Profilbild von Clara

Clara

Lesejury Star
offline

Clara ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Clara über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2022

Kurzweilig, aber nicht immer nachvollziehbar

Golden Hill Touches
0

Als Teenager hat Parker eine tolle Zeit auf der „Golden Hill“ Ranch seiner Großeltern verbracht, bis dieses Leben ein jähes und weniger schönes Ende nahm.
Inzwischen sind 11 Jahre vergangen. Parker ist ...

Als Teenager hat Parker eine tolle Zeit auf der „Golden Hill“ Ranch seiner Großeltern verbracht, bis dieses Leben ein jähes und weniger schönes Ende nahm.
Inzwischen sind 11 Jahre vergangen. Parker ist erwachsen geworden und hat große Pläne. Er kauft die ehemalige Ranch seiner Großeltern und möchte dort gemeinsam mit seiner Schwester ein Reittherapie-Zentrum eröffnen. Doch bei den Bewohnern von Boulder Creek und seiner Jugendliebe Clay stößt er auf Widerstand.

„Golden Hill – Touches“ habe ich als Hörbuch gehört. Der männliche Sprechern, Konrad Krüger, hat mich völlig begeistert. Er haucht Parker so viel Leben ein, passt seine Stimme an die Begebenheiten an und es macht einfach Spass, ihm zuzuhören. Er brachte mich regelmäßig zum Lachen, zum Beispiel mit der Imitation seiner Großmutter.
Polly Nolden, die Clay liest, konnte hier leider nicht so ganz mithalten. Sie ließ ihre Protagonistin teilweise etwas zu bockig rüber kommen.

Die ländliche Idylle von Boulder Creek hat mir gut gefallen und ich fand die Idee mit der Pferdetherapie toll. Deswegen war ich etwas enttäuscht, dass der Roman endet, bevor es zur Eröffnung kommt. Vermutlich erfährt man in der Fortsetzung mehr, auch wenn dann andere Charaktere im Vordergrund stehen werden.

Vieles an der Geschichte hat mich gut unterhalten. Ich fand spannend, wie Wildpferde ausgesucht wurden und Clays beruflicher Werdegang ist ungewöhnlich und dadurch interessant.
Woran ich mich den ganzen Roman über gestört habe, war die extreme Abneigung, die Parker entgegenschlägt. Es kam mir wie übertriebenes Drama vor, denn die Ursache dafür lag darin, dass Parker mit 17 Jahren einmal im Diner randaliert hat. Sicherlich kein Kavaliersdelikt, aber meine Güte, damals war er fast noch ein Kind, jetzt ist er erwachsen. Ich fand es oberflächlich, aufgrund dieser Verfehlung Schlüsse über seinen Charakter zu ziehen und es kommt mir auch nicht sehr realistisch vor, dass Erwachsene (insbesondere Männer), so nachtragend reagieren.
Hinsichtlich Clays Misstrauen ging es mir so ähnlich. Die beiden waren als Teenager ungefähr einen Monat zusammen und es fiel mir erst richtig schwer zu verstehen, warum Clay ein Jahrzehnt später noch immer so tief verletzt ist.
Rückblicke in die Zeit damals erklären es ein wenig besser, so dass ich es bedingt nachvollziehen konnte.

Mein Fazit ist, dass mich „Golden Hill – Touches“ gut unterhalten hat. Parker und Clay sind ein süßes Paar, dem man gerne die Daumen drückt. Der erwachsene Parker ist ein offener, hilfsbereiter Kerl, den ich schnell ins Herz geschlossen habe.
Obwohl die Geschichte kurzweilig ist, war sie mir allerdings etwas zu voll von aufgeblasenen Problemchen und Vorurteilen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2022

Nachkriegsroman mit einer großen Portion bayerischem Dialekt

Der Salon. Wunder einer neuen Zeit
0

Das Cover von Julia Fischers Roman „Der Salon“ ist wunderschön und sehr ansprechend. Die Pastellfarben passen perfekt zum Frühling.
Da ich es mir interessant vorstellte, etwas über das Friseurhandwerk ...

Das Cover von Julia Fischers Roman „Der Salon“ ist wunderschön und sehr ansprechend. Die Pastellfarben passen perfekt zum Frühling.
Da ich es mir interessant vorstellte, etwas über das Friseurhandwerk in den 50er Jahren zu erfahren, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen.
Leni ist ein waschechtes bayerisches Madl und dass ist ein Detail, welches den den Roman etwas gewöhnungsbedürftig macht. Es wird viel im Dialekt gesprochen und auch außerhalb der wörtlichen Redewendung kommt der bayerische Zungenschlag immer mal wieder durch. Dies ist definitiv Geschmackssache, ich persönlich bin kein großer Freund von Dialekten und war froh, als es in der zweiten Hälfte weniger wurde.
Aufgrund des Titels hatte ich erwartet, dass sich die Geschichte vor allem um den Salon und das Leben der Friseuse Leni dreht. Tatsächlich ist es nur ein Handlungsstrang von mehreren. Auch vier Medizinstudenten sowie Charlotte, eine wohlhabende aber unglückliche Ehefrau, spielen tragende Rollen.
Charlotte war meine Lieblingsfigur und ihr tragisches Schicksal zog mich völlig in den Bann. Zur damaligen Zeit legte die Gesellschaft Frauen sehr viele Beschränkungen auf und dies wird an ihrem Beispiel gut verdeutlicht.
Leni wiederum ist ein Charakter, der sich nicht eindeutig einordnen lässt. Einerseits ist die junge Frau sehr zielstrebig und verlässt den miefigen Salon in Dachau, um bei dem bekannten Friseur Keller in München zu arbeiten. Sie strebt ihren Meistertitel an und gründet mit einem Bekannten eine eigene Naturkosmetikfirma. Für eine Frau mit gerade einmal 21, noch dazu in den 50ern, eine beeindruckende Leistung. Gleichzeitig erschien sie mir teilweise trotzdem recht naiv und ich konnte es nicht ablegen, sie mir als Bauernmädchen vorzustellen.
Julia Fischer lässt den Zeitgeist der Nachkriegsjahre sehr authentisch aufleben und thematisiert die zwei Seiten der Medaille. Den Menschen stecken die Grauen des gerade erst beendeten Krieges noch in den Knochen, gleichzeitig feiern sie das Leben mit Konzerten, Musik, schöner Kleidung und Frisuren. Mein persönliches Highlight waren die Szenen, die Lenis Arbeitsalltag beschrieben haben und ich musste manches Mal schmunzeln, wenn die aufwendigen Frisuren mit großen Mengen Haarspray fixiert wurden.
Mich konnte „Der Salon“ gut unterhalten, auch wenn ich die Handlung oft recht vorhersehbar fand. So bald ein neues Thema angedeutet wurde, konnte ich mir bereits ungefähr vorstellen, wie es ausgehen wird... bis zu dem Augenblick, als die Geschichte eine Wendung nimmt, die ich definitiv nicht erwartet hätte.
Das überwiegend positive Buch schockiert am Ende mit einer Entwicklung, die mich fast in Tränen ausbrechen lies.
Dies ist der Auftakt einer Reihe und hier ist auf jeden Fall noch genügend Stoff für eine Fortsetzung vorhanden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2022

Dysfunktionale Familie

Zwischen Himmel und Meer
0

Vanja, Sally und Josefin – Großmutter, Mutter und Tochter. Drei Frauen einer Familie, die vor allem eine Parallele haben, die Töchter haben keinen Kontakt zu ihrer Mutter.
Während der Grund bei Sally ...

Vanja, Sally und Josefin – Großmutter, Mutter und Tochter. Drei Frauen einer Familie, die vor allem eine Parallele haben, die Töchter haben keinen Kontakt zu ihrer Mutter.
Während der Grund bei Sally und Josefin von Anfang an klar benannt wird, ist die Ursache für das nicht existierende Verhältnis zwischen Vanja und Sally komplexer und bleibt für lange Zeit des Romans ein Mysterium, dass den Leser neugierig macht und welches man gerne ergründen möchte.
Sowohl das Cover als auch der Titel von „Zwischen Himmel und Meer“ gaukeln dem Leser einen Wohlfühlroman vor. Von diesem Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die Geschichte hat durchaus mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick erwartet. Die Stimmung ist angespannt und die familiären Zerwürfnisse haben für viele angestaute Emotionen gesorgt, die nun an die Oberfläche kommen, da alle drei Frauen nach Jahren der Distanz im selben Ort leben.
Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Vanja, Sally und Josefin. Interessant fand ich alle drei Charaktere, sympathisch war mir zunächst einmal vor allem Josefin. Die anderen beiden wirken grundsätzlich nett aber mir fällt es schwer, Verständnis dafür aufzubringen, warum man sich von seiner Tochter abwendet.
Sally zu verzeihen fiel mir noch relativ leicht, da sie ihr Verhalten bedauert und nachvollziehbar erklärt. Über Vanja hingegen konnte ich nur immer wieder den Kopf schütteln und je länger ich las, desto unmöglicher fand ich ihre Einstellung gegenüber ihrer Tochter.
Diese Geschichte ist durchgängig eher düster. Neben den familiären Problemen haben die Protagonisten mit Trauer, Geldsorgen, Existenzängsten und der allgemeinem Suche nach einem Platz im Leben zu kämpfen.
Es sind Probleme, die sich real anfühlen, die Menschen in dieser oder ähnlicher Form tatsächlich haben. Es ist dadurch allerdings kein Buch, welches den Leser aufmuntert oder bei der man besonders gut entspannen kann. Ich fand eher, dass mich der Roman irgendwie runterzieht, auch wenn mir das Setting in Schweden und das beschriebene Landleben sehr gut gefallen haben. Auch den Schreibstil von Anna Fredriksson mochte ich grundsätzlich gerne. Die Kapitel hatten eine angenehme Länge und obwohl die Handlung stellenweise eher ruhig ist, lässt sich das Buch gut lesen ohne dass Langeweile aufkommt.
Der Klappentext hatte mir ein wenig etwas anderes suggeriert, war ich doch insbesondere auf das Bed & Breakfast gespannt, da ich selber gerne eine kleine Pension hätte. Hier muss man ein wenig Geduld mitbringen, denn so richtig wird es in dieser Sicht wohl erst in der Fortsetzung der Buchreihe weitergehen.
„Zwischen Himmel und Meer“ war komplett anders als ich es mir vorgestellt hatte und doch auf seine Art ein Roman, der durchaus lesenswert ist. Ich denke, dass ich auch Band 2 lesen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2022

Tolle Italien Atmosphäre

Via Torino
0

Von Aja Leuthners Roman „Via Torino“ habe ich mich durch den Schauplatz Italien angesprochen gefühlt. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Toskana Atmosphäre zu vermitteln. Während bei uns gerade ...

Von Aja Leuthners Roman „Via Torino“ habe ich mich durch den Schauplatz Italien angesprochen gefühlt. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Toskana Atmosphäre zu vermitteln. Während bei uns gerade Minusgrade herrschen, konnte ich mich beim Lesen leicht in das warme Italien träumen.

Im Grunde werden in diesem Buch gleich mehrere Geschichten erzählt. Vom Umfang her befasst sich der größte Teil mit der Studentin Eleonora, die Ende der 60er Jahre ihr spießbürgerliches Zuhause in München verlässt, um in Turin gemeinsam mit Studenten und Arbeitern für bessere Bedingungen in den Fabriken zu kämpfen. Aja Leuthner hat gründlich recherchiert, um dem Leser einen Einblick in die teilweise menschenunwürdigen Zustände an den Bändern bei Fiat zu geben. Stellvertretend für all die gesichtslosen Arbeiter steht Valerio, der eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielt. Durch diesen Sympathieträger nimmt der Leser noch stärker Anteil am Schicksal der Menschen und ist schockiert über die Gewalt, mit der die Streiks eskalieren.
Der Teil Ende der 60er Jahre ist auf jeden Fall das Herzstück des Roman, für den ich 5 Sterne vergeben würde.
Die beiden anderen Erzählstränge wirken im direkten Vergleich eher trivial. Dennoch haben mich sowohl Rosalies Liebeswirren als auch Milenas Suche nach ihrem Vater gut unterhalten.
Am Ende, wenn die Handlung in der Gegenwart ankommt, fügen sich die Geschichte von Großmutter, Mutter und Tochter zu einem Ganzen zusammen.
Zwischendurch hat mir teilweise ein wenig der Zusammenhang gefehlt, insbesondere in der ersten Hälfte fühlte ich mich beim Perspektivenwechsel aus meinem Lesefluss gerissen und war kurz irritiert über die andere Geschichte.
In den letzten Kapiteln begleiten wir die drei Frauen auf einer gemeinsamen Reise, was mir persönlich ein wenig zu langatmig und ruhig wurde.
Insgesamt war „Via Torino“ für mich also ein Roman, der mich stellenweise, wenn auch nicht durchgängig, begeistern konnte, so dass ich mich in der Gesamtbewertung für 4 Sterne entscheide.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2022

Schwere Kost

Drowning in Stars
0

„Drowning in stars“ ist eine unfassbar düstere und tragische Geschichte und gleichzeitig ist dieses Buch so berührend, dass ich nicht anders konnte, als es zu lieben.
Die Protagonisten sind sehr jung. ...

„Drowning in stars“ ist eine unfassbar düstere und tragische Geschichte und gleichzeitig ist dieses Buch so berührend, dass ich nicht anders konnte, als es zu lieben.
Die Protagonisten sind sehr jung. In der ersten Hälfte erst 12 Jahre alt. Dennoch hat dieser Roman nichts kindliches an sich, die beiden Hauptfiguren wirken sehr viel erwachsener.
Gaze und Pixie Rae leben in gegenüberliegenden Häusern in einer sozial schwachen Gegend. Gaze Vater trinkt zu viel Alkohol und neigt in betrunkenem Zustand zu Gewalttätigkeiten. Pixie Rae hat ein enges Verhältnis zu ihrer Mutter, doch leider ist diese häufig auf Geschäftsreisen. Gaze und Pixie verbringen jede freie Minute zusammen und schützen die dunklen Geheimnisse des anderen vor den Erwachsenen, bis zu einem verhängnisvollen Tag, der alles verändert. Für den einen zum Guten für den anderen zum Schlechten.
Ich habe „Drowning in stars“ als Hörbuch gehört. Leonie Landa und Flemming Stein lesen die Geschichte nicht nur, sie werden zu Pixie Rae und Gaze und lassen die Handlung unglaublich lebendig werden, ich fühlte mich, als sei ich mitten dabei. Dies ist natürlich auch dem großartigen Schreibstil von Debra Anastasia geschuldet, die sehr viel Gefühl in jede einzelne Zeile legt. Ich habe mit den beiden Protagonisten mitgefiebert und mitgelitten.
In Gazes Pflegefamilie habe ich mich direkt selber mit verliebt, insbesondere natürlich in Austen.
Nach dem Zeitsprung kam mir die Handlung leider teilweise ein wenig unrealistisch vor. Warum zum Beispiel hat Officer Sam all die Jahre nicht mehr getan? Warum darf Gaze nicht bei seiner Pflegefamilie bleiben aber diese seltsame Wohnsituation ist erlaubt? Fand ich alles etwas merkwürdig und bevor es zu einem heftigen Höhepunkt kam, hatte die Geschichte gegen Ende doch noch ein paar Längen.
Deswegen gebe ich statt der geplanten 5 Sterne doch nur 4.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere