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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2022

Könnte eine durchweg charmante Geschichte sein ... ist sie aber nicht!

#London Whisper – Als Zofe ist man selten online
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Kurzmeinung:
Das größte Manko sind die Unlogikkeiten! Die erste Hälfte hat noch viel Charme, aber die zweite Hälfte hat mich Mühe gekostet, sie zu lesen.


Inhaltserzählung:
"Ist die Vorstellung nicht ...

Kurzmeinung:
Das größte Manko sind die Unlogikkeiten! Die erste Hälfte hat noch viel Charme, aber die zweite Hälfte hat mich Mühe gekostet, sie zu lesen.


Inhaltserzählung:
"Ist die Vorstellung nicht absurd, dass die Zeit mit jedem kleinen Ticken, das ein Uhrwerk von sich gibt, immer einen Schritt weiter in Richtung Zukunft geht, während die Gegenwart zur Vergangenheit verrinnt? Unaufhörlich ist dieser Ablauf, stur dem Chronos folgend. Aber stimmt das wirklich, oder gibt uns die Zeit vielleicht Rätsel auf, weil sie nur scheinbar mit der gleichen Unbeirrtheit voranschreitet, mit der auch die Gestirne am Himmel ihre Bahnen ziehen?"

(Seite 280)


Autorin:
Aniela Ley war von Kindesbeinen an ein Bücherwurm, getrieben von der Hoffnung, dass sich zwischen den Buchdeckeln ein Tor in eine fantastische Welt öffnet. Nachdem sie als Autorin viele solcher Buchwelten selbst schöpfen durfte, weiß sie, dass dieses Tor immer dort ist, wo gelesen wird.


Bewertung:
Das Cover scheint zu der Geschichte sehr zu passen. Mir gefällt vor allem, dass es kreativ farblich erstellt wurde und nicht eine echte junge Frau gesetzt wurde. Das mag ich nämlich nicht so. Aber diese Kombination von gemalter Frau und den Farben sieht toll aus.

Die Aufmachung ist wirklich ein Hingucker! Die Blumen und der Titel sind mit Relief-Druck aufgesetzt. Falls das jemand nicht kennt, es erinnert an Windows Color. Der innere Buchdeckel ist ebenfalls schön designt mit Teegeschirr und Pudel. Sieht richtig englisch süß aus. Sie Seitenzahlen zieren kleine schwungvolle Muster, nur die Kapitelzahlen nicht, was mich erstaunt. Dafür sind zwischen den Seiten immer wieder kleine Zeichnungen gesetzt.

Auf dem Cover ist ein Handy abgebildet, was erstmal gar nicht zum Rest passt. Aber zur Geschichte passt es sehr gut. Ich habe den Titel mit dem Hashtag auch gar nicht richtig in Verbindung gebracht - erst, als ich ein paar Seiten gelesen habe. Dann hat es bei mir "Klick" gemacht. Für mich sind die Hashtags vor jedem Kapitel etwas irritierend gewesen, weil ich dachte, sie gelten dem Kapitel davor. Aber nach zwei Kapiteln wurde mir klar, sie beziehen sich auf die Kapitel, die noch kommen. Als Zoe im 19. Jahrhundert landet, werden aus den Hashtags handgeschriebene Briefe.

Ich kann ehrlich nicht viel mit solchen Geschichten anfangen, die so modern mit sozialen Medien interagieren. Auch die Jugendsprache dazu ist für mich etwas schwer verständlich. So erging es mir mit "Kate in Waiting" und so ergeht es mir mit dieser Geschichte auch. Besonders das erste Kapitel finde ich etwas geschwollen in der Jugendsprache. Danach geht es gut. Mir gefällt, dass die unterschiedliche Art der Sprachen in den ersten Kapiteln realistisch erzählt werden. Also Zoe's Jugendsprache im 21. Jahrhundert und die vornehme Sprache im 19. Jahrhundert. Die beiden kollidieren realistisch miteinander. Ich habe schon Geschichten gelesen, da konnte die Protagonistin auf einmal perfekt die alte Sprachart sprechen, obwohl sie nie in irgendeiner Weise Kontakt zu dieser Zeit gehabt hat. Bei Zoe ist das anders, sie ist Fan von dieser Zeit und das bekommt der Leser auch erzählt, sodass es glaubhaft rüberkommt.

Leider verhaspelt sich die Autorin immer mehr mit der realistischen Sprache einer 15-Jährigen. Was in der ersten Hälfte noch charmant trotz der Fehler ist, ist in der zweiten Hälfte nur nervig. Plötzlich kennt Zoe Wörter, die selbst ich nicht kannte. Am Anfang ist es noch realistisch, weil Zoe Fan von historischen Romanen ist, aber die Art, wie sie sich im Laufe der Zeit immer gehobener ausdrückt, findet sich nicht in Büchern. Selbst damalige Zofen werden nicht so gesprochen haben, da sie keine Bildung hatten genießen dürfen. Dafür musste man vor allem zur reichen Gesellschaft gehören, wenn man eine Frau war. Dass sie trotz ihrer Eigenheiten kein Misstrauen bei den Menschen dort erregt ist wiederum logisch von der Autorin gemacht. Zoe erzählt immer, dass diese Zofenschule sie das gelehrt habe und alle glauben das. Ob das so realistisch ist, muss jeder selbst entscheiden. Jedenfalls gibt es hier realistische Gründe, wieso Zoe mit allem durchkommt. Es ist eben eine besondere Schule.

Was völlig unrealistisch rüberkommt sind die Schwierigkeiten, die mit der Zeit einhergehen. Zoe hat sich an alles sofort gewöhnt. Wenn jemand vom 21. Jahrhundert plötzlich ins 19. Jahrhundert katapultiert wird, dann hat er mehr als heftige Schwierigkeiten, und das betrifft nicht bloß die Sprache. Die Kleiderordnung, die Gesellschaftsnormen - vor allem für Frauen -, die Lebensformen wie Schlafkammern, Hygiene und und und ... Bei Zoe ist aber nichts davon ein Problem. Dieses Thema wird von der Autorin einfach rausgeschrieben. Wahrscheinlich wollte sie den süßen Charme, den der Verlauf nimmt, nicht zerstören, aber ein paar Unzulänglichkeiten würden das Ganze überhaupt nicht gefährden. Im Gegenteil, es wäre realistischer. Die Autorin überspringt auch die Anfangszeit von Zoe dort. Sie kommt in der Zofenschule an, ist 10 Minuten dort und fährt in ihre neue Stellung. Fertig. Dann erfahren wir erst nach 10 Tagen, was mit ihr ist. Gerade diese ersten Tage sind wichtig für das Verständnis des Verlaufes bei Zeitreisen. Es fehlt einfach ein wichtiger Grundstein. So wirkt ihre problemlose Anpassung total unrealistisch. Vielleicht hatte sie welche, aber sie erwähnt es gar nicht und wir lesen auch nichts davon.

Man merkt leider bei allen Personen, die Zeitreisende sind, dass sie auch welche sind. Es gibt da keinerlei Spannung. Ob das Hayden oder die Marquise ist, man verrät hier gar nichts, was nicht auch direkt lesbar ist, also gibt es faktisch keinen Spoiler dazu. Bei Hayden ist es sogar schlimmer, da verraten Klappentext und Prolog schon, dass er einer ist. Und selbst wenn man das weggelassen hätte, die Autorin hat es so spannungslos und rätsellos in der Szene geschrieben. Man hat also keinerlei Chance zu raten, man weiß es direkt. Was total rätselhaft bleibt, ist die Tatsache, dass Hayden dort eine Familie hat, wie geht das? Das hat mich die ganze Zeit umgetrieben und gestört. Es wird immer von seiner Mutter und seinem Vater berichtet, die ja eigentlich nicht seine Eltern sind ... ah, das kann jetzt lange gehen, aber ich spare mir das. Zoe und Hayden scheinen auch generell mit allem sofort klarzukommen, keinerlei Probleme. Die ganzen Zwischenschritte bis dahin fehlen und hinterlassen Wissens- und Unlogik-Lücken.

Die im Klappentext ebenfalls erwähnte Beziehung zwischen Zoe und Hayden ist kalt. Das ist auch enttäuschend. Gerade für ein Jugendbuch müsste so eine erste Jugendliebe etwas Feuer fangen. Aber man spürt gar nichts zwischen den beiden. Es wird halt von Zoes Seite nur erzählt, dass sie ihn mag, und das kommt auch sehr zögerlich und spät. Da ist für mich gar nichts zu spüren. Vor allem wirkt das zwischen ihnen total künstlich gewollt. Hayden schießt sich auf einem Ball sofort auf Zoe ein, das ist mehr als unrealistisch.

Die Charaktere im Allgemeinen sind eher blass gehalten, bis auf Zoe. Man erfährt nicht viel über die einzelnen Akteure, das kann in Band 2 anders aussehen.

Also ich verstehe den Sinn des Mitternachtsclubs nicht, der den Beginn darstellen soll, bevor Zoe in die Zeit zurück reist. Es wirkt auf mich chaotisch und unstrukturiert, planlos. Irgendwie total unnötig künstlich aufgesetzt von der Autorin, damit Zoes Verschwinden irgendwie erklärt werden kann. Das wäre aber auch ohne so eine merkwürdige Party gegangen. Dann gibt es noch einige Merkwürdigkeiten, die ich hier nicht auflisten möchte.

Die Whisper-Whisper-Briefe sind leider nicht sehr aussagekräftig, eher flach und oberflächig. Dafür, dass sie an eine Freundin geschrieben sind, sind sie echt kurz und flach. Die Begeisterung der Damen verstehe ich nicht. Auch die Themen sind für diese Zeit meistens total belanglos und passen eher ins 21. Jahrhundert. Mir fallen etliche Themen ein, die Zoe für die Damen hätte schreiben können. Das hätte die Autorin besser machen können.

Es endet offen, aber auch mit vielen Fragen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie nicht mal in Band 2 gelöst werden. Dafür gibt es schon hier keinen Anhaltspunkt. Ein richtiges Show-Down gibt es nicht. Selbst die Aktionszenen hinterlassen Fragen, die ungeklärt bleiben.


"Es ist billig, eine Löwin in einem Käfig aufzuziehen und dann zu verspotten, weil sie sich vor der Freiheit fürchtet. Obwohl, vielleicht würde sie sich gar nicht fürchten, sie bekommt sie nur niemals angeboten."

(Seite 206)



Fazit:
Das ist eines dieser Werke, wo mir die Leseprobe gar nichts bringt, denn die ersten Kapitel sind sehr charmant, trotz Makel, und ließen sich sehr schnell lesen. Es strotzt von Unlogikkeiten ... Es hat nichts damit zu tun, dass ich keine Jugendliche mehr bin. In diesem Alter wäre mir der Surrealismus auch aufgefallen, ich konnte das noch nie leiden. Zu behaupten, solche Bücher sind eher was für Jugendliche, unterstellt, dass diese nicht logisch denken und somit Unlogik nicht deuten können. Als ob Unlogik bis zu einem Alter okay wären, totaler Quatsch. Mit 12 Jahren hätte ich das genauso kritisiert. Die Jugendsprache kann man auf das Alter schieben, aber keine Norm, die gehalten werden muss in allen Altersklassen und Genre. Das Buch liest sich trotz der Fehler schnell durch.

Die Fehler in der ersten Hälfte habe ich noch weggelacht, weil es so charmant war, aber in der zweiten Hälfte wird es immer kurioser und unrealistischer. Daneben sind auch einige Logikfehler, die nicht aufgeklärt sind. Ich hatte dann richtig Mühe, das Buch zuende zu lesen. Sehr schade! Mich hat es sehr enttäuscht, nachdem ich so begeistert war. Und ich bezweifle, dass Band 2 dem etwas entgegensetzt. Hier passt die Beschreibung "Außen hui, innen pfui", wenn auch in etwas übertriebener Manier ganz gut. Das Beste ist die Aufmachung.

Dazu will ich erwähnen, dass es äußerst selten und ungewöhnlich ist, dass ein Hardcover soviel kostet wie eine Klappbroschüre. Dieses Buch kostet nur 15 Euro, das ist sehr überraschend. Klappbroschüren kosten 13-17 Euro, je nach Verlag und Seitenanzahl. Ich merke immer wieder, dass die Verlage die Preise willkürlich setzen, da scheint kein festes System bezüglich Kosten dahinterzustecken, sondern eher die Gewinnspanne wichtig zu sein. Das hier ist wieder so ein Beispiel, dass das aufzeigt.


Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Leseexemplar! Die Leserunde fand ich sehr erfrischend!



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.02.2022

Verwirrend, fehlerhaft, unvollendet ...

Spielmannsbraut
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Kurzmeinung:
Am Ende etwas irritierend & es endet in allem mittendrin als Einzelband. Sehr Enttäuschend! Ansonsten eine schnelle Unterhaltung.


Klappentext:
Prinzessin Mirelle soll verheiratet werden ...

Kurzmeinung:
Am Ende etwas irritierend & es endet in allem mittendrin als Einzelband. Sehr Enttäuschend! Ansonsten eine schnelle Unterhaltung.


Klappentext:
Prinzessin Mirelle soll verheiratet werden - und das schnell, bevor sich ihr nacktes Bad im Fluss als Skandal herumspricht. Doch sie ist nicht bereit, sich dem Willen ihres Vaters zu fügen. Sie schlägt alle Freier in die Flucht mit der einzigen Waffe, die sie besitzt: gut gezieltem Spott. Nur nutzt es ihr nichts. Zur Strafe muss sie einen Bettler heiraten, der sie zu Demut erziehen soll. Kaum hat Mirelle den Ring am Finger, sinnt sie auf Rache an ihrem Vater - und an ihrem neuen Ehemann. Da kann er sie noch so faszinieren …


Autorin:
Anne Danck, geboren 1991 und aufgewachsen in Berlin, war von jeher von zwei Dingen fasziniert: vom Schreiben und von der Biologie. Letzteres führte sie zum Studium aus Berlin fort und anschließend zurück, um dort als begeisterte Verhaltensbiologin zu promovieren. Das Schreiben wiederum ist die tägliche Therapie, die ihr beim Sortieren der Gedanken hilft. Ein wiederkehrendes Thema in ihren Geschichten sind Märchen, auf den Kopf gestellt und aus anderen Blickwinkeln beleuchtet. Mit fünfzehn Jahren erhielt sie ihre erste Auszeichnung für eine Kurzgeschichte, es folgten diverse Veröffentlichungen in Anthologien, darunter auch die »Anthologie Noir 1«, die mit dem Deutschen Phantastik Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Seit 2017 ist sie Mitglied des Nornennetzes, eines Netzwerks zur Förderung von Fantasy-Autor:innen, und seit 2018 Teil der Berliner Schreibgruppe ForumWort. 2021 erschien ihr Roman-Debüt »Spielmannsbraut«.


Bewertung:
Ich mag Gold nicht besonders gerne, aber in diesem Fall passt es hervorragend zum Gesamtbild. Den Titel habe ich erst nicht verstanden, es dauert, bis er im Verlauf Sinn ergibt.

Der Erzählstil ist zwar fließend und der Schreibstil einfach gehalten, aber es sind auch ein paar Fehler eingebaut. Nicht alle Dialoge sind mit Sinn erfüllt und ich dachte "Hä?". Oder es steht nicht geschrieben, wer da eigentlich spricht. Da kann man dann zwischen zwei Personen wählen. Das hat mich immer wieder aus dem Lesefluss herausgetrieben.

Der Beginn hat mich nicht so begeistert, es dauerte etwas, bis es für mich spannend wurde.

Total unnötig und nervig sind diese sexuellen Anspielungen:
Seine Hemdsärmel klebten an seiner Haut und zeichneten die Konturen seiner Arme ab.

Da stöhne ich jetzt noch vor Langeweile und Einfallslosigkeit der Autorin. Wieso müssen die Autoren ständig solche Sätze von sich geben? Ich gehöre zu den wenigen Lesern, die so etwas nervig finden. Kann man nicht einfach die Sachlage beschrieben ohne sexuelle Anspielungen?


"Manche Menschen sind es schlichtweg nicht wert", sagte ich. "Das begreift selbst ein Kind."
"Und gerade ein Kind liebt sie trotzdem. Es kann gar nicht anders", fügte er leise hinzu. "So alt es auch wird. So sehr es auch Schutzwälle dagegen errichtet."

(Kapitel Die Tonrose, Seite 22)


Mirelle als Protagonistin ist unoriginell und eine Charakterin, die ich schon mehrfach gelesen habe. Sehr schade. Ihren Schlagabtausch beim Bankett fand ich sehr unterhaltend, ansonsten ließ sie mich recht kalt. Neben ihr ist noch Joakim, der Spielmann, etwas mehr beschrieben, aber er blieb wegen des Endes trotzdem ziemlich blass. Manchmal sind ihre Dialoge miteinander unverständlich, was eigentlich genau gemeint ist. Da kommen Sätze, die mich irritiert und auch wieder aus dem Lesefluss gerissen haben.

Nach einem Drittel hatte ich eine Theorie zum Spielmann und König Laurent. Denn es ergibt einfach keinen Sinn, Laurent als Hauptrolle zu Beginn auftauchen zu lassen und plötzlich ist er weg und der Spielmann ist die Hauptrolle im Verlauf. Dass da eine Verbindung besteht, wurde mir schnell klar, alles andere ist Unsinn. Genaueres lasse ich aus Spoilergründen weg. Dann kommt Mirelle plötzlich auf den gleichen Gedanken wie ich, nur nicht mit meinem Weitblick als Leserin. Daher ergibt ihre plötzliche Erkenntnis keinen Sinn. Auch hier kann ich nicht genau werden. Aber ihre Eingebung ist völlig unverständlich für die Leser. Kurz vor Ende wird das Geheimnis um den Spielmann für alle gelüftet. Und das war es dann. Es wird noch etwas kindisch dramatisch, auch eine unnütze Szene, wo ich nur die Augen gerollt habe ...

Es endet total mitten drin in der Auflösung, der Verlauf danach bleibt offen. Ich dachte erst, es gibt einen Zweitband, das hatte ich vorher nicht überprüft, weil mir das nicht wichtig war. Aber wenn eine Geschichte so unvollendet endet, ist das sehr wichtig. Der Verlag hat es als Einzelband deklariert. Auch durch dieses abrupte Abkappen der Geschichte kamen einige Charaktere viel zu kurz. Gerade Joakims Charakter hätte an dieser Stelle ausgeschrieben werden können, da das Geheimnis für alle raus ist. Ein total merkwürdiges Ende, Laurent kommt gar nicht mehr zum Zug, was gar nicht passt. Auch Mirelles Vater ist plötzlich vergessen. Gäbe es einen zweiten Band könnte das alles noch Platz finden, aber so ...


"Es lohnt sich nie, in Dinge zu investieren, die dich nur kaputtmachen, für die du nichts zurückbekommst. Irgendwann muss man dafür sorgen, dass man selbst intakt bleibt, und sich nicht nur um andere bemühen. man hat schließlich auch sich selbst gegenüber Verantwortung."

(Kapitel Die Tonrose, Seite 17)



Fazit:
Vielleicht bin ich eingerostet in Sachen Märchen, aber ich habe kleine Ahnung, was das für eine Märchen-Adaption sein soll. Die Grundidee ist für mich weder super noch schlecht. Die Umsetzung wirkte auf mich etwas gezwungen. Es fehlt die Atmosphäre des Realismus. Die Geschichte liest sich sehr zügig, aber es sind viel zu viele Unzulänglichkeiten drin. Richtig enttäuschend wird das Ende. Das hat mich sehr mitgenommen. Aus dieser Geschichte hätte die Autorin sehr viel rausholen können, aber sie hat viele Fehler gemacht. Das Werk sollte noch einmal überarbeitet werden, dann könnte es sehr gut werden.

Um eine richtige Rezension schreiben zu können, müsste ich viel spoilern, da der ganze Verlauf ein Geheimnis ist. Also bleibt es es eben wage, sowas mag ich nicht.

Für die Seitenzahl finde ich den Preis für 14,90 € ungerechtfertigt. Dickere Klappbroschüren gibt es meistens für 12,99 €.



Vielen Dank an den Verlag für das Lese-Exemplar!



Gelesen am 19. Februar 2022

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Eine tolle Idee durch ein komplexes & unsympathisches Zimmermädchen vernichtet

The Maid
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Kurzmeinung:
Der Titel ist falsch & die Protagonistin eine Katastrophe! Lügt sich durch das Leben & hält das für normal. Hat mich schon enttäuscht ...


Leseprobe und Inhaltserzählung:
Ich bin Ihr Zimmermädchen. ...

Kurzmeinung:
Der Titel ist falsch & die Protagonistin eine Katastrophe! Lügt sich durch das Leben & hält das für normal. Hat mich schon enttäuscht ...


Leseprobe und Inhaltserzählung:
Ich bin Ihr Zimmermädchen. Ich bin die, die Ihr Hotelzimmer reinigt, die wie ein Phantom hereinkommt, während Sie sich draußen amüsieren, ohne jeden Gedanken an das, was Sie hinterlassen haben, das Durcheinander, oder was ich womöglich sehe, wenn Sie nicht hier sind.
Ich bin die, die Ihren Papierkorb leert und die Quittungen wegwirft, die niemand finden soll. Ich bin die, die Ihr Bett frisch bezieht, die sieht, ob Sie darin geschlafen haben und ob Sie heute Nacht allein waren oder nicht. Ich bin die, die Ihre Schuhe ordentlich neben die Tür stellt, Ihre Kissen aufschüttelt und einzelne Haare darauf findet. Ihre? Unwahrscheinlich. Ich bin die, die hinter Ihnen sauber macht, nachdem Sie zu viel getrunken und den Toilettensitz beschmutzt haben oder Schlimmeres.
Wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, ist Ihr Zimmer makellos. Ihr Bett ist akkurat gemacht, so, als hätte nie jemand darin gelegen, die vier Kissen aufgeschüttelt. Der Staub und der Schmutz, den Sie hinterlassen haben, sind spurlos weggesaugt. Im frisch geputzten Spiegel blickt Ihnen Ihre Unschuldsmiene entgegen. Es ist, als wären Sie nie hier gewesen. Als wären Ihr ganzer Schmutz, alle Ihre Lügen und Täuschungen ausgelöscht.
Ich bin Ihr Zimmermädchen. Ich weiß so viel über Sie. Aber wenn es darauf ankommt: Was wissen Sie schon über mich?

(Prolog, Track 1)


Autorin:
Nita Prose ist Cheflektorin der kanadischen Verlagsdependence Simon&Schuster und betreute schon viele Bestsellerautorinnen. In ihrer Freizeit liebt sie es, in ihrem Garten zu graben, Salsa zu tanzen oder mit ihrem Hund spazieren zu gehen. Sie lebt in Toronto - in einem nur mittelmäßig gut geputztem Haus. "The Maid" ist ihr Debüt.

Übersetzerin:
Alice Jakubeit wurde 1964 geboren. Die gelernte Buchhändlerin studierte Literaturübersetzen und überträgt seit 1999 englischsprachige Romane und Sachbücher ins Deutsche. Sie lebt in Düsseldorf.

Sprecherin:
Anna Thalbach, geboren 1973 in Ostberlin, Tochter der Schauspielerin Katharina Thalbach, stand bereits als Sechsjährige gemeinsam mit ihrer Mutter vor der Kamera. Sie wurde zunächst durch verschiedene Kino- und Fernsehrollen bekannt, bevor sie sich dem Theater zuwandte. Begründung: Sie sei es leid, nur als "Gesichtsverleiherin" gefragt zu sein. Anna Thalbach arbeitet neben der Schauspielerei erfolgreich als bildende Künstlerin und Audiosprecherin. Sie hat u.a. "Nijura" von Jenny-Mai Nuyen sowie "Die Nebel von Avalon" und "Die Wälder von Albion" von Marion Zimmer Bradley vorgelesen. Anna Thalbach liest so eindrucksvoll, dass die Geschichten beim Hören geradezu bildlich werden.



Bewertung:
Das Cover ist originell und auf jeden Fall auffällig. Die Reinigungskraft ist in etwas anzüglicher Szene gestellt, was gesellschaftlich bei uns normal ist. Und hier ist es noch akzeptabel, da sie in keiner eindeutigen Szene dargestellt ist, weder gestisch noch kleidungsmäßig. Der Titel ist allerdings völlig falsch, also der Untertitel. Ich musste im Internet nachschauen, ob das ein englisches Werk ist. Das sieht ganz so aus, denn im Deutschen wird meistens ein unnötiger Untertitel draufgesetzt. Und so ist es hier auch wieder. "The Maid" ist der eigentliche Titel, den die Autorin gesetzt hat und der fehlerhafte Untertitel wurde vom deutschen Verlag ergänzt. Ich frage mich jedes Mal, was das soll?! Molly ermittelt hier gar nicht, sie wird ermittelt. Durch diesen wieder mal unsinnigen Untertitel wurde ein Verlauf vermittelt, der nicht existiert. Und ich bin darauf reingefallen, wie andere Hörer/Leser auch.


Ohne etwas Spoiler kann ich keine ausreichend verständliche Rezension hierzu schreiben. Ich möchte ja auch, dass meine Kritiken verstanden werden, dafür muss ich Beispiele nennen.

Molly ist eine für mich unsympathische Protagonistin. Warum? Sie lügt sich durch alles durch und hält das für normal. Jeder lügt von uns jeden Tag, merklich oder unmerklich. Molly überschreitet aber stetig die Grenze des alltäglichen Lügens. Sie belügt die Polizei, die Anwälte und das Gericht zu ihrer Zeugenaussage an. Sie verschweigt nicht nur Beweismittel und ihre Entdeckungen, sie lügt einfach eiskalt ohne nachzudenken. Man erfährt als Hörerin/Leserin also keinen Gewissenskonflikt in ihren Gedanken oder Gefühlen, sodass man an diesem Prozess teilnehmen und ihre Handlungen nachvollziehen kann. Sie lügt nicht nur, was den Fall angeht, nein, sie ist eine notorische Lügnerin - das ist ja das Problem und Missfallen meinerseits. Selbst ihre Oma lügt sie in einem sehr schweren Fall an ...

Molly ist zudem total naiv (nicht nur ihr ganzes Wesen, sie lässt sich auch stetig mit Männern ein, die offensichtlich keine guten Männer sind - da möchte man sie schütteln), schwerfällig und schwer von Begriff. Sie wirkt oft wie eine geistig Behinderte, und das meine ich ernst und nicht sarkastisch! Man könnte auch schreiben, sie stellt sich dumm an oder ist blöd, das tut und ist sie aber nicht. Sie versteht auch keinerlei Sarkasmus. Auf mich wirkt sie wirklich wie eine Autistin. Wegen ihrer sehr durchdachten Lügen - sie ist voll zurechnungsfähig - wirkt dieser Teil wirklich absurd erfunden. Widersprüchlich. Auch klaut sie den Ehering des Toten, verpfändet ihn und bezahlt mit dem Geld ihre Miete. Behauptet aber durchweg, sich immer an Regeln und Gesetze zu halten. Das wirkt total realitätsfern! ich habe oft das Gefühl gehabt, Molly lebt wirklich in ihrer eigenen Blase und leidet unter Realitätsverzerrung.

Es scheint, als kann sie gar nicht anders. Die Autorin erzählt das aber so, als sei das mit dem Rest ihres sanften Wesens vereinbar und man müsse Molly dennoch sympathisch finden. Bemerkenswert sind hier die Versuche der Autorin, Molly sympathisch für uns zu machen. Aussagen wie "Lügen tue ich nicht gern, geht mir gegen den Strich" und ihre Art und Weise mit Menschen umzugehen (außerhalb ihrer Lügenblase), lässt einen doch den Kopf schütteln, und auf mich wirkt das scheinheilig und sogar künstlich gezwungen.

Ein weiterer Teil ihrer Persönlichkeit ist ihr Putzzwang. Es wird nie als solcher benannt oder gar umschrieben, aber wer die Symptome dieses Zwanges kennt, kommt hier schon nach kurzer Zeit auf diese Diagnose. Sie ist nur am Putzen. Ihr ganzes Dasein dreht sich um Sauberkeit und Hygiene. Ihre Gefühle, Abscheu gegen Dreck und minimale Abnormitäten und ihre Gedanken kreisen nur darum. Selbst im ernsten Fall, als sie des Mordes verhaftet wird, denkt sie nur an Dreck, Sauberkaut und Umgangsformen. Das geht den ganzen Verlauf über so. Noch ein Teil, der echt genervt hat und bei dem ich nur die Augen gerollt habe. Der Punkt ist ja, dass die Autorin auch das einfach als Normal beschreibt für die Hörer/Leser. Jemand, der keine Ahnung von diesem Zwang hat, hält das vielleicht als normal oder nur als kleine Macke. Aber bei Molly ist das so ausgeprägt, es ist krankhaft bedingt.

Dazu gehört, dass auf Grund diesen Zwangs Molly so tut als sei die Arbeit als Reinigungskraft etwas heiliges und es wird in meinen Augen total verherrlicht. Es kommt gar keine Realität rein. Nicht nur, wie diese Menschen verachtet und erniedrigt werden (Molly berichtet nur immer mal, dass sie nicht gesehen wird, das wars), sondern auch körperlich derart harte Arbeit ist, dass man Zuhause nicht fröhlich und motiviert den Putzlappen schwingen kann. Molly kann das. Sie kommt nach der harten Arbeit nach Hause und putzt da dann stundenlang motiviert weiter. Das zeigt umso mehr nochmal ihren persönlichen Putzzwang. Denn solche Menschen, haben den Drang danach, völlig losgelöst von Erschöpfungszuständen. Selbst diese kommen nie durch. Molly ist wie eine Maschine, immer voller Energie. Man muss keine Reinigungskraft sein, um zu erkennen, wie blödsinnig das ist. Aber meine Mutter ist Reinigungskraft. Sie arbeitet im Altenheim für drei Leute. Das ist richtige Akkordarbeit, alles ist zeitbemessen, jeden Tag Überstunden - wenn sie nach Hause kommt, ist sie verständlicherweise total erledigt. Sie bekommt die Wäsche in die Waschmaschine, das wars. Aufräumen oder Putzen - in welcher Art auch immer - gehen bei ihr gar nicht. Dazu kommen die gesundheitlichen Schäden, die diese Arbeit anrichten. Davon hat die Autorin offensichtlich keine Ahnung.


Achtung: Hier kommen nochmal explizite Beispiele!

Am Ende kommt sogar heraus, dass Molly genau weiß, wer der Mörder des Opfers ist und sie hat ihn die ganze Zeit gedeckt. Als Hörerin/Leserin ist das am Ende eine Überraschung, weil während des Verlaufes keinerlei Andeutungen zutage kommt. Auch kommt raus, dass sie ihre Oma mit einem Kissen erstickt hat, was einen Zusammenhang mit dem aktuellen Fall darstellt. Und während das NATÜRLICH der Gerichtsmedizin bei dem Opfer auffällt, kommt sie bei dem Mord ihrer Oma mit derselben Methode davon. Kein Misstrauen, Verfahren, nichts. Das wird also wirklich so absurd und unrealistisch - ich frage mich wirklich, wie verzweifelt die Autorin war, da sie so viele Situationen künstlich aus dem Nichts gestrickt hat, um Spannung im Verlauf und Sympathien für Molly zu erzeugen ...


Selten ist es, dass ich so ausführlich über einen Charakter schreiben kann und muss. Molly ist so vielfältig und trotz meiner Warnung zu Beginn habe ich es geschafft, nicht die Beispiele zu bringen, die ich für nötig hielt. Das ging jetzt auch so umschrieben. Zusammenfassend haben wir es mit einer Frau zu tun, die

~ eine notorische Lügnerin ist.

~ einen extremen Reinigungszwang hat.

~ geistig entweder autistisch oder verwirrt oder einfach nur schwerfällig und schwer von Begriff ist.

Eine wirklich merkwürdige und in meinen Augen unrealistische Kombination. Vielleicht gibt es solche Menschen, es gibt ja alles irgendwie. Aber der Versuch der Autorin, all diese Fehler von Molly mit widersprüchlichen Gedanken, Aussagen und Verhalten von Molly zu kombinieren, wirkt verzweifelt künstlich und weckt Abneigung und Distanz zur Figur.

Da die Geschichte in der Ich-Erzählung von Molly erzählt wird und sie so extrem viel Platz mit ihren Unzulänglichkeiten (beschreiben wir es mal so höflich) einnimmt, gibt es zu den anderen Charakteren kaum etwas zu berichten. Ich kann es jedenfalls nicht. Zu manchen einen Satz, das war's aber auch. Molly prägt und führt den Verlauf, deshalb ist ja logisch, dass sie im Mittelpunkt der Kritiken steht. Und deshalb sind ihre Unzulänglichkeiten auch so extrem auffällig und erdrückend. Es ist fast wie eine Ein-Frau-Show. Die Autorin hätte das alles abmildern können, wenn sie den anderen Charakteren mehr Platz eingeräumt hätte. Denn von denen hört/liest man kaum etwas.

Als ich die Sprecherin hörte, dachte ich direkt "Oh, oh ...". Aber zum Glück konnte ich mich sehr schnell an ihre Stimme gewöhnen und musste auch während des Hörens anerkennen, dass sie recht gut zu Molly und ihrem "autistischen" Teil passt. Trotz Molly - sie ist ja der eigentliche Verlauf - konnte ich das Hörbuch schnell hören. Einmal - bei einem Verhör von Molly - erzählt die Sprecherin undeutlich, was zur Gegenwart gehört und was zur Vergangenheit. Denn Molly erzählt immer wieder aus der Vergangenheit. Stück für Stück erfahren wir mehr über sie und ihr Leben. Aber dieses eine Mal hat mich das verwirrt und ich konnte Gegenwart und Vergangenheit nicht unterscheiden.


Fazit:
Ja, was bleibt noch ungeschrieben ... mir fällt nichts mehr ein. Die Idee hat mich gelockt, aber die ist zum Teil ja nur Marketing und nicht existent in der Umsetzung und zum größten Teil eben künstlich, unrealistisch und widersprüchlich. So richtig Krimi(nell) ist die Geschichte nicht ... eher ein Kriminalroman. Für mich kein Gewinn. Der Preis ist hier willkürlich gesetzt, der Download kosten mehr als die CD.


SPRECHERIN ⭐⭐⭐⭐

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2022

Rettet das letzte Drittel!

Rettet Steve!
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Kurzmeinung:
Leicht humorvoll erzählt, allerdings für mich nicht sehr fesselnd und im letzten Drittel wird es künstlich unrealistisch. Sehr schade!


Klappentext:
Steve Stevenson ist ein Arschloch. Das ...

Kurzmeinung:
Leicht humorvoll erzählt, allerdings für mich nicht sehr fesselnd und im letzten Drittel wird es künstlich unrealistisch. Sehr schade!


Klappentext:
Steve Stevenson ist ein Arschloch. Das sollte man nicht sagen über jemanden, der Krebs hat, aber es ist wahr. Ja, er veranstaltet legendäre Partys, aber er liebt auch demütigende Pranks, und er recycelt nichts. Am schlimmsten ist jedoch, dass er mit Kaia zusammen ist – von der Cam träumt. Hinterlistig bietet Cam ihr an, eine riesige Spendenkampagne für Steve zu organisieren. Vielleicht begreift Kaia dann endlich, dass Cam perfekt für sie ist.

Doch Steve ist nicht blöd. Er durchschaut Cams Plan sofort. Bevor er sich von ihm die Freundin wegnehmen lässt, unternimmt er alles, was ihm einfällt, um Cams Leben genauso mies zu gestalten, wie sein eigenes jetzt ist. Und das ist eine ganze Menge.


Autoren:
Ted Caplan arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren in der Filmindustrie als Autor, Sound Designer und Musikredakteur. Er hat an den Soundtracks vieler bekannter Projekte mitgearbeitet, darunter »Maze Runner«, »Deadpool« und »The Hate U Give«. Nach dem Debütroman »Unpregnant«, der für HBO Max verfilmt wurde, schrieb er zusammen mit Jenni Hendriks einen weiteren Roman. »Save Steve« wird im September 2020 in den USA und 2021 auf Deutsch erscheinen.

Jenni Hendriks absolvierte eine Filmhochschule und schrieb in Hollywood Drehbücher für die Fernsehserie »How I Met Your Mother«. Außerdem zeichnet sie feministisch inspirierte Cartoons für Zeitschriften. Nach dem Debütroman »Unpregnant«, der für HBO Max verfilmt wurde, schrieb sie zusammen mit Ted Caplan einen weiteren Roman. »Save Steve« wird im September 2020 in den USA und 2021 auf Deutsch erscheinen.


Übersetzerin:
Kattrin Stier hat Anglistik, Germanistik und Pädagogik studiert. Sie übersetzt seit vielen Jahren Bücher aus dem Englischen und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.


Bewertung:
Cover ist dem Humor der Geschichte angepasst. Sehr schön finde ich, dass der Originaltitel wortgetreu übersetzt wurde - auch wenn wieder mal ein Untertitel dazukam. Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, da es um einen humorvollen Wettkampf um ein Mädchen gehen soll. Normalerweise fangen mich solche Geschichten nicht ein, diese aber handelt zusätzlich von dem krebskranken Steve und ist humorvoll erzählt ... das ändert die Anziehungskraft.

Die Geschichte ist allerdings nicht so humorvoll wie ich mir das gedacht habe. Oder ich war zu dieser Zeit nicht ganz empfänglich dafür. Die Protagonisten Steve, Cam und Kaia sind ausreichend ausgearbeitet, wenn auch im letzten Drittel unrealistisch. Der ganze Verlauf bezieht sich auch fast nur auf die Drei. Steve ist ein Idiot, oder wie im Klappentext steht, ein Arschloch. wenn das nicht dort stände, würde ich mich nicht trauen, das hier zu schreiben. Cam ist der gute Mensch in dieser Geschichte, der auch mal dem "Bösen" verfällt. Aber hier stehen sich symbolisch Engel und Teufel gegenüber. Kaia, das Mädchen, in dem Cam verknallt ist steht zwischen den beiden. Ja, ich schreibe nur verknallt, denn das wirkliche Verliebtsein kam bei mir gar nicht durch.

Obwohl der Anfang recht gut ist, hatte ich Mühe, weiterzulesen. Es konnte mich einfach nicht fesseln. Bei meinem Hundesitting hatte ich dann das Buch dabei und mir war langweilig, da der Hund schlief, also las ich im Buch weiter. Irgendwann konnte mich der Verlauf dann einnehmen und ich hatte zweidrittel des Buches gelesen. Die Aufgaben, die Steve Cam aus Missgunst um die Vernarrtheit in Kaia bewältigen lässt, sind gemein, zum Teil aber auch fesselnd.

Im letzten Drittel werden die Geschehnisse aber unrealistisch und teilweise bescheuert (ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein). Manche Aufgaben sind so extrem gefährlich, dass Cam sie einfach abwiegen könnte, er tut es aber nicht und spielt das Spiel für alle anderen fröhlich weiter. Ab einem gewissen Punkt finde ich das übertrieben und unglaubwürdig. Ganz schlimm wird das Ende: da sind alle total friedlich miteinander und Steve dreht sich um 18ß Grad in seinem verhalten. Ist klar! Es endet wortwörtlich in Friede und Freude, total unrealistisch und unpassend. Klar kann Steve nach dem Ereignissen anders denken über vieles, aber dass er plötzlich total selbstlos wird, ist leider überzogen. Auch Cam ist total verändert - genaues schriebe ich aus Spoilergründen aber nicht auf. Die Ereignisse werden also ins totale Gegenteil gedreht und vermiest den Rest.


Fazit:
Der Beginn lahmt etwas, die Mitte fesselt richtig und das Ende enttäuscht sehr. Ich hatte große Mühe, das letzte Drittel zuende zu lesen. Auch der Humor ist nicht so überwältigend wie angepriesen. Die Charaktere wanken in ihrem Wesen auf unnatürliche Weise und konnten mich auch dadurch nicht richtig einnehmen. Es blieb immer eine Distanz zu ihnen. Ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsene gut lesen kann.

Das Buch liest sich durch den fließenden Schreibstil trotz der negativen Kritikpunkte schnell zuende. Mich hat die coole Idee in Verbindung mit Humor angezogen. Das ganze Potenzial hat das Autorenpaar nicht überragend, wie es hätte sein können, ausgeschöpft. Sehr schade! kein schlechtes Buch, aber auch kein sehr empfehlenswertes für mich.

Normalerweise kosten solche Klappbücher 12,99 €; dieses kostet aber 14,99 €, was überteuert ist. Das Buch wäre sehr gut als Taschenbuch.



Gelesen am 18. Januar 2022



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Veröffentlicht am 25.12.2021

Wer mit Irrungen & Wirrungen und offenen Fragen klarkommt, der wird Freude hieran haben!

Witchghost
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Kurzmeinung:
Irrungen & Wirrungen, sowie offene Fragen, die Spannung erzeugen sollen & eher das Gegenteil erreichen. Gut gemeint, nicht so gut gemacht.


Klappentext:
Seit Cass‘ Familie durch dunkle Magie ...

Kurzmeinung:
Irrungen & Wirrungen, sowie offene Fragen, die Spannung erzeugen sollen & eher das Gegenteil erreichen. Gut gemeint, nicht so gut gemacht.


Klappentext:
Seit Cass‘ Familie durch dunkle Magie ermordet wurde, hat sie der Hexerei abgeschworen. Der einflussreiche Hexer Richter Wittmore hat sie bei sich aufgenommen und versucht sie vom Gegenteil zu überzeugen. Sie weigert sich. Als es jedoch zu mehreren mysteriösen Todesfällen in der Gegend kommt und Wittmores Tochter Sarah-Ann versucht, in einer Séance Kontakt mit dem letzten Opfer aufzunehmen, erscheint stattdessen Cass der Geist einer vor langer Zeit hingerichteten Hexe. Und offenbar trachtet jemand auch Cass nach dem Leben. Wem kann sie noch trauen? Dem gut aussehenden Luke, der ihr seine Hilfe anbietet? Oder verfolgt er womöglich ganz eigene Pläne?

Autorin:
Lynn Raven ist das Pseudonym der deutsch-amerikanischen Autorin Alex Morrin. Sie besuchte in Maine die Universität und arbeitete danach bei einer kleinen Zeitung, bevor sie einen Job in Deutschland annahm. Dort arbeitete sie fast 10 Jahre freiberuflich als Journalistin, Übersetzerin und gelegentlich auch als Lektorin. Zurück in den USA fand Raven zur Schriftstellerei. Schon während ihrer Unizeit ist sie an der Phantastik nicht vorbeigekommen. Nach ein paar Job-Aufträgen aus diesem Bereich war die Faszination für die Dark- und Urban-Fantasy komplett geweckt. "Der Kuss des Dämons" wurde 2008 zu ihrem ersten Roman.


Bewertung:
Das Cover spricht mich nicht besonders an, vor allem diese Frauendarstellung nicht. Die junge Frau hier hat große Lippen und die werden auch noch extrem verdeutlich durch das Make up - ganz typisch dieses Frauenbild. Und ob die Augenfarbe echt ist, steht auch zu bezweifeln. Aus diesem Grund mag ich nicht besonders Menschen auf Covern. Natürliche Ausnahmen gibt es, da ist aber auch nichts gestellt. Die Farben und der Hintergrund sind super und passend zur Geschichte. Der Titel ist auch sehr gut gewählt.

Ich wollte dieses Buch gar nicht lesen, weil mich der Klappentext schon abgeschreckt hat. Aber meine kleine Lese-Nuss hat mir so viel davon vorgeschwärmt, dass ich neugierig wurde. Nur wegen ihm habe ich das Buch gelesen.

Nun zur Warnung: Ich hatte keine Nerven, die Lese-Chronik vollzuschreiben, also ist diese Rezension voller Spoiler-Angaben! Es ist eine Geschichte, bei der ich ohne Spoiler meine Kritiken nicht verständlich rüberbringen kann. Wer damit ein Problem hat, hört am besten nun auf zu lesen. Ansonsten gilt: Auf eigene Gefahr!

Dieses Buch lebt von Irrungen und Wirrungen und krampfhaft irritierende Spannungsmacher.

Nach dem Nichtssagendem ersten Kapitel (Die Katze starrte mich an.) lernen wir William kennen, ein Vorfahre von Cass. Er wird ermordet. Dann wechselt die Erzählung von William zu Ann und Cass immer wieder ab. Allerdings ist dann Williams Kapitelerzählung rückwärts, also er wird ermordet, dann beginnt es mit einer Szene vor seiner Ermordung und geht dann chronologisch bis zu seinem Mord über. Hier versucht die Autorin Spannung aufzubauen, indem sie zu Beginn den Mord stellt und erst danach den Verlauf dahingehend erzählt. Das ist okay, war für mich nur zu Beginn etwas irritierend, als ich dann den lebendigen William wieder vor mir hatte. Das ist ein bekanntes Erzählschema. Aber hier zeigt sich eben direkt die Art der Autorin, wie sie mit Wirrungen und Irrungen versucht, Spannung aufzubauen.

Die erste große Verwirrung ist die Beziehung von Vertrauter zur Katze. Hier Luke und Pointers. Die Autorin schreibt das nach Abenteuerfahrt: Erst schreibt sie das so, dass Katze und Vertrauter zwei Wesen sind. Dann kommt die Passage, dass sie suggestiert, beide sind ein Wesen, also Mensch, der sich in Katze verwandelt und zurück. Dann wieder nur als zwei Wesen ... mich hat das echt verwirrt. Das ist in dem ganzen Verlauf so fehlerhaft kommuniziert, grausig. Cass leitet das als Protagonistin weiter. Erst nur die Katze Pointers und Vertrauter Luke, dann sagt sie z.B. dass sie die Katze gesehen hat, aber ohne Luke ... hä?? Du rätselt, was denn jetzt mit Pointers und Luke ist - ist er Pointers? Kann er Pointers Gedanken lesen? Dann folgt irgendwann noch eine wirre Passage, ich schreib das hier auf, um es verständlicher zu machen:

"Und es sollte dir helfen, Luke zu benutzen ..."
...
"... Luke ist ein Vertrauter"
Dieses Mal holte ich scharf Luft. Die Katze. Dieser Bastard. Na warte

(Seite 25/26)

Und an der Stelle auch wieder: Hä?? Wie kommt sie jetzt auf die Katze? Wieso ist Luke ein Bastard? Man versteht es einfach nicht, es gibt keine Erklärung. Und diese Sache zieht sich Seite 174, da klärt Luke sie und uns auf. Bis dahin hatte ich nur genervte Fragezeichen im Kopf. So verwirrend!

Und diese Irrungen und Wirrungen ziehen sich durch den gesamten Verlauf. Wie ich solche Bücher hasse.


Cass hat eine Vision im Park. Glaube ich jedenfalls, denn das hat die Autorin auch wieder so wirr geschrieben. Das ist die zweite Version, die mehr schlecht als recht beschrieben wird, wobei die erste Vision fast total unverständlich ist. Da fragte ich mich auch wieder: Ist das jetzt eine Vision oder nicht? So verunsichert.

Dann bei der Seance ebenfalls eine Vision bzw. den Geist gesehen. Alles mögliche unverständliche schreibt die Autorin wieder ... Sätze wie abgehackt (etwas, das in einer Ecke einer Gruft kauert, Hufen auf Waldboden etc. - was für eine Gruft?? Niemals geklärt worden). Sie sind alle im Dachboden bei der Seance und alle Geräusche wie Lärm, knattern, Wind etc. hört nur Cass und die anderen nicht. Ich bin da nicht ganz durchgeblickt.

In einer Szene sagt einer mehrere Sätze und Wittmores Namen. Cass wiederholt im Laufe der Szene immer nur die Sätze, aber nie den Namen. Was soll das? Es ist eine bedrohliche Szene und Wittmore ist ihr sowieso nicht geheuer, und da denkt sie nie über ihn nach nur über das andere Gesagte, obwohl das der irritierendes Teil des Monologs des Mannes ist?? HÄ???

Cass will Luke den Ring ihres Großvaters geben, es wird aber auch im Nachhinein nie erzählt, wieso. Ich ahnte, dass es was mit Kräften oder der ehre der Vertrauten zu tun hat, das ist aber nur Spekulation von mir. Ich weiß es einfach nicht. Die Hoffnung war, das klärt die Autorin noch auf, will erstmal wieder nur Spannung erzeugen. Leider geht das abermals schief. In einer Nacht will sie den Ring Luke geben, dann folgen andere Szenen und schwupps, sind wir am nächsten Morgen angelangt, wo sie erzählt, sie habe Luke den Ring gegeben. Das wars. Nur diesen einen Satz und Schluß. Und wieder liege ich da und HÄ??? Kurz vorm Ende wird Luke von John, einen Freund von Cass, auf den Ring angesprochen mit "Ich nehme an, du weißt, was das ist?" und Luke antwortet "Ich denke schon." und wieder Schluß. JA, ABER ICH LESERIN WEIß ES NICHT!!!!! Da werde ich echt irgendwann aggressiv, nicht, dass man das hier merkt.

So eine extrem künstliche Szene ist die Muffin-Szene. Cass backt teuflische Muffins, um es ein paar Kerlen heimzuzahlen. Ich weiß echt nicht, wer blöder ist: Cas, weil sie glaubt, die Kerle nehmen von ihr nach dem Kampf im Park einfach ihre Muffins an. Oder die Kerle, die das ohne Zögern tatsächlich tun. Ein HÄ auf andere Art. So eine künstliche Darbietung von Cass Fähigkeiten ...

Dann bekommt Cass noch einem Brief, in dem steht "Eine dreiviertel Meile nördlich von hier.", damit sie sich mit jemanden trifft. Ich dachte sofort: Wo ist das denn, diese dreiviertel Meile nördlich? Cass nimmt das so an als ob das normale Koordinaten wären, mit denen wir im Alltag leben. Sie läuft da einfach in einen Wald rein ... HÄ?? Wer ihr den Brief geschrieben hat, wird auch nicht aufgeklärt. Bleibt auch ein ewiges Rätsel.

Die Autorin stellt Sarah als böse dar, nur im letzten Drittel schwankt es. Erst dann als gute Fee, dann doch wieder böse ... Schleudertrauma im Kopf bei mir. Auch hier versucht die Autorin mit der Darstellung von Sarah Spannung zu erzeugen, auf wirre Weise. Denn da kommt noch der Geist von Catherine ins Spiel, die dann doch gar keine Rolle spielt - HÄ?

Und manchmal ist Cass so schwer von begriff und die Autorin nutzt das auch zur Spannungslage, was aber auch nicht so ankommt, sondern unlogisch. Sarah erzählt Cass ja, dass sie Catherine meint und Cass fragt hinterher für sich, wen Sarah mit sie gemeint hat?? Da habe ich mir an den Kopf geschlagen.

Auch erzählt Luke Cass, dass Anne Freundinnen zur Pyjama-Party eingeladen hat und am Abend meckert Cass, dass Luke ihr hätte sagen können, dass das an dem Abend ist. HÄ? Ja, natürlich, wann denn sonst? Dann hätte er doch "morgen" oder "übermorgen" gesagt!

Auch Pointers bekommt seinen Irrungen und Wirrungen-Auftritt: Erst stellt er sich ihr in den Weg und hält sie davon ab, das Zimmer zu verlassen. Plötzlich springen wir zu der Szene, wo Pointers ihr den Weg zeigt. HÄ??? Wieder so eine Szene, wo Halbwissen fehlt, die wichtigen Übergänge, die einfach übersprungen werden.

Das Ende ist salopp und auch hier gibt es große Übergänge, wo das Dazwischen fehlt und ich erstmal überlegen muss, was los ist, wie bei vielen Szenen zuvor. Vor dem Ende zum Beispiel, wo Cass am Friedhof ist und vor den Resten eines Zaubers steht - und da ist nicht ganz klar geschildert, ob das von ihr stammt oder von davor und sie besucht die Stelle nur ... merkwürdig.


Fazit:
Die Geschichte trieft vor lauter wirr erstellter Spannungsszenen, die mehr verwirren und irritieren als Spannung erzeugen. Dazu dann diese Szenen-Sprünge, wo wichtige Übergänge einfach weggelassen werden und auch wieder irritiert und verwirrt zurücklassen. Also genau das Gegenteil, was die Autorin damit erreichen will. Ich bin schockiert, wie manche das so loben ... Man merkt doch ganz klar; gut gemeint, nicht so gut gemacht. Die Autorin scheint Spannung nicht besonders hinzubekommen. Das Buch hat einen gewissen Sog, weil ab der Hälfte der Verlauf fesselnd wird und Tempo einnimmt. Aber die ständig schlecht erstellten Spannungsbrocken stehen einem wie Stolpersteine im Weg und dämpfen die Lesefreude. Mich hat das stetig aus dem Lesefluss gerissen, weil ich solche Szenen mehrfach lesen musste und gegrübelt habe.

Das Buch insgesamt war anstrengend zu lesen. Durch diese Irrungen und Wirrungen, sowie offenen Fragen, die selbst am Ende gar nicht beantwortet werden, wurde ich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen (scheint ein Ritual der Autorin zu sein) und war genervt. Die Idee ist nicht neu, aber dennoch gut, da hätte die Autorin wirklich viel Potenzial spannungsgeladen umsetzen können. Stattdessen hat sie auf künstliche und komplizierte Spannungsmomente gesetzt. Der Humor war zum Teil vorhanden, hat mich aber jetzt nicht so umgehauen, wie meine kleine Lese-Nuss, den ich auch verdonnert habe, diese Rezension zu lesen. Das ist er mir schuldig.

Warum dennoch drei Sterne? Es gibt sehr gute Szenen, die humorvoll und fesselnd sind. Die Irrungen und Wirrungen überwiegen zwar bei weitem, aber da ab der Mitte die Neugier dennoch siegt, möchte ich nicht so kleinlich sein.


'Wenn man das Unmögliche beseitigt, dann muss das, was übrigbleibt - was auch immer das ist - die Wahrheit sein.'

(Seite 270)



Gelesen im Oktober 2021

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