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Veröffentlicht am 26.04.2022

Frecher Schreibstil, spannender und makaber-humorvoller Plot, aber etwas eindimensionale Charaktere und ein vergleichsweise lahmes Ende.

Meine Schwester, die Serienmörderin
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Korede und Ayoola sind Schwestern, die noch zu Hause bei ihrer Mutter wohnen. Korede ist die ältere, vernünftigere Tochter, die äußerlich eher unscheinbar ist und als Krankenschwester arbeitet. Der grazile ...

Korede und Ayoola sind Schwestern, die noch zu Hause bei ihrer Mutter wohnen. Korede ist die ältere, vernünftigere Tochter, die äußerlich eher unscheinbar ist und als Krankenschwester arbeitet. Der grazile Männerschwarm Ayoola ist als Modedesignerin tätig. Sie verführt die Männer und nun ist es zum dritten Mal passiert, dass ein Geliebter ums Leben gekommen ist. Korede fühlt sich für ihre jüngere Schwester verantwortlich und hilft ihr erneut, die Leiche zu beseitigen und alle Spuren zu verwischen, auch wenn sie inzwischen arge Zweifel hat, dass ihre Schwester, wie behauptet, in Notwehr gehandelt hat.
Als Ayoola ein Interesse für den Arzt Dr. Tade Otumu entwickelt, für den Korede heimlich schwärmt, klingeln bei ihr alle Alarmglocken. Sie kann nicht verhindern, dass sich Tade in ihre bildhübsche Schwester verliebt und lebt nun mit der Befürchtung, dass Tades letzte Tage gezählt sind.

"Meine Schwester, die Serienmördern" ist kein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein bitterböses Psychogramm über zwei unterschiedliche Schwestern, die voneinander abhängig sind. Während Korede praktisch und ordentlich veranlagt ist, aber als unscheinbare Frau nicht wahrgenommen wird, kann sich die selbstbewusste Ayoola perfekt in Szene setzen und alle Herzen für sich erobern. Niemand ahnt, dass sie das Messer ihres verstorbenen Vaters bei sich trägt und wie viel Skrupellosigkeit hinter der schönen Fassade steckt.

Durch eine vom Patriarchat und Gewalt geprägte Kindheit sind die beiden Schwestern eng miteinander verbunden, doch als Ayoola Koredes Schwarm umgarnt, gerät ihre Solidarität ins Wanken. Eifersucht, Missgunst und Wut machen sich breit, immer hinter der schönen, aber bösen Schwester stehen zu müssen. Dieses Spannungsverhältnis kann nicht mehr lange gutgehen...

Der Roman besteht aus kurzen Kapiteln, die episodenartig das Verhältnis der beiden Schwestern aus der Sicht von Korede schildern. Gewalt von klein auf gewohnt und in einem korrupten afrikanischen Staat großgeworden, berichtet sie nüchtern und emotionslos von den Todesfällen und der Beseitigung der sterblichen Überreste der Geliebten ihrer Schwester, die sie nach der dritten Leiche als Serienmörderin definiert.
Der Roman ist kess und unterhaltsam geschrieben, auch wenn die Charaktere etwas überzeichnet sind. Als Leser*in fiebert man auf die Katastrophe hin, zu der es unweigerlich kommen muss, denn durch das Liebesdreieck spitzt sich die Situation für alle unangenehm zu.

Der Plot ist kurz und knackig, der Schreibstil frech und makaber-humorvoll. Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden und so fliegt man durch den mit nicht einmal 250 Seiten kurzen Pageturner, wobei das Ende vergleichsweise verhalten und lahm ist.
Die diametrale Darstellung der Schwestern dabei ist gelungen und absurd-unterhaltsam dargestellt. Aufgrund der jedoch etwas eindimensionalen Charakterzeichnung, die die beiden Frauen mehr über ihr Äußeres als durch ihren Intellekt definiert, würde ich das Buch nicht - wie vom Verlag beworben und in der Presse gefeiert - als feministisches Statement bezeichnen. Auch die patriarchalen Strukturen Nigerias und der Schauplatz Lagos kamen mir dafür zu wenig zum Tragen.

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Veröffentlicht am 23.04.2022

Sommerlicher Roman mit ernsten Tönen über Liebe in allen Facetten, Freundschaft, Zugehörigkeit, Zusammenhalt und das enge Band der Familie.

Der Wind singt unser Lied
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Weltenbummlerin Toni befindet sich in Costa Rica, als sie einen verstörenden Anruf von ihrem Vater erhält. Vor 15 Jahren hatte Toni den Ferienhof ihrer Eltern bei St. Peter-Ording verlassen, nachdem der ...

Weltenbummlerin Toni befindet sich in Costa Rica, als sie einen verstörenden Anruf von ihrem Vater erhält. Vor 15 Jahren hatte Toni den Ferienhof ihrer Eltern bei St. Peter-Ording verlassen, nachdem der Verlust ihrer großen Liebe sie aus der Bahn geworfen hatte. Nun macht sie sich Sorgen um ihre Familie, zu der sie nur noch sporadisch Kontakt gehalten hatte und nach einem Unfall, der ihr zeigt, wie schnell das Leben vorbei sein kann, entschließt sie sich, nach Hause zurückzukehren. Dort stößt sie zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Ihr Vater verhält sich seltsam, ihre Mutter ist gar nicht zugegen und die Ehe ihrer Schwester Caro scheint auch zu kriseln.
Während Toni auf dem Hof mit anpackt, trifft sie auf neue und alte Bekannte, versucht sie die Probleme, die in der Familie herrschen, zu klären und sich mit ihrer eigenen Vergangenheit zu versöhnen.
Anders als Cover und Titel suggerieren, ist "Der Wind singt unser Lied" keine unbeschwerte Sommerlektüre, denn dafür lasten zu viele Sorgen auf Toni und ihrer Familie. Einerseits ist die Existenz des Ferienhofs bedroht und andererseits scheint auch jeder Protagonist sein Päckchen zu tragen zu haben. Die großen und kleinen Geheimnisse, die zwischen den Figuren herrschen, sorgen für Spannung und die ein oder andere Wende.
Toni belastet die Vergangenheit, die sie rastlos hat werden lassen. Zuhause angekommen kommen wieder Erinnerungen auf, die sie verdrängt hatte und die die Beziehung zu ihrer Schwester belasten. Es gibt unausgesprochene Vorwürfe und Schuldgefühle, die sich im Verlauf der Handlung offenbaren und die Gründe für Tonis Flucht aus der Heimat erklären.
Der Roman ist abwechslungsreich und lebendig geschrieben, die Figuren sind facettenreich und wirken authentisch. Auch wenn die Geschichte problembeladen ist und gerade zu Beginn etwas melancholisch erscheint, sorgt das sommerliche Setting am Meer, umgeben von den Tieren des Hofs "Ferienglück", für ein Gefühl von Behaglichkeit und Wohlbefinden.
Die sich abzeichnende Liebesgeschichte bleibt im Hintergrund, während die Familie beginnt, offener miteinander zu sprechen und ihre Probleme wirtschaftlicher und zwischenmenschlicher Art zu lösen.
Die Geschichte handelt von Liebe und Freundschaft, von Zugehörigkeit und Zusammenhalt und dem engen Band der Familie. Er zeigt, wie viel in gegenseitigem Vertrauen möglich ist, wenn Probleme gemeinschaftlich angegangen werden.
Es ist ein sommerlicher Roman mit ernsten Tönen, bei dem man nie die Hoffnung verliert, dass sich vieles zum Guten wenden wird. Schön finde ich zudem, dass die Autorin ganz nebenbei Bezug auf ihre Vorgängerromane nimmt und es ein Wiedersehen mit bekannten Protagonisten gibt. Nebenfiguren werden im nächsten Roman zur Hauptfigur, wie im Fall der behandelnden Ärztin von Tonis Vater, die im neuesten Roman von Meike Werkmeister "Das Glück riecht nach Sommer" ihre ganz eigene Geschichte bekommt.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Ruhig erzählter, warmherziger Roman über die Liebe zur Sprache, über die Rolle der Frau zur Jahrhundertwende und das enge Band von Familie und Freundschaft.

Die Sammlerin der verlorenen Wörter
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Esme wächst bei ihrem Vater Harry auf, der zur Jahrhundertwende als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet. Das Skriptorium und das Haus seines Arbeitgebers Dr. James Murray wird für ...

Esme wächst bei ihrem Vater Harry auf, der zur Jahrhundertwende als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet. Das Skriptorium und das Haus seines Arbeitgebers Dr. James Murray wird für Esme zu einem zweiten Zuhause. Schon als kleines Mädchen liest sie die Belegzettel mit Erklärungen für die Worte, die in dem Wörterbuch aufgenommen werden sollen. So mancher Zettel mit aussortierten landet dabei heimlich in ihrer Koffertruhe, die sie bei dem acht Jahre älteren Dienstmädchen Lizzie der Murrays aufbewahrt. Dort erkennt sie auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich und die Stellung der Menschen in der Gesellschaft.
Als Esme älter wird, geht sie mit Lizzie regelmäßig in die Markthalle in Oxford und lernt dort nicht nur neue Worte kennen, für die sie ihre eigenen Belegzettel mit treffenden Zitaten für ihr eigenes "Lexikon der verlorenen Wörter" verfasst, sondern auch Frauen wie die Schauspielerin Tilda, die als Suffragette für das Wahlrecht der Frauen kämpft.

Der Roman ist eine fiktive Geschichte über das Leben von Esme Nicoll, die 1892 geboren ist, als Tochter eines Lexikographen aufwächst und selbst eine Liebe zu Worten entwickelt. Ihre Lebensgeschichte wird eng mit der Entstehungsgeschichte des Oxford English Dictionary verwoben. Das Buch gibt damit interessante Einblicke in die über 50-jährige Arbeit an DEM englischen Wörterbuch, das fortlaufend weiterentwickelt wird. Fast jeder deutsche Schüler wird den Nachfolger des historischen Wörterbuch, das Oxford Advanced Learner's Dictionary, aus dem Englischunterricht kennen.

Esme ist ein liebenswerter Charakter, die durch ihre Aufenthalte im Skriptorium, das von Männern dominiert ist und durch ihre freundschaftliche Beziehung zu dem Dienstmädchen Lizzie die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie den Bürgerlichen und Arbeitern kennenlernt. Sie begreift die Ungerechtigkeiten und unterstützt die Suffragettenbewegung, auch wenn sie deren Methoden nicht immer gutheißt. Sie selbst bleibt eher passiv und muss sich persönlich mit Verlusten auseinandersetzen.

Während mir der Beginn mit Esmes Kindheit und ihrem Sammeln der Worte, die es nicht geschafft haben, in das OED aufgenommen zu werden, da sie zu vulgär waren oder nur im Sprachgebrauch der einfachen Menschen vorkamen, gut gefallen hat, empfand ich den Roman im Mittelteil weniger fesselnd. Die Handlung wurde etwas zäh, da sie sowohl in Bezug auf die Fertigstellung des OED als auch im Hinblick auf den Kampf um Frauenrechte und Gleichberechtigung auf der Stelle trat. Auch der Beginn des Großen Krieges bremste die Geschichte eher aus, als dass sie zu mehr Spannung oder Dramatik beitrug.

"Die Sammlerin der verlorenen Worte" ist ein eher ruhig erzählter, warmherziger Roman über die Liebe zur Sprache, über die Rolle der Frau zur Jahrhundertwende und das enge Band von Familie und Freundschaft, das über die Konventionen hinweg einen festen Halt im Leben gibt und Esme über ihre Verluste hinweg hilft. Neben der Hauptfigur gibt es noch viele weitere liebenswerte und originelle Charaktere, die real existierten und denen die Autorin Leben einhaucht, wobei es aufgrund der Vielzahl der Figuren, denen Esme begegnet, nicht immer leichtfällt, den Überblick zu behalten. Die fiktive Geschichte ist von realen Ereignissen und Personen inspiriert und eine schöne Vorstellung, durch Engagement, Leidenschaft, Empathie und Hartnäckigkeit, Minderheiten, Schwachen und Unterdrückten Gehör zu verschaffen und etwas Bleibendes zu schaffen.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Schwermütige Geschichte über die Last der Vergangenheit und die Chance, loslassen zu können - fesselnd und eindrücklich erzählt.

Der Papierpalast
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Elle Bishop ist Anfang 50, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Wie jeden Sommer verbringen sie ihre freien Tage im Papierpalast, dem Sommerhaus der Familie in Back Woods auf Cape Cod, wo Elle das Freiheitsgefühl ...

Elle Bishop ist Anfang 50, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Wie jeden Sommer verbringen sie ihre freien Tage im Papierpalast, dem Sommerhaus der Familie in Back Woods auf Cape Cod, wo Elle das Freiheitsgefühl am See genießt. In diesem Sommer ist auch ihre Jugendliebe Jonas mit seiner Ehefrau Gina da, was die beiden jedoch nicht davon abhält, in einem unbeobachteten Moment nach einem gemeinsamen Grillabend mit der ganzen Familie, miteinander zu schlafen. Noch am nächsten Morgen ist eine aufgeladene Spannung vorhanden und Jonas schwört Elle hartnäckig seine Liebe.
Elle kann jedoch nicht darüber hinwegsehen, dass Jonas sie eines Sommers verlassen hatte und erinnert sich sodann zurück an ihre Kindheit und Jugend, die Scheidung ihrer Eltern, neue Lebenspartner und ein düsteres Geheimnis, dass sie mit Jonas verbindet und an dem ihre Jugendliebe zerbrach.

"Der Papierpalast" ist der Ort, wo sich Elle in Jonas verliebt hat, aber auch der Ort, wo ihr Schreckliches widerfahren ist. Gegenüber ihrer Familie konnte sie sich als 15-jähriges Mädchen nicht öffnen und so war es Jonas, dem sie ihr Geheimnis anvertraute. Die Folgen davon waren nicht absehbar und sorgten für ein nachhaltig schlechtes Gewissen.

Der Roman handelt in der Gegenwart an nur einem Sommertag Anfang August, dem Tag nach dem ersten Sex der ehemals jugendlichen Liebenden. Die Vergangenheit erzählt 30 Jahre im Leben von Elle, von den 1960ern bis in die 1990er-Jahre, auf die sie zurückblickt. Es ist keine leichte Familiengeschichte, denn die Verhältnisse der Familienmitglieder untereinander sind schwierig. Beide Elternteile sind sehr auf sich bezogen und haben wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der beiden Töchter Anna und Elle genommen. Es herrscht wenig Vertrauen und Liebe untereinander, der Ton ist scharf, die Mädchen wechseln zwischen Mutter und Vater, stehen dort jedoch nie an erster Stelle. So merkt auch niemand, welches Spiel Elles Stiefbruder Conrad treibt. Es sind Erlebnisse, die Elles weiteres Leben geprägt haben und die auch für die/ den Leser*in nur schwer verdaulich sind.
In ihrem beständigen Ehemann Peter, dem eleganten Engländer, findet Elle Halt und gründet ihre eigene Familie. Er weiß nichts von ihrer Vergangenheit, ihrem Geheimnis und ihren dunklen Gedanken.

So steht Elle mit Anfang 50 vor der Entscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Leidenschaft und Vernunft, zwischen Abenteuer und Beständigkeit, zwischen Freiheit und Familie.
"Der Papierpalast" ist eine dramatische Geschichte über eine Familie, in der wenig gesprochen wird, in der Problemen ausgewichen wird und Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Durch Rückblenden in die Vergangenheit, die chronologisch erzählt wird, wird ein Geheimnis offenbart, das eine Erklärung für Elles schamloses Verhalten in der Gegenwart liefert und das sie nach all den Jahren der Verdrängung vor die Wahl stellt und eine Entscheidung erzwingt.
Die Geschichte zeigt, wie viele Jahre ungelöste Konflikte und unverarbeitete Traumata schwelen und die Gegenwart beeinflussen können. Es stellen sich Fragen nach Verantwortung und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne.
Der Roman ist eindringlich, stellenweise brutal und wird mir dabei phasenweise zu nüchtern erzählt. Zudem empfand ich den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit oft zu sprunghaft und ich konnte mich auf beiden Zeitebenen nur schwer in Elle oder ihre Mutter Wallace hineinversetzen und ihr Handeln nachvollziehen. Die Geschichte fesselt durch den lebendigen Schreibstil und die direkten Dialoge und markigen Lebensweisheiten von Mutter Wallace, jedoch fand ich nicht ganz schlüssig, warum sich Elle ausgerechnet in diesem Sommer im Papierpalast ihren Dämonen der Vergangenheit stellt.

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Veröffentlicht am 16.04.2022

Bewegende Geschichte über ein Mädchen aus armen Verhältnissen, das Gewalt und Willkür ausgesetzt ist, aber nie die Hoffnung und ihre "lauterne" Stimme verliert.

Das Mädchen mit der lauternen Stimme
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Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr ...

Nach dem Tod ihrer Mutter durfte Adunni nicht mehr zur Schule gehen. Dabei hatte diese ihrer Tochter stets gepredigt, das Bildung die einzige Chance für eine bessere Zukunft ist. Stattdessen verkauft ihr Vater Adunni im Alter von 14 Jahren als Drittfrau an einen deutlich älteren Mann. In seinem Haus freundet sie sich zwar mit der Zweitfrau von Morufu an, leidet jedoch unter den Schikanen der Erstfrau und der Gewalt und den Übergriffen ihres Ehemanns, der unbedingt einen männlichen Nachkommen möchte.
Nach einem schrecklichen Ereignis flieht Adunni nach Lagos, wo sie eine Anstellung als Hausmädchen bei Big Madam bekommt. Doch auch dort gehen die Schikanen weiter und Adunni ist der Gewalt der tyrannischen Hausherrin ausgesetzt. Unerschütterlich hält Adunni jedoch an ihrem Vorhaben fest, zur Schule gehen und Lehrerin werden zu können, um allen Kindern die Chance auf Bildung zu ermöglichen.

Adunni ist ein Mädchen vom Stamm der Yoruba aus dem Dorf Ikati im Südwesten Nigerias Sie ist einerseits ein intelligentes, ehrgeiziges Mädchen, andererseits aber auch erschreckend naiv, da sie bis zu ihrer Flucht in die Großstadt Lagos nur das Dorf Ikati kannte, das von Armut geprägt ist. Adunni Gedanken sind in einer einfachen Sprache verfasst. Die Autorin verwendet auch grammatikalische Fehler in Adunnis Ausdrucksweise, um ihren mangelnden Bildungsstand zu verdeutlichen. Dabei übertreibt sie nicht - das Buch ist ohne Probleme lesbar, auch afrikanische Worte oder Wortneubildungen von Adunni erschließen sich aus dem Kontext.

Adunnis Geschichte ist bewegend, denn sie ist nur eine von vielen. Der Roman zeigt deutlich auf, welchen Stand die Frauen insbesondere in den ärmeren Gegenden in der nigerianischen Gesellschaft haben und wie enorm der Unterschied zwischen Arm und Reich ist. Geschickt baut die Autorin durch Adunnis Wissbegier Fakten über Nigeria ein, die interessante Hintergründe liefern und zum Verständnis der Geschichte beitragen.
Es ist erschreckend zu lesen, dass Nigeria eines der reichsten Länder in Afrika ist und dass dennoch so viele Menschen in Armut und Dreck leben. Die Beschreibungen von sanitären Einrichtungen und der mangelnden Hygiene sind dabei sehr bildhaft und eindrücklich. Auch der Aberglaube, der unter den Menschen herrscht, wirkt wie aus einer vergangenen Zeit und nicht wie Leben im Jahr 2015.

Die Geschichte ist voller Brutalität, Gewalt und psychischen und physischen Misshandlungen und oft wünscht man sich, Adunni würde den Mund halten, um in ihrer Einfalt nicht noch mehr Schläge zu provozieren. Doch Adunni behält ihre "lauterne" Stimme und verliert ihr Ziel, sich weiterzubilden und zur Schule zu gehen, nicht aus den Augen.

Trotz der schwierigen Ausgangslage und der Chancenlosigkeit durch Zwangsheirat und Arbeit, die an Sklaverei grenzt, macht die Geschichte Mut und zeigt, dass ein Ausweg möglich ist, wenn man genügend Kraft hat, nicht aufzugeben. Adunni hat Glück und findet immer ein wenig Unterstützung, so dass sich neue Wege aufzeigen. Auch in Nigeria ist die Welt nicht Schwarz-Weiß. Unter den reichen Menschen in Lagos sind auch Menschen, die ihr Personal anständig behandeln und sich für Chancengleichheit und Gerechtigkeit einsetzen, was der Geschichte einen Hoffnungsschimmer gibt, genauso wie Adunnis grenzenloser Optimismus, dass der morgige Tag ein besserer wird.

Adunnis Geschichte ist fiktiv. Sie steht jedoch stellvertretend für alle Mädchen in Nigeria, die aus armen Verhältnissen stammen, Gewalt und Willkür ausgesetzt sind und ohne Schule oder den Einfluss andere gebildeter Frauen, nie auch nur begreifen können, welche Rechte ihnen zustehen und welche Möglichkeiten sich ihnen durch Lesen, Schreiben und kulturelle Bildung ihnen offenstehen.
Es ist ein Buch, das das Augenmerk auf die Situation von Mädchen Frauen in Nigeria lenkt und die Botschaft verbreitet, die Stimme zu erheben - denn Bildung ist ein Fundament für eine bessere Zukunft und der wirksamste Weg gegen Armut und davon sollte eine Hälfte der Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden.

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