmt. Den Leser erwartet eine leicht lesbare Story, die Potential zu mehr gehabt hätte. Eine klarere Figurenzeichnung der Protagonisten, eine deutlichere Fokussierung auf die wirklich relevanten Ereignisse und Personen, ein Hauch mehr Überraschung hätten dem Buch gut getan. Was bleibt, ist leichte Krimikost mit einem ungleichen Team aus Kommissar und Reporterin, die auch in ihren Jobs kaum ein Ruhmesblatt abgeben. Eine Fortsetzung hat deutlich Luft nach oben - und die Autorin braucht durchaus Leser, die bereit sind, den Figuren eine zweite Chance zu geben. Dann aber sollte etwas mehr herauskommen als die wenig überraschende Geschichte. Eine Leiche, ein Ermittlerduo, ein beschaulicher Tatort, etwas Lokalkolorit - es braucht dann doch etwas mehr für einen richtig guten Krimi.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung