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Veröffentlicht am 22.04.2022

Ruhig erzählter, warmherziger Roman über die Liebe zur Sprache, über die Rolle der Frau zur Jahrhundertwende und das enge Band von Familie und Freundschaft.

Die Sammlerin der verlorenen Wörter
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Esme wächst bei ihrem Vater Harry auf, der zur Jahrhundertwende als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet. Das Skriptorium und das Haus seines Arbeitgebers Dr. James Murray wird für ...

Esme wächst bei ihrem Vater Harry auf, der zur Jahrhundertwende als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet. Das Skriptorium und das Haus seines Arbeitgebers Dr. James Murray wird für Esme zu einem zweiten Zuhause. Schon als kleines Mädchen liest sie die Belegzettel mit Erklärungen für die Worte, die in dem Wörterbuch aufgenommen werden sollen. So mancher Zettel mit aussortierten landet dabei heimlich in ihrer Koffertruhe, die sie bei dem acht Jahre älteren Dienstmädchen Lizzie der Murrays aufbewahrt. Dort erkennt sie auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich und die Stellung der Menschen in der Gesellschaft.
Als Esme älter wird, geht sie mit Lizzie regelmäßig in die Markthalle in Oxford und lernt dort nicht nur neue Worte kennen, für die sie ihre eigenen Belegzettel mit treffenden Zitaten für ihr eigenes "Lexikon der verlorenen Wörter" verfasst, sondern auch Frauen wie die Schauspielerin Tilda, die als Suffragette für das Wahlrecht der Frauen kämpft.

Der Roman ist eine fiktive Geschichte über das Leben von Esme Nicoll, die 1892 geboren ist, als Tochter eines Lexikographen aufwächst und selbst eine Liebe zu Worten entwickelt. Ihre Lebensgeschichte wird eng mit der Entstehungsgeschichte des Oxford English Dictionary verwoben. Das Buch gibt damit interessante Einblicke in die über 50-jährige Arbeit an DEM englischen Wörterbuch, das fortlaufend weiterentwickelt wird. Fast jeder deutsche Schüler wird den Nachfolger des historischen Wörterbuch, das Oxford Advanced Learner's Dictionary, aus dem Englischunterricht kennen.

Esme ist ein liebenswerter Charakter, die durch ihre Aufenthalte im Skriptorium, das von Männern dominiert ist und durch ihre freundschaftliche Beziehung zu dem Dienstmädchen Lizzie die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie den Bürgerlichen und Arbeitern kennenlernt. Sie begreift die Ungerechtigkeiten und unterstützt die Suffragettenbewegung, auch wenn sie deren Methoden nicht immer gutheißt. Sie selbst bleibt eher passiv und muss sich persönlich mit Verlusten auseinandersetzen.

Während mir der Beginn mit Esmes Kindheit und ihrem Sammeln der Worte, die es nicht geschafft haben, in das OED aufgenommen zu werden, da sie zu vulgär waren oder nur im Sprachgebrauch der einfachen Menschen vorkamen, gut gefallen hat, empfand ich den Roman im Mittelteil weniger fesselnd. Die Handlung wurde etwas zäh, da sie sowohl in Bezug auf die Fertigstellung des OED als auch im Hinblick auf den Kampf um Frauenrechte und Gleichberechtigung auf der Stelle trat. Auch der Beginn des Großen Krieges bremste die Geschichte eher aus, als dass sie zu mehr Spannung oder Dramatik beitrug.

"Die Sammlerin der verlorenen Worte" ist ein eher ruhig erzählter, warmherziger Roman über die Liebe zur Sprache, über die Rolle der Frau zur Jahrhundertwende und das enge Band von Familie und Freundschaft, das über die Konventionen hinweg einen festen Halt im Leben gibt und Esme über ihre Verluste hinweg hilft. Neben der Hauptfigur gibt es noch viele weitere liebenswerte und originelle Charaktere, die real existierten und denen die Autorin Leben einhaucht, wobei es aufgrund der Vielzahl der Figuren, denen Esme begegnet, nicht immer leichtfällt, den Überblick zu behalten. Die fiktive Geschichte ist von realen Ereignissen und Personen inspiriert und eine schöne Vorstellung, durch Engagement, Leidenschaft, Empathie und Hartnäckigkeit, Minderheiten, Schwachen und Unterdrückten Gehör zu verschaffen und etwas Bleibendes zu schaffen.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Schwermütige Geschichte über die Last der Vergangenheit und die Chance, loslassen zu können - fesselnd und eindrücklich erzählt.

Der Papierpalast
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Elle Bishop ist Anfang 50, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Wie jeden Sommer verbringen sie ihre freien Tage im Papierpalast, dem Sommerhaus der Familie in Back Woods auf Cape Cod, wo Elle das Freiheitsgefühl ...

Elle Bishop ist Anfang 50, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Wie jeden Sommer verbringen sie ihre freien Tage im Papierpalast, dem Sommerhaus der Familie in Back Woods auf Cape Cod, wo Elle das Freiheitsgefühl am See genießt. In diesem Sommer ist auch ihre Jugendliebe Jonas mit seiner Ehefrau Gina da, was die beiden jedoch nicht davon abhält, in einem unbeobachteten Moment nach einem gemeinsamen Grillabend mit der ganzen Familie, miteinander zu schlafen. Noch am nächsten Morgen ist eine aufgeladene Spannung vorhanden und Jonas schwört Elle hartnäckig seine Liebe.
Elle kann jedoch nicht darüber hinwegsehen, dass Jonas sie eines Sommers verlassen hatte und erinnert sich sodann zurück an ihre Kindheit und Jugend, die Scheidung ihrer Eltern, neue Lebenspartner und ein düsteres Geheimnis, dass sie mit Jonas verbindet und an dem ihre Jugendliebe zerbrach.

"Der Papierpalast" ist der Ort, wo sich Elle in Jonas verliebt hat, aber auch der Ort, wo ihr Schreckliches widerfahren ist. Gegenüber ihrer Familie konnte sie sich als 15-jähriges Mädchen nicht öffnen und so war es Jonas, dem sie ihr Geheimnis anvertraute. Die Folgen davon waren nicht absehbar und sorgten für ein nachhaltig schlechtes Gewissen.

Der Roman handelt in der Gegenwart an nur einem Sommertag Anfang August, dem Tag nach dem ersten Sex der ehemals jugendlichen Liebenden. Die Vergangenheit erzählt 30 Jahre im Leben von Elle, von den 1960ern bis in die 1990er-Jahre, auf die sie zurückblickt. Es ist keine leichte Familiengeschichte, denn die Verhältnisse der Familienmitglieder untereinander sind schwierig. Beide Elternteile sind sehr auf sich bezogen und haben wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der beiden Töchter Anna und Elle genommen. Es herrscht wenig Vertrauen und Liebe untereinander, der Ton ist scharf, die Mädchen wechseln zwischen Mutter und Vater, stehen dort jedoch nie an erster Stelle. So merkt auch niemand, welches Spiel Elles Stiefbruder Conrad treibt. Es sind Erlebnisse, die Elles weiteres Leben geprägt haben und die auch für die/ den Leser*in nur schwer verdaulich sind.
In ihrem beständigen Ehemann Peter, dem eleganten Engländer, findet Elle Halt und gründet ihre eigene Familie. Er weiß nichts von ihrer Vergangenheit, ihrem Geheimnis und ihren dunklen Gedanken.

So steht Elle mit Anfang 50 vor der Entscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Leidenschaft und Vernunft, zwischen Abenteuer und Beständigkeit, zwischen Freiheit und Familie.
"Der Papierpalast" ist eine dramatische Geschichte über eine Familie, in der wenig gesprochen wird, in der Problemen ausgewichen wird und Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Durch Rückblenden in die Vergangenheit, die chronologisch erzählt wird, wird ein Geheimnis offenbart, das eine Erklärung für Elles schamloses Verhalten in der Gegenwart liefert und das sie nach all den Jahren der Verdrängung vor die Wahl stellt und eine Entscheidung erzwingt.
Die Geschichte zeigt, wie viele Jahre ungelöste Konflikte und unverarbeitete Traumata schwelen und die Gegenwart beeinflussen können. Es stellen sich Fragen nach Verantwortung und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne.
Der Roman ist eindringlich, stellenweise brutal und wird mir dabei phasenweise zu nüchtern erzählt. Zudem empfand ich den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit oft zu sprunghaft und ich konnte mich auf beiden Zeitebenen nur schwer in Elle oder ihre Mutter Wallace hineinversetzen und ihr Handeln nachvollziehen. Die Geschichte fesselt durch den lebendigen Schreibstil und die direkten Dialoge und markigen Lebensweisheiten von Mutter Wallace, jedoch fand ich nicht ganz schlüssig, warum sich Elle ausgerechnet in diesem Sommer im Papierpalast ihren Dämonen der Vergangenheit stellt.

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Veröffentlicht am 16.04.2022

Bewegende Geschichte über ein Mädchen aus armen Verhältnissen, das Gewalt und Willkür ausgesetzt ist, aber nie die Hoffnung und ihre "lauterne" Stimme verliert.

Das Mädchen mit der lauternen Stimme
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Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr ...

Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr Vater Adunni im Alter von 14 Jahren als Drittfrau an einen deutlich älteren Mann. In seinem Haus freundet sie sich zwar mit der Zweitfrau von Morufu an, leidet jedoch unter den Schikanen der Erstfrau und der Gewalt und den Übergriffen ihres Ehemanns, der unbedingt einen männlichen Nachkommen möchte.
Nach einem schrecklichen Ereignis flieht Adunni nach Lagos, wo sie eine Anstellung als Hausmädchen bei Big Madam bekommt. Doch auch dort gehen die Schikanen weiter und Adunni ist der Gewalt der tyrannischen Hausherrin ausgesetzt. Unerschütterlich hält Adunni jedoch an ihrem Vorhaben fest, zur Schule gehen und Lehrerin werden zu können, um allen Kindern die Chance auf Bildung zu ermöglichen.

Adunni ist ein Mädchen vom Stamm der Yoruba aus dem Dorf Ikati im Südwesten Nigerias Sie ist einerseits ein intelligentes, ehrgeiziges Mädchen, andererseits aber auch erschreckend naiv, da sie bis zu ihrer Flucht in die Großstadt Lagos nur das Dorf Ikati kannte, das von Armut geprägt ist. Adunni Gedanken sind in einer einfachen Sprache verfasst. Die Autorin verwendet auch grammatikalische Fehler in Adunnis Ausdrucksweise, um ihren mangelnden Bildungsstand zu verdeutlichen. Dabei übertreibt sie nicht - das Buch ist ohne Probleme lesbar, auch afrikanische Worte oder Wortneubildungen von Adunni erschließen sich aus dem Kontext.

Adunnis Geschichte ist bewegend, denn sie ist nur eine von vielen. Der Roman zeigt deutlich auf, welchen Stand die Frauen insbesondere in den ärmeren Gegenden in der nigerianischen Gesellschaft haben und wie enorm der Unterschied zwischen Arm und Reich ist. Geschickt baut die Autorin durch Adunnis Wissbegier Fakten über Nigeria ein, die interessante Hintergründe liefern und zum Verständnis der Geschichte beitragen.
Es ist erschreckend zu lesen, dass Nigeria eines der reichsten Länder in Afrika ist und dass dennoch so viele Menschen in Armut und Dreck leben. Die Beschreibungen von sanitären Einrichtungen und der mangelnden Hygiene sind dabei sehr bildhaft und eindrücklich. Auch der Aberglaube, der unter den Menschen herrscht, wirkt wie aus einer vergangenen Zeit und nicht wie Leben im Jahr 2015.

Die Geschichte ist voller Brutalität, Gewalt und psychischen und physischen Misshandlungen und oft wünscht man sich, Adunni würde den Mund halten, um in ihrer Einfalt nicht noch mehr Schläge zu provozieren. Doch Adunni behält ihre "lauterne" Stimme und verliert ihr Ziel, sich weiterzubilden und zur Schule zu gehen, nicht aus den Augen.

Trotz der schwierigen Ausgangslage und der Chancenlosigkeit durch Zwangsheirat und Arbeit, die an Sklaverei grenzt, macht die Geschichte Mut und zeigt, dass ein Ausweg möglich ist, wenn man genügend Kraft hat, nicht aufzugeben. Adunni hat Glück und findet immer ein wenig Unterstützung, so dass sich neue Wege aufzeigen. Auch in Nigeria ist die Welt nicht Schwarz-Weiß. Unter den reichen Menschen in Lagos sind auch Menschen, die ihr Personal anständig behandeln und sich für Chancengleichheit und Gerechtigkeit einsetzen, was der Geschichte einen Hoffnungsschimmer gibt, genauso wie Adunnis grenzenloser Optimismus, dass der morgige Tag ein besserer wird.

Adunnis Geschichte ist fiktiv. Sie steht jedoch stellvertretend für alle Mädchen in Nigeria, die aus armen Verhältnissen stammen, Gewalt und Willkür ausgesetzt sind und ohne Schule oder den Einfluss andere gebildeter Frauen, nie auch nur begreifen können, welche Rechte ihnen zustehen und welche Möglichkeiten sich ihnen durch Lesen, Schreiben und kulturelle Bildung ihnen offenstehen.
Es ist ein Buch, das das Augenmerk auf die Situation von Mädchen Frauen in Nigeria lenkt und die Botschaft verbreitet, die Stimme zu erheben - denn Bildung ist ein Fundament für eine bessere Zukunft und der wirksamste Weg gegen Armut und davon sollte eine Hälfte der Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden.

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Veröffentlicht am 07.04.2022

Roman über Freundschaft, Zusammenhalt, gegenseitige Fürsorge, Toleranz und Nächstenliebe. Zusammen ist vieles leichter! Leichte Unterhaltung - keine allzu tiefsinnige und wendungsreiche Geschichte.

Gemeinsam ist man besser dran
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Tilda Bachmann ist Schreinermeisterin und hat sich mit "Flea Market" selbstständig gemacht und einen gemeinnützigen Flohmarkt in der Kölner Südstadt aufgebaut, wo sie günstig restaurierte Möbel und Utensilien ...

Tilda Bachmann ist Schreinermeisterin und hat sich mit "Flea Market" selbstständig gemacht und einen gemeinnützigen Flohmarkt in der Kölner Südstadt aufgebaut, wo sie günstig restaurierte Möbel und Utensilien aus Haushaltsauflösungen verkauft. Als das Gelände geräumt werden soll, versucht sie ein ehemaliges Theater als neuen Standort anzumieten, das ihr jedoch von Ex-Soapdarsteller Noah Berger weggeschnappt wird, der das Theater wieder eröffnen möchte. Tilda steht vor dem Nichts, sorgt sich um die Zukunft des "Flea Market" und die ihrer Angestellten und wird zu dem noch von ihrer acht Jahre jüngeren Schwester Mia auf Trab gehalten, für die sie sich als Elternersatz verantwortlich fühlt.
Nur wenige Monate bleiben, um den Flohmarkt zu retten und plötzlich ist auch unverhofft Noah an Tildas Seite, der sich doch nicht als so arrogant und piefig herausstellt, wie Tilda zunächst angenommen hat.

Wie von Sylvia Deloy gewohnt, hat die Autorin in diesem Roman wieder viel Kölner Lokalkolorit verarbeitet. Als Leser*in begleitet man die 26-jährige Tilda durch ihre Heimatstadt und hat die Straßenzüge durch die Beschreibungen direkt vor Augen.
Trotz der angespannten Lage wegen der Mietkündigung des Flea Market ist die Atmosphäre sommerlich-leicht, was insbesondere an den besonderen Nebencharakteren liegt, die die Geschichte liebenswert chaotisch und humorvoll turbulent gestalten. Tildas Mitbewohner in der WG und ihre Angestellten sind individuell und etwas skurril, haben aber wie die fürsorgliche Tilda ihr Herz auf dem rechten Fleck.

Die Geschichte handelt von der Rettung des von Tilda aufgebauten gemeinnützigen Flohmarkts, der für sie, ihre Angestellten und Kunden eine Heimat und ein fester Anker ist. Es ist schön zu sehen, wie Tilda, ihre Angestellten und Freunde wie eine Familie zusammenhalten und gemeinsam versuchen, dem Flea Market durch mediale Aufmerksamkeit und eifrige Weiterarbeit zu einer Zukunft zu verhelfen.

Die Liebesgeschichte ist etwas klischeehaft aufgebaut - nach einem schwierigen Start und kleinen Streitereien finden sich Noah und Tilda doch mehr als sympathisch und verlieben sich dann recht schnell ineinander. Missverständnisse und erneute Konflikte folgen, so dass das Happy End erwartungsgemäß hinausgezögert wird.
Ob und wie der Flea Market noch gerettet werden kann, bleibt jedoch spannend, denn eine einfache Lösung scheint nicht in Sicht.

Wie der Titel bereits beschreibt, ist zusammen vieles leichter. Es ist ein Roman über Freundschaft und Zusammenhalt, über gegenseitige Fürsorge, Toleranz und Nächstenliebe. Das Buch handelt von schwierigen und belastenden Themen wie Gentrifizierung, Obdachlosigkeit, Vernachlässigung und schwierigen Kindheiten. Dabei wird jedoch nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Die Geschichte bleibt trotz aller Probleme mit der Hoffnung auf ein versöhnliches Ende und einen neuen Anfang leicht zu lesen. Eine allzu tiefsinnige und wendungsreiche Geschichte darf man sich jedoch nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 04.04.2022

Düsterer und eiskalter Kriminalroman mit bizarren Todesfällen und authentischen Ermittlern, die kein Blatt vor den Mund nehmen.

Eis. Kalt. Tot.
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An einem eiskalten Februarmorgen wird in Kopenhagen im Hafenbecken eine kopflose Leiche gefunden. Wenig später entdeckt eine junge Frau beim Spaziergang mit ihrem Hund einen verstümmelten Seehundkadaver. ...

An einem eiskalten Februarmorgen wird in Kopenhagen im Hafenbecken eine kopflose Leiche gefunden. Wenig später entdeckt eine junge Frau beim Spaziergang mit ihrem Hund einen verstümmelten Seehundkadaver. Kirsten Vinther, die leitende Ermittlerin der Mordkommission, sieht Parallelen und zieht die ehemalige Polizeibeamtin und Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen hinzu, die durch ihre überdurchschnittlich gute Fähigkeit Gesichter zu erkennen, die Mordkommission unterstützen soll. An ihrer Seite ist zudem ein neuer Kollege aus der Provinz, Jesper Bæk, der vor Kurzem nach Kopenhagen gezogen ist und Erfahrung mit Profiling und operativer Fallanalyse hat.
Die Aufklärung des Falls geht nur schleppend voran, denn der Täter hinterlässt keine Spuren und kann unerkannt neue Opfer töten und schauerlich in Szene setzen. Die Identifizierung der Toten ergibt, dass sie alle für dasselbe Unternehmen an einem Projekt gearbeitet haben und im Sommer 2019 auf einer Expedition in Grönland waren. Marit, die selbst in Grönland aufgewachsen ist, erkennt die Inuit-Mythologie, die der Täter für seine Ritualmorde nutzt, was die Mordkommission auf neue Spuren bringt.

"Eis. Kalt. Tot." ist eine spannende Mischung aus Thriller und Kriminalfall, der aus wechselnden Perspektiven geschrieben ist, so dass die/ der Leser*in einen umfassenden Einblick in die Ermittlungen von Kriminalisten, Super-Recognizer Marit oder der Rechtsmedizin erhält. Zudem gibt es auch immer wieder Szenen aus Tätersicht, die das grausame und skrupellose Vorgehen zeigen, ohne dass zu viel über das Motiv verraten wird. Die Fallaufklärung bleibt deshalb lange spannend und undurchsichtig und strapaziert damit die Geduld der Ermittler, die weitere Opfer vermeiden wollen.

Aufgrund der Verknüpfung mit der Inuit-Mythologie, die der Täter eindeutig anwendet, um der Polizei Botschaften zu senden, ist der Roman nichts für schwache Nerven. Der Ekelfaktor ist zum Teil hoch. Dennoch liegt der Fokus auf den Ermittlungen und dem Zusammenspiel von Kirsten, Jesper und Marit, die selbst kleinere oder größere Geheimnisse bergen, wobei das Privatleben nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Charaktere sind intelligent und ehrgeizig, weshalb es besonders an ihnen nagt, dass sie nur langsam vorankommen, der Täter sein Spiel mit ihnen spielen kann und zudem auch noch die Presse nichtautorisierte Informationen veröffentlicht, die auf ein Leck im Polizeiapparat hindeuten.
Kirsten, die eher eine Einzelkämpferin ist und Angst vor Konkurrenz hat, muss sich erst an Jesper gewöhnen und kann ihr Misstrauen ihm gegenüber zunächst nicht ablegen.

Das Tempo am Anfang ist hoch und je mehr Leichen geborgen werden, desto näher kommt man dem Täter und seinem Motiv. Die Hinweise auf grönländische Mythen, wütenden Rachemonstern, Forschungsexpedition im Eis und dunklen Machenschaften, die eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht darstellen, machen den Fall detailreich und komplex. Nach einer kurzen, etwas ermüdenden Durststrecke im Mittelteil nimmt der Roman im letzten Drittel durch einen langen Showdown Fahrt auf und kann durch zahlreiche Wendungen und mehrere falsche Fährten, auf die die Ermittler und Leser geführt werden, überraschen.

Es ist ein düsterer und nicht nur durch die Handlungsorte ein eiskalter Kriminalroman mit bizarren Todesfällen und authentischen Ermittlern, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Fallaufklärung ist nach der Anfangsdynamik phasenweise etwas zäh, kann aber dennoch bis zum Schluss fesseln.

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