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Veröffentlicht am 16.12.2022

Erschütternd!

Boot Camp
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Da er sich in seine Lehrerin verliebt und auch nach ihrer Suspendierung die Beziehung nicht beenden will, entscheiden sich die Eltern des 16-jährigen Connors dafür, ihn in einen Boot Camp zu schicken. ...

Da er sich in seine Lehrerin verliebt und auch nach ihrer Suspendierung die Beziehung nicht beenden will, entscheiden sich die Eltern des 16-jährigen Connors dafür, ihn in einen Boot Camp zu schicken. Mitten in der Nacht wird er gegen seinen Willen in ein Umerziehungslager für unangepasste Jugendliche verfrachtet, wo Grausamkeit und Brutalität an der Tagesordnung sind und alles getan wird, um die jungen Menschen seelisch zu brechen und zum Umdenken zu bewegen. Für den sensiblen, hochbegabten Connor beginnt ein wahrer Alptraum...

Der amerikanische Schriftsteller Morton Rhue ist dafür bekannt, dass er in seinen packenden Jugendromanen (wie etwa „Asphalt Tribe“ oder „Die Welle“) brisante Themen aufgreift, die oft unbequem oder sogar Tabu sind und so die breite Leserschaft auf wichtige Probleme aufmerksam macht. Das ist auch bei „Boot Camp“ der Fall. Im Focus stehen hier brutale und entwürdigende Praktiken, die in den amerikanischen Lagern für „schwer erziehbare“ Teenager angewendet werden. Dabei gibt sich der Autor scheinbar neutral, er zeigt weder Mitleid mit den jungen Menschen noch verurteilt die sadistischen Methoden der Camp-Mitarbeiter. Stattdessen lässt er Connor selbst zu Wort kommen und recht sachlich von seinen Erlebnissen berichten. Doch gerade diese schonungslose Realität in seinem Roman bewirkt, dass man bei der Lektüre quasi dabei ist und alles miterlebt. Ich für meinen Teil war sprachlos vor Entsetzen und konnte es kaum fassen, wie solche Zustände möglich sind. Wie kann es sein, dass Eltern das Wohl ihrer Kinder in die Hände fremder Personen legen, die sie dann zu seelischen Krüppeln machen? Wie können diese „Erzieher“ solche Grausamkeiten an den Tag legen und den jungen Menschen so viel Leid zufügen? Und wie ist es möglich, dass derartige Einrichtungen überhaupt unbehelligt betrieben werden können?

Mich hat das Buch regelrecht erschüttert, ich litt mit der Hauptfigur und den anderen Opfern des barbarischen Erziehungsapparates und am Ende war ich traurig und wütend auf ein System, das so schreckliche Dinge zulässt. Ich hoffe sehr, dass „Boot Camp“ die Öffentlichkeit aufrütteln und dazu beitragen konnte, dass ähnliche Erfahrungen möglichst vielen Jugendlichen erspart wurden !

Fazit: Schonungslose Auseinandersetzung mit einem schwierigen, aber äußerst wichtigen Thema, das nicht verschwiegen werden darf. Bitte unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 19.07.2022

Lesegenuss vom Feinsten!

Violeta
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Am Ende ihres langen und bewegten Lebens angekommen, schreibt die 100-jährige Violeta ihre Geschichte nieder. Sie soll ein Zeugnis und eine Gedächtnisstütze für den geliebten Enkel Camilo werden. Mit schonungsloser ...

Am Ende ihres langen und bewegten Lebens angekommen, schreibt die 100-jährige Violeta ihre Geschichte nieder. Sie soll ein Zeugnis und eine Gedächtnisstütze für den geliebten Enkel Camilo werden. Mit schonungsloser Offenheit und beeindruckender Direktheit berichtet Violeta über Personen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielten und über prägende Begebenheiten aus ihrer Vergangenheit vor dem Hintergrund dramatischer Ereignisse in ihrer südamerikanischen Heimat.

Ich bin seit Jahren ein großer Fan von Isabel Allende und ihrem außergewöhnlichem Erzähltalent. Mit Romanen wie „Das Geisterhaus“ oder „Porträt in Sepia“ hat sie mich begeistert und in ihren Bann geschlagen. Ich war also voller Vorfreude und sehr neugierig, als ich vor kurzem ein Exemplar ihres neuesten Romans in die Hand nahm und zu lesen anfing. Mein Eindruck nach der Lektüre? Ich mache es kurz: Isabel Allende ist und bleibt für mich eine Zauberin! „Violeta“ hat mich bereits mit dem ersten Satz in eine andere Welt eintauchen lassen und bescherte mir wunderbare Lesestunden. Die Geschichte ließ mich zuweilen meine Umgebung vergessen, ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen, freute mich und litt mit ihr. Allende ist es wieder mal gelungen, mit Violeta eine ganz besondere Heldin zu erschaffen, eine starke Persönlichkeit, die voll Leidenschaft ist und schon früh in der von Männern dominierten Gesellschaft für ihre Ziele kämpft. Selbst nach schlimmen Verlusten schafft sie es, sich neu zu orientieren und neuen Mut zu schöpfen. Wohltuend empfand ich ihren Umgang mit dem Älterwerden, der, wie ich stark vermute, die persönliche Haltung der Autorin widerspiegeln könnte. Violetas Beispiel gibt mir die Hoffnung, dass man in jeder, auch in der späten Phase seines Lebens glücklich und aktiv sein und durchaus noch eine erfüllende Aufgabe übernehmen kann.

Sehr spannend fand ich Schilderungen von historischen Vorkommnissen, die im Laufe des 20. und in den beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts nicht nur das Leben der Titelheldin, sondern Schicksale unzähliger Menschen prägten. Die Autorin spannt einen Bogen von dem Ausbruch der spanischen Grippe bis hin zu unserer Gegenwart mit den verblüffend ähnlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Dazwischen berichtet sie – immer aus der Sicht von Violeta - von den dramatischen Folgen der Weltwirtschaftskrise, dem langen, harten Kampf für die Rechte der Frauen und immer wieder von Krisen und Umbrüchen auf dem südamerikanischen Kontinent. Ich habe diese besondere Form des Geschichtsunterrichts sehr genossen. Mit 80 Jahren einen so großartigen Roman zu schreiben, von solcher Intensität und mit Figuren, die authentisch, voller Leben sind und im Gedächtnis bleiben, ist eine Glanzleistung und ein Beweis, dass Allende zu Recht zu den hellsten Sternen am literarischen Firmament gehört. Möge er noch lange leuchten – hoffe sehr, dass „Violeta“ noch weitere tolle Werke folgen werden.

Fazit: Ein grandioser, fesselnder, lebensbejahender Roman mit einer beeindruckenden Heldin – von mir eine klare Leseempfehlung!






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Veröffentlicht am 02.07.2022

Großartiger Roman mit Suchtpotenzial!

Der Papierpalast
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Seit ihrer Kindheit verbringt Eleanor Bishop jeden Sommer in Back Woods auf Cape Cod, wo ihre Familie ein Ferienquartier besitzt. Sie liebt den „Papierpalast“, wie die Unterkunft wegen der billigen Auskleidung ...

Seit ihrer Kindheit verbringt Eleanor Bishop jeden Sommer in Back Woods auf Cape Cod, wo ihre Familie ein Ferienquartier besitzt. Sie liebt den „Papierpalast“, wie die Unterkunft wegen der billigen Auskleidung der Innenräume scherzhaft bezeichnet wird, den See und den Wald. Es ist ihr magischer Ort, wo sie als Heranwachsende Abenteuer, Spaß, Freude aber auch Schmerz erlebte. Hier hat sie sich zum ersten Mal verliebt. Leider wurde diese Liebe von einem schlimmen Unglück überschattet, das sie und den etwas jüngeren Jonas zu zwei Königskindern machte, die nicht zusammen kommen können. Inzwischen ist Elle 50, eine gestandene Mutter von drei Kindern und scheinbar glücklich verheiratet. Doch dann kommt der Sommerabend, an dem sie in Back Woods Jonas wiedersieht und ihre jahrelang unterdrückten Gefühle für ihn nicht mehr im Zaun halten kann...

Schon länger hat mich kein Roman so mitgerissen und bewegt wie „Der Papierpalast“. Mit seiner Intensität zog er mich von der ersten Seite an in seinen Bann, ich spürte förmlich Sonne, Seeluft und Wasser an meiner Haut... Mehr noch: Ich wurde zwischendurch in die Sommer meiner eigenen Kindheit zurückversetzt, an einen Ort übrigens, der Back Woods nicht ganz unähnlich war und konnte in meinen eigenen, bittersüßen Erinnerungen schwelgen...

Elles Geschichte und die Geschichte ihrer Familie ist keinesfalls eine endlose Sommeridylle, sie hat es in sich. Die Autorin erzählt sie in zahlreichen Rückblenden, verbindet geschickt die Vergangenheit mit der Gegenwart und lässt keinen Augenblick lang Langeweile aufkommen. Fesselnd und mit schonungsloser Offenheit lässt sie Eleanor selbst von prägenden Ereignissen aus ihrem Leben berichten. Besonders zum Ausdruck kommt ihre innere Zerrissenheit und der in ihr tobende Kampf, den sie vor ihrer Umgebung geschickt zu verbergen vermag. Ich konnte mich sehr gut in die Lage der Protagonistin hineinversetzen, litt und fieberte mit... Und am Ende war ich einfach nur fassungslos. Miranda Cowley ist wahrhaftig eine begnadete Erzählerin und ich werde in Zukunft mit Sicherheit Ausschau nach weiteren Romanen aus ihrer Feder halten.

Last but not least muss ich noch das Cover erwähnen: Es ist nicht nur wunderschön, es passt auch sehr gut zur Geschichte und hat mich schnell in die richtige Stimmung versetzt.

Fazit: Ein wunderbarer Roman mit einer Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann, für mich die perfekte Sommerlektüre!

Veröffentlicht am 18.05.2022

Eine wunderbare Liebeserklärung an die Welt der Bücher

Papyrus
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Das Buch gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit. Weder die vergehende Zeit mit allen Kriegen und Katastrophen noch die vielfältigen Veränderungen innerhalb ...

Das Buch gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit. Weder die vergehende Zeit mit allen Kriegen und Katastrophen noch die vielfältigen Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft konnten verhindern, dass Bücher nach und nach die Welt eroberten. Auch heute noch, in unserer hochmodernen, von technologischen Innovationen geprägten Kultur, nehmen sie weiterhin einen festen Platz ein und üben ihre Faszination auf zahlreiche Menschen aus. Für manche von uns werden sie zur Leidenschaft, die – meist in der frühen Kindheit entfacht – ein Leben lang anhält. Zu dieser Gruppe gehört definitiv Irene Vallejo, die Autorin dieses Buches.

In „Papyrus“nimmt uns die gebürtige Spanierin mit auf eine geradezu magische Reise zu den Ursprüngen des Buches und erzählt seine bewegende Geschichte. Es ist eine Geschichte voller Rätsel und Abenteuer. Die Autorin schildert sie keineswegs chronologisch, sondern verbindet immer wieder Ereignisse und Werke aus der fernen Vergangenheit mit der Gegenwart. So lässt sie zum Beispiel vor unseren Augen ein so faszinierendes Bild entstehen wie das der sagenumwobenen Bibliothek von Alexandria, um nur wenige Seiten später von unterirdischen, labyrinthartigen Lagerräumen für Bücher zu berichten, die man notgedrungen in heutigem Oxford errichten musste. Ich könnte mir vorstellen, dass diese häufigen räumlichen und zeitlichen Sprünge so manchen Leser etwas verwirren könnten. Hinzu kommt der beträchtliche Umfang des Buches (nahezu 700 Seiten das Quellenverzeichnis nicht mitgerechnet). Wer sich aber davon nicht abschrecken lässt, darf sich bei „Papyrus“ auf eine wahre Schatztruhe mit unzähligen Informationen und Anekdoten zum Thema Buch freuen, die Irene Vallejo mitnichten als trockene Fakten serviert. Ganz im Gegenteil: Sie schreibt so spannend und unterhaltsam, dass man zwischendurch vergisst, dass man kein Abenteuerroman, sondern ein Sachbuch in den Händen hält. Wer ein Bücherfan wie ich ist, entdeckt ganz sicher in der Autorin eine verwandte Seele, denn ihre große Liebe zur Literatur spricht aus jeder Seite dieses Werkes. Besonders die Liebhaber der Antike werden bei „Papyrus“ auf ihre Kosten kommen. Diese Epoche ist Irene Vallejos große Leidenschaft, was man bei der Lektüre kaum übersehen kann. Immer wieder entführt sie uns in die Welt der alten Griechen und Römer. Mal dürfen wir Alexander den Großen bei seinen Eroberungen begleiten, mal begegnen wir großen Philosophen wie Sokrates und Platon und bekommen einen kleinen Eindruck von der goldenen Zeit Griechenlands. Die Schauplätze wechseln stets und mit jedem Wechsel erscheinen uns andere, oft sehr interessante historische Gestalten... Ich habe diese abenteuerliche Reise sehr genossen!

Fazit: „Papyrus“ ist eine großartige Lektüre für alle, die Bücher lieben und mehr über ihre Geschichte erfahren wollen. Von mir eine klare Leseempfehlung!


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Veröffentlicht am 08.04.2022

Die Kraft der Hormone

Super Gefühle
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Die meisten Menschen kennen diesen wunderbaren Zustand, in den uns eine frische Verliebtheit versetzt (vorausgesetzt, das Objekt unserer Sehnsucht erwidert unsere Gefühle). Man ist beflügelt, strotzt nur ...

Die meisten Menschen kennen diesen wunderbaren Zustand, in den uns eine frische Verliebtheit versetzt (vorausgesetzt, das Objekt unserer Sehnsucht erwidert unsere Gefühle). Man ist beflügelt, strotzt nur so vor Energie, hat gute Laune und möchte am liebsten die ganze Welt umarmen. Die Haut und die Augen strahlen, die Haare glänzen, Schokolade und andere Ersatzfreuden sind überflüssig, man ist schlicht und einfach glücklich. Leider hält dieser Zustand bekanntlich nicht allzu lange an. Die Verliebtheit lässt nach, die Beziehungen gehen auseinander, manchmal hat man auch kein Glück und findet erst gar nicht den passenden Partner. Schade eigentlich, denn die Glückshormone, die unsere Körper in der Verliebtheitsphase durchfluten, tun uns ausgesprochen gut. Genau diese eigentlich längst bekannte Erkenntnis bewegte die Medizinerin und Autorin Dr. Emilia Vuorisalmi dazu, ein Rezept für die „beständige Liebe“ zu entwickeln, mit dessen Hilfe es uns gelingen könnte, die Liebeshormone dauerhaft freizusetzen und zwar unabhängig davon, ob wir gerade verliebt sind oder nicht. In ihrem Buch stellt sie dieses Konzept vor.

In der Fülle von Ratgebern, die auf dem Büchermarkt angeboten werden, könnte dieses eher schlicht gestaltete, unscheinbare Buch leicht untergehen. Ich hoffe sehr, dass es nicht der Fall sein wird und dass diese Publikation möglichst viele Leser erreichen wird! Denn: Sie ist absolut großartig! Es ist einer der wenigen Ratgeber (und ich gestehe, ich besitze mehrere davon), die mich absolut überzeugt und mir bereits während der Lektüre geholfen haben, so Manches in meinem Leben positiv zu verändern. Die Autorin erklärt in einer für Jedermann verständlichen, angenehm leicht-lockeren Sprache die Wirkung der drei Hormone Oxytocin, Dopamin und Serotonin auf den menschlichen Organismus und stellt Methoden dar, die die Ausschüttung dieser Glücksmacher fördern. Sie geht dabei sehr strukturiert vor, was ich persönlich sehr gut fand. Im Gegensatz zu Ratschlägen, die in manchen anderen Büchern dieser Art enthalten sind, stellen sich die Tipps von Dr. Vuorisalmi als wenig zeitaufwendig und relativ einfach zu befolgen heraus. Um nach ihrem Rezept zu leben, muss man sich nicht selbstkasteien, etwa mit ausgefallenen Diäten oder teure Hilfsmittelchen erwerben. Man kann quasi gleich loslegen und das Tollste ist, positive Ergebnisse lassen nicht lange auf sich warten! Mich hat die Lektüre inspiriert und zum Nachdenken über verschiedene Aspekte meines Lebens gebracht. Besonders hilfreich und auch spannend fand ich die Fragen bzw. die praktischen Übungen am Ende des jeweiligen Kapitels – der Versuch, sie ehrlich zu beantworten, erfordert, dass wir innehalten und in sich gehen. So gewonnene Selbstreflexionen können unheimlich wertvoll und auch überraschend sein. So war es in meinem Fall und ich bin zuversichtlich, dass es zahlreichen anderen Lesern ähnlich ergehen wird.

Fazit: Ein kluges, lebensbejahendes und verständlich geschriebenes Buch, das ich jedem, der gesünder, glücklicher und erfüllter leben möchte, wärmstens empfehlen kann!

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