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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2022

Sehr speziell

Vertrauen
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Inspektor Avi Avraham ermittelt in einem Vorort Tel Avivs gleich in zwei Fällen: zum einen verschwindet ein Tourist spurlos aus seinem Hotelzimmer, während sein Gepäck dort zurückbleibt; zum anderen wird ...

Inspektor Avi Avraham ermittelt in einem Vorort Tel Avivs gleich in zwei Fällen: zum einen verschwindet ein Tourist spurlos aus seinem Hotelzimmer, während sein Gepäck dort zurückbleibt; zum anderen wird ein Neugeborenes vor einem Krankenhaus ausgesetzt. Scheinbar haben zunächst beide Fälle nichts miteinander zu sein. Das ausgesetzte Baby scheint sogar sehr schnell geklärt zu sein, weshalb sich Avi aus persönlichem Interesse lieber dem Verschwinden des Touristen widmet. Schließlich scheint es, als hätte der Verbindungen zum Mossad. Recht schnell merkt Avi, dass nicht alles auf den ersten Blick ist, wie es scheint.

In Krimis haben Ermittler*innen in der Regel starke Probleme in ihrem Privatleben, ihren Ehen oder Beziehungen zu den Kindern. Avi Avraham ist jedoch äußerst frustriert von seinem Job, da er die Taten nicht ungeschehen machen kann und im Endeffekt nichts ändert, da die Opfer noch immer die Opfer sind. Dror Mishani hat somit einen recht außergewöhnlichen Protagonisten geschaffen und schlägt auch sonst einen recht speziellen Schreibstil und einen ungewöhnlichen Ton an. Das ist mir schon bei seinem Buch "Drei" aufgefallen. Wie dort auch schwingen in "Vertrauen" viele gesellschaftskritische Töne mit, die jedoch nicht immer sofort einzuordnen ist. Das kann jedoch auch daran liegen, dass ich nicht viel israelische Literatur lese und mit den literarischen Narrativen und kulturellen Aspekten nicht vertraut bin.

Insgesamt war Avi für mich eher unnahbar, blieb an der Oberfläche und ich konnte keine Bindung zu ihm oder dem Geschehen aufbauen. Ich bin zwischendurch abgeschweift und muss feststellen, dass "Vertrauen" für meinen Geschmack doch zu speziell und eigenwillig ist.

Veröffentlicht am 09.05.2022

Recht viele Längen

Ein Grab für zwei
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In "Ein Grab für zwei" ermittelt Selma Falck zum ersten Mal. Als ehemalige Olympia-Medaillengewinnerin und Rechtsanwälting scheint sie für Jan Morell die ideale Frau zu sein, die seine Tochter retten kann. ...

In "Ein Grab für zwei" ermittelt Selma Falck zum ersten Mal. Als ehemalige Olympia-Medaillengewinnerin und Rechtsanwälting scheint sie für Jan Morell die ideale Frau zu sein, die seine Tochter retten kann. Als erfolgreiche Skifahrerin Norwegens ist sie schweren Doping-Vorwürfen ausgesetzt und sieht ihre Karriere rapide schwinden. Selma soll ihre Unschuld beweisen und findet sehr schnell heraus, dass ein weiterer Skifahrer, der tot aufgefunden wird und ebenfalls zum Olympia-Team gehört, Spuren des gleichen Doping-Mittels im Blut hat. Nun stellt sich die Frage, ob sie hier einem riesigen Doping-Skandal oder einer gezielten Sabotage auf der Spur ist.

Während mich die Sprecherin Katja Bürkle mit ihrer Stimme, der Betonung und ihrem Sprechtempo überzeugt hat, übersättigte mich Anne Holt mit vielen Längen. Diese bestanden zum einen in die ausführlichen Exkurse des Skisports, Selmas persönlichen Problemen sowie ihrer Vergangenheit und den Doping-Aspekten. Vielleicht wäre mir das beim Lesen nicht so stark aufgefallen, aber beim Hörbuch wurde diese Wirkung noch durch das durchgehende Nennen der vollständigen Namen aller Figuren verstärkt. Zusätzlich habe ich bei der Menge an Figuren oftmals den Überblick verloren, um wen es gerade geht und wie alles zusammenhängt. Auch das Ende fand ich eher konstruiert als schlüssig und bin etwas enttäuscht zurückgeblieben.
Die Grundhandlung hat mir sehr gut gefallen, die Umsetzung mit den vielen Längen hingegen leider nicht so sehr.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Nette Lovestory mit kleineren Schwächen

Veganes Schnitzel zum Verlieben: Liebesroman
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Ella ist Influencerin und hat es mit ihrem veganen Foodblog in der Szene geschafft. An einem Galaabend, an dem sie sich zunächst gegen einen sexuellen Übergriff wehren muss, lernt sie den attraktiven Jo ...

Ella ist Influencerin und hat es mit ihrem veganen Foodblog in der Szene geschafft. An einem Galaabend, an dem sie sich zunächst gegen einen sexuellen Übergriff wehren muss, lernt sie den attraktiven Jo kennen, der nur sehr wenig über sich preisgeben möchte und für sie recht geheimnisvoll scheint. Die beiden bleiben in Kontakt, lernen sich besser kennen und stellen fest, dass sie einen Traum teilen: Sie wollen auf dem Land leben, selbst Gemüse anbauen und sich größtenteils selbst versorgen können. Doch neben Jo gibt es auch Ben, Ellas langjährigen besten Freund, der plötzlich doch mehr als Freundschaft möchte.

Annette Böhler hat einen sehr flüssigen Schreibstil und laut des Klappentextes einen ansprechenden Plot geschaffen. Allerdings habe ich recht schnell festgestellt, dass es hier gar nicht wirklich um Botschaften wie sexuelle Selbstbestimmung, Prävention von Gewalt o.Ä. geht, sondern es sich einfach um eine Liebesgeschichte handelt, in der eine Frau zwischen zwei Männern hin- und herpendelt und sich schlecht entscheiden kann. Ella blieb für mich recht unnahbar, ich konnte sie als Figur nicht wirklich greifen und ihre sprunghaften Entscheidungen und Handllungen oftmals nicht nachvollziehen.

Im Ganzen ist es eine nette Lovestory, in der die vegane Lebensweise und das Influencerleben in Kontrast zum Landleben und Natürlichkeit gestellt werden, mir aber nicht lange in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Überraschend starke Selbstdarstellung

Avas Geheimnis
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Bärbel Schäfer berichtet hier von Ava, der Schwester einer guten Freundin, derer sie sich annimmt. Dabei schildert sie Avas Gefühle, schreibt über Einsamkeit, Alleinsein und dessen Unterschiede. Während ...

Bärbel Schäfer berichtet hier von Ava, der Schwester einer guten Freundin, derer sie sich annimmt. Dabei schildert sie Avas Gefühle, schreibt über Einsamkeit, Alleinsein und dessen Unterschiede. Während Ava zwar immer wieder im Buch auftaucht, wirkt es fast so, als sei sie nur der Sprechanlass, damit Bärbel von ihrem Leben als erfolgreiche Frau und Mutter sprechen kann und einen kleinen Ausflug in Avas Gefühlswelt macht. Ava, die kurz vor einer Depression wirkt und für die ein bisschen Aufmunterung und Gesellschaft eigentlich nicht ausreichen kann.

Während ich eine Erzählung oder einen Roman erwartet habe, handelt es sich viel mehr um ein autobiographisches Werk, in das einige Fakten und zeitlich aktuelle Bezüge zu Corona und die Einsamkeit, die viele Menschen besonders in dieser Zeit spüren, hergestellt werden. Vielmehr handelt es sich jedoch meiner Wahrnehmung nach um eine Selbstdarstellung der Autorin.

Durch den flüssigen Schreibstil war das Buch ganz gut zu lesen, viel mitnehmen konnte ich jetzt jedoch nicht.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Rückkehr nach Bagdad

Der Erinnerungsfälscher
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Said Al-Wahid ist gerade auf dem Heimweg nach Berlin zu seiner Frau und seinem Sohn, als ihn sein Bruder Hakim kontatkiert. Ihre Mutter liegt in Bagdad im Krankenhaus und hat vermutlich nicht ...

Said Al-Wahid ist gerade auf dem Heimweg nach Berlin zu seiner Frau und seinem Sohn, als ihn sein Bruder Hakim kontatkiert. Ihre Mutter liegt in Bagdad im Krankenhaus und hat vermutlich nicht mehr lange zu leben. Um sie noch ein letztes Mal sehen und sich von ihr verabschieden zu können, macht sich Said Al-Wahid auf direktem Weg zurück nach Bagdad - von wo er einst auf verschiedenen Umwegen seine Flucht nach Deutschland antritt.
Auf seiner Reise zurück in den Irak und in Erwartung an das Wiedersehen mit seinem Bruder und seiner Mutter holen ihn Erinnerungen aus seiner Kindheit, seiner Jugend und seinen ersten Jahren in Deutschland ein. Allerdings weiß er nicht mehr genau, welche Erinnerungen real und welche fiktiv sind. Die Leser*innen erfahren dies ebenso wenig, aber bekommen einen Einblick in Said Al-Wahids Vergangenheit, seine Wahrnehmung und seinen Blick auf die Welt.
Erzählerisch war ich nicht allzu begeistert, da mich Abbas Khider irgendwie nicht vollständig erreichen konnte. Vieles blieb für mich sehr oberflächlich, hat mich nicht berührt und ist nahezu an mir vorbeigezogen.

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