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Veröffentlicht am 24.04.2022

Großartige Fortsetzung

Papier & Blut
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Al MacBharrais ist Siegelagent. Am liebsten würde er sein Wissen über Tinte und Papier und wie man damit mächtige, magische Siegel erschaffen kann einem Nachfolger anvertrauen und sich zur Ruhe setzten. ...

Al MacBharrais ist Siegelagent. Am liebsten würde er sein Wissen über Tinte und Papier und wie man damit mächtige, magische Siegel erschaffen kann einem Nachfolger anvertrauen und sich zur Ruhe setzten. Leider hat die Sache einen Haken, wie Al erfahren hat. Nicht nur, dass ein Fluch auf ihm lastet, der alle Menschen, mit denen er redet, dazu bringt ihn zu hassen (weshalb er meist eine Sprach-App auf dem Handy nutzt), nachdem bereits sieben Lehrlinge ums Leben gekommen sind, hat Al nun Gewissheit, dass er nicht einmal, sondern zweimal verflucht wurde. Wer auch immer in seinen Diensten steht, den ereilt ein vorzeitiger Tod.

Al versucht daher mit aller Macht herauszufinden, wie er die Flüche brechen kann – und wer ihn überhaupt verflucht hat (und warum). Zum Glück hat er dabei einzigartige Unterstützung. Allerdings gilt es zunächst ein vorrangiges Problem zu lösen. Eine der anderen Siegelagenten, Shu-hua, ist verschwunden und Al eilt nach Australien, um sich gemeinsam mit deren Schülerin Ya-ping auf die Suche zu begeben.

Nachdem mich Kevin Hearne bereits mit „Tinte und Siegel“, dem ersten Teil der Chronik des Siegelmagiers begeistert hat, habe ich mich sehr gefreut, endlich auch Band 2 in den Händen zu halten.

Auch Band 2 zeichnet sich durch unglaublich kreative und teils skurrile Ideen aus. Humor und Situationskomik, Sarkasmus und eine feinsinnige Ironie machen das Buch für mich zu einem wahren Lesevergnügen. Dabei kann mich auch die teils sehr derbe Ausdrucksweise nicht stören, derer sich vor allem -aber bei weitem nicht nur - Hobgoblin Buck Foi bedient, obwohl ich eine solche Sprache normalerweise nicht sonderlich mag.

Während Protagonist Al MacBharrais und Buck uns bereits gut bekannt sind, gibt es auch eine Reihe neuer Charaktere oder wie im Fall von Als Rezeptionistin, Charaktere, die mehr sind, als sie zu sein scheinen. Gladys, die den Namen Gladys, die schon viel Scheiße erlebt hat, trägt, ist definitiv nicht nur Als Rezeptionistin (und Kanadierin), wie Al glaubt. Doch wer ist sie? Während einige Figuren Gladys wahre Natur zu kennen scheinen, tappe ich ebenso wie Al am Ende des Buches noch im Dunkeln – aber vielleicht bringt ja Teil 3 die Erleuchtung (ich hoffe es, schließlich bin ich neugierig). Neben Gladys lernen wir unter anderem natürlich Ya-ping kennen, aber auch den Eisernen Druiden, der sich mit seinen beiden Hunden der Suche anschließt. Dieser ist den Lesern von Kevin Hearnes Reihe „Die Chronik des Eisernen Druiden“ natürlich bekannt.

Neben den Charakteren und der Geschichte an sich gefällt mir, dass der Autor trotz aller Phantastik auch an so banale Dinge denkt, wie Handys, bei denen es vielleicht nicht ganz so clever ist, wenn sie in der einen Minute noch in einer Funkzelle in Schottland angemeldet sind und in der nächsten in Australien, weil der Besitzer eine wesentlich schnellere Reisemöglichkeit hat, als ein Flugzeug. Da könnte man unter Umständen in arge Erklärungsnot geraten…

Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich auch Band zwei nur wärmstens empfehlen kann. Kevin Hearne gelingt es auf großartige Weise moderne Elemente mit alten Mythen und eigenwilligen Charakteren zu verweben und so wunderbare Urban Fantasy zu erschaffen.

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Veröffentlicht am 24.04.2022

Spannende Dokumentation

Die Krankenschwester
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»Die Polizei hatte in seiner Zeugenaussage notiert: „Der Zeuge erinnert sich an Formulierungen wie ,Oh, jetzt gibt es wieder Todesfälle, Christina hat Dienstʻ.« (S.170)

Im Krankenhaus Nykøbing Falster ...

»Die Polizei hatte in seiner Zeugenaussage notiert: „Der Zeuge erinnert sich an Formulierungen wie ,Oh, jetzt gibt es wieder Todesfälle, Christina hat Dienstʻ.« (S.170)

Im Krankenhaus Nykøbing Falster in Dänemark stirbt ein Patient. Tragisch für die Anghörigen, doch in einem Krankenhaus erst einmal nicht weiter auffällig. Doch dieser Patient ist bei weitem nicht der einzige. Auch das wäre nicht übermäßig verwunderlich, würden nicht sehr viele Patienten Herzprobleme bekommen und sich ihr Zustand häufig sehr überraschend verschlechtern. Und gäbe es nicht bei vielen dieser Todesfälle eine Gemeinsamkeit: sie starben, während die Krankenschwester Christina Aistrup Hansen Dienst hatte. Aus einem Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmt, wird nach und nach mehr, auch wenn die Beweise fehlen. Schließlich äußert eine Kollegin den schrecklichen Verdacht laut: Christina könnte die Todesfälle womöglich selbst verursachen.

Die Polizei geht dem Verdacht nach und merkt schnell, dass die Ermittlungen einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Am Ende steht eine zwölfjährige Haftstrafe für Christina Aistrup Hansen. Doch wie kam es dazu?

Der Autor Kristian Corfixen hat diesen spektakulären Fall aus Dänemark dokumentiert. Er ist Journalist und hat für sein Buch zahlreiche Dokumente gesichtet. Dazu gehörten neben Protokollen der Gerichtsverhandlungen auch Polizeiberichte, Patientenakten, Verhörprotokolle, Obduktionsberichte und viele mehr, in die er Akteneinsicht bekommen hat. Darüber hinaus hat er dutzende Personen teils mehrfach interviewt, inklusive der Angeklagten selbst.

Dadurch ist ein sehr detailliertes Bild entstanden, auch wenn natürlich nicht alle Behauptungen objektiv belegt werden können. Diese Punkte hat Kristian Corfixen allerdings gut deutlich gemacht, damit keine Missverständnisse aufkommen können. Dazu passt auch, dass er alle Seiten genauestens betrachtet und nicht nur Anklage oder Verteidigung zu Wort kommen.

Während des Lesens musste ich mich mehr als einmal daran erinnern, dass es sich nicht um Fiktion handelt. Unweigerlich fragt man sich, was wohl in deutschen Krankenhäusern so alles passiert, nicht zuletzt, da der Fall Niels Högel ja noch nicht so lange zurück liegt.

Insgesamt ist „Die Krankenschwester“ für mich ein gleichsam spannendes wie nachdenklich machendes Buch.

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Veröffentlicht am 23.03.2022

Wunderbare Kurzgeschichten

Fionrirs kleine Reisen
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Nach der Trilogie Fionrirs Reisen gibt es ein erneutes Wiedersehen mit dem inzwischen nicht mehr ganz so kleinen Drachen. Der Bergdrache Fionrir und seine Freundin Prinzessin Quirina, die zu Beginn des ...

Nach der Trilogie Fionrirs Reisen gibt es ein erneutes Wiedersehen mit dem inzwischen nicht mehr ganz so kleinen Drachen. Der Bergdrache Fionrir und seine Freundin Prinzessin Quirina, die zu Beginn des ersten Teils der Trilogie noch Kinder waren, sind mittlerweile ein ganzes Stück erwachsener geworden. Dennoch sind die Kurzgeschichten in „Fionrirs kleine Reisen“ (ebenso wie die Trilogie) sowohl für Kinder passend, wie auch für junggebliebene Erwachsene.

Die Geschichten sind abwechslungsreich, humorvoll und spannend und es ist mir leicht gefallen wieder in Fionrirs –Fios – Welt einzutauchen. Ich habe mich sehr gefreut neue Charaktere zu entdecken, und noch ein bisschen mehr, dass es viele alte Bekannte in die Geschichtensammlung geschafft haben, wie zum Beispiel der Papagei Aaron, der dem Postmeister helfen könnte, wenn die beiden einander doch bloß verstehen könnten. Ansonsten geht es mit Enndlin und Ceti auf Kopfgeldjagd oder wir lernen die Ungeduld Tiaras‘ kennen, der unbedingt endlich fliegen können will – doch wie sagt sein Großvater: „Alles hat seine Zeit. Du kannst durch bloßes Wollen nur selten auch das Können erreichen.“ (S. 196)

Das Thema Frieden zwischen Menschen und Drachen (und eigentlich allen Wesen) ist immer wieder Thema, ebenso wie Freundschaft und Zusammenhalt. Wer genau hinschaut, kann auch die ein oder andere Weisheit entdecken.

Ansreas Arnolds Schreibstil ist kindgerecht, warmherzig und bildhaft, ohne dabei zu kindlich zu wirken. Vielmehr läd er Leser jeden Alters ein, für eine Weile Teil von Fionrirs Welt zu sein. Zahlreiche Illustrationen von Norman Heiskel geben Szenen aus den Geschichten wieder. Zudem gibt es noch etwas ganz Besonderes: zu Beginn jeder Geschichte gibt es eine kleine Illustration mit einem QR-Code, der zu einem passenden Musikstück führt. Im Gegensatz zu den Playlisten, die mittlerweile häufiger in Büchern zu finden sind, wurde in diesem Fall allerdings für jede der 14 Geschichten eigens ein eigenes Lied von Yannik Mari komponiert und zusammen mit der Sopranistin Regina Beatrix Rumpel eingespielt. So kann jede Geschichte nicht nur durch Text und Bild, sondern auch noch obendrein akustisch genossen werden.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass mir „Fionrirs kleine Reisen“ auf allen Ebenen sehr gefallen hat und die Kurzgeschichten eine wunderbare Ergänzung zur Trilogie sind. Von mir gibt es daher eine ganz klare Leseempfehlung, egal, ob ihr Fio bereits kennt oder den jungen Drachen erst kennenlernen wollt.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Fantasy at its best

Welt der Schwerter
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Kronprinz Siluren hat seine erste Schlacht geschlagen und wird von den Einwohnern Bethelgards nicht mehr Siluren, der Zauderer, sondern Siluren, der Findige genannt. Kira hadert immer noch mit ihren Gefühlen ...

Kronprinz Siluren hat seine erste Schlacht geschlagen und wird von den Einwohnern Bethelgards nicht mehr Siluren, der Zauderer, sondern Siluren, der Findige genannt. Kira hadert immer noch mit ihren Gefühlen und ihrer Position. Coridan und Lynn, die Akh’Eldash, haben zwar keine Schlacht im Krieg geschlagen, doch auch ihre bisherige Reise war unerwartet schwieriger und gefährlicher als angenommen.

Esther S. Schmidt knüpft mit Band zwei ihrer Dilogie „Welt der Schwerter“ nahtlos an Teil 1 an. Nachdem mich der erste Teil restlos begeistert hat, hatte ich extrem hohe Erwartungen an Teil 2. Was soll ich sagen? Auch diesen Band hätte ich am liebsten an einem Stück verschlungen. Der Autorin gelingt es scheinbar mit Leichtigkeit, einen Spannungsbogen aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Ich wollte permanent wissen, wie es wohl weitergeht, ob meine Vermutungen stimmen (nur zum Teil), welche Gefahren und Hinterhalte noch lauern mögen (völlig andere, als ich mir ausdenken könnte) und wie Esther S. Schmidt bloß alles so auflösen will, dass es all den liebgewonnenen Charakteren am Ende gut geht (sie hat eine großartige Lösung gefunden).

Die Charaktere sind greifbar, so unterschiedlich sie auch sind, und haben mich abwechselnd mit ihnen hoffen oder bangen lassen. Jeder der vier Protagonisten muss sich der Frage stellen, wo er oder sie wirklich steht und was er will.

Coridan ist ehrenhaft und Siluren gegenüber zu einhundert Prozent loyal, doch kann er Lynn einfach gehen lassen? Siluren hingegen muss sich entscheiden, ob er wirklich König werden will. So einfallsreich, listig und letztlich erfolgreich er bei dem Kampf um das Reich auch ist, so sieht er sich nicht in derselben Rolle wie sein Vater. Lynn macht eine unglaubliche Entdeckung bezüglich der Rolle Akh’Eldash, die alles ändert. Und auch Kira muss sich entscheiden. Gehen oder bleiben? Kann sie sich selbst und Siluren vertrauen?

Neben dem Plot und den großartigen Charakteren (dazu zählt auch eine ganze Reihe an Nebencharakteren, deren Namen und Rolle hier leider den Rahmen sprengen würden) mag ich auch den Schreibstil sehr. Die Worte, die die Autorin ihren Figuren in den Mund legt, passen zum jeweiligen Charakter und variieren je nach Herkunft und Stellung. Bei der komplexen Welt, die Esther S. Schmidt erschaffen hat, hatte ich niemals Probleme sie mir vorzustellen – ganz gleich, ob es sich um konkrete Schauplätze einer Szene oder die Ordnung der Welt mit ihrem Glauben und Aberglauben und den gesellschaftlichen Strukturen handelt.

Ich kann abschließend daher nur sagen: Meinen Geschmack hat Esther S. Schmidt hundertprozentig getroffen und ich kann jedem Fantasy-Fan, vor allem denjenigen, die High-Fantasy lieben, die „Welt der Schwerter“ nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.03.2022

Spannend und interessant

Flucht
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Ende der 70er Jahre soll der Journalist Martin einen Bericht über das Gefängnis in Bautzen schreiben. Wenig motiviert fährt er zu dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis, denn ihm ist klar, dass alles, ...

Ende der 70er Jahre soll der Journalist Martin einen Bericht über das Gefängnis in Bautzen schreiben. Wenig motiviert fährt er zu dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis, denn ihm ist klar, dass alles, was ihm gezeigt wird, vorher genauestens abgesprochen ist und er nichts über den wirklichen Gefängnisalltag erfahren wird. Dennoch verändert der Besuch dort sein Leben.

Er wird Fluchthelfer, um Jahre später ein Versprechen einlösen zu können.

Nachdem Mike Landin mich mit seinem Debüt „Rote Tränen“ begeistert hat, war ich umso neugieriger auf „Flucht“. Das Genre ist völlig anders, die Geschichte ist aber nicht minder spannend. Detaillierte Beschreibungen und lebendige Charaktere nehmen uns mit in ein Kapitel deutscher Geschichte.

Nach dem Prolog, der im Jahr 2021 spielt, nimmt uns Mike Landin mit ins Jahr 1979 und wir erleben, wie Martins Leben nach dem Bericht über das Gefängnis eine völlig neue Wendung nimmt. Er ist in der DDR aufgewachsen, doch schon als Jugendlicher träumten er und seine damaligen Freunde von der Flucht in den Westen. Martin findet als Fluchthelfer nicht nur eine neue Aufgabe, sondern auch eine neue Liebe. Dennoch verliert er sein Ziel nie aus den Augen und setzt alles daran, sein Versprechen einzulösen. 1989 ist es dann endlich so weit und er wagt gemeinsam mit einigen anderen die titelgebende Flucht.

Ein erneuter Zeitsprung lässt uns Leser für die letzten 100 Seiten wieder ins Jahr 2021 bzw. das Jahr 2006 wechseln, wo alle losen Enden gekonnt zusammengefügt werden.

Da ich in den 80ern und 90ern im Westen Deutschlands aufgewachsen bin, kenne ich das Leben in der DDR, die Angst vor der Stasi und die Hoffnungen und Sehnsüchte der Einwohner nur aus dem Wenigen, das ich in der Schule gelernt bzw. was ich in persönlichen Erzählungen erfahren habe. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Autor die Stimmung in der DDR gut eingefangen hat und ein realistisches Bild vom Leben dort gezeichnet hat.

Mein einziger Kritikpunkt, wenn man ihn denn überhaupt so nennen kann: auf Grund des Klappentextes hätte ich erwartet, dass der Großteil der Geschichte in der Gegenwart spielt, dabei war das Verhältnis letztendlich etwa zwei Drittel Vergangenheit, ein Drittel Gegenwart. Ich persönlich bevorzuge Romane, die im Hier und Heute spielen (oder als Fantasyromane gleich in einer völlig anderen Welt). So hat mir auch in diesem Fall das eine Drittel ein wenig mehr gefallen, als die anderen beiden.

Insgesamt kann ich aber nur sagen, dass mich Mike Landin auch mit „Flucht“ restlos überzeugen konnte und ich diesen spannenden und interessanten Roman gerne weiterempfehle.

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