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Veröffentlicht am 03.06.2017

Schöner Liebesroman abseits vom Schema F

Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
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Die Geschichte hört sich erstmal nach dem typischen Liebesroman an. Bea muss wohl oder übel Zeit mit Tim, dem gefeierten Autor verbringen, und mit ihm auf Lesereise gehen. Natürlich mögen sie sich anfangs ...

Die Geschichte hört sich erstmal nach dem typischen Liebesroman an. Bea muss wohl oder übel Zeit mit Tim, dem gefeierten Autor verbringen, und mit ihm auf Lesereise gehen. Natürlich mögen sie sich anfangs nicht, obwohl eine gewisse körperliche Anziehung sofort da ist. Am Ende gibt es dann natürlich ein Happ End. So weit, so gut. Aber mich hat der Roman dann wirklich überraschen können, denn er weicht - zumindest ein Stück weit - vom allseits bekannten Schema F ab. Inwiefern, verrate ich jetzt natürlich nicht. "Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt" ist aber definitiv nicht übliche Chick Lit, es geht meiner Meinung nach etwas tiefer und hat mich so auch an manchen Stellen echt berühren können. Genauso toll finde ich, dass so gut wie gar kein Kitsch vorhanden ist. Die Liebesgeschichte zwischen Bea und Tim wird so zart erzählt, ist total unaufdringlich und selbst wenn mal eine klischeehafte Situation entsteht, wird diese doch noch anders gelöst, als man es erwartet hätte.
Auch das Thema Drumherum mit dem Verlagswesen fand ich unglaublich interessant, den Einblick 'hinter die Kulissen' fand ich richtig spannend. Genauso das andere große Thema im Buch, nämlich Familie.
Was mich nicht ganz überzeugen konnte, war das Ende. Eigentlich finde ich den Zeitpunkt, den Kristina Günak für das Ende wählt, sehr passend und schön, aber die ein oder andere Aktion war mir ein bisschen zu viel, ein bisschen zu gequetscht. Das hätte meiner Meinung nach nicht alles in den letzten fünf bis zehn Minuten im Buchgeschehen passieren müssen.
An den Schreibstil der Autorin musste ich mich erst einmal gewöhnen und zwar allein wegen der Tatsache, dass er oft sehr kurz angebunden wirkt. Was ich nicht schlecht finde, eher interessant und ungewöhnlich für ein Genre, in dem die meisten schöne, ausgeschmückte Sätze verwenden. Kristina Günak hingegen setzt viele Punkte und das war wirklich erstmal gewöhnungsbedürftig. Schön zu lesen war das Buch trotzdem und wie schon gesagt finde ich den Schreibstil eben weil er so anders ist nochmal interessanter. Etwas, das mich an dem Stil gestört hat, waren die Wiederholungen mancher Worte. Beispielsweise liest man wirklich dauernd von Tims grauen Augen, was mich dann irgendwann auch ziemlich genervt hat!
Bei den Charakteren bin ich ein bisschen zwiegespalten: Die beiden Hauptfiguren Bea und Tim finde ich super. Bea ist zwar einerseits der totale Fan von Liebesromanen, die allesamt Happy End und alles, was dazugehört, haben, glaubt aber für sich selbst nicht an die große Liebe. Sie kann nicht nein sagen und hilft bei allem und jedem, kann selbst aber keine Hilfe annehmen. Diese Gegensätze plus noch das ein oder andere Detail aus ihrer Vergangenheit machen sie zu einer für mich richtig tollen Protagonistin mit vielen Facetten, die ich liebgewonnen habe, auch wenn sie manchmal eine ganz schöne Ordnungswut entwickeln konnte.
Tim ist wiederum ganz anders und dann doch wieder Bea ähnlich. Er wirkt wie der große, böse Mann, dem die Meinung aller anderen egal ist und sein Ding durchzieht, aber im Laufe der Geschichte bemerkt man dann auch andere Seiten an ihm. Und selbst als diese anderen Seiten von ihm langsam ans Tageslicht kommen, fand ich diesen 'Wandel' in der Persönlichkeit nicht seltsam, wie ich es schon das ein oder andere Mal hatte, wenn ein Bad Boy auf einmal seine weiche Seite zeigt, nein, es kam mir ganz normal vor.
Tja, aber wie schon gesagt bin ich zwiegespalten und das liegt an den Nebencharakteren. Denn die Protas können noch so toll dargestellt und vielseitig beschrieben sein, die Nebencharaktere waren für mich einfach nicht greifbar. Ein paar kleine Ausnahmen gibt es, zum Beispiel Norman, den fand ich ganz unterhaltsam, aber sonst bleiben die anderen Personen sehr blass und damit auch sehr leicht in eine Schublade steckbar. Das liegt zwar auch am geringen Umfang des Buches und dass die unwichtigen Charaktere ganz einfach nicht sehr oft vorkommen, ist aber trotzdem schade.
Insgesamt ist „Wer weiß schon, wie man Liebe schriebt“ auf jeden Fall lesenswert für alle, die gerne Liebesromane lesen.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Tolle Welt und authentische Charaktere - nur leider ist der Anfang ein wenig zäh

Rat der Neun - Gezeichnet
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Nach Veronica Roths Erfolg mit der „Bestimmung“-Trilogie, habe ich ja immer mal wieder Ausschau gehalten, ob sie nicht eine neue Reihe beginnt. Als ich dann „Der Rat der Neun“ entdeckte, konnte ich es ...

Nach Veronica Roths Erfolg mit der „Bestimmung“-Trilogie, habe ich ja immer mal wieder Ausschau gehalten, ob sie nicht eine neue Reihe beginnt. Als ich dann „Der Rat der Neun“ entdeckte, konnte ich es gar nicht erwarten, schon allein das Genre hört sich ja ungemein interessant an, nach einer Mischung aus Science Fiction und Fantasy.
Aber erstmal zur Handlung: Akos und sein älterer Bruder werden von den Shotet, ihren Feinden, entführt und so treffen er und Cyra, die Schwester des Herrschers der Shotet, aufeinander. Am Anfang fand ich es ein bisschen zäh, es passiert nicht wirklich viel. Da liegt der Fokus dann mehr auf den Protagonisten und ihren Hintergründen, ihrem Charakter. Aber ich finde, man muss dem Buch ein bisschen Zeit geben, denn wenn man das tut, wird es eindeutig besser und vor allem auch spannender. Vor allem den Mittelteil finde ich sehr gut und auch das Ende lässt einen nicht so leicht vom Buch wegkommen. Was ich auch sehr gut finde, ist, dass der Fokus nicht zu sehr auf der Liebesgeschichte liegt. Klar, sie läuft nebenbei immer mit, aber ist nicht so penetrant, es wird nicht pausenlos schmalzig vor sich hingedacht oder geredet. Was außerdem auffällt, aber nicht unbedingt überrascht, ist, wie gnadenlos und auch blutig die Autorin teilweise beschreibt. Sie macht es ihren Charakteren – wie auch schon in „Die Bestimmung“ - wirklich nicht einfach und an der ein oder anderen Stelle war ich dann doch überrascht, wie ‚hart‘ es wurde. "Rat der Neun - Gezeichnet" hatte vor allem auch ein paar Dinge, die nicht unbedingt überraschend kamen, aber die mich doch zum Nachdenken angeregt haben. Ich hab schon ein paar Vermutungen angestellt und bin mehr als gespannt, ob sie richtig sind oder nicht, auch wenn das erst im zweiten Teil der Dilogie dann (hoffentlich) herauskommen wird.
Eine der besten Sachen an dem Buch ist außerdem die von Roth ausgedachte Welt. Am Anfang war ich ein bisschen verwirrt, ob die Charaktere eigentlich Menschen sind oder nur menschenähnlich, aber inzwischen hab ich herausgefunden, dass es wohl Menschen sein müssen. Menschen von verschiedenen Planeten, die sich teilweise stark unterscheiden, aber Menschen, ohne irgendwelche ganz seltsamen Merkmale wie grüne Haut oder Kiemen oder was weiß ich. Die Geschichte spielt im Weltall in einem eigenen Sonnensystem, das vom sogenannten Strom umkreist wird, der für die dort lebenden Völker eine besondere Bedeutung hat. In diesem Sonnensystem befinden sich neun Planeten und sie alle haben ihre Eigenheiten, sind total interessant beschaffen.Die neun Planeten stehen unter der Regierung des Hohen Rates. Was es mit dem auf sich hat, wüsste ich auch gerne, denn man erfährt zumindest in dem Teil noch nicht sehr viel davon.
Der Planet Thuvhe ist der für die Handlung wichtigste Planet und dort gibt es auch die meisten Probleme. Hier teilen sich nämlich zwei Stämme den Planeten, Thuvhesi und Shotet, und während die Thuvhesi vom Hohen Rat anerkannt sind, sind es die Shotet nicht, was sie jedoch ändern wollen. Für Konfliktpotenzial ist also gesorgt.
Ich finde ja auch schon allein die Namen cool, die die Autorin sich ausgedacht hat. Ich hab schon gelesen, dass manche damit nicht zurechtkamen, die Namen unaussprechbar fanden, aber da kann ich nicht zustimmen. Klar ist es gewöhnungsbedürftig, sich an die ganzen schon etwas seltsam klingenden Namen zu gewöhnen, aber wenn ich sie laut ausgesprochen habe, hat das immer geklappt. Und außerdem finde ich, dass sie sich gut anhören, passend, sowohl zu den Personen als auch zu den Planeten. Dass Thuvhe immer ein bisschen gehaucht klingt, kann ich mir gut vorstellen und Eijeh, ein thuvhesischer Name, passt da meiner Meinung nach super hin.
Was in dem Roman auch sehr wichtig ist, ist der Strom, den ich schon erwähnt habe. Den konnte ich mir allerdings nicht ganz genau vorstellen, wie er anscheinend von jedem Planeten aus zu sehen ist und auch verschiedene Farben annimmt. Der Strom ist deshalb für alle Bewohner der Planeten so wichtig, weil er quasi durch alle hindurch fließt und ihnen somit eine Lebensgabe gibt. Die können ganz unterschiedlich aussehen und sind vor allem nicht immer nur gut. Das fand ich auch wieder unglaublich interessant, denn meistens wird Magie und ähnliches als Nonplusultra dargestellt und hier eben nicht. Hier hat sich die Autorin auch wieder sehr interessante Sachen einfallen lassen, die nicht so "alltäglich" sind wie Telekinese oder Elemente beherrschen. Stattdessen kann eine Person zum Beispiel Schmerz weiterleiten. Dazu kommen dann noch Orakel, die die Zukunft in ihren Visionen voraussehen, die aber nicht in Stein gemeißelt ist. Nur die Schicksale der sogenannten gesegneten Familien sind unausweichlich und auch da hat sich die Autorin wieder einige coole Sachen ausgedacht. Ich kann nur sagen: Wow!
So, jetzt aber genug von den Hintergründen der Welt beziehungsweise des Weltalls, komme ich mal lieber zu was anderem. erstmal der Schreibstil. Der lässt sich gut lesen, was ich auch nicht anders erwartet hätte, denn ich kenne ja bereits Bücher der Autorin. Was ich nur ein bisschen unpassend fand, war die Art und Weise, wie die Charaktere manchmal denken, nämlich wie Erwachsene. Es ist nicht so, dass Roth hochgestochen schreibt, aber manchmal hat das, was die Personen gesagt haben, einfach nicht zu ihrem Alter gepasst. Gut, man könnte jetzt sagen, dass die Charaktere Sachen erlebt haben, die sie frühzeitig haben altern lassen, aber für mich hat es einfach nicht so ganz zueinander gepasst, denn die Protagonisten, aus deren Sicht erzählt wird, sind trotzdem noch 16 Jahre alt.
Das Buch ist außerdem aus zwei Sichtweisen erzählt. Einmal die von Akos, dessen Sicht aber aus dritter Perspektive geschrieben ist, und dann die von Cyra, die aus der Ich-Perspektive erzählt. Von den Sichtweisen fand ich Cyras ein bisschen besser, einfach weil man bei ihr mehr Einblick erhalten hat. Was seltsam ist, denn von den Charakteren her mochte ich Akos ein wenig mehr^^
Dann komme ich auch schon zu den Charakteren. Wie schon gesagt sind Cyra und Akos die Protagonisten und die sind auch wirklich interessant. Beide haben sehr spannende Lebensgaben, Cyras ist der Schmerz und schon allein, wie sie beschrieben war, war unglaublich interessant. Ich kann mir zwar absolut nicht vorstellen, wie es sein muss, jede Minute meines Lebens mit Schmerz zu verbringen, aber die Autorin hat das gut rübergebracht und so fand ich auch Cyras Charakter authentisch. Sie ist durch ihre Gabe nämlich nicht gebrochen, sondern stärker geworden und ihr Humor ist einfach klasse. Und Akos als ihr Gegenpart ist ebenfalls super. Er ist nicht der knallharte Typ, wie man ihn aus anderen Büchern kennt, sondern einfühlsam und nicht skrupellos, obwohl er viel hat durchmachen müssen und sein Schicksal genau kennt. Zwar ist er manchmal sehr stur und hat einen unerschütterlichen Glauben daran, seinen Bruder retten zu müssen, der schon fast wahnhaft ist, aber vielleicht macht genau das ihn so sympathisch. Beide Protagonisten machen auch im Laufe der Geschichte eine schöne Wandlung durch, die ganz langsam voranschreitet, sodass man sie fast gar nicht merkt.
Auch die unwichtigeren Charaktere fand ich sehr interessant, vor allem Ryzek und Eijeh. Als ich den Klappentext gelesen habe, musste ich irgendwie sofort an Joffrey aus „Game of Thrones“ denken, aber Ryzek ist da doch nochmal ganz anders und ich finde, dass die Autorin unglaublich gut beschrieben hat, wie er zu dem Mann geworden ist, der er eben ist. Und Eijeh...ich will jetzt wirklich nicht zu viel verraten, aber Eijeh hat Veronica Roth auch mega gut hinbekommen. Genauso sind die anderen Charaktere gut beschrieben, mit den verschiedenen Motiven, warum sie etwas tun und so weiter. Egal, wie unsympathisch mir ein Charakter dadurch wurde, was er getan hat, ich konnte es meistens nachvollziehen.
Insgesamt kann ich zwar nicht sagen, dass „Der Rat der Neun – Gezeichnet“ mich total mitgerissen hat und ich nun sehnsüchtig auf Teil 2 warte, aber der Roman konnte mich auf jeden Fall überzeugen.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Freundschaften über die Jahre hinweg

Als wir unbesiegbar waren
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Wie der Klappentext schon verrät, erzählt das Buch die Geschichte von vier Freunden, die sich während des Studiums kennengelernt haben, und wie sie sich über die Jahre voneinander entfernen, aber auch ...

Wie der Klappentext schon verrät, erzählt das Buch die Geschichte von vier Freunden, die sich während des Studiums kennengelernt haben, und wie sie sich über die Jahre voneinander entfernen, aber auch wieder aufeinander zukommen. Ich fand die Story durchgehend interessant, besonders weil die Ereignisse so authentisch rüberkamen. Eva, Benedict, Sylvie und Lucien machten über die Jahre hinweg - die Geschichte umfasst insgesamt etwa zwei Jahrzehnte - alle gute wie auch schwierige Zeiten durch und das wirkte auf mich wie aus dem echten Leben gegriffen, nicht übertrieben dramatisch, sondern wie etwas, das jedem passieren könnte. Genauso die Beziehung der Vier, die Streits oder wie sie sich einfach voneinander entfernten und immer weniger miteinander zu tun hatten.
Der Schreibstil von Alice Adams hat mir dabei sehr gut gefallen. Er ist nicht unbedingt besonders, lässt sich aber schön lesen und spiegelt die Persönlichkeiten der Charaktere gut wider. Die Autorin schrieb im Laufe des Buches aus der Sicht von Eva, Benedict, Sylvie und Lucien, immer in dritter Perspektive und in Vergangenheitsform, wobei Eva den meisten Raum in der Geschichte bekam, jedenfalls kam es mir so vor. Trotzdem erfuhr ich auch genug über die anderen Personen, um mir ein gutes Bild von ihnen machen zu können, es war also immer interessant, die verschiedenen Handlungsstränge zu verfolgen.
Was mich am Schreibstil allerdings manchmal gestört hat, waren die Dialoge. Nicht unbedingt die Wortwahl dabei, die Dialoge klangen in dieser Hinsicht nicht gestelzt oder steif. Aber über was sich die Figuren unterhielten. Vor allem zum Ende hin kam es mir so vor, als würden sich die Charaktere dauernd über die großen Fragen des Lebens unterhalten oder ihre Gefühle breittreten. Das kam mir leider nicht ganz so realistisch vor wie der Rest des Buches und hat mich ein kleines bisschen gestört.
Die Charaktere selbst wiederum fand ich toll dargestellt. Man konnte bei jedem der Protagonisten einen Wandel in der Persönlichkeit beobachten, der auch gut nachzuvollziehen war. Besonders gut finde ich, dass die Protagonisten - also Eva, Benedict, Sylvie und Lucien - nicht perfekt erschienen. Jeder Einzelne hatte zwar auch gute, sympathische Seiten, aber eben auch ein paar Züge, die sie unsympathisch machten und damit meiner Meinung nach zu einer authentischen Person. Von daher sind diese vier Figuren im Roman super ausgearbeitet, die anderen hingegen, die Nebenfiguren, bleiben im Hintergrund, was ich allerdings nicht sooo schlimm finde, da man dafür vier tolle Charaktere hat.
Insgesamt hatte ich mit "Als wir unbesiegbar waren" wieder einmal einen Glücksgriff, denn das Buch konnte bei mir vor allem wegen der Realitätsnähe und Authentizität der Handlung und der Charaktere punkten. Schon allein dadurch war es interessant, aber auch durch den Schreibstil wurde das Buch spannend. An manchen Stellen musste ich lachen, dann wieder war ich von einer Szene berührt und genau deswegen kann ich den Roman nur an alle weiterempfehlen, die gerne etwas über Liebe, aber vor allem Freundschaft lesen.

Veröffentlicht am 15.05.2017

Schöne Liebesgeschichte, die auch wichtige Themen behandelt

Und jetzt lass uns tanzen
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Ich war ziemlich gespannt auf diesen Roman. Meistens lese ich Geschichten mit jugendlichen Protagonisten oder sie sind in den Mittzwanzigern, höchstens Anfang 30. Das hier dürfte das erste Buch von mir ...

Ich war ziemlich gespannt auf diesen Roman. Meistens lese ich Geschichten mit jugendlichen Protagonisten oder sie sind in den Mittzwanzigern, höchstens Anfang 30. Das hier dürfte das erste Buch von mir sein, das ich lese, bei dem die Hauptpersonen schon im Rentneralter sind, und ich war neugierig darauf zu erfahren, wie ich das eigentlich finde. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es mein Leseerlebnis nicht verändert hat.
Die Geschichte hört sich auf jeden Fall ziemlich interessant an: Marguerite und Marcel, beide schon über 70 Jahre alt, sind sehr verschieden und haben doch etwas gemeinsam, nämlich dass beide vor nicht allzu langer Zeit ihren langjährigen Ehepartner verloren haben. Als sie sich dann kennenlernen, kommen sie trotz der Unterschiede auf Anhieb miteinander klar. Aber sollten sie sich jetzt noch auf die Liebe einlassen? Ich konnte die Geschichte durchweg gut verfolgen, auch wenn ich finde, dass die ersten paar Kapitel und eine kurze Passage kurz vor dem Ende nicht ganz so spannend sind. Ansonsten ist das Buch zwar nicht unbedingt ein Pageturner, aber ich finde die Themen, die Karine Lambert hier anspricht, nicht nur interessant sondern auch wichtig. Es geht sehr viel darum, wie Ehen verlaufen können, um zweite Chancen, um Familie und darum, was man älteren Menschen noch zutraut, das alles stellt die Autorin richtig gut dar. Außerdem wird die Liebesgeschichte zwischen Marguerite und Marcel gänzlich ohne Kitsch erzählt und das kommt ja auch nicht sehr häufig vor.
Der Schreibstil ist nicht überragend, lässt sich aber auf jeden Fall schön lesen, ich habe wirklich nicht lange für "Und jetzt lass uns tanzen" gebraucht - was natürlich auch daran liegen könnte, dass das Buch nur gut 200 Seiten lang ist. Der Stil ist schnörkellos und einfach und hat für mich sehr schön zu den beiden Protagonisten gepasst, aus deren Sicht das Buch erzählt wird.
Was mich auch schon zu den Charakteren bringt, meiner Meinung nach das Beste an diesem Roman. Denn obwohl er ziemlich kurz ist, konnte ich mir fast jeden Charakter, der auftauchte, sehr gut vorstellen, selbst wenn er eigentlich gar nicht so wichtig war. Am besten haben mir jedoch die beiden Protagonisten gefallen, Marguerite und Marcel. Marguerite sogar noch ein wenig mehr, denn ihre Entwicklung fand ich toll mitzuverfolgen und vor allem gut beschrieben. Ich mochte ihren Charakter einfach. Wie sie so lange durch ihren Mann in eine Rolle gezwängt wurde und damit so viele Träume aufgab. Wie sie sich nach Henris Tod erst verloren fühlt, aber auf gewisse Art und Weise auch erleichtert. Und wie sie schließlich anfängt, sich zu verändern. Marguerites Entwicklung mitzuerleben war einfach toll.
Aber auch Marcel war ein sympathischer Charakter. Seine Voraussetzungen für das erste Treffen mit Marguerite sind ganz andere, denn er liebte seine Frau Nora über alles, ist nach deren Tod in Trauer versunken und hätte eigentlich nie und nimmer damit gerechnet, wieder jemandem zu begegnen, der ihm so viel bedeuten könnte. Wie diese beiden so unterschiedlichen Menschen aufeinandertreffen und sich annähern, ist richtig schön beschrieben.
Bei mir hat dann nur noch der entscheidende Funke gefehlt, der mich hat mitfiebern und restlos begeistern können. "Und jetzt lass uns tanzen" war sehr interessant für mich und das Ende hat mich tatsächlich ein wenig melancholisch werden lassen, aber mehr auch nicht. Trotzdem ist das Buch auf jeden Fall lesenswert.

Veröffentlicht am 15.05.2017

Toller New Adult Roman mit sympathischen Charakteren, jedoch mit ein paar Schwächen

Der letzte erste Blick
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Durch den Klappentext, aber vor allem auch die Leseprobe bin ich auf den neuesten Roman von Bianca Iosivoni und damit den Auftakt ihrer neuen Reihe aufmerksam geworden. "Der letzte erste Blick" startet ...

Durch den Klappentext, aber vor allem auch die Leseprobe bin ich auf den neuesten Roman von Bianca Iosivoni und damit den Auftakt ihrer neuen Reihe aufmerksam geworden. "Der letzte erste Blick" startet schonmal mega cool, der erste Satz sagt schon sehr viel über das Buch aus.

"Es ist nicht gerade die feine Art, das erste Semester damit zu beginnen, jemandem die Nase zu brechen, Miss Lance."

Das zeigt, dass man es mit einer ganz anderen Protagonistin zu tun hat, dass Emery Lance sich nichts gefallen lässt. Und der Satz zeigt den gewissen Humor des Romans. Dass er mit einer solchen Konfliktsituation zwischen Emery und ihrem neuen unfreiwilligen Mitbewohner Mason beginnt, ist wegweisend für das, was noch kommt. In diesem Buch gibt es nämlich viele solcher...interessanter Situationen, die mich haben schmunzeln lassen. Manchmal wurde die Thematik aber auch ernster, hat mich berührt oder hat etwas Wichtiges angesprochen. Auf diese Weise hat die Autorin es geschafft, dass ich wirklich von diesem Buch begeistert werden konnte und es gerne gelesen habe. Die Vorgeschichten der beiden Hauptpersonen Emery und Dylan beziehungsweise der Entdeckung, was den beiden passiert ist, hat die Spannung zusätzlich angeheizt, denn dem Leser wird ein Häppchen nach dem anderen vorgesetzt, bis man am Ende das große Ganze sehen kann. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass "Der letzte erste Blick“ mich teilweise noch überraschen konnte, denn mit ein paar Wendungen hätte ich nun wirklich nicht gerechnet und das ist bei diesem Genre, in dem doch fast alles ziemlich vorhersehbar ist, auch mal eine schöne Abwechslung.
Nur eine Sache hat mich an der Handlung gestört, nämlich dass sich vor allem zum Ende hin die Ereignisse überschlugen und dann ein Drama das nächste gejagt hat. Davor gab es zwischendrin immer auch mal ruhigere, entspannte Szenen, aber am Ende habe ich mich gefühlt, als würde eine Lawine auf mich einstürzen. Da hätte es vielleicht gut getan, ein wenig Tempo herauszunehmen.
Den Schreibstil hingegen finde ich wieder super. Das Einzige, was mir daran nicht ganz so gefallen hat, ist, dass die Geschichte in der Vergangenheit geschrieben ist, was bei mir immer ein bisschen dazu führt, dass ich mich nicht ganz so mitgerissen fühle, aber das ist was ganz subjektives. Ansonsten ließ sich der Stil unglaublich flüssig lesen, ich war direkt in der Geschichte drin. Vor allem die Atmosphären hat die Autorin umheimlich gut rübergebracht hat, ob jetzt bei einem cooler Campingausflug mit Freunden, einem witzigen Schlagabtausch oder einer Kuss-Szene. Das Buch ist ja aus der Sicht von zwei Charakteren geschrieben, Emery und Dylan, was ich bisher noch nicht so oft gelesen habe, bei New Adult sogar noch gar nicht. Es war aber auf jeden Fall interessant, Einblicke in das Innenleben der beiden zu bekommen, wo man doch so oft nur durch die Augen einer weiblichen Protagonistin sieht.
Dass mir der Schreibstil so gut gefallen hat, liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich beide Hauptpersonen so ins Herz geschlossen habe.
Emery ist einfach der Hammer, ich liebe sie und ihre Art. Die zeigt sich ja schon in ihrer ersten Aktion auf dem Campus, bei der sie ihrem Mitbewohner eine reinhaut. Sie lässt sich wirklich nichts gefallen, ist unglaublich schlagfertig und kommt besonders anfangs distanziert rüber. Was jedoch täuscht, denn sie hat auch ihre verletzliche Seite, was jedoch nicht bedeutet, dass sie dauernd herumjammert wegen ihrer ach so schlimmen Vergangenheit. Emery ist eine Kämpfernatur, lässt sich nicht unterkriegen und hat mich damit total für sich einnehmen können, da sie sich so von der 'gewöhnlichen weiblichen Protagonistin' unterscheidet.
Auch Dylan wurde mir sehr sympathisch mit seiner so netten Art, die mal eine schöne Abwechslung zu den vielen Bad Boys ist, von denen man oft liest. Trotzdem ist er nicht immer perfekt, sondern handelt manchmal ziemlich blöd, auch wenn er gute Absichten hat. Dadurch hat er bei mir ein paar Authentizitätspunkte sammeln können.
Die Nebencharaktere der Geschichte waren mir auch fast allesamt sympathisch, vor allem die Freundesclique mit Elle, Tate, Luke, Mason und Trevor. Die Dynamik zwischen ihnen kam richtig schön rüber und so hab ich mir manches Mal gewünscht, ich könnte ins Buch hüpfen und die Ereignisse miterleben, weil ich diese Leute einfach gern hatte. Nur ein bisschen schade, dass die Clique nicht ganz so oft vorkommt. Genauso bei Emerys Familie. Ich hatte sie auf Anhieb gerne, hier sind die Familienverhältnisse nicht wie so oft in dem Genre zerrüttet. Doch leider gibt es kaum Situationen, in denen Eltern oder der Bruder mal vorkommen und wenn nur in einem Telefonat oder sogar bloß einem kurzen Nachrichtenaustausch. Dabei hätte ich so gerne mehr von Emerys Familie gehabt.
Insgesamt hatte ich beim Lesen auf jeden Fall eine Menge Spaß, die Story hat mich zum Lachen gebracht, bei ernsteren Szenen aber auch mal berührt. Nur hat es bei mir an dem letzten Schubs gefehlt, der mich von ‚richtig gut‘ und ‚begeistert‘ zu ‚absolut umwerfend‘ gebracht hätte. Eine Leseempfehlung kann ich aber auf jeden Fall aussprechen!

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