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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2017

Hochprätentiös, überheblich und mit mehr Füllwerk als Story — der Buchpreis-nominierte Titel enttäuscht leider.

Romeo oder Julia
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So, jetzt soll ich also etwas zu Falkners Buch schreiben. Dieses Exemplar war in diesem Jahr sogar auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der Klappentext klang vielversprechend und auch die Leseprobe ...

So, jetzt soll ich also etwas zu Falkners Buch schreiben. Dieses Exemplar war in diesem Jahr sogar auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der Klappentext klang vielversprechend und auch die Leseprobe aus dem Shortlist-Leseprobenheftchen hat mir sehr zugesagt. Zack, Tina muss auch mal etwas von dieser „richtigen“ Literatur lesen, die hochgelobt ist und Preise gewinnt (vielleicht). Beim Zuklappen des Buches geraume Zeit später war mir jedoch nicht so richtig klar, was ich da gerade gelesen habe. Und ob ich überhaupt etwas vom Inhalt wiedergeben könnte, da alles so konfus war. Kurzgefasst geht es um den Autor Kurt Prinzhorn und den mysteriösen Kriminalfall, der sich um ihn zu entspinnen scheint. So sind merkwürdigerweise eine ganze Menge fremder, langer Haare an seiner Seife und sein Schlüsselbund fehlt auch. Nicht zu vergessen seine Notizbücher mit lauter wichtigen.. nun ja, Notizen. Jedoch finden weder er noch die Polizei Spuren eines Einbruchs. Kurt wird Verwirrtheit zur Last gelegt, hätte er doch die Schlüssel bestimmt anderweitig verloren. Dem ist jedoch nicht so, und als Kurz weiter nach Moskau reist, scheint ihn seine Stalkerin weiter zu verfolgen, er fühlt sich beobachtet und vielleicht auch ein wenig paranoid. Als die ominöse Frau ihn jedoch selbst nach Madrid zu verfolgt haben scheint, reißt Kurts Geduldsfaden und er nimmt die Verfolgung auf.

Neben der eigentlich ganz interessanten Hauptstory gibt es auch in „Romeo oder Julia“ jede Menge Füllwerk. So jagt Kurt mit seinen Autorenfreunden von einem Schauplatz oder Hotel zum Nächsten, führt mehr oder weniger intelligente Gespräche und lernt selbstverständlich auch die eine oder andere Frau kennen. Das „Füllwerk“ ist jedoch nicht halb so interessant wie die Geschichte um das Stalking: Plattitüden häufen sich, der Erzählung fehlt es an Schwung und Schmackes, und die Charaktere (selbst Kurz!) wirken platt. So findet man mitunter einen Satz wie Folgenden mitten im Text, ohne dass er sich schämt:

Ich ergriff ihre Hand und fühlte mich ergriffen.

Um meine Gefühle während der Lektüre dieser Sätze zu beschreiben, muss ich leider zum Slang greifen: cringe! Und nicht nur der oben genannte Satz ist cringe-worthy, um es in Worte zu fassen, sondern immer wieder tauchen komische Wortgebilde und Wortgeschwulste auf. Der Text macht den Eindruck, als wäre er hoch prätentiös und kommt ein wenig schnöselig daher. Ob das Ganze mit dieser hippen Ironie geschrieben wurde oder nicht, kann ich leider nicht nachvollziehen. Die Handlung erschien mir leider ebenso schwammig, obwohl ich nicht sagen könnte, dass ich unaufmerksam gelesen hätte oder dergleichen. Ich habe nur nicht den Zusammenhang zwischen all diesen Leuten, diesen Partys und unserem Herrn Protagonisten gesehen, alles schien belanglos hingekleckst, manchmal auch zum Schmunzeln, meistens aber zum Kopfschütteln.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

Veröffentlicht am 05.06.2017

Besessenheit, Identität und Wahnsinn: Liebe in Zeiten von Instagram

Sympathie
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„Sympathie“ von Olivia Sudjic hat mich wegen des ansprechenden Klappentexts und dem hübschen Cover direkt in seinen Bann gezogen. Ein Bann, der leider nach ungefähr 100 Seiten gebrochen wurde, als das ...

„Sympathie“ von Olivia Sudjic hat mich wegen des ansprechenden Klappentexts und dem hübschen Cover direkt in seinen Bann gezogen. Ein Bann, der leider nach ungefähr 100 Seiten gebrochen wurde, als das wunderschön geschriebene Buch den Zauber vom Klappentext nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Erzählt wird die Geschichte der jungen Alice, die gerade ihren Abschluss gemacht hat und nun nichts mit sich anzufangen weiß. Ihre (Adoptiv-)Mutter rät ihr, doch zu ihrer Großmutter Sylvia nach New York zu fliegen. Diesen Rat nimmt sie, wenn auch widerstrebend, an. Bei Sylvia angekommen, weiß Alice immer noch nichts mit ihrer Zeit anzufangen, also beginnt sie, Unmengen an Fotos in der Stadt zu knipsen, die sie dann bei Instagram hochlädt. Sie lernt Dwight, einen Technik-Besessenen kennen, der kurz darauf zu ihrem festen Freund wird – die Beziehung der beiden wird dadurch bestätigt, dass Dwights Freunde Alice‘ Instagram-Collagen der beiden liken. Als Sylvia eine ganze Weile später ins Krankenhaus kommt und dort auch dann bleiben muss, landet Alice bei Verwandten von ihr (Sylvia). Durch einen Zufall landet Alice auf Mizukos Instagram-Profil und verliebt sich auf den ersten Blick. Obwohl, von Liebe kann man vielleicht nicht unbedingt sprechen, es ist eher eine Besessenheit. Wie im Wahn verfolgt Alice Mizukos Leben, zieht Parallelen zwischen ihrem Leben und Mizukos und inszeniert sogar eine „zufällige“ Begegnung, damit die beiden sich kennenlernen können. Und hier beginnt Alice‘ Abwärtsspirale. Durch Drogentrips und Liebeskummer und über eine lange Zeit vergisst Alice sich selbst immer mehr und wird immer abhängiger von Mizuko. Alice glaubt fest daran, dass Mizuko ihr „Parallelteilchen“ ist, ihr gespiegelter Zwilling, den Beweis für die Supersymmetrie.

"Wie erklärt man, wie Verliebtheit beginnt? Es ist ein Zustand, der einen bis ins Letzte durhdringt, sodass man sich fast nicht mehr daran erinnern kann, wie es sich anfühlt, ohne ihn zu leben. Alles, was ihm vorausging, wird zu einem Weg, der nur dorthin führte. Die Zeit davor dient lediglich zum Bilden einer Persönlichkeit, mit der man das Objekt seiner Verliebtheit enger an sich binden kann."

Puh. Von der wirklich tollen Schreibweise, dem Stil und der Sprache mal abgesehen, konnte ich „Sympathie“ leider gar nichts abgewinnen. Die Protagonistin, Alice, gewährt uns zwar einen detaillierten Einblick in ihr Leben, in ihre Vergangenheit und in ihre Gedankenwelt, jedoch war die Obsession über Mizuko und ihre permanente Anhänglichkeit für mich nicht nachvollziehbar. Aber fangen wir mal von vorne an. Alice lernt in ihrer Zeit in New York den ihr unsympathischen und auch komplett egomanischen Dwight kennen, verbringt ihr erstes Mal mit diesem Kerl, und beginnt danach noch eine Beziehung mit ihm. Nachvollziehbar ist dies für den Leser überhaupt nicht. Warum bindet sie sich an einen ihr so missfallenden Menschen? Was bewegt sie dazu? Doch Sudjic liefert hier keine Antworten, sondern kommt mit Mizuko um die Ecke. Die völlige Besessenheit Alice‘ ist, trotz einigen (sehr von Alice herbeigezogenen) Parallelen, völlig überzogen und wirkt auf mich sehr befremdlich. Alice nistet sich schließlich erfolgreich in Mizukos Leben ein, ist jeden Tag in ihrer Wohnung, durchsucht ohne Mizukos Wissen ihr Handy und manipuliert ihre Beziehung zueinander: indem Alice Interessen und beispielsweise Lieblingsbücher etc. vortäuscht, da sie sich vorher informiert hat, was Mizuko mag und was nicht. Alice verliert sich mehr und mehr in dem Abgrund, den sie selbst geschaffen hat, und nachdem sie komplett die Orientierung in ihrem Leben verloren hat und plötzlich auf sich allein gestellt ist, kommt der Wahnsinn zum Vorschein:

"Wenn ich nicht bei ihr war und ihr nicht folgen konnte, verbrachte ich meine Zeit damit, ihren wechselnden Online-Status zu beobachten."

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Tolle Idee, leider gefühllose Ausarbeitung.

In jedem Augenblick unseres Lebens
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Sterben ist eine schlimme Sache. Jedoch kann Tom Malmquist in seinem Roman „In jedem Augenblick unseres Lebens“, der meines Wissens auf realen Gegenbenheiten basiert, leider überhaupt nicht überzeugen. ...

Sterben ist eine schlimme Sache. Jedoch kann Tom Malmquist in seinem Roman „In jedem Augenblick unseres Lebens“, der meines Wissens auf realen Gegenbenheiten basiert, leider überhaupt nicht überzeugen. In einer kalten und fast gefühllosen Weise erzählt er die Geschichte, wie seine hochschwangere Frau Karin plötzlich schwer krank wird und das Krankenhaus nicht mehr verlassen kann. Wie sie bewusstlos im Krankenbett liegt und er sich Sorgen um sie und um ihr gemeinsames Kind macht. Wie Karin schließlich stirbt und er mit seiner Tochter klar kommen muss. Wie die Überforderung ihn fast um den Verstand bringt, oder vielleicht doch nicht? Bei diesem Buch bin ich mir bei nichts sicher, denn obwohl Malmquist alles sehr detailliert beschreibt, bekommt man keinen sehr guten Einblick in seine Gefühlswelt. Obwohl die Situation sehr schwierig ist, sein Vater ist auch krank, er muss sich alleine um seine neugeborene Tochter kümmern, mit seiner und der Trauer seiner und Karins Eltern umgehen und sich dann auch noch mit behördlichen Forderungen rumschlagen, die die kleine Livia betreffen.

In abwechselnden Abschnitten erzählt Malmquist von der unangenehmen Gegenwart und davon, wie er Karin kennen und lieben gelernt hat. Die Erzählstruktur ist klasse, man erfährt so nach und nach immer mehr über die Person, die man anfangs als völlig neutraler Beobachter im Krankenbett wahrnimmt. Leider hatte ich auch hier meine Probleme. Karin kommt als eine sehr eigenartige Person rüber, die sich meiner Meinung nach nicht besonders gut mit Tom versteht, die beiden scheinen von Anfang an ihre Schwierigkeiten zu haben. Die Gespräche der beiden zehren an den Nerven und ich habe das gesamte Buch über nicht den Eindruck, als wäre das die Geschichte eines Paares. Karin erscheint mir als kalte und unsympathische Person, weshalb es mir richtig schwer gefallen ist, mitzufühlen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Über Pädophilie und die „große Liebe“.

Tiger, Tiger
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Dieses Buch erzählt die Geschichte von Margaux Fragoso, die mit sieben Jahren auf den 51-jährigen Peter trifft. Was anfangs noch als unschuldiges Rumplanschen im örtlichen Schwimmbad beginnt, führt bald ...

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Margaux Fragoso, die mit sieben Jahren auf den 51-jährigen Peter trifft. Was anfangs noch als unschuldiges Rumplanschen im örtlichen Schwimmbad beginnt, führt bald zu Küssen zur „Stärkung“ Peters, wenn der im Vergleich zu Margaux doch sehr alte Mann wieder mit seinen Rückenschmerzen etc. zu kämpfen hat und endet darin, dass die 20-jährige Margaux ungeschützten Sex mit ihm hat, um schwanger zu werden, da sie nur noch weg von zuhause will. Fragoso erzählt hier mit sehr nüchterner Stimme die bedrückende Geschichte ihres Lebens, zwischen einer Mutter mit einer unklaren Diagnose, die aber mental nicht gesund ist, einem cholerischen Vater und dem charakterlich jung gebliebenen Peter, dessen Haus ihr wie ein Schlaraffenland vorkommt. Zunächst sind sie „nur“ beste Freunde, doch hinter dem Rücken ihrer kranken und daher nicht immer aufmerksamen Mutter, die sie zu den Treffen begleitet, beginnt Peter, immer weiter zu gehen mit der damals Siebenjährigen. In erschreckend wahren Monologen versucht er ihr zu erklären, dass Kinder viel zu verklemmt erzogen werden, dass ihre Geschlechtsorgane beispielsweise immer als „schmutzig“ verurteilt werden und man durch diese Erziehung nicht im Einklang mit seinem Körper aufwachsen könne, da man von klein auf ein gestörtes Bild von sich selbst hat und man seinen Körper in seiner Natürlichkeit nicht akzeptieren könne. Und damit hat er vielleicht sogar Recht. Aber da hört es auch schon auf. Peter nutzt diese Ansprache und noch viele weitere, um die kleine Margaux zu manipulieren; was er damit bezwecken will, ist natürlich dem Leser von vornherein klar. Immer wieder bekommt er das kleine Mädchen dazu, sich auszuziehen und sexuell immer weiter zu gehen mit ihm. Und sie hinterfragt es nicht einmal, da sie ihm mittlerweile vollkommen hörig ist und natürlich seine Ansichten vertritt oder zumindest vertreten möchte. Deshalb gibt es von der kleinen Margaux auch keine Widerworte, als Peter gerne möchte, dass sie seinen Penis in den Mund nimmt.

Hier möchte ich lieber aufhören, die Beziehung detaillierter zu beschreiben. Fragoso beschreibt hier ihre eigene Kindheit, jedoch ist ihr Schreibstil so distanziert, dass man den Ekel der Situation und die Unangebrachtheit dieser „Liebe“ zwar nachvollziehen kann, aber man spürt es nicht. Der Stil der Autorin ist bei ihrem Memoir meiner Meinung nach unpassend, da man gerade hier doch meinen sollte, dass der Leser mitfühlen soll; mitfühlen, wie widernatürlich die Situation ist; mitfühlen, wie Margaux Peter trotzdem als ihren Schutzengel sieht; und vor allem mitfühlen, wenn ihre Eltern komplett versagen. Doch das schafft Fragoso hier leider nicht. Margaux‘ Eltern sind auch ein schwieriger Fall: Ihr Vater ist Choleriker und Putzteufel, ihre Mutter leidet entweder am Borderline-Syndrom, hat Depressionen oder ist schizophren, da sind sich die Ärzte nicht sicher. Margaux wird mit einer seltsamen Erziehung großgezogen und durch die jahrelange Beziehung mit Peter kann sie später, als sie auf Highschool und College geht, gar nicht mit dem richtigen Leben umgehen, da sie fast ihre gesamte Kindheit in dieser Blase verbracht hat. Sie hatte keinen gleichaltrigen Freund, und selbst mit 20, als sie ein Date mit ihrem möglicherweise baldigen Freund, mischt Peter (mit dem sie zu diesem Zeitpunkt nur noch eine platonische Beziehung führt) sich ein und möchte sowohl vorgestellt werden als auch am Abend teilnehmen, was ich – von der gesamten Beziehung der beiden natürlich einmal abgesehen – ziemlich verstörend finde. Margaux findet die Situation auch ein wenig unangenehm, denkt sich aber nichts weiter dabei bzw. unternimmt auch nichts, um endlich die Bande zwischen ihr und Peter zu trennen.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Spannende Idee, schlechte Ausführung – leider ein Flop vom Star des Literaturhimmels.

Das Herz kommt zuletzt
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Ohje. Wo fange ich an? Dieses Buch war für mich leider ein totaler Reinfall. Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, die Idee schien gut, aber die Ausführung… Aber zunächst mal zum Inhalt: Stan und ...

Ohje. Wo fange ich an? Dieses Buch war für mich leider ein totaler Reinfall. Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, die Idee schien gut, aber die Ausführung… Aber zunächst mal zum Inhalt: Stan und Charmaine leben in ihrem Auto, da es nach einer Wirtschaftskrise finanziell nicht sehr gut um die beiden steht. Als sie dann einen Werbespot für die Stadt Consilience im Fernsehen sehen, scheinen all ihre Probleme in gelöst: In Consilience verspricht man ihnen Arbeit und ein schönes Haus. Der einzige Nachteil, der aber auch zugleich keiner sein soll: Man verbringt abwechselnd einen Monat „daheim“ im schönen Haus bei seinem Job und einen im Gefängnis und geht dort einer Arbeit nach. Die Zeit im Gefängnis soll deshalb keinen Nachteil darstellen, weil man auch dort einem ansprechenden Job nachgeht sowie die Behandlung der Wärter und das Essen hervorragend sein sollen – schließlich sind diese den Monat darauf auch wieder hinter Gittern und möchten keine Racheakte auslösen. Was am Anfang noch perfekt für Charmaine und Stan scheint, wird nach und nach jedoch zum Alptraum, und der einzige Ausweg scheint die Flucht zu sein. Doch wer sich einmal in Consilience eingeschrieben hat, darf die Stadt nur noch im Sarg verlassen…

Es führt kein Weg aus Consilience heraus, zumindest nicht für diejenigen, die so unfassbar dämlich waren, in das Projekt einzusteigen. Sich ihm auszuliefern. ZEIT IN HAFT IST ZEIT FÜR DIE ZUKUNFT. Die haben euch total verarscht, sagt Conors Stimme in seinem Kopf.

Klingt spannend, oder? Doch leider ist dem nicht so. Nach dem ersten Twist, ca. 30 Seiten nach Beginn, ist man zugegebenermaßen noch ein wenig überrascht. Aber spätestens nach dem fünften oder sechsten (oder siebten?) Twist ist man nur noch gelangweilt und eine Überraschung ist das alles nicht mehr. Die Sprache und den Erzählstil Margaret Atwoods fand ich in „Die steinerne Matratze“ schon klasse, jedoch fehlt hier die gute Ausführung einer eigentlich recht spannenden Idee. Nachdem die beiden Protagonisten sich für Consilience eingeschrieben haben, müssen sie jeweils unterschiedliche Präsentationen über das Leben und die Funktionsweise der Stadt besuchen. Hier musste ich die Erklärung des Konzepts, wie die Stadt funktioniert und was der Nutzen der ganzen Sache ist, zwei mal nachlesen, habe es danach aber immer noch nicht verstanden. Also bin ich in das Buch gegangen, ohne zu wissen, wie und wieso das alles so läuft, wie es läuft. Kein guter Start. Nach gut der Hälfte des Buches passieren unerwartete Dinge, der Storystrang teilt sich und Stan sowie auch Charmaine geraten in Dinge, in die sie lieber nicht verwickelt wären und die zum Fluchtplan führen. Die Handlung nach der Flucht (ich denke, so viel kann ich guten Gewissens spoilern) und die Hinarbeitung auf den großen Knall ist aber einfach nur öde und ich habe mich dabei erwischt, wie ich die Seiten nur noch überflogen habe. Der „Knall“ selbst ist auch ziemlich unspektakulär. Dass Atwood noch einige Kapitel nach dieser Auflösung einfügt, finde ich überflüssig. Man bekommt hier noch einen Einblick auf das weitere Leben von Stan und Charmaine, der meiner Meinung nach auch in zwei Seiten abgefrühstückt hätte werden können.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com