Profilbild von engineerwife

engineerwife

Lesejury Star
offline

engineerwife ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit engineerwife über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2022

Ein Leben auf der Flucht ...

Dieser weite Weg
0

Der Klappentext zu dem Roman „Dieser weite Weg“ der weltbekannten Autorin Isabel Allende verspricht eine spannende Reise, auf der wir den Arzt Victor Dalmau durch sein Leben begleiten. Es ist unglaublich ...

Der Klappentext zu dem Roman „Dieser weite Weg“ der weltbekannten Autorin Isabel Allende verspricht eine spannende Reise, auf der wir den Arzt Victor Dalmau durch sein Leben begleiten. Es ist unglaublich was er und seine zahlreichen Wegbegleiter er- und durchlebt haben. Es ist eine Reise über viele Jahre mit fast unzähligen Meilensteinen. Victor und seine ihm durch das Schicksal angedachte Frau, Spanier von Geburt, fliehen schließlich nach Chile, wo das Leben auch nicht immer einfach ist. Sie leiden, sie lieben, sie weinen, um am Ende festzustellen, dass es doch ein gutes Leben war.
Wenn nur das (Hör)buch auch so spannend gewesen wäre. Ich tat mich von Anfang an schwer, die vielen Namen und Locations in eine Richtung zu bringen und war ganz überrascht, wie wenig Gefühle offenbart wurden. Ich empfand den Erzählstil als sehr nüchtern, fast schon eine Aneinanderreihung von Ereignissen einer Perlenkette gleich. Ich vergebe deshalb auch leider nur drei von fünf Sternen und denke, dass das das letzte Buch der Autorin für mich sein wird.

Veröffentlicht am 05.04.2022

Kann man, muss man aber nicht ...

Das andere Blut
0

Kurz und bündig zusammengefasst hat dieses Hörbuch viel Ähnlichkeit mit einem Tatort Krimi. Der Fall ist wird fast systematisch abgearbeitet und durchaus befriedigend gelöst. Ich nehme an der Kürze geschuldet ...

Kurz und bündig zusammengefasst hat dieses Hörbuch viel Ähnlichkeit mit einem Tatort Krimi. Der Fall ist wird fast systematisch abgearbeitet und durchaus befriedigend gelöst. Ich nehme an der Kürze geschuldet ist die dann die Tatsache, dass man kaum Gelegenheit hatte, den Protagonisten – tot oder lebendig – näher zu kommen. Für mich blieb der Kriminalroman zu eindimensional, um zu beeindrucken. Ich glaube, auf den dritten Teil werde ich verzichten. Nett für zwischendurch aber mehr auch nicht. Von mir gibt es drei Sternchen.

Veröffentlicht am 21.03.2022

Eigentlich kann die Autorin das besser, finde ich ...

Berlin Friedrichstraße: Novembersturm
0

Vier junge Protagonisten in einer spannenden Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg, klingt doch vielversprechend, oder? Drei von ihnen, Robert, Johannes und Luise treten von Kindheit an als Kleeblatt ...

Vier junge Protagonisten in einer spannenden Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg, klingt doch vielversprechend, oder? Drei von ihnen, Robert, Johannes und Luise treten von Kindheit an als Kleeblatt auf, doch schon als Backfisch entdeckt Luise, dass ihr Herz für Johannes schlägt. Er bringt die Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Flattern, er lässt ihr Herz schneller schlagen. Doch als Johannes, der mit Robert Seite an Seite auf dem Schlachtfeld gekämpft hat, nicht nach Hause zurückkehrt, wendet sie sich Robert zu. Sie will auch ihn lieben, doch nie wird sie das Gefühl los, hier die zweite Wahl geehelicht zu haben.

Auch Ella hat es nicht leicht im Leben. Sie, das Mädchen aus der Wohnung im Hinterhof hat nie dazu gehört, durfte als Kind den anderen nur die Bücher tragen. Doch sie kann kämpfen und so findet auch sie schließlich ein Plätzchen auf dieser Erde, dass ihr und ihrem Kind ein Überleben gewährt …

Von Ulrike Schweikert war ich bis dato eigentlich als Autorin 100% überzeugt. Ich liebe ihre Romane, die sich mit dem Mittelalter befassen. Mit diesen hat sie mir vor vielen, vielen Jahren den Weg in das Genre geebnet. Aber auch von ihrer Reihe rund um die Charité war ich restlos begeistert. Was lief für mich also nicht ganz so rund mit dem Novembersturm?

Um ehrlich zu sein, hat mich ihre Recherchearbeit über das Berlin vor hundert Jahren überzeugt und wieder einige neue Erkenntnisse vermittelt. Was mir diesmal allerdings nicht gefiel war der an manchen Stellen zu unaufgeregte Schreibstil. Manchmal war es fast eine Aneinanderreihung von historischen Fakten und Ereignissen und die eigentliche Story blieb dadurch ein wenig auf der Strecke. Ich hätte mir etwas mehr Gefühle und Dramatik gewünscht, die hoffentlich im zweiten Band eingebaut werden. Neugierig bin ich natürlich schon, wie es weitergehen wird.

Für den ersten Teil, den Novembersturm, vergebe ich drei Sterne und eine bedingte Hörempfehlung. Einiges hat die Sprecherin Sabine Arnhold wettgemacht. Ich bleibe einfach mal gespannt …

Veröffentlicht am 15.03.2022

Ein "Strahlemann" um nicht unterzugehen ...

Strahlemann
0

Die ausführliche Leseprobe hatte mich sehr neugierig auf dieses Buch und das – wenn auch noch recht kurze – Leben des Autors gemacht. Und Fritz Schaefer, der jüngste Moderator im Westdeutschen Rundfunk, ...

Die ausführliche Leseprobe hatte mich sehr neugierig auf dieses Buch und das – wenn auch noch recht kurze – Leben des Autors gemacht. Und Fritz Schaefer, der jüngste Moderator im Westdeutschen Rundfunk, schien bis jetzt ein recht bewegtes gehabt zu haben. Fast scheint es, als hätte er immer eine sich selbstzugedachte Rolle gespielt um darüber hinwegzutäuschen, dass das Leben es nicht immer gut mit ihm gemeint hatte. Ohne Vater und mit einer sehr unkonventionellen Mutter aufzuwachsen, machte ihn – wie er selbst schildert – zu einem beliebten Mobbingopfer, ein Schicksal, über das er mit Witz und falschem Humor seine Umwelt glauben machen wollte, dass es ihm nichts ausmacht. Er begab sich auf stetige Flucht vor sich selbst und mehr als einmal tat er mir leid beim Lesen. Inzwischen hat er sich durch seinen Erfolg den Respekt seiner Mitmenschen erarbeitet aber die Vergangenheit muss ihm noch tief in den Knochen stecken. Den ewigen „Strahlemann“ zu spielen, zehrt an der Substanz und ich wünsche mir für ihn, dass er inzwischen von Personen umgeben ist, die es gut mit ihm meinen.
Die Autobiographie hat mich an vielen Stellen berührt und ich hatte oft das Gefühl, in einfach nur in die Arme nehmen zu wollen und ihm zu versichern, dass alles gut wird. Dennoch vergebe ich nur drei Sterne, denn die Geschichte kam mir – wie sein Leben übrigens auch – surreal vor, gespielt fröhlich, um sich vor dem Bösen in der Welt zu schützen. Sie ließ mich nachdenklich zurück …

Veröffentlicht am 10.03.2022

Von jetzt auf gleich ist alles anders ...

Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin
0

Der Roman „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“ unterteilt sich in zwei Erzählstränge, die beide im Paris der Gegenwart stattfinden. Strang eins, definitiv der dominierende von beiden, befasst ...

Der Roman „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“ unterteilt sich in zwei Erzählstränge, die beide im Paris der Gegenwart stattfinden. Strang eins, definitiv der dominierende von beiden, befasst sich mit Mathilde, die ihren Mann vor einigen Jahren durch einen Autounfall verlor. Während sie dieses Ereignis verständlicherweise erst in ein tiefes Loch fallen ließ, hat sie es inzwischen geschafft, eine selbstbewusste und erfolgreiche alleinerziehende Mutter und Marketingassistentin eines großen Unternehmens zu werden. Sie vergöttert ihre Söhne, geht aber dennoch vollkommen auf in ihrer Arbeit an der Seite ihres Vorgesetzten Jacques. Jacques, dessen Launen und Marotten sie erträgt, ja sogar lernt darüber hinwegzusehen und gekonnt die Marketingbelange der Firma leitet. Doch dann wendet sich das Blatt von jetzt auf gleich und Mathilde scheint in Ungnade gefallen zu sein. Systematisch macht Jacques ihr das Leben zur Hölle, entzieht ihr Kompetenzen und schiebt sie aufs hinterste Abstellgleis. Sie ist vollkommen machtlos gegen dieses Spiel und beginnt allmählich die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren …

Zeitgleich im zweiten Strang verlässt der selbstständige auch in Paris tätige Arzt Thibauld seine Geliebte Lila, ein Schritt, der ihn fast in den Wahnsinn treibt. Immer wieder fragt er sich, warum er zu viel und sie zu wenig liebt. Warum sein Leben, das nur aus der Hetze von einem Hausbesuch zum nächsten zu bestehen scheint und so sinnlos geworden ist. Er versucht sein Dasein zu reflektieren und gerät immer mehr in einen Strudel, der ihn in die Tiefe saugt …

Ich gestehe, ich hatte am Anfang einige Schwierigkeiten in diese Geschichte zu finden und war noch bis Seite 70 versucht einfach abzubrechen. Doch dann nahm der Roman plötzlich an Fahrt auf. Hilflos muss man als Leser miterleben, wie Mathilde systematisch fertig gemacht wird, wie die seelische Grausamkeit ihr den Atem raubt und sie schließlich lähmt und unfähig macht zu agieren. Auch mit Thibauld konnte ich bis zu einem gewissen Grad mitfühlen und war mir bis zum Schluss sicher, dass das Schicksal diese beiden gepeinigten Seelen doch zusammenführen musste. Umso enttäuschter war ich, als ich das Ende des Buchs erreicht hatte. Das war’s dann also … ich fühle mich als Leser abgespeist und alleingelassen. Von mir gibt es deshalb für den spannenden Mittelteil drei von fünf Sternen. Die anderen beiden Sterne fallen oben genannten Gründen zum Opfer. Schade.