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Veröffentlicht am 20.03.2022

Magischer Jugendroman

#London Whisper – Als Zofe ist man selten online
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Eben noch befand sich die 15-jährige Austausschülerin Zoe auf einer geheimen Mitternachtsparty in ihrer Londoner Schule im Dunwick House, als sie sich nach der Begegnung mit einem sonderbaren Spiegel im ...

Eben noch befand sich die 15-jährige Austausschülerin Zoe auf einer geheimen Mitternachtsparty in ihrer Londoner Schule im Dunwick House, als sie sich nach der Begegnung mit einem sonderbaren Spiegel im Jahr 1816 wiederfindet. Eine Zeitreise stand definitiv nicht auf ihrem Plan für ihr Austausch-Jahr, aber Zoe wäre nicht Zoe, wenn sie nicht das beste aus der Situation machen würde, und so stürzt sie sich voller Tatendrang in ihre neue Rolle als Zofe der jungen und schrecklich schüchternen Lady Lucie.
Während Lady Lucie mit tatkräftiger Unterstützung ihrer treuen Zofe auf ihrem ersten Ball erstrahlt, begegnet Zoe dem jungen Lord Hayden Falcon-Smith und findet - zu ihrer großen Überraschung - einen Mit-Zeitreisenden in ihm. Verbunden durch das gemeinsame Ziel zurück in ihre eigene Zeit zu finden begeben sich die beiden auf die Suche nach Antworten. Doch schon bald müssen Zoe und Hayden feststellen, dass sie in eine Sache hineingeraten sind, die viel größer zu sein scheint, als sie selbst...

London Whisper war auf jeden Fall eine schöne Leseerfahrung. Ich fange am Besten damit an, wie sehr mir die Aufmachung des Buches gefallen hat. Das Cover finde ich in der Gestaltung sehr gelungen. Ich mag die Farben, die kleinen Details, die den Inhalt der Geschichte eingreifen und kann auf jeden Fall sagen, dass es in Natura noch viel schöner aussieht, als auf dem Bild. Die Mühe und Detailliebe hört allerdings nicht beim Cover auf. Das Buch ist voll von kleinen Zeichnungen und wunderbar ausgearbeiteten Feinheiten, die das ganze Leseerlebnis einfach sehr bereichern. Ich bin einfach sehr begeistert, wie viel Mühe und Hingabe in die Gestaltung eingeflossen sind.

Nun zum Inhalt. Der Schreibstil hat mir insgesamt ganz gut gefallen. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Zoe geschrieben, sodass man als Leser recht schnell einen Draht zu ihr aufbaut.
Ich habe zwar ein wenig gebraucht um in die Geschichte hinein zu finden, aber die Sätze sind flüssig, die Sprache lebendig und die Dialoge gut ausbalanciert, sodass schnell ein guter Lesefluss entsteht. Nicht ganz so gut fand ich an einigen Stellen aber die Sprache. Es ist ein Roman, der eine jüngere Zielgruppe anspricht und vorallem auch eine jüngere Hauptprotagonistin hat, daher macht ein gewisses Maß an Jugendsprache und "Slang" durchaus Sinn. Allerdings haben sich manche Sätze beim Lesen einfach nicht ganz natürlich angefühlt (falls das nachvollziehbar klingt). Ein wenig gezwungen quasi. Natürlich ist das meine subjektive Empfindung, aber es gab so ein Paar Wörter/ Sätze, die mich dann einfach aus dem Takt gebracht haben.

Auch die "historische" Sprache hat für mich nicht ganz hingehauen. Manche Dialoge wirkten ein wenig zu "theaterhaft" um mich richtig abzuholen und mir wirklich dieses Gefühl von "aha, wir sind in 1816" zu vermitteln. Natürlich muss man das Buch als das sehen, was es ist, nämlich ein Jugendroman, der auf charmante Weise Gegenwart mit der Vergangenheit zusammenwürfelt. Aber ich hätte mir zumindest gewünscht, dass es sich sprachlich einfach ein wenig authentischer anfühlt.

Auf den Inhalt möchte ich gar nicht zu sehr eingehen, um nichts vorweg zu lesen, aber hier hält die Story was sie verspricht. Eigentlich ganz wunderbar, wie sehr das Cover den Charakter der Geschichte wiedespiegelt. Sie ist frisch, charmant, ein wenig frech und wirklich witzig. Ich hatte auch keine Sekunde den Gedanken von Schonmal-irgendwo-gelesen.
Als ich angefangen habe zu lesen, wusste ich noch nicht, dass es sich um einen ersten Teil einer Reihe handelt, aber rückblickend sehe ich es als sehr gelungenen Einstieg. Die erste Hälfte ist noch sehr dem Bereich Charaktervorstellung und Etablierung gewidmet, aber in der Zweiten kommt dann durchaus Spannung auf. Leider wird es nie wirklich ich-kann-nicht-schnell-genug-umblättern spannend, dafür plätschert die Geschichte ewas zu gemächlich vor sich hin, aber es gibt zumindest immer wieder Szenen, die genug Spannung aufrecht erhalten um umblättern zu wollen. Und es gibt jeeede Menge offene Fragen, die es quasi unvermeidbar machen, weiterlesen zu wollen. Besonders am Ende.
Was das angeht, so weiß ich nicht, ob es mir wirklich gefallen hat. Ehrlich gesagt hat es mich mit einem leicht seltsamen Gefühl zurück gelassen. Nicht wirklich wie nach einem Cliffhanger, sondern eher als wäre die Handlung einfach in einer Szene abgebrochen und schlicht nicht mehr weiter gegangen. Als wäre das Ende un-fertig. Die Leseprobe zur Fortsetzung konnte es ein wenig abmildern, aber an sich, sollte diese ja nicht als Epilog dienen.

Die Charaktere in der Geschichte haben mir insgesamt auch gut gefallen. Als erstes muss natürlich ganz klar Zoe erwähnt werden. Sie ist wohl die tougheste, unerschütterlichste 15-Jährige Protagonistin, die mir je in einem Buch begegnet ist. Sie ist eine Problemlöserin durch und durch und geht in dieser Rolle auch vollkommen auf. Beeindruckend fand ich auch ihr unerschütterliches Selbstvertrauen, ihre Sichtweise auf die Welt und das Leben, sowie ihren Umgang mit dem Dasein als Mädchen bzw heranwachsende Frau. Eine positivere Botschaft kann man sich für eine junge Leserschaft eigentlich nicht wünschen.
Diese überschwängliche und positive Art macht sie als Protagonistin sehr sympathisch. Allerdings kam damit für mich auch ein kleines Manko. Zoe war mir ein wenig zu unerschütterlich, um "echt" zu wirken. Wobei, vielleicht ist das nicht richtig ausgedrückt. Ich schätze, ich hätte mir einfach gewünscht, dass ihre Figur auch Unsicherheiten durchblicken lässt (immerhin ist sie aus heiterem Himmel in der Vergangenheit gelandet, das kann einen schonmal verstören) und insgesamt etwas nahbarer wird. Ich finde Charaktere leben sehr von ihren Stärken und Schwächen und gewinnen mehr Tiefe, durch beides. Diese andere Seite von Zoe kam mir aber ein bisschen zu spät und ein bisschen zu unzureichend, um mich komplett mitzureißen.

Sehr gefallen hat mir die liebe Miss Lucie. Sie ist eine Figur mit der man einfach mitfühlen und mitfiebern muss. Ihre Entwicklung mitzuverfolgen war definitiv eine der schönsten Aspekte der Handlung.

Auch Hayden war eine interessante Ergänzung. Mir gefällt die Dynamik zwischen ihm und Zoe sehr und sein Auftreten hat der Geschichte nochmal ordentlich Witz hinzufügen können. Er scheint sich doch um einiges Schlechter in seiner Rolle als Sohne eines wichtigen Lords zurecht zu finden, was eine willkommene Ergänzung zu Zoes Haltung zu der ganzen Zeitreisen-Situation war. Es fällt auch reichlich schwer, ihn nicht sympathisch zu finden.
Trotzdem blieb Hayden für mich in weiten Teilen noch ein wenig zu blass als Charakter. Auch hier hätte ich mir ein wenig Tiefe, ein wenig mehr Einblick in seine Figur gewünscht, aber aufgrund der angedeuteten Liebesgeschichte zwischen ihm und Zoe (und selbstverständlich des Zeitreisenproblems) denke ich, dass man hier sehr auf die Fortsetzung hoffen kann.

Mein Fazit fällt unterm Strich also ein wenig gemischt aus. Ich hatte definitv Spaß am Lesen und bin überzeugt, dass es für die angesprochene Zielgruppe eine super Geschichte ist. Am Ende war es für mich aber dieses Zusammenkommen der vielen Kleinigkeiten und Kritikpunkte, die das Leseerlebnis für mich persönlich nicht ganz so mitreißend gemacht haben, wie ich es mir gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz ist "#London Whisper – Als Zofe ist man selten online“ von Aniela Ley eine schöne, lesenswerte Geschichte und ein spannender Auftakt einer vielversprechenden Reihe.

Veröffentlicht am 09.11.2021

Zwei Liebende wie Katz und Maus

Only Us - Unvergesslich
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"Unvergesslich" ist der 2. Teil der Only Us - Reihe aus der Feder von Autorin Melanie Harlow und erzählt die Geschichte von Chloe und Oliver. Die Handlung ist in sich abgeschlossen und kann daher auch ...

"Unvergesslich" ist der 2. Teil der Only Us - Reihe aus der Feder von Autorin Melanie Harlow und erzählt die Geschichte von Chloe und Oliver. Die Handlung ist in sich abgeschlossen und kann daher auch selbstständig gelesen werden.

Chloe Sawyer und Oliver Pemberton sind Freinde fürs Leben. Seit ihrer frühen Kindheit sind die beiden irgendwie unzertrennlich, wobei sie vor keinem Streich, keinem Ärger zurückschrecken und sich andauernd mit aberwitzigen Wetten gegenseitig herausfordern.
Doch Dinge ändern sich und annähernd 20 Jahre später scheint von der Freundschaft zwischen ihnen nicht viel übrig. Zu viel ist zwischen ihnen passiert, zu viel hat sich geändert und Chloe kann Oliver einfach nicht mehr vertrauen. Es ist schließlich reichlich schwer mit jemanden befreundet zu sein, den man aus Überzeugung hasst.
Und während Chloe plant Oliver bis zu ihrem Lebensende aus dem Weg zu gehen, verfolgt dieser andere Pläne.
Oliver will sich den Traum von einer eigenen Destillerie erfüllen und er braucht niemand anderen als Chloe Sawyer, um das zu tun. Und wie es der Zufall will, war das auch schon immer Chloes großer Wunsch, doch beinhaltete der nie Olivers Anwesenheit.
Ist eine Zusammenarbeit zwischen ihnen überhaupt möglich, nach allem was passiert ist? Kann Oliver Chloe von dieser einen, letzten Chance überzeugen? Und kann Chloe der knisternden Anziehungskraft zwischen ihnen widerstehen?
Auf 336 mitreißenden Seiten findet ihr die Antworten.

Mir hat "Only Us - Unvergesslich" insgesamt gut gefallen, wobei es doch einige Aspekte gegeben hat, die ich persönlich nicht ganz rund fand. Aber alles schön Step by Step:

Das Cover ist in meinen Augen sehr ansprechend. Die Farbabstufung ist eine nette Idee und macht optisch echt was her. Die kleinen goldenen Details geben dem Gesamtbild das gewisse Etwas. Es ist zweifellos ein hübsches Cover, aber ehrlich gesprochen ist es keines, das für mich sehr aus der Masse heraussticht.

Eine Sache, die mich an diesem Buch wirklich begeistert hat, ist der wunderbare Schreibstil. Erzählt wird im Wechsel aus der Perspektive von Oliver und Chloe, wobei auch immer wieder kleine Rückblenden in ihre gemeinsame Vergangenheit eingeflochten werden. So entsteht beim Lesen ein Gefühl von Abwechslungsreichtum, das der Geschichte echt Pepp verleiht.
Darüber hinaus hat Melanie Harlow einen Weg gefunden so geschickt mit ihren Worten umzugehen, dass ein unwiderstehlicher Sog entsteht, der einen nicht so schnell wieder loslässt. Sie schreibt eingängig, lebendig und sehr bildhaft. In der Kombination war es absolut mitreißend.
Erstmal angefangen mit dem Buch, konnte ich es nie wirklich lange beiseite legen und so ließ es sich super schnell und locker runterlesen.

Das hat mich auch sehr für die kleineren Schwächen in der Handlung entschädigt. Für meinen Geschmack hätte das Buch etwas dynamischer und überraschender ausfallen können. Ab einemem gewissen Punkt war der Verlauf der Geschichte recht vorhersehbar und auch die Spannungsverteilung hätte etwas geschickter sein können. Nach einem vielversprechenden Start plätschert die Geschichte im Mittelteil eher vor sich hin, um zum Schluss eher übereilt abgeschlossen zu werden. Was der Handlung an Spannung jedoch fehlt, macht wie gesagt der Schreibstil größtenteils wett.

Mit den Protagonisten in diesem Roman bin ich nur bedingt warm geworden. Besonders Chloe hat mich ein wenig enttäuscht, da ihre Entwicklung nicht wirklich zu dem Bild gepasst hat, das am Anfang von ihr gezeichnet wird. Man lernt sie als starke, ambitionierte und selbstbewusste Frau kennen. Ihre beruflichen Ziele und Wünsche hat sie klar vor Augen und es wird schnell deutlich, dass sie sehr engagiert daran arbeitet, diese zu verwirklichen. Das hat mir sehr gefallen.
Auch ihre entschlossene Abneigung gegenüber Oliver war sehr glaubhaft dargestellt. Sie wirkte so zielgerichtet, entschieden und skeptisch ihm gegenüber, dass ich dachte, der wird sich ganz ordentlich ins Zeug legen müssen, um ihr Vertrauen wieder zu gewinnen.
Leider ist Chloes Entschlossenheit aber innerhalb weniger Kapitel vollständig verpufft. Sie ist nachgiebig, inkonsequent und schrecklich beeinflussbar in einem Ausmaß, das einfach nicht zu dem passen will, was noch zu Beginn der Geschichte geschrieben wird. Ihr Handeln war für mich schwer nachzuvollziehen und teilweise war ich richtig genervt ob ihrer Naivität und Beeinflussbarkeit. Noch schlimmer war nur, dass sie mit Oliver herumgewitzelt hat, wie beeinflussbar und durchschaubar sie doch sei.
Dieses Verhalten zieht sich durchs Buch wie ein roter Faden und hat die Protagonistin nach meinem Empfinden leider in kein gutes Licht gerückt.

Oliver auf der anderen Seite fand ich rückblickend ein wenig sympathsicher, wenn auch nicht weniger schwierig als Charakter. Mir hat gefallen, dass er zumindest bemüht war, sein eigenes Verhalten zu reflektieren, sein Handeln zu hinterfragen und zu überlegen, was er besser machen kann. Dennoch bleibt auch das größtenteils sehr oberflächlich. Stattdessen leistet er sich direkt den nächsten (eigentlich) unverzeihlichen Fehltritt, als hätte er kein bisschen aus seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt. Trotz seiner annähernd 30 Jahre verhät er sich wie ein Impulsgesteuerter Teenager, dem noch dazu alles zu leicht gemacht wird.
Ich wünschte die Autorin hätte ihm ein paar mehr Stolpersteine in den Weg gelegt, denn so leistet sich Oliver eine Katastrophe nach der Nächsten ohne wirklich je Konsequenzen zu spüren. Seinem Charakter hätte es sicherlich nicht geschadet, sich etwas mehr ins Zeug legen zu müssen.

Oliver und Chloe zusammen toll zu finden war angesichts dieser Punkte nicht einfach. Man wünscht sich permanent sie wäre konsequenter und er aufrichtiger und erwachsener.
Ich denke ihre Dynamik hätte mir ein wenig mehr zugesagt, wenn sie sich auf emotionalere Art mit dem jeweils anderen auseinandergesetzt hätten. Ihre Beziehung lebt aber überwiegend durch Körperlichkeiten.
Überhaupt finden sich in der zweiten Hälfte des Buches viele explizite Szenen zwischen Oliver und Chloe. Prinzipiell gehört das auch zum Genre dazu, so auch hier. Aber am Ende liefern diese Szenen (finde ich) keinen wirklichen Mehrwert für die Geschichte, daher wird es in meinen Augen etwas problematisch, wenn sie anfangen die Handlung zu überschatten.
Und in diesem eher kurzen Buch, nehmen gerade diese Szenen doch sehr viel Raum ein, die eventuell besser in die Charakterentwicklung oder Handlung investiert gewesen wären.

Unterm Strich hat mich "Only Us - Unvergesslich" nicht so vom Hocker gehauen, aaaber aller Kritik zum Trotz war es dennoch gut zu Lesen. Man kann gut in der Geschichte abtauchen, die Handlung plätschert so vor sich hin und der Unterhaltungsfaktor ist auch da.
Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass dieser Roman für mich nichts Besonderes war. Dafür waren mir die Charaktere zu schwierig und die Handlung zu flach. Richtig Enemies-to-Lovers war es leider auch nicht.
Es mag also etwas an Substanz fehlen, aber für Nebenher ist es eine super Lektüre, die man aufschlagen, genießen, zum Schluss aber auch weglegen kann, ohne ihr groß nachzuhängen. Wer also gerne wieder einen kurzweiligen, romantischen und prickelnden Roman zum Abschalten sucht, wird hiermit sicher nichts falsch machen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
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  • Gefühl
Veröffentlicht am 16.07.2021

Auf Spurensuche in Frankreich

Das Erbe von Lorraine
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In dem leichten Sommerroman "Das Erbe von Lorraine" geht es um die lebensfrohe Isabelle. Verlassen vom langjährigen Freund und nachdem die Bank ihre Kreditzusage für das geplante, eigene Café aus heiterem ...

In dem leichten Sommerroman "Das Erbe von Lorraine" geht es um die lebensfrohe Isabelle. Verlassen vom langjährigen Freund und nachdem die Bank ihre Kreditzusage für das geplante, eigene Café aus heiterem Himmel zurückzieht, steht die junge Frau vor einem Scherbenhaufen.
Doch ihr Blatt soll ich ebenso unerwartet wieder wenden, als ein mysteriöser Brief aus Frankreich sie erreicht. Eigentlich richtet sich dieser an ihre Mutter Mathilde und ordert sie in einer dringenden Familienangelegenheit nach Frankreich - dabei hat Mathilde dort gar keine Verwandschaft.
Da ein Tapetenwechsel aber genau das richtige für Isabelle zu sein scheint, macht sie sich kurzerhand mit der Vollmacht ihrer kranken Mutter auf den Weg nach Lothringen, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Die Reise führt sie nicht nur auf die Spur eines lange gehüteten Familiengeheimnisses, sie begegnet dort auch einer unerwarteten Liebe...

Der Schreibstil von Autorin Jana Engels ist locker-leicht und flüssig, sodass man sich schnell in den Seiten ihrer Geschichte verlieren kann. Besonders die Beschreibungen der Umgebung fallen facettenreich und bildhaft aus und erlauben dem Leser, sich in die Sommerhitze Frankreichs wegzudenken.

Die Charaktere sind nahbar und authentisch und es fällt leicht, sie gern zu haben. Besonders Isabelle ist mit ihrer Art ungemein sympathisch. Da wir die Handlung aus ihrer Perspektive heraus erleben, sind es besonders ihre Gedanken und Gefühle, die vorrangig beschrieben werden.
Die Nebencharaktere waren mir ebenfalls im Großteil sympathisch, hier hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Authentizität gewünscht. Die allermeisten treten nur selten auf und wenn, dann nur um "eine ihnen zugedachte Aufgabe zu erfüllen", die die Geschichte etwas vorantreiben soll. Obwohl sie durchaus ihren Anteil an der Handlung haben, wirkten Figuren wie Mathilde oder selbst der Anwalt Antoine auf mich mehr, als seien sie etwas farblose Statisten mit mehr oder eben weniger Redeanteil.

Handlungs-technisch hat mich die Geschichte auch abholen können. Die Idee war gut konzipiert und umgesetzt und als Leserin war ich sehr interessiert daran herauszufinden, was nun dieses Titel-gebende Geheimnis eigentlich ist. Spannungstechnisch hatte das Buch für mich dann wieder Höhen und Tiefen. Mir persönlich hätte ein etwas ausgewogenerer Spannungsbogen mehr zugesagt. Etwa bis zur Hälfte des Buches erhält man nur ausgesprochen wenige Hinweise und vage Andeutungen, die zur Lösung des Rätsels beitragen, sodass es mit der Handlung gefühlt nur langsam voran geht. Die große Auflösung folgt dann Knall auf Fall und so plätschert das letzte Drittel der Geschichte eher mäßig spannungsvoll vor sich hin. Beziehungsherausforderungen und Zukunftsängste der Protagonistin haben dann aber dafür gesorgt, dass man doch mit Vergnügen bis zum Ende weiter gelesen hat. Die Belohnung erfolgt in Form eines herzerwärmenden und kitschig-süßem Happy End, wie man es sich nach einer solchen Geschichte eben wünscht.

Insgesamt hat mir "Das Erbe von Lorraine" von Jana Engels aber doch wirklich gut gefallen. Es ist das perfekte Buch für den Urlaub oder einfach zum Ausspannen zu Hause, wenn man was zum Faulenzen in der Hitze sucht oder auch nur bisschen Kopfkino-Ferien vom Alltag braucht. Man bekommt eine süße, sehr romantische Liebesgeschichte und kann gleich ein wenig miträtseln, wenn es darum geht, das mysteriöse Familiengeheimnis zu lüften. Mein neues Lieblingsbuch ist es leider nicht geworden, aber die Leseempfehlung ist es allemal wert.

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Veröffentlicht am 30.06.2021

Der Auftakt einer schönen Football-Romance Reihe

Game on - Mein Herz will dich
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Fans von Collegestories und der Sportler-Thematik werden an der Game On- Reihe nur schwer vorbei kommen. Mich haben hauptsächlich die Cover auf die Reihe aufmerksam gemacht, da ich diese wirklich schön ...

Fans von Collegestories und der Sportler-Thematik werden an der Game On- Reihe nur schwer vorbei kommen. Mich haben hauptsächlich die Cover auf die Reihe aufmerksam gemacht, da ich diese wirklich schön gestaltet finde. Schlicht aber ästhetisch. Der Klappentext klingt dazu auch vielversprechend.
Es geht um Anna Jones und Drew Baylor. Anna hat nur ihren möglichst guten College Abschluss im Kopf. Drew ist der Star-Quarterback des Universitätsteams und hat gute Chancen auf die Profi-Liga. Eine ungleiche Kombination und doch fliegen sofort die Funken, als sich die beiden in ihrem Kursraum zufällig über den Weg laufen. Nach einem unvorhergesehenen On-Night-Stand beschließen die beiden Regeln aufzustellen, wie es zwischen ihnen weitergehen soll. Doch genau darin sind sich die beiden uneinig. Anna ist sicher, aus ihnen kann nicht mehr werden, doch Drew ist entschlossen ihre Meinung zu ändern.

Grundsätzlich war der Einstieg in das Buch sehr leicht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Es wird abwechselnd mal aus der Sicht Annas, mal aus der Sicht Drews geschrieben, was mir gut gefallen hat. Mit Anna und Drew hat die Geschichte auch zwei interessante Protagonisten mit Ecken und Kanten.

Leider konnte ich Anna's Beweggründe nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr ganz nachvollziehen. Trotz ihrer nachfühlbaren Unsicherheiten war ihre kategorische Ablehnung einer Beziehung zu Drew nicht schlüssig für meinen Geschmack.

Drew war in seinem Charakter dann doch etwas nahbarer für mich. Er hat einige überraschende Charakterzüge, was wohl mit dem Klischee-Bild der "dummen Sportskanone" aufräumen sollte. Außerdem hat es seine wunderbare Art schwer gemacht, ihn nicht zu mögen, besonders wenn man erfährt, was er in seinem Leben schon alles hat durch machen müssen.
Dann kam er zu Beginn mit einem Image als Frauenheld und Playboy daher, was besonders Anna durch ihre Sicht in den ersten Kapiteln stark bekräftigt. So wirklich passend wollte dieses Bild für mich aber nicht. Und ich meine damit nicht "oh der ist ja gar nicht so ein Frauenheld, wie es nach Außen immer wirkt" sondern irgendwie passen Image und Drews Art null zusammen. Da gab es Leute in Drews Umfeld, auf die diese Beschreibung eher gepasst hätte und die sich gerade auch für Ihre Außenwelt so gegeben haben. Für Drew kann ich das jedoch nicht sagen.

Handlungs-technisch hat mich dieser erste Teil auch nicht komplett abholen können, wobei ich finde, dass 500 Seiten für eine solche Geschichte auch etwas hoch angesetzt sind. Es war viel Auf und Ab zwischen Anna und Drew. Sowas kann in einem Young Adult Roman durchaus spannend sein, hier ist der Funke aber nicht richtig übergesprungen. Zum Ende hin gab es dann eine spannende (wenn auch nicht direkt überraschende) Wendung, die der Geschichte in meinen Augen etwas mehr Tiefgang verleihen konnte.

Obwohl ich ein Paar Kritikpunkte habe, ist Game On - Mein Herz will dich unterm Strich aber ein schönes Buch, das man sehr gut mal zwischendurch oder einfach zum abschalten in die Hand nehmen kann.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Eher verschenktes Potential

Killer Potential
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Hannah Deitch legt mit Killer Potential ein Debüt vor, das mit einem sehr starken Einstieg punktet, im weiteren Verlauf aber spürbar an Spannung und Biss verliert. Das Buch beginnt, wie man es sich bei ...

Hannah Deitch legt mit Killer Potential ein Debüt vor, das mit einem sehr starken Einstieg punktet, im weiteren Verlauf aber spürbar an Spannung und Biss verliert. Das Buch beginnt, wie man es sich bei einem Thriller nur wünschen kann, eine interessante Protagonistin, ein sonderbarer Tatort und viel zu verlieren. Eigentlich hätte es nur eine ganz gewöhnliche Nachhilfestunde werden sollen, so wie jeden Tag, doch auf einmal steht Evie Gordon in dem Beverly Hills Traumhaus ihrer Klienten und ihre Welt ist nicht mehr dieselbe. Jemand hat Mr. Und Mrs. Victor brutal ermordet und ausgerechnet Evie ist als erste am Tatort. Sie will gerade um Hilfe rufen, da entdeckt sie einen weiteren Schrecken im Inneren des Hauses. Eine Frau, eingesperrt, offensichtlich misshandelt, dehydriert und anscheinend so verstört, dass sie kein Wort über die Lippen bringt. Was tut man nun in einer solchen Lage? Doch noch während Evie versucht durch diese unmögliche Situation zu navigieren, wird ihr jede Entscheidung abgenommen, als sich die Ereignisse überschlagen und sie auf einmal gezwungen ist die Flucht zu ergreifen. Plötzlich ist Evie die meistgesuchte Frau im ganzen Land. Von SAT-Tutorin zur Killerin. Das hätte nicht ihre Geschichte sein sollen – doch jetzt ist sie mittendrin.

So stark die Prämisse ist, so enttäuschend war für mich leider das, was am Ende daraus gemacht wurde. Statt einem tempo- und wendungsreichen Thriller entfaltet sich nach dem aufregenden Einstieg ein eher zähflüssiger Roadtrip, der nur vereinzelte Spannungsspitzen zu bieten hatte. Die Handlung plätschert überwiegend vor sich hin, ohne wirklich viel zu bieten oder auch nur neue Impulse für eine Entwicklung zu setzen. Größtenteils verliert sie sich in den immergleichen Abläufen aus Tanken, Autofahren und dem obligatorischen Halt bei McDonalds oder Starbucks. Ermittlungen finden im Grunde gar keine statt. Die Polizei agiert furchtbar klischeehaft, überzogen und ineffektiv. Man hat sich auf Evie als erstbeste Täterin eingeschossen und auf einmal wird daraus eine landesweite Hexenjagd. Aus dramaturgischen Gründen kann ich das verstehen, aber mir fehlte ein vernünftiges Gegengewicht zu dieser überzogenen Fahndung. Irgendwelche neuen Erkenntnisse, DNA Spuren (das Haus müsste voll davon sein) oder Befragungen im Umfeld der Victors. Stattdessen sucht das ganze Land nach wenigen Stunden nach Evie Gordon und niemand interessiert sich für irgendwelche Fakten. Es besteht auch kein wirkliches Interesse an ihrer Begleitung. Der Polizei gelingt es nicht einmal selbst deren Namen zu ermitteln. Natürlich muss man berücksichtigen, dass alles aus Evies Perspektive geschildert wird und so beim Leser ankommt, wie sie es wahrnimmt, aber mir hat dahingehend einfach was gefehlt. Auch Evie selbst, angeblich hochintelligent, liefert kaum neue Erkenntnisse. Sie setzt sich im Großen und Ganzen kaum mit dem Fall auseinander. Sie entwickelt mit der Zeit eine Theorie über den Mord an den Victors und ist fest davon überzeugt, dass das die einzig richtige Antwort auf alle Fragen sein kann, dabei ist diese so absurd, dass ich als Leserin nur die Augen darüber verdrehen konnte.

Mit den Defiziten in der Handlung hatte ich darauf gehofft, dass die Protagonistinnen das Ruder nochmal herumreißen könnten, aber auch hier ist der Funke für mich nicht übergesprungen. Anfangs fand ich Evie sehr interessant. Ich mag ambivalente Figuren, besonders solche, die nicht typischerweise gut oder auf Anhieb symphytisch sind. Allerdings ist es ein Balanceakt die Figur nicht zu sehr ins unsympathische abrutschen zu lassen. Mit Evie war das leider so für mich. Manche Aspekte ihrer Persönlichkeit waren gut ausgestaltet und nachvollziehbar, aber insgesamt wirkt sie wie ein klassisches „Mean-Girl“, das sich selbst überschätzt. Der einzige Grund sie noch anzufeuern war ihre Unschuld bei dem ganzen Schlamassel, aber selbst das war irgendwann nicht mehr möglich.

Auch die Romanze zwischen ihr und ihrer Begleiterin hat mich nicht abholen können. Die Autorin hat auf eine Bonnie und Clyde Dynamik abgezielt, aber als Bonnie und Bonnie Variante, was ich als Idee sehr cool finde, hier aber einfach nicht gefühlt habe. Evie und ihre Begleiterin wechseln für die Hälfte des Buches kaum ein Wort miteinander, jede Interaktion ist überschattet von der Flucht, bis von jetzt auf gleich die Stimmung zwischen ihnen zu etwas Romantischem umschlägt. Dabei kennt Evie – und auch der Leser – die Andere nicht wirklich. Man lernt erstmal nur das Bild kennen, dass Evie sich von ihr ausgemalt und zusammengereimt hat. Eine merkwürdige Basis für eine „wir gegen den Rest der Welt“-Romanze.

Als Pluspunkt zum Schluss, kann ich immerhin den Schreibstil hervorheben. Das Buch ließ sich recht gut lesen, angenehm und flüssig. Auch das Coverdesign gefällt mir richtig gut, das will ich nicht unerwähnt lassen. Über die inhaltlichen Schwächen tröstet das aber nur teilweise hinweg. Insgesamt hat mich das Buch als Thriller nicht so richtig überzeugt. Trotz der wirklich spannenden Idee ließ die Umsetzung für mich zu wünschen übrig. Deshalb bekommt Killer Potential von mir 2 bis 2.5 Sterne.