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Veröffentlicht am 08.05.2022

Spannender komplexer Krimi mit binationalem Ermittler-Duo

Gezeitenmord
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Ein Toter wird im Watt auf der Grenzlinie zwischen Dänemark und Deutschland gefunden und so wird ein dänisch-deutsches Ermittler-Duo gebildet. Der 11-jährige Junge, der den Toten gefunden hat, wird darüber ...

Ein Toter wird im Watt auf der Grenzlinie zwischen Dänemark und Deutschland gefunden und so wird ein dänisch-deutsches Ermittler-Duo gebildet. Der 11-jährige Junge, der den Toten gefunden hat, wird darüber hinaus vermisst, wodurch Spannung und Zeitdruck noch zunehmen.
Die beiden ungleichen Ermittler, Lykke Teit von der Kopenhagener Polizei, und Rudi Lehmann von der deutschen Behörde in Flensburg, verstehen sich auf Anhieb und bilden schnell ein sympathisches Team, das harmonisch und vertrauensvoll miteinander ermittelt. Beide Charaktere sind authentisch gezeichnet, wobei mir bei Rudi besonders der selbstironische Humor gefällt, und beide haben im privaten Bereich ihr Päckchen zu tragen. Andere Figuren sind eher klischeehaft dargestellt, hier habe ich mehr Tiefe vermisst. Gewundert hat mich, wie offen Teit und Lehmann mit den Menschen sprechen, die sie vernehmen. Sie geben immer Auskunft und verweigern keine Antwort. Das kommt mir nicht wirklich realistisch vor.

Der Fall wird immer komplexer und die Ermittlungen bleiben durchgehend spannend, wobei auch grausame Details nicht ausgespart werden. Bis auf einen Aspekt hat der Leser immer den gleichen Kenntnisstand wie Teit und Lehmann und kann miträtseln und eigene Schlüsse ziehen.

Sehr bildhaft und atmosphärisch dicht beschreibt der Autor auch Landschaft, Natur, Wind und Wetter in dem süddänischen Küstengebiet an der Nordsee.
Der Schreibstil ist flüssig, lebendig und angenehm zu lesen. Auch das düstere Cover ist passend für den Krimi und deutet auch das Grenzüberschreitende optisch an.

Ich kann „Gezeitenmord“ jedem Krimileser empfehlen, der nicht von Beschreibungen von Grausamkeit gegenüber Kindern abgeschreckt wird und ein neues, sympathisches deutsch-dänisches Ermittlerduo kennenlernen will.

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Veröffentlicht am 31.03.2022

Skurril-witziger Katzenkrimi

Miez Marple und die Kralle des Bösen
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Die ehemalige Katzendetektivin Miez Marple muss ihr bequemes Leben als dichtende Wohnungskatze aufgeben, um ihren Freund Kater Watson zu entlasten, der als Mordverdächtiger inhaftiert worden ist, nachdem ...

Die ehemalige Katzendetektivin Miez Marple muss ihr bequemes Leben als dichtende Wohnungskatze aufgeben, um ihren Freund Kater Watson zu entlasten, der als Mordverdächtiger inhaftiert worden ist, nachdem er Ermittlungen zu haarsträubenden Verbrechen angestellt hatte. Miez Marple macht sich an die Arbeit und trifft auf altbekannte Artgenossen und lernt neue Freunde kennen, die ihr zur Seite stehen oder auch nicht.

Schon der allererste Satz des Krimis lässt mich schmunzeln und voller Wortspiele und Anspielungen nimmt der Krimi aus Katzensicht und mit tierischen Protagonisten seinen skurrilen Verlauf. Der lockere, bildhafte Schreibstil trägt zum Lesevergnügen bei, ebenso wie einige witzige Gedichte und Songtexte. Gedanken und Verhalten der Katzen sind glaubwürdig beschrieben, „typisch Katze“ habe ich oft gedacht. Und spannend ist der Krimi auch noch, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wobei gegen Ende das Chaos etwas überwiegt. Fabian Navarro hat eine Idee einfallsreich und sehr unterhaltsam umgesetzt, sein Roman ist mal was anderes für Krimi- und Katzenfans und Freunde absurden Humors.

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Veröffentlicht am 06.02.2022

Was ist die Wahrheit?

Das Loft
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Der prägnante Titel und das grau-rote Cover wecken Neugier und ziehen den Blick auf sich. Damit haben sie ihre Aufgabe erfüllt, denn einen weiteren Zusammenhang zur Geschichte gibt es eigentlich nicht.

Sarah, ...

Der prägnante Titel und das grau-rote Cover wecken Neugier und ziehen den Blick auf sich. Damit haben sie ihre Aufgabe erfüllt, denn einen weiteren Zusammenhang zur Geschichte gibt es eigentlich nicht.

Sarah, Marc und Henning teilen sich seit drei Jahren ein Loft. Sarah und Marc sind ein Paar und Henning ist seit ihrer Jugend Marcs bester Freund. Zwischen Sarah und Henning gibt es von Anfang an Konflikte, die das Zusammenleben immer mehr beeinträchtigen.
Eines Tages ist die Küche voller Blut und Henning verschwunden. Sarah und Marc werden als Hauptverdächtige von der Polizei vernommen, können oder wollen aber beide nicht zur Aufklärung beitragen.

Der Autor spricht den Leser zu Beginn sehr selbstbewusst an und fordert zu konzentriertem Lesen auf, nur so bestehe eine Chance, die Geschichte zu durchschauen. Ein ungewöhnlicher, herausfordernder Auftakt.
Ebenso außergewöhnlich ist der Erzählstil - abwechselnd kommen Sarah und Marc zu Wort, erzählen in Ich-Form von den letzten drei Jahren, schildern manchmal eine Begebenheit leicht voneinander abweichend, sprechen sich auch gegenseitig an und lassen den Leser an ihren Gedanken teilhaben.
Die Kapitel aus Sicht der Ermittlerin Bianca haben einen personalen Erzähler, ihre Taktik ist klar und nachvollziehbar und für mich eine willkommene Abwechslung zu dem Hin und Her in Sarahs und Marcs Kapiteln, bei denen die Spannung im Mittelteil des Buchs etwas nachlässt.

Linus Geschke hat einen klaren, direkten, bildhaften Schreibstil, sehr angenehm zu lesen und auch stimmig bei den verschiedenen Erzählperspektiven.

Je mehr Sarah und Marc von ihren Gedanken und Gefühlen erzählen, desto weniger klar war mir, was nun die Wahrheit ist. Die Beiden wurden mir immer unsympathischer und irgendwann wollte ich mich auch nicht mehr mit ihnen auseinandersetzen, sondern endlich wissen, was wirklich passiert war. Die Auflösung des Krimifalls ist dann eine völlig unerwartete Überraschung und hat mich für die vorausgehende Ungewissheit durchaus entschädigt.

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Veröffentlicht am 29.12.2021

Spannender Reihenauftakt mit viel Action und ein Wiedersehen mit Severin Boesherz

Im Auge des Zebras
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Über Deutschland verteilt, an verschiedenen Orten, werden zeitgleich und von ein und demselben Täter sieben Jugendliche entführt und deren Eltern kurze Zeit später ermordet. Was physikalisch unmöglich ...

Über Deutschland verteilt, an verschiedenen Orten, werden zeitgleich und von ein und demselben Täter sieben Jugendliche entführt und deren Eltern kurze Zeit später ermordet. Was physikalisch unmöglich ist, stellt Kommissarin Olivia Holzmann vom LKA Berlin vor das größte Rätsel ihrer Karriere. Sie riskiert viel mit der Verhaftung eines Verdächtigen und steht dann doch wieder mit leeren Händen da. Widerwillig wendet sie sich schließlich an ihren früheren Kollegen und Mentor Boesherz.

Der Entführer und sein berufliches Umfeld sind früh namentlich bekannt, seine Beweggründe werden erst allmählich klar. Der Thriller bleibt abwechslungsreich durch verschiedene Perspektiven, einen flüssigen Schreibstil und einige Wendungen, die allerdings für den geübten Krimileser teilweise vorhersehbar sind. Trotzdem ist das Buch spannend und vom Hintergrund der zu Grunde liegenden Verbrechen her grauenerregend, es gibt am Schluss keine losen Enden. Und auch das auf dem düsteren Cover abgebildete Zebra spielt eine Rolle.

Was bei Severin Boesherz vielleicht zu viel war, kam mir bei anderen Protagonisten etwas zu kurz: nur Boesherz und seine ungewöhnliche geniale Beobachtungsgabe und seine Fähigkeit, daraus absolut logische Schlüsse zu ziehen, werden ausführlich beschrieben. Das mag daran liegen, dass Boesherz auch dem Autor vertrauter ist. Die beiden bereits 2013 und 2015 erschienenen Severin-Boesherz-Thriller werden im nächsten Jahr neu aufgelegt. Bei den anderen Protagonisten, vor allem Olivia, hätte ich mir eine tiefer gehende Charakterisierung gewünscht. Aber das kann ja in den nächsten Bänden dieser neuen Olivia-Holzmann-Reihe noch kommen.
Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Ich empfehle es Lesern, die sich für ungewöhnliche Ermittler interessieren und sich auch über ein Wiedersehen mit Severin Boesherz freuen.

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Veröffentlicht am 14.11.2021

Unverarbeitete Traumata und ihre Auswirkungen

Das Geheimnis
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Ulla steht kurz vor ihrem 60. Geburtstag und hat ihr Leben lang darunter gelitten, dass ihre Mutter Helga sie als Sechsjährige verlassen und den Kontakt völlig abgebrochen hat, als sie neun war.
Ulla beschließt ...

Ulla steht kurz vor ihrem 60. Geburtstag und hat ihr Leben lang darunter gelitten, dass ihre Mutter Helga sie als Sechsjährige verlassen und den Kontakt völlig abgebrochen hat, als sie neun war.
Ulla beschließt im Corona-Sommer 2020, in dem Häuschen ihrer Mutter am Chiemsee, das sie geerbt hat, Urlaub zu machen und stößt unerwartet auf Kassetten, die Helga 1975 für sie besprochen hat, um sich und ihr Verhalten zu erklären.

Helga erzählt auf den Kassetten von sich ab ihrer Jugend. Nach der Trennung von Mann und Tochter lebt sie als Künstlerin in einer Hippiekommune, malt Bilder, die sich dem Betrachter nicht erschließen und veranstaltet verstörende Performances, von denen es Fotos und Filme gibt.
Sie ist nur mit sich und ihrem Trauma beschäftigt, das sich Ulla nur langsam erschließt. Der Spannungsbogen bleibt erhalten, da Ulla die Kassetten nicht chronologisch hört, sondern so, wie sie sie findet.

Die dritte Protagonistin ist Luise, sie stellt eine Verbindung zwischen 1975 und 2020 dar, da sie Helga kannte. Es bleibt lange unklar, welche Rolle die verbitterte, neidische und auch raffinierte Frau spielt.

Ellen Sandberg hat einen flüssigen, lebendigen Schreibstil, wechselnde Erzählperspektiven und Zeitebenen sorgen für Spannung. Jedem Kapitel ist der Name einer der Protagonistinnen und das Jahr der Handlung vorangestellt. Manche für den Handlungsverlauf eher unwichtige Details sind zu ausführlich beschrieben, was meine Leselust zwischendurch auch mal gedämpft hat. Kritisch möchte ich auch anmerken, dass Ullas aktuelle Lebenssituation mir klischeehaft und nicht wirklich realistisch erscheint.

Die Themen des Romans sind Schuld und die Auswirkung unverarbeiteter Traumata innerhalb einer Familie. Die Autorin lässt Geschichte lebendig werden und das gelingt ihr überzeugend. Die Zeitgeschichte der verschiedenen Jahrzehnte finde ich authentisch wiedergegeben, auch die Charaktere sind psychologisch spannend beschrieben. Alle drei Protagonistinnen kreisen um sich selbst und lassen so keine Nähe zu. Dennoch haben sie und ihre Geschichte mich berührt und auch erschüttert.

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