Bei diesem Buch ist mir das minimalistische Cover ins Auge gesprungen. Es erinnert mich an das Titelbild einer Citypop-Playlist und ich mag es sehr. Leider ist das Buch eine geradlinige Geschichte ohne ...
Bei diesem Buch ist mir das minimalistische Cover ins Auge gesprungen. Es erinnert mich an das Titelbild einer Citypop-Playlist und ich mag es sehr. Leider ist das Buch eine geradlinige Geschichte ohne Spannung mit einem schwierigen Schreibstil.
Rezi enthält Spoiler.
Worum geht es?
Anwaltsassistentin Lydia wird eines Abends von ihrer Chefin Cecile geküsst. Es entspinnt sich eines Liebesgeschichte, in der Kompetenzen und Zweifel eine Rolle spielen.
Wie hat mir das Buch gefallen.
Ich war mit dem Text leider gar nicht glücklich.
Das erste große Manko ist die Spannung: Auf ca 200 Seiten passiert wenig, nach 2/3 habe ich mich gefragt, wann die Handlung losgeht. Natürlich fragt man sich, ob die Figuren zusammen kommen, aber Hindernisse gibt es fast keine. Aber vielleicht sollte der Text eher die Liebe celebrieren?
Außerdem sind die Figuren sehr eindimensional. Cecile ist die kühle Anwältin, die in bisschen auftaut, Lydia die unterwürfige Assistentin, die denkt, dass sie alles falsch macht, aber zufällig alles richtig macht. Lydia wird nie wirklich kritisiert, wenn sie etwas falsch macht, Celines Macht ist eine Nebelkerze. Celine hat eine kranke Tante und begibt sich auf eine Selbstfindungs-Tripp, doch selbst das knallt nur sehr leise. Auch Lydias Freundinnen bringen nur wenig Abwechslung, genauso wie Kollegin Scarlett.
Das zweite große Manko ist der Schreibstil. Den Schweizer Einschlag merkt man durch Worte und Grammatik, hat mich aber nicht gestört. Es ist die personale Erzählweise, die hier sehr distanziert wirkt. Die Erzählerin lässt uns nicht fühlen, sie beschreibt eher, z.B. bei 21 % "Lydia nimmt Notiz davon, wie Celine mit dem Papieruntersatz ihres Weissweines spielt." oder bei 50 % "In Lydias Bauch löst es einen Schwarm Schmetterlinge aus." Das macht den Lesefluss zunichte und auch jegliche Erotik. Die Liebesszenen werden nicht zu explizit, was vielen Leser:innen gefällt, aber durch den Stil gehen Gefühl und Anziehung verloren. Dass die Autorin durchaus einen Sinn für Humor hat, zeigt sich, in der gleichen Szene an der Bemerkung "Die Finger duellieren sich zärtlich". Auch Scarletts Katze, die eine neue Allergie entwickelt hat, zeigt von einem Talent zur Komik, von der ich gern mehr gesehen hätte. Lyrische Qualitäten zeigen sich bei 41 %, als über Ceciles Augen gesagt wird "Ceciles Augen sind dunkel. DAs sind sie immer, doch heute Nacht mehr. // Mehr dunkel. // Meerdunkel"
Es gibt im Buch 16 Einschübe mit Klammern - das hat den FLuss durchbrochen, ohne, dass es künstlerisch einen Sinn hatte. An drei Stellen wird mit Doppelpunkten gegendert, allerdings nicht durchgängig - die Kolleg:innen sind da, aber bei den Kanzleimitgliedern wird das generische Maskulinum verwendet, obwohl in der Kanzlei Männer und Frauen arbeiten. Vielleicht habe ich die Regel dahinter aber nicht ganz verstanden.
Fazit
Ich beglückwünsche die Autorin zu ihrem Debut (?) und wertschätze die Arbeit dahinter. Aber für mich war der Text langweilig, der Stil anstrengend und die Figuren flach. Ich erkenne aber Potential und bin gespannt, was noch kommt.
Die Grundkonstellation Hotelerbin-Betrüger-Fakeboyfriend hörte sich bekannt, aber interessant an. Leider kommt der "Betrüger" Memphis kaum zur Geltung, stattdessen beschäftigt sich das Buch gefühlt zu ...
Die Grundkonstellation Hotelerbin-Betrüger-Fakeboyfriend hörte sich bekannt, aber interessant an. Leider kommt der "Betrüger" Memphis kaum zur Geltung, stattdessen beschäftigt sich das Buch gefühlt zu 90 % mit der Protagonistin und ihrem Vaterkomplex - oberflächlich.
Interessant ist, dass der Arbeitstitel für das Buch "CinderellER" war - was wesentlich interessanter und prägnanter als der englische (!) austauschbare Titel gewesen wäre. Geht es bei Lügen nicht immer um die Wahrheit dahinter? Und was hat das mit einem Hotel zu tun?
Rezi enthält Spoiler!
Worum geht es?
Noelle hat ein Problem: Ihr Vater hätte lieber einen männlichen Erben gehabt und gibt ihr ständig das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Vor der finalen Präsentation von Boyfriend Daniel erwischt sie diesen in flagranti mit einer Kellnerin. Um vor ihrem Vater gut dazustehen, engagiert sie Memphis, doch der gibt ihr mehr, als sie gedacht hat.
Die Figuren
Noelle hat ein Talent für's Zeichnen, was an einer Stelle sehr gut ausgeführt wird. Ansonsten ein Sinn für Gerechtigkeit und einen Hang das nicht richtig ausdrücken zu können. Außerdem hat sie, ausgelöst durch den psychischen Druck, ein problematisches Essverhalten: Bei Stress isst sie fast nicht. Ich dachte an eine Anorexie, aber da sie am Ende des Buches normal und mit Freude ist, war das wohl eher psychosomatisch.
Memphis hat ein Problem mit seiner Familie und arbeitet in einem Restaurant. Nebenbei verdingt er sich, mehr oder weniger erfolgreich, als Trickbetrüger. Davon sieht man aber wenig. Er ist charmant, fühlt sich aber seinem Bruder unterlegen, was er entweder mit Verdrängung oder Überlegenheit überspielt. Memphis glaubt daran, dass man das Leben annehmen muss und aus jeder Situation rauskommt. Das hilft Noelle.
Wir haben hier wieder die Prinzessin und den edlen Ritter mit Ecken und Kanten. Daher müssen die Figuren nicht tief sein.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Wenig. Noelles Leiden tat weh, aber der Konflikt mit dem Vater bleibt eindimensional. Die anderen Familienmitglieder werden nicht eingebunden. Zu Cousine (?) Sadie hat sie ein gutes Verhältnis, wird von ihr aber nie wirklich unterstützt.
Ein weitere Konflikt angerissen wird, als der Vater im Verdacht steht, eine Mitarbeiterin unrechtmäßig entlassen zu haben. Auch hier wird das Problem einmal angedeutet, danach ist es erledigt. Das passt zu Noelles Passivität, aber es gibt dem Buch nur wenig.
Eine weitere Nebelkerze wird gelegt, als an einer Stelle Ohrringe verschwinden und Memphis im Verdacht steht, sie gestohlen zu haben. Natürlich wird der "Täter" ein paar Seiten später überführt.
Memphis' Problem mit Mutter und Bruder gibt dem Buch Spannung, wird aber nur halb aufgelöst. Wir erleben eine Konfrontation der Brüder, aber Memphis bewältigt seine Vorbehalte und Ängste nicht.
Was mich im Buch extrem gestört hat, war das Selbstmitleid Noelles. Bis 80 % weint und klagt sie und gibt sich für alles die Schuld. Danach kommt es zum ersten Höhepunkt, später eine retardierendes Moment und schließich das Finale. Immerhin funktioniert die Konstellation.
Eine erotische Szene gibt es, es bleibt aber bei Andeutungen und inmitten von Noells Selbstkritik verblasst sie ohnehin.
Auch der Schreibstil ist "normal", die Wortwahl nicht besonders, irgendwie plätschert alles einfach dahin.
Fazit
Liest man die Dankesagung, hätte aus einer interessanten Szene sehr viel werden können. Das, was ich gelesen habe, war es nicht. Die Figuren sind eindimensional, mögliche Tiefe wird im Keim erstickt. Die Handlung hat wenig Dramatik. Emotional hat es mich etwas gepackt, aber als sich der Konflikt totlief, wollte ich es nur noch beenden. Es war nicht schlecht, aber definitiv nicht gut.
Ich wollte etwas Leichtes für zwischendurch haben und da Geschichten über queere Frauen immer noch zu selten im Mainstream sind, habe ich mich das Buch gelesen.
Rezi enthält Spoiler
Worum geht es?
Die ...
Ich wollte etwas Leichtes für zwischendurch haben und da Geschichten über queere Frauen immer noch zu selten im Mainstream sind, habe ich mich das Buch gelesen.
Rezi enthält Spoiler
Worum geht es?
Die Anthologie zeigt neun Geschichten mit überwiegend lesbischen Frauen. Die Umgebungen variieren dabei - manche Akten finden im Büro statt, anderen wirken wie ein Märchen. Gemein sind ihnen jedoch die Techniken und der Mangel an einer kreativen Umsetzung.
Meine Meinung
Alle Texte sind gut geschrieben und lassen sich gut lesen. Die Sprache wirkte nicht hölzern, sondern fließend. Leider empfinde ich die Texte nicht als "magisch".
Das liegt an mehreren Faktoren. Fast alle Geschichten finden in monogamen Beziehungen statt bzw. zwischen Figuren, die sich ohnehin wollen. Lediglich ein Text zeichnet den Weg von Ablehnung zum Akt, ein anderer spielt zwischen einander unbekannten Figuren. Sie alle zeichnen deutliches Begehren, das erfüllt wird. Wirkliche Konflikte finden selten statt. Die Charakterzeichnungen sind vage, weil sie von Schwärmereien überlagert werden. Nur ein Akt findet im Rahmen ein polyamoren Konstellation statt. Außerdem fällt auf, dass die Ich-Erzählerinnen eher Genuss empfinden, wenn sie passiv sind. Dominante Erzählerinnen finden sich nicht.
Immerhin unterscheiden sich die Körperformen - es gibt sowohl feminine als auch androgyne Figuren, auch in Hautfarbe und Alter unterscheiden sie sich; die Altersdifferenz kommt sogar in mehreren Texten vor. Eine Figur leidet unter einer chronischen Krankheit und ich finde es wichtig, dass man darüber redet. Aber trotz mehrfacher Erwähnen hat die Krankheit keine Auswirkung auf die Handlung.
Auch die Techniken sind ähnlich, ungewöhnliche erogene Zonnen gibt es nur in wenigen Texten; in zwei Fällen wird immerhin ein Strap-On benutzt. Der Hintern findet kaum statt, Anales wird nicht bedient. Irgendwann war ich der gerollten Brustwarzen, den Zungen und Vaginen leid. Es gibt Autor:innen, die deutlicher schreiben oder solche, die gern sprachlich verhüllen. Hier wirkte alles gleich explizit und stilistisch nicht variantenreich.
An spritzigen Dialogen fehlt es auch, was wirklich schade ist.
Manche Texte haben immerhin interessanten Umgebungen z.B. eine Reporterin auf einer Promi-Party oder eine Frau, die der Regengöttin zur Frau gegeben wird. Aber auch hier endet der Spaß spätestens nach der Hälfte, wenn klar ist, wie sehr sich die Figurn haben wollen.
Fazit
Für mich war's leider eine herbe Enttäuschung. Manche Texte bleiben mir im Gedächtnis. Und Kurzgeschichten lassen selten Raum für Charaktertiefe und künstlerische Schnörkel. Aber mein Eindruck ist, dass die Anthologie zu sehr versucht hat, massenkompatible zu sein. Die Texte sind meistens vorhersehbar und trotz unterschiedlicher Umgebungen klingen sie gleich. Als Vorspiel mit dem Partner nett, aber für mich ein Flop.
Ich habe das Buch angefordert, weil das Thema von immer mehr Buchblogger:innen aufgegriffen wird und ich wissen wollte, was dahinter steht. Ich hätte den Text gern gemocht, nur, weil er darauf aufmerksam ...
Ich habe das Buch angefordert, weil das Thema von immer mehr Buchblogger:innen aufgegriffen wird und ich wissen wollte, was dahinter steht. Ich hätte den Text gern gemocht, nur, weil er darauf aufmerksam macht. Aber leider hat das Buch für mich zuwenige Aspekte abgedeckt und zuviel wiederholt.
Worum geht es?
Es geht um Literatur von Frauen, die man idealerweise nichtmehr Frauen-Literatur nennt, sondern als Teil der (eher von Männern dominierten) Literatur anerkennt. Die Autorin zeigt auf, wie Frauen seit Jahrhunderten nicht wahrgenommen werden und wie der heutige Literaturbetrieb aussieht.
Was fand ich gut?
Mir hat gefallen, dass mich der Text sensibilisiert hat. Genauer hinzugucken, wie Bücher von Frauen geschrieben und wie sie rezensiert werden. Dass z.B. Literaturpreise so niedrig dotiert sind, dass sich Eltern bzw. Frauen davon keine Kinderbetreuung leisten können. Ich fand total interessant, dass Frauen nicht deswegen weniger veröffentlichen, weil sie schlecht schreiben, sondern weil ihnen der Zugang zu Bildung verwehrt wurde, weil sie sich wegen der Arbeit und der Kinder nicht verwirklichen können und dass sie, wenn sie veröffentlichen, auf ihre Optik reduziert werden.
Mich hat das Buch angeregt zu hinterfragen, was der Konsum "männlicher" Lektüre mit mir gemacht hat - ich habe Vorurteile von "typisch weiblichen" und "typisch männlichen" Büchern entwickelt und bin gewöhnt, eher Männer und ihre Perspektive zu lesen.
Es gibt Klischees, derer sich Männer gern bedienen, wenn es um Frauen geht, und die ähnliche Gefühle anders bewerten. Von Frauenfiguren erwartet man, dass sie schwach und leidensfähig sind. Wenn Männer in Büchern leiden, wird das anders dargestellt und ist eher positiv besetzt.
Was fand ich nicht gut?
Der Gegenstand ist eingeschränkt: Die Erzählerin geht, so mein Eindruck, von Literatur aus, die im Kanon stehen sollte bzw. die in großen Verlagen erscheint und im Feuillton besprochen wird. Außerdem sollte diese nach Möglichkeit die Realität von Frauen widerspiegeln. Die Erzählerin sagt das nicht, aber die Beispiele im Buch vermitteln mir das.
Ich fand das so eingeschränkt. Denn Bücher erscheinen heute bei Indie-Verlagen oder im Selfpublishing und dort sind Frauen als Autor:innen erfolgreich. Sie werden rezensiert und wertgeschätzt, sie haben eine große Fangemeinde. Ich habe mich gefragt, warum Literatur nur etwas wert ist, wenn sie in etablierten Medien besprochen wird.
Dass auch Männer benachteiligt werden, wenn sie z.B. Liebesromane schreiben, weil ihnen keiner zutraut, dass sie über Gefühle schreiben können, ist nur ein Nebenschauplatz.
Was "typisch weibliches" Schreiben ist, kann auch die Autorin nicht erklären. Es gibt Themen, bei denen sie mehr Wissen haben oder die sie anders wahrnehmen. Dennoch würde ich niemals ein Buch von einem Autor, einer Autorin oder einer nicht-binären Person erkennen. Weil Schreiben nicht nur etwas mit Erleben, sondern auch Handwerk zu tun hat. Und einem Zugang zu sich selbst.
Was mich gestört hat, ist, dass die Autorin Beispiele nennt, in denen z.B. Bücher von Frauen negativ besprochen werden - aber kein Pendant eines männlichen Autors aufzeigt. Der Erzählstimme an diesen Stellen zu vertrauen, das fiel mir schwer, weil ich das so einseitig fand.
Mir fehlten im Buch sehr viele Beispiele. Besonders an Zitaten mangelt es ein bisschen. Es gibt einige Fußnoten, aber mir fehlte ein klares Bild.
Ich hatte das Gefühl, dass sich das Buch nach 20 % ständig wiederholt hat, bis uns die Erzählerin am Ende einen Einblick in den Literaturbetrieb gibt.
Außerdem fand ich die Sprache im Buch eher akademisch, unnötig komplex und nicht einfach zu lesen.
Fazit
Der Text kann ein Einstieg ins Thema sein, lässt aber zu viele Leerstellen. Anfang und Ende geben neue Impulse, der Mittelteil war nicht gut greifbar.
Ich habe dieses Buch über Netgalley angefordert, weil mich der Klappentext geködert hat. Ich dachte an eine Frau, die sich durch die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit weiterentwickelt, an die ...
Ich habe dieses Buch über Netgalley angefordert, weil mich der Klappentext geködert hat. Ich dachte an eine Frau, die sich durch die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit weiterentwickelt, an die Spannung, die aus den Tagebucheinträgen und der Realität entsteht. Ich hatte ein unterhaltsames, romantisches Buch mit guten erotischen Szenen erwartet. Mysteriös verspricht das Buch im Vorwort, man sollte es aufgrund der obszönen Darstellung sexueller Inhalte von Minderjährigen verstecken. "Obszön" ist an diesem Buch das ständige Selbstmitleid der Ich-Erzählerin und ihr Bedürfnis, ihre tolle Jugend, die gar nicht toll war, hinaufzubeschwören. "verstecken" sollte man das Buch vor jüngeren Lesern, weil es zeigt, dass nach 9 Jahren großer Liebe nur noch Frust steht und die Angst, das offen anzusprechen. Selten hat mich ein Buch so enttäuscht.
Vielleicht ist das Buch eine Parodie, die ich nicht verstanden habe.
Rezi enthält Spoiler.
Cover und Titel
Das deutsche Cover verkauft uns vier Männer - überwiegend handelt das Buch jedoch von Brooks Mann Ken, seltener von den drei festen Beziehungen vor ihm. Außerdem ist die Geschichte nicht so bunt und witzig, wie es das Cover verheißt. Ich mag die geometrische Gestaltung, ich mag die Farben, es ist ein wunderschönes Titelbild - für das Buch jedoch die pure Verschwendung. Eine Frau auf einer Bank in Pastellblau mit ein paar Glanzeffekten hätte es auch gebracht.
Allerdings finde ich den deutschen Titel "Sex/Life" passender als "44 Chapters About 4 Men" - denn es geht um Sex und die Frage, welche Auswirkungen er auf das Wohlbefinden hat.
Worum geht es?
BB hat ein Problem - ihr Mann ist ein toller Freund, als Liebhaber aber körperlich und emotional nicht brauchbar. Die Akte sind schlecht, Komplimente bekommt sie keine und auch sonst wirkt Ken eher passiv. Aus Frust beginnt BB Tagebuch über ihre Verflossenen zu schreiben - und als sie mitbekommt, dass er das liest, erschafft sie zwei Bücher - eines mit ehrlichen Schilderungen, das andere mit geschönten Beschreibungen, um ihren Mann zu besseren Akten zu animieren bzw. zu manipulieren.
Brooke
BB ist das Einzelkind zweier Hippies, die gern rauchend dasitzen. Viel mehr erfährt man nicht. An einigen Stellen wird erwähnt, dass sie gern fotografiert und malt, aber auch über sie erfährt man wenig. Sie hatte früher wenig Busen und hat sich beide Warzen piercen lassen, sowie ein paar andere Stellen. Als Teenager war sie ein Punk, mit schweren Stiefeln, kurzen bunten Haaren. Sie hat mit vielen Männern geschlafen und hat vieles ausprobiert, es gibt aber manches, was sie noch tun will z.B. am Strand oder im Flugzeug. Vielleicht wollte Brooke laut sein, um von ihren Eltern gehört zu werden? Als Erwachsene scheint ihr diese lebhafte Zeit noch sehr wichtig zu sein.
Brook hat eine beste Freundin, die aber wenig zur Handlung beiträgt.
Die drei Männer
Knight ist ein unnahbarer Rebell, der Brooke mag. Er ist spontan und leidenschaftlich, stalkt sie aber, als sie sich trennen - wie genau, das bleibt vage.
Hartley ist in jedem Sinne hässlich - seine Zähne sind nicht schön, er ist nicht intelligent und hat komische Tattoos. Bei Hartley driften Realität und Geschöntes am weitesten auseinander.
Hans ist Gitarrist in einer Band und genießt das Rock'n Roll-Leben. Man weiß nicht, ob er nicht mitbekommt, dass ihn Frauen anbaggern oder ob er Brooke nur gut anlügen kann. Er ist ein netter Kerl und mit ihm zieht Brooke sogar zusammen. Neben der Eifersucht scheitert die Beziehung aber daran, dass Hans nichts zum gemeinsamen Leben beiträgt.
Allen gemein ist, dass sie gefallene Jungs sind, die das Image des wilden, unangepassten Mannes haben. Brooke fühlt sich zu solchen Männern hingezogen. Ich vermute, dass sie jemanden sucht, zu dem sie aufblicken kann. Ich fand sie aber nicht so anziehend.
Ken
Ken ist Buchhalter und hat zwei Seiten. Die eine trägt Schwarz und darin wirkt er autoritär. In diese Seite hat sich Brooke verliebt. Die meiste Zeit ist er aber der schicke Typ im Hemd, der ruhig und ausgeglichen, ziemlich beherrscht wirkt. Und er mag Schmerzen. Ken überlässt Brooke die meisten Entscheidungen, durchdenkt Aufgaben aber gut. Brooke kann mit ihm lachen und sie mögen ähnliche Musik. Als Freund wäre er super, als Mann weniger.
Ich denke, dass sich Brooke in ihn verliebt hat, weil sie die "dunkle" Seite in ihm sieht und weil sie etwas Solides wollte - jemand, der Probleme löst, anstatt sie zu verursachen. Jemanden, an den sie Verantwortung abgeben kann.
Der Konflikt
Anfangs hat Brooke Kens Fähigkeiten noch wohlwollend betrachtet - dass er schüchtern ist, dass er andere Erfahrungen gemacht hat. Und sie hat das als Herausforderung gesehen. Mittlerweile leidet sie jedoch darunter. Obwohl selbst Psychologin, kann Brooke ihre Wünsche kaum kommunizieren. Ich habe mich lange gefragt, warum Brooke ihrer Vergangenheit nachtrauert und warum die Geschichten bei Ken so gut wirken. Ich denke, dass es um Spontanität geht, um eine Pause vom Alltag. Und dass die Geschichten völlig unromantisch sind, aber klar zeigen, was Brooke möchte.
Der Konflikt löst sich schließlich auf zwei Arten: Ken wird zum Super-Lover, der sie spontan im ganzen Haus beglückt - was für mich nicht nachvollziehbar war. Brooke vermutet dahinter eine Trotzreaktion und ich vermute, dass sie nicht lange anhalten würde, weil das zentrale Problem nicht gelöst ist. Brooke versucht das anszusprechen, aber es scheint nur oberflächlich anzukommen. Und die Figur setzt ihre Ansprüche herab, weil sie merkt, dass all die Akte, die in ihrer Fantasie so schön sind, real nicht so gut wirken.
Es gibt viele Möglichkeiten, an körperlichen und emotionalen Konflikten zu arbeiten - eine Affäre, Selbstliebe usw. All diese Möglichkeiten schöpft das Buch nicht aus. Es gibt sich mit einer eher konservativen, romantischen Lösung zufrieden.
Schreibstil und Gestaltung
Ich habe viele Absätze des Buches überflogen, weil Brooke ständig betonte, wie aufregend ihr Leben als Punk war - ich fand das öde und monoton.
Außerdem gibt es am Anfang ein Glossar, weil die Figur eigene Begriffe kreiert hat - die oft nur einmal verwendet werden. Ich fand sie witzig, aber es hätte keines Glossars bedürft. Ähnlich wie der Disclaimer am Anfang soll damit die Spannung gesteigert werden, was ich als Mogelpackung empfand.
Ich fand die Erotik nicht romantisch, nicht schön, sondern nur bitter. Ein bisschen explizit wird es, aber der pseudo-freche Stil der Figur macht die Stimmung kaputt.
Man kann den Schreibstil witzig finden, mich erinnerte er aber an eine 16-Jährige, die ihren Freundinnen in aller Ausführlichkeit und Übertreibung schildert, wie toll alles war.
Was ich gut fand: Den Moment, in dem im Akt Muttermilch aus ihrer Brust spritzt - damit können sich sicher einige Mütter identifizieren.