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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2022

Spannende Neu-interpretation des Märchens um König Drosselbart

Spielmannsbraut
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In einem für den Drachenmondverlag typisch wunderschön verziertem Buch wird hier die Geschichte des Königs Drosselbart und der hochmütigen Prinzessin neu erzählt. Handlungsgründe beider Charaktere werden ...

In einem für den Drachenmondverlag typisch wunderschön verziertem Buch wird hier die Geschichte des Königs Drosselbart und der hochmütigen Prinzessin neu erzählt. Handlungsgründe beider Charaktere werden verständlich und authentisch geschildert, besonders positiv überrascht hat mich, dass im Falle der sympathischen Protagonistin Mirelle Fehlverhalten begründet, aber eben nicht entschuldigt wird. Sowohl sie als auch ihr Bettler-Ehemann Joakim haben Ecken und Kanten, und diese treffen auf schlagfertig-unterhaltsame Art aufeinander. Neben diesen beiden überzeugen auch die anderen Figuren.
Neben dem angenehm zu lesenden Schreibstil sorgen stellenweise gut durchdachte Abweichungen vom Original-Märchen (gibt es überhaupt so etwas wie ein Original bei Märchen?) für zusätzliche Spannung,
Ich muss gestehen, ich habe angesichts des Covers/Klappentextes eine schöne Märchenadaption erwartet, aber die Liebe für Detail, die Witzigkeit der Dialoge, die Thematik des Umgangs mit der Vergangenheit – all das hat mich glatt umgehauen.
Alles in allem handelt es sich bei der Spielmannsbraut von Anne Danck um die beste Märchenadaption, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Unbedingte Empfehlung an alle Fans des Genres!

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Veröffentlicht am 30.04.2022

Fesselnder historischer Kriminalroman zur Zeit des Kapp-Putsches

Engel des Todes
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Im dritten Band der Paul Stainer-Reihe bekommen die Bewohner der Stadt Leipzig es mit den Wirren eines oft vergessenen Ereignisses der jungen Weimarer Republik zu tun: dem Kapp-Putsch. Ein Unglück oder ...

Im dritten Band der Paul Stainer-Reihe bekommen die Bewohner der Stadt Leipzig es mit den Wirren eines oft vergessenen Ereignisses der jungen Weimarer Republik zu tun: dem Kapp-Putsch. Ein Unglück oder eine Gelegenheit? Von Links und Rechts wird um die Zukunft gekämpft, gleichzeitig ist die Vergangenheit allgegenwärtig und einer, den die Folgen des Ersten Weltkrieges nicht ruhen lassen, mordet und verstümmelt.
Der Roman ist etwa zu gleichen Teilen Krimi und historischer Roman, als Neueinsteiger kann man mit diesem Band beginnen, aber es ist lohnenswerter beim ersten Band zu starten, weil anders als bei typischen Krimis hier ein größeres Gewicht auf die Beziehungen der Figuren untereinander, sowie deren Entwicklungen, gelegt wird.
Der Schreibstil ist einwandfrei und derart fesselnd, dass ich den Roman (trotz eigentlich anderer Wochenendplanung) in eineinhalb Tage verschlungen habe.
Historische Aspekte sind natürlich, authentisch und lebendig. Da ich noch nie in Leipzig war, kann ich nicht beurteilen, ob das Bild, dass ich mir anhand der Beschreibungen über die Stadt gemacht habe zutreffend ist, doch anders als in anderen Romanen habe ich mich hier nie in den Straßen ‚verirrt‘ oder verwirrt gefühlt.
Alles in allem kann ich diesen Roman bzw. die Paul Stainer-Reihe von Thomas Ziebula allen Freunden historischer Krimis und historischer Romane dringendst empfehlen.

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Veröffentlicht am 24.04.2022

Detailreiche Zeitreise in die Goldenen Zwanziger und die Anfänge des Radios

Die Radioschwestern
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Die Radioschwestern – Klänge einer neuen Zeit erzählt die Geschichte dreier junger Frauen im Frankfurt der Goldenen Zwanziger. Es handelt sich um den ersten Band einer Saga, ist aber sehr schön in sich ...

Die Radioschwestern – Klänge einer neuen Zeit erzählt die Geschichte dreier junger Frauen im Frankfurt der Goldenen Zwanziger. Es handelt sich um den ersten Band einer Saga, ist aber sehr schön in sich abgeschlossen.
1927: Die Freundinnen Gesa, Inge und Margot haben alle eine Stelle beim Südwestdeutschen Rundfunkdienst – Gesa ist ihrem Traum Hörspielsprecherin zu werden schon sehr nahe, die Sekretärin Inge versucht zunehmend verzweifelt als Sängerin Fuß zu fassen und die Cellistin Margot ist als einzige Frau im Orchester des Rundfunks isoliert.
Mit dem neuen Selbstbewusstsein der Frauen der Zwanziger Jahre jonglieren die Drei ihre solide Freundschaft, aufkommende Gefühle, fragile Karrieren, verzwickte Familiensituationen und Träume in einer Welt im Umbruch.
Zu Beginn der Handlung baut sich die Spannung erst langsam auf, doch die sympathischen Charaktere helfen darüber hinweg.
Neben einem Glossar am Ende des Buches wird der Leser über kleine „Nachrichten“ zu Beginn der Kapitel über diverse Pionierleistungen der Zeit informiert, aber auch davon abgesehen ist klar, wie gut dieser Roman recherchiert ist, dabei zeichnet er sich nicht zuletzt durch das wundervolle Einfangen des Zeitgeistes der 20er aus.
Besonders aber faszinierten mich die Einblicke in die Kindheit, nein, Geburtsstunde des Radios in Deutschland. Die fesselnd beschriebenen Abläufe und sich anbahnenden Entwicklungen in der jungen Radiowelt sind etwas Einmaliges.
Alles in allem kann ich diesen Roman nur weiterempfehlen und bin gespannt auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.02.2022

Gut gelungene Alternativweltgeschichte

Der Medicus
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Es ist nicht unser 11. Jahrhundert, das hier auf fesselnde Weise lebendig wird, sondern ein Phantasiemittelalter, in dem insbesondere bei Namen, Städten, Reichen und in Teilbereichen der Mentalitätsgeschichte ...

Es ist nicht unser 11. Jahrhundert, das hier auf fesselnde Weise lebendig wird, sondern ein Phantasiemittelalter, in dem insbesondere bei Namen, Städten, Reichen und in Teilbereichen der Mentalitätsgeschichte Unterschiede auftauchen. Aus medizingeschichtlicher Sicht ist das Buch gut recherchiert, die handvoll künstlerischer Freiheiten werden den meisten Lesern vermutlich nicht auffallen. Meines Erachtens hätten einige der handlungsintensiveren Szenen umfangreicher ausfallen können, aber alles in allem findet Noah Gorden eine gute Balance zwischen statischeren Schilderungen und dynamischen Momenten der Handlung.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Spannend geschriebene englische Geschichte

Rabenthron
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England, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei ...

England, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei lebenslange Freunde, eine große Liebe und mächtige Feinde…
Ælfric of Helmsby ist ein klassischer Gable-Protagonist: ehrenhaft, charakterfest und königstreu. Beziehungsweise, königinnentreu, denn der Dreh- und Angelpunkt des Romans ist Emma, deren positive Darstellung von ihrer typischen Charakterisierung in historischen Romanen abweicht. Der Schreibstil ist, wie man es von der Autorin kennt, bildlich, Emotionen weckend und spannend. Die Sexszenen waren allerdings ausführlicher als bei ihr üblich. Atmosphäre und Recherche sind topp, die politisch komplexen Situationen werden verständlich vermittelt, ohne dabei verfälschend zu sein.
Als Leser begegnet man vielen interessanten Nebenfiguren, teils historisch, teils fiktiv. Manche historischen Figuren sind etwas einseitig positiv oder negativ dargestellt, aber das lässt sich durch den jeweiligen Blickpunkt-Charakters erklären, deren Sympathien an solchen Stellen gespiegelt werden. Manche fiktiven Charaktere waren derart interessant und unterhaltsam, dass ich mir gewünscht habe, ich würde mehr über sie erfahren oder sie würden öfter vorkommen.
Insgesamt ist die Handlung spannend, mitreißend und voller interessanter Wendungen.
Ich habe lange zwischen einer 4 und 5 Sterne Bewertung geschwankt, aber im Vergleich mit anderen Büchern der Autorin tendiere ich zu der niedrigeren Bewertung. Gleichzeitig sind die 4 Sterne hier höher anzusehen, als andere Romane, die ich in der Vergangenheit so bewertet habe.
Angesichts des Klappentextes hatte ich erwartet, dass Freundschaft eine größere Rolle spielen würde. Doch obwohl sie sich durch den Roman zieht, nimmt sie gegenüber aufkommenden Romanzen eine zweitrangige Stellung ein. Das fand ich ziemlich schade, da die Figurenkonstellation der besagten Freundschaft durch entgegengesetzte Loyalitäten sehr spannend war und großes Potenzial hatte, das aber leider nicht weiter verfolgt wurde oder nur in ein zwei knappen Sätzen entschärft wurde.
Ælfric und seine Familie hatten besonders gegen Ende der Handlung hin dermaßen viel Glück und günstige Fügungen, dass es für mich unglaubwürdig wurde. Generell ist das Ende des Romans eine Schwachstelle, angesichts des Könnens der Autorin fand ich es geradezu enttäuschend. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, ich war beim Lesen durchweg unterhalten.
Alles in allem ein spannender historischer Roman, perfekt für alle, die bei der Helmsby-Trilogie einsteigen wollen oder einen Roman suchen, der Englands Chaos kurz vor 1066 verständlich und unterhaltsam erzählt.

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