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Veröffentlicht am 22.04.2022

Morgens bei Sonnenaufgang

Dein ist der Schmerz
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Der Thriller von Leslie Wolfe führt die Leser in Floridas Gefilde an den Sandstrand von Palm Beach.

An einem frühen Morgen bei Sonnenaufgang findet ein junges Pärchen eine Frauenleiche am Strand, die ...

Der Thriller von Leslie Wolfe führt die Leser in Floridas Gefilde an den Sandstrand von Palm Beach.

An einem frühen Morgen bei Sonnenaufgang findet ein junges Pärchen eine Frauenleiche am Strand, die in Richtung Sonnenaufgang ausgerichtet ist. Die Eltern der jungen Leute dürfen eigentlich nicht wissen, dass sie am Strand sind. Sie hatten sich heimlich davongeschlichen. Als sie an den Strand kamen, war die Leiche noch nicht dort. Kurze Zeit darauf aber schon. Beide haben nicht mitbekommen, dass jemand die Leiche mit Angelschnüren dort so drapiert hat, dass sie wie in betender Haltung aussieht.

Das FBI wird hinzugezogen und Agenten Tess Winnett ist sich mit ihren Kollegen vom Police Department schnell einig, dass sie es hier mit einem Serienkiller zu tun haben, obwohl es noch beim keine weiteren Leichen gibt.

Und sie werden fündig. Nach der Analyse der Abläufe und Vorgehensweise des Täters beginnt ein Wettrennen mit der Zeit, denn der nächste Mord kann jeden Moment passieren.

Leslie Wolfe hat den Thriller mit kleinen Häppchen aus der Sicht der Opfer und des Täters gesprenkelt. Der Leser ist der Polizei scheinbar etwas voraus.

Über die Figur der FBI-Agentin, die sich mit jedem ihrer Kollegen gerne anlegt und nicht sympathisch ist, erfährt man im Laufe des Romans immer mehr aus ihrer Biografie. Somit wird auch ihre stets gezeigte Schroffheit am Ende plausibel. Das ist gut gemacht.

Obwohl es sich in dem Thriller nicht um ein gewachsenes und lange bestehendes Ermittlerteam handelt, ist er aufgrund seiner Entwicklung stark mit der TV-Serie Criminal Minds vergleichbar. Die Informationen über die Arbeit der Polizei und des FBI sind plausibel und spannend erklärt. Die Figuren sind anfangs spröde, wachsen einem am Ende doch ans Herz (bis auf die oder den Täter natürlich).

Es macht Spaß, den Thriller zu lesen und zu empfehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2022

Leicht und Locker ins Paris der 1920er Jahre

Das Herz von Paris
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Mit diesem Roman begeben sich die Leser in das Paris der 1920er Jahre, mitten ins Quartier Latin in die Buchhandlung Shakespeare & Company. Dieser Roman ist also etwas für Paris-Liebhaber, die gerne auch ...

Mit diesem Roman begeben sich die Leser in das Paris der 1920er Jahre, mitten ins Quartier Latin in die Buchhandlung Shakespeare & Company. Dieser Roman ist also etwas für Paris-Liebhaber, die gerne auch gedanklich durch die Straßen und Gassen und über die Boulevards der französischen Hauptstadt spazieren. Ich habe diese Spaziergänge mit Veronika Peters genossen.
Ann-Sophie aus Berlin ist frisch verheiratet mit dem Sohn eines Berliner Bankiers, dessen Bank nun schon 150 Jahre existiert. Doch ihr Mann hat Rechtswissenschaft studiert und soll in Paris die Kanzlei seines Onkels übernehmen. Ann-Sophie folgt ihm also nach Paris. Zu Beginn ist sie tot unglücklich in dieser riesigen Metropole, wo sie keinen Menschen kennt. Doch der Zufall führt sie in die englische Buchhandlung. Hier lernt sie viele neue Freundinnen kennen, wird selbstbewusst und gehört schon bald selbst zu dieser Bohème.
Veronika Peters beschreibt mit Charme und Liebe zum Detail. Das Lokalkolorit in Paris ist auch heute noch anzutreffen, wie sie es für die damalige Zeit bebildert hat. Es fehlt vielen vielleicht der Gestank der heutigen vielen Autos. Aber ein Abend im Deux Magot kann heute noch genauso wie damals ablaufen. Das Pariser Flair des Romans war für mich hinreißend.
Wesentliches Augenmerk bei Veronika Peters liegt auf der Entwicklung der Protagonistin, ihr Wachsen in der von Frauen dominierten Clique, die alle in der Literatur- und Künstlerszene agieren. Schriftstellerinnen, Maler und ähnliche Künstler geben sich in der Buchhandlung als auch bei abendlichen Gesellschaften die Klinke in die Hand.
Von Anbeginn fragt man sich, ob und wie die Ehe von Ann, wie sie von ihren Freunden genannt wird, und ihrem Mann Johann enden wird. Doch das Selbstbewusstsein von Ann-Sophie wächst selbst bei herben Enttäuschungen in ihrem Leben.
Die Unterhaltungen, das lockere Geplauder dieser Damen, machen Spaß, erscheinen zeitgemäß und läuten die wachsende Emanzipation des weiblichen Geschlechts ein.
Letztendlich wird den Lesern nicht nur das Schicksal von Ann-Sophie am Herzen liegen, sondern auch das des kleinen FanFan. Habe sie sehr gerne auf den Straßen von Paris begleitet und empfehle den Roman unbedingt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 12.02.2022

Im Land der Pharaonen

Im Auge der Sonne
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Dieser Roman von Barbara Wood ist ein historischer Roman, der 2000 Jahre vor Christus in Syrien spielt. Ich bin damit auf unterhaltsame Weise in eine besondere Epoche eingetaucht, die zu Zeiten der ägyptischen ...

Dieser Roman von Barbara Wood ist ein historischer Roman, der 2000 Jahre vor Christus in Syrien spielt. Ich bin damit auf unterhaltsame Weise in eine besondere Epoche eingetaucht, die zu Zeiten der ägyptischen Königin Hatschepsut und des Pharaos Thutmosis spielt.

Wir lernen Leah im Kreise ihrer Familie kennen. Sie ist Heilerin und noch nicht verheiratet. Da ihr Vater ein angesehener Geschäftsmann ist, bleibt es an ihm, einen zu ihm und seinem Ansehen passenden Mann für Leah zu finden. Es soll einer sein, der zu seinen Geschäften passt. Doch Leah verliebt sich in David, einem Schriftgelehrten, der gerade in die Stadt gekommen ist.

Doch diese Liebe darf nicht sein, sie zerstört die Geschäftsbeziehung ihres Vaters. Intrigen und Betrug sorgen für schlimme Zeiten und schließlich wird Leah von den Ägyptern entführt. Die Ägypter wollen das Land erobern. David begibt sich auf die Suche, um Leah zu befreien.

Barbara Wood hat zahlreiche historische Romane geschrieben. Der vorliegende Roman, wie auch andere in Mesopotamien spielende, haben einen besonderen Reiz. Das Land der Pharaonen zur Zeit der Pharaonen. Das hat mir Spaß gemacht.

Barbara Wood hat geschickt unterschiedliche Genre in der Handlung miteinander verknüpft. Während es einerseits um die Liebesgeschichte zwischen Leah und David geht, sorgen die Intrigen für kriminelle Hinterlist. Abenteuerlich gestalten sich die Ermittlungen. Befriedigung der Leser erfolgt, wenn die Verbrecher dingfest und bestraft werden.

Zusätzlich gibt es informationen zum Entstehen des Äskulapstabes und des Alphabets. Ob das tatsächlich exakt so war, ist heute nicht mehr nachprüfbar, aber im Rahmen einer fiktiven Unterhaltungsgeschichte sind diese Information willkommen.

Am Ende des Roman war mir manche Auflösung zu leicht gestrickt, denn manche Figuren geben meiner Meinung nach zu schnell ihre Ziele auf, um die Geschichte mit einem versöhnlichen Ende abzuschließen.

Trotzdem halte ich den Roman für eine empfehlenswerte Sache und für neugierige Leser immer für eine hervorragende Abwechslung.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

Veröffentlicht am 06.02.2022

in die deutsche Geschichte eintauchen

Der Stern der Theophanu
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In diesem historischen Roman wird die Geschichte der byzantinischen Prinzessin Theophanu erzählt. Diese junge Prinzessin wird im Jahre 972 aus machtpolitischen Erwägungen heraus mit dem Anwärter auf den ...

In diesem historischen Roman wird die Geschichte der byzantinischen Prinzessin Theophanu erzählt. Diese junge Prinzessin wird im Jahre 972 aus machtpolitischen Erwägungen heraus mit dem Anwärter auf den deutschen Thron, dem jungen Otto II. verheiratet. Zu dieser Zeit ist die Macht des Kaisers, der im Geiste der römischen Cäsaren sowohl die weltliche als auch die kirchliche Macht beherrschen möchte, nicht unangefochten. Ebenso strebt der byzantinische Herrscher nach der großen Macht. Die Heirat zwischen dem jungen Mädchen Theophanu und dem Kaisersohn Otto dient also der Befriedigung der beiden großen Mächte. Die Eingewöhnung in der neuen Heimat fällt dem jungen Mädchen aus der südländischen Metropole der damaligen Welt jedoch schwer, denn nicht nur in den deutschen Gefilden, sondern auch am Kaiserhof selbst ist das Klima rau, sehr rau. Erst nachdem sich Theophanu unerwartet und dennoch leidenschaftlich in ihren sympathischen Gatten verliebt, wird ihr das Fremde in dieser Welt vertraut. Es gelingt ihr jetzt nicht nur, den Männern, die sich ihr in den Weg stellen, sondern auch ihrer Schwiegermutter Adelheid die Stirn zu bieten. Darüber hinaus kämpft sie beherzt an der Seite Ottos um die deutsche Kaiserkrone.

Um das große Reich zu befrieden, reisen der Kaiser und seine Gattin mit dem gesamten Hofstaat durch die Ländereien. Es gab zu damaliger Zeit keinen festen Stammsitz an einem einzigen Ort, der Kaiserhof hatte mehrere Stammsitze die so genannten Pfalzen, von denen aus regiert und Gericht gehalten wurde. Theophanu begleitet ihren Mann und bestärkt ihn in seinen Entscheidungen. Sie gebiert ihm Kinder und auch den möglichen Stammhalter, der ebenfalls den Namen Otto erhält. Der Widersacher hat Otto viele sowohl am Hofe als auch im Umfeld unter den zahlreichen Fürsten. Nicht nur Theophanu sondern auch ihr Gatte wird von vielen Fürsten angefeindet, besonders von Heinrich von Bayern, der als sein Kosein ebenfalls Anspruch auf die Kaiserkrone erhebt.

Die Autorin Beate Sauer hat akribisch recherchiert und viele Fakten in diesem fiktiven Roman eingearbeitet, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. In einem langen Nachwort erläutert sie, an welchen Stellen sie die Wahrheit etwas gebeugt hat oder wo sie der Wahrheit etwas hinzugefügt hat, um dem dramaturgischen Handlungsstrang noch mehr Plausibilität und Spannung zu verleihen. Sie gibt mit diesem Roman ein ziemlich exaktes Gesellschaftsbild der damaligen Zeit wider. Viele Begebenheiten sind in Dokumentationen und Sachbüchern nachzulesen. So wird auch der Königsraub von Kaiserswerth, in welchem Otto III. als Kind durch Heinrich von Bayern entführt wurde, aus einer ganz spezifischer Sicht geschildert.

Wer in die deutsche Geschichte eintauchen möchte und die Welt von Theophanu und Otto II. erleben möchte, der ist mit diesem Roman bestens beraten. Er ist unterhaltsam spannend und gut fundiert. Diesen Roman empfehle ich sehr gerne.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Veröffentlicht am 06.02.2022

Lisa Moore ist ein stiller Roman gelungen

Der leichteste Fehler
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Die in Neufundland geborene kanadische Schriftstellerin Lisa Moore hatte bereits mit ihrem Debütroman „Im Rachen des Alligators“ einen nationalen Bestseller gelandet und befindet sich immer noch auf dem ...

Die in Neufundland geborene kanadische Schriftstellerin Lisa Moore hatte bereits mit ihrem Debütroman „Im Rachen des Alligators“ einen nationalen Bestseller gelandet und befindet sich immer noch auf dem wachsenden Ast. In ihrem 2013 erschienenen Roman „Der leichteste Fehler“ geht es um einen jungen Mann namens David Slaney, der vor wenigen Jahren auf die schiefe Bahn gerutscht ist. Der Roman beginnt mit dem Ausbruch Slaneys kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis, in welchem er die letzten vier Jahre verbracht hat. Naiv und blauäugig hatte er damals mit seinem Freund Hearn geglaubt, mal eben so 2 t Marihuana durch den Atlantik von Kolumbien nach Kanada zu schmuggeln. Sie waren von kanadischen Fischern entdeckt worden. In ihrer Unerfahrenheit glaubten sie, die Fischer würden es bei einem Kopfschütteln belassen. Das taten diese natürlich nicht, sondern informierten die Polizei. Das Ergebnis: Slaney geht für vier Jahre in den Knast, während sein Freund Hearn durch einen guten Rechtsanwalt freikommt. Kurz vor seinem Geburtstag bricht Slaney aus dem Knast aus, um so schnell wie möglich wieder zu Hearn zu gelangen, denn der nächste Coup steht auf dem Plan. Nun begleitet der Leser den Protagonisten auf einem road trip durch Kanada. Dabei erfährt er viele Hintergründe aus dem Leben des jungen Mannes, erfährt, warum Hearn freigekommen war, wie Slaney aufgewachsen ist, welchen Umgang er mit Mädchen pflegt und viele weitere einzelne Details. Geht es ihm zunächst darum, seine Freundin Jennifer wieder zu treffen, so ist das wesentliche Ziel doch sein Freund. Slaney selbst ist in den Jahren erfahrener geworden und würde lieber nicht so risikobereit in das nächste Geschäft einsteigen. Doch schließlich kann ihn sein Freund davon überzeugen, dass alles in Ordnung geht und er sich keine Sorgen machen bräuchte. Letztendlich vertraut Slaney wieder seinem Freund, denn schließlich war es dieser, der in den letzten Jahren diesen neuen Deal organisiert hat. Slaney begibt sich erneut auf eine waghalsige Tour, doch die wahre Gefahr kann er nicht einmal erahnen.

Lisa Moore ist ein stiller Roman gelungen, der Ende der 1970er Jahre in Kanada spielt und den Drogenschmuggel von Kolumbien nach Neufundland zum Thema macht. Sie zeigt den großen Drang nach Freiheit, den ein Mensch verspüren kann, und dabei die Berücksichtigung aller Risiken vernachlässigt. Erzählt wird außerdem eine Geschichte von Freundschaft. Es ist eine Geschichte zwischen den Jugendfreunden von damals und deren Entwicklung bis zur aktuellen Handlungszeit des Romans. Faszinierend ist die Stimmung, die sie erzeugt, wenn der Leser versucht, eine Sympathie zum Protagonisten aufzubauen und, ähnlich wie in den Geschichten des großen amerikanischen Schriftsteller T. C. Boyle, erkennen muss, dass der Protagonist auf ein riesiges Desaster zuläuft. Zwar kann der Leser versuchen, den Protagonisten Glück zu wünschen, aber letztendlich ahnt er, dass dieser Wunsch nicht sehr viel helfen wird.

Kritisch an dem Buch finde ich zwei Sachen, auf die die Schriftstellerin wahrscheinlich weniger Einfluss hatte. Das ist einerseits der Umschlag der deutschen Ausgabe, dessen Bild gar nichts zu dem Inhalt des Romans aussagt. Zum anderen sind es die fehlenden Anführungszeichen für die wörtliche Rede. Künstlerische Freiheit hin oder her, eine Autorin hat die Pflicht, ihren Lesern das Lesen weitgehend zu erleichtern und ihnen dabei Hilfestellung zu geben. Wenn die Dialoge ohne Kennzeichnung ausgeführt werden, dann erschwert dies das Lesen ungemein. Ständig muss sich der Leser orientierten, und bei jedem Satz versuchen, herauszufinden, ob es sich um eine wörtliche Rede, die Stimme des Erzählers oder gar die Gedanken einer Figur handelt. Nach etlichen Seiten Lesens gewöhnt sich der Leser zwar an diesen Stil, aber besonders attraktiv wird es ihm nicht gemacht.

Da bei mir die Geschichten im Vordergrund stehen, vergebe ich dennoch eine klare Empfehlung und sehe dabei über die genannten Kritikpunkte hinweg.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015