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Veröffentlicht am 11.02.2018

Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Der erste Blick, der letzte Kuss und alles dazwischen
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In „Der erste Blick, der letzte Kuss und alles dazwischen“ von Jennifer E. Smith geht es um den letzten gemeinsamen Abend von Clare und Aidan, bevor sie an weit entfernten Colleges studieren werden. Sie ...

In „Der erste Blick, der letzte Kuss und alles dazwischen“ von Jennifer E. Smith geht es um den letzten gemeinsamen Abend von Clare und Aidan, bevor sie an weit entfernten Colleges studieren werden. Sie sind seit zwei Jahren ein Paar und stehen jetzt vor der schweren Entscheidung, ob sie sich trennen oder die Beziehung über die Entfernung aufrecht erhalten wollen. Ihnen bleiben 12 Stunden um alle wichtigen Stationen ihrer Beziehung aufzusuchen und sich bis zum Ende der Nacht über ihre Wünsche klar zu werden.

Die einzelnen Kapitel bezeichnen die Stationen von Clares und Aidans gemeinsamer Reise und geben immer die Uhrzeit an, was für die Orientierung des Lesers sehr praktisch ist. Da es darum geht, sich an ihre gemeinsame Zeit zu erinnern, sind natürlich einige Abschnitte Erinnerungen an die Vergangenheit. Inhaltlich und auf emotionaler Ebene sind diese toll geschrieben, aber es wäre besser gewesen, hätte die Autorin diese auch optisch abgehoben. In kursiver Schrift oder zumindest als neuer Absatz hätte der Leser sich sehr viel besser zurechtfinden können. Aktuell sind die Szenen als Fließtext in den Passagen aus der Gegenwart enthalten, was zum Teil recht verwirrend ist.

Mit den beiden Protagonisten bin ich nicht warm geworden: Clare ist egoistisch, übertrieben dramatisch und kämpft überhaupt nicht für ihre Beziehung. Sie hat von vornerein aufgegeben. Aidan hingegen ist sehr romantisch und denkt, er könnte ihre Liebe im Alleingang retten. Das war erst mal sehr sympathisch, aber im weiteren Verlauf des Buches verhält er sich grundlos ablehnend und trifft wenig nachvollziehbare Entscheidungen. Obwohl die Nebencharaktere, die Freunde der beiden, sehr gelungen und liebenswert sind, komme ich mit den beiden Protagonisten nicht so gut klar. Nicht nur für eine Liebesgeschichte, sondern für jeden Roman ein ganz schwerer Stand.

Was mir hingegen gut gefallen hat, war der Mangel an Klischees. Es geht damit los, dass Aidan an der Liebe festhält, romantisch ist und Clare die vermeintlich vernünftige, rationale Hälfte. Hier wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass die Geschlechterverteilung sonst andersrum ist. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für das Ende. Die ganze Zeit war ich mir sicher, wie es ausgehen würde und wurde dann doch überrascht. Mehr sogar: Clare gibt am Ende selbst ganz zynisch wieder, was man in einem Film erwarten würde und das entspricht genau dem, was ich mir auch vorgestellt habe. Ein weiteres Highlight bildet der Epilog, der fünf Monate später angesiedelt ist.

Insgesamt finde ich die Idee sehr originell: 12 Stunden die Stationen der Liebe abfahren um dann eine wichtige Entscheidung zu treffen. Allerdings gefallen mir die beiden Protagonisten nicht und wie dramatisch und lebensverändernd diese Nacht dargestellt wird. In der Leserunde habe ich den Begriff „Highschool-Drama“ mehrfach gelesen und finde ihn passend. Da mir das Ende noch ausnehmend gut gefallen hat, gibt es insgesamt 3 von 5 Sternen, denn ohne Charaktere, in die man sich einfühlen kann, bringt auch das beste Ende nichts.

Veröffentlicht am 08.05.2022

Schreibstil für mich durchgefallen

Love not Lost - Atemlos
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„Atemlos“ heißt der erste Teil von Carly Phillips neuer Reihe, „Love not Lost“, erschienen im Heyne-Verlag. In jedem Band geht es um ein anderes Pärchen, doch die Protagonistinnen sind miteinander verbunden ...

„Atemlos“ heißt der erste Teil von Carly Phillips neuer Reihe, „Love not Lost“, erschienen im Heyne-Verlag. In jedem Band geht es um ein anderes Pärchen, doch die Protagonistinnen sind miteinander verbunden – familiär oder freundschaftlich.

Den Auftakt macht Halley Ward, die zurückgezogen in einem Strandhaus lebt, um sich ihrer Kunst zu widmen. Doch Kane Harmons, ein wiedergefundener Freund aus ihrer Jugend, dringt nach und nach in ihr Leben vor und holt sie aus ihrem Kokon. Genau das macht sie aber auch verletzlich gegenüber den dunklen Themen ihrer Vergangenheit, die plötzlich vor der Tür stehen.

Dies war mein allererstes Buch von Carly Phillips. Ich hatte sie bislang als Autorin für locker-leichte Liebesromane verortet, aber als ich den Klappentext zu ihrem neuen Reihenauftakt gelesen habe, wollte ich doch gerne mal reinschauen.

Das Buch war leider etwas vollgepackt, dafür dass es keine 300 Seiten umfasst. Viele Probleme wurden angeschnitten, aber zum Teil nur unvollständig gelöst. Auch hat die Autorin einige ihrer eigenen Entscheidungen nicht stringent verfolgt. Sie konnte sich beispielsweise nicht festlegen, ob ihre Protagonisten sich durch ihre gemeinsame Jugend jetzt schon gut kennen oder gerade erst kennen lernen müssen. Das wurde immer so ausgelegt, wie es gerade zur Geschichte passt. In einem Moment erträgt jemand keine Menschenmassen im nächsten ist es doch gar nicht mehr so problematisch. Dazu kommen noch kleinere Logikfehler, wie dass sich die Eissorte innerhalb von einer Seite ändert oder jemand als "verdammt gute Köchin" bezeichnet wird, weil sie Speck gebraten hat. Beste Freundinnen nach einem Gespräch und einem Teller Plätzchen? Kein Problem.

Was das Buch für mich persönlich leider zu einem ziemlichen Flop gemacht hat, war allerdings vor allem der Schreibstil. Viele Sätze werden einfach aneinandergereiht, oder stattdessen kompliziert verschachtelt. Dazu kommt dann ein ganz ungewöhnlicher Satzbau, der das Lesen anstrengend macht, da ich viele Säte mehrfach lesen musste. Die Protagonisten reden gestelzt miteinander und der Sex wird sehr mechanisch beschrieben, fast schon eine sachliche Schilderung der Vorgänge. Darüber hinaus werden altmodische Ausdrücke in der wörtlichen Rede („Der helle Wahnsinn!“), den Beschreibungen („Ehe sie sich’s versah [...]“) und auch bei der immerwährenden Jagd nach neuen Synonymen für die männliche und weibliche Anatomie genutzt. Andere Beschreibungen wiederholen sich dafür dauernd wie "Das Spiel seiner Muskeln". Ehrlicherweise muss ich einräumen, dass ich nicht beurteilen kann, ob diese ganzen Themen durch die Originalausgabe oder die Übersetzung verursacht wurden.

Zusammenfassend komme ich zu 2 von 5 Sternen. Ich wollte das Buch wirklich gerne mögen, hatte mir die weiteren Teile schon auf eine Merkliste gesetzt, aber das Lesen hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht, sondern war einfach nur anstrengend. Die zwei Sterne kommen noch zustande, weil mir die Grundidee der Story gefallen hat, das Setting sehr schön war und man zumindest versucht hat, ernste Themen miteinfließen zu lassen. Leider werde ich die Reihe nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 01.04.2021

Repetitiv, unglaubhaft und so langweilig

Wildflower Summer – In diesem Moment
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„Wildflower Summer – In diesem Moment“ ist der zweite und somit finale Band der Wildflower Summer Dilogie von Kelly Moran aus dem kyss Verlag. Protagonisten sind hier Amy, beste Freundin der Protagonistin ...

„Wildflower Summer – In diesem Moment“ ist der zweite und somit finale Band der Wildflower Summer Dilogie von Kelly Moran aus dem kyss Verlag. Protagonisten sind hier Amy, beste Freundin der Protagonistin Olivia aus Band eins, und Nakos, Vorarbeiter auf der Wildflower Ranch. Vorwissen aus dem Auftakt ist jedoch nicht erforderlich.

Durch ein schreckliches Ereignis wird Nakos klar, dass die starke, selbstbewusste Amy, seine Freundin seit Kindertagen, eine Mauer um sich herum aufrechterhält. Diese will er abtragen, nicht nur um Amy zu helfen, nein, er entdeckt in sich plötzlich Gefühle, die tiefer gehen, als ihre bisherige Freundschaft.

Das Buch baut leider direkt auf einer von Anfang an nicht überzeugenden Situation auf: Nakos entdeckt die Liebe zu seiner guten Freundin. Bis hierhin noch eine absolut normale Friends-to-lovers Geschichte. Doch diese Gefühle entdeckt er zum einen im Zuge dessen, dass seine langjährige Liebe Olivia plötzlich für ihn unerreichbar wird, zum anderen, durch ein sehr schlimmes Ereignis auf der Farm (Dieses ist zwar auf dem Klappentext genannt, wäre aber ein Spoiler zu Band eins, daher gehe ich nicht näher darauf ein). Für mich war diese Liebe bis zuletzt nicht nachvollziehbar und genau wie Protagonistin Amy habe ich lange die Stirn gerunzelt, wie dies zeitlich mit Nakos Zurückweisung durch seine ehemals große Liebe zusammenfällt. Es wirkt alles sehr zufällig, künstlich und vor allem erzwungen: „Ihr beiden seit noch übrig in der Geschichte, dann müsst ihr ein Paar werden“, hallte in meinen Ohren der Tenor der Autorin. Mal wieder ein Buch, welchem der Zwang, Reihen zu schreiben, nicht bekommen ist.

Dies führt auch dazu, dass sich die Geschichte zu Beginn nur im Kreis dreht. Amy glaubt nicht, was Nakos für sie empfindet und er versucht ihr glaubhaft darzulegen, dass das rein gar nichts mit Olivia zu tun hat und er Amy ja schon immer geliebt hat und es nur nicht wusste. Während ich das bis zum Ende nicht glauben konnte, hat Amy es irgendwann hingenommen, bzw. hinnehmen müssen, da die Geschichte sonst gar nicht weitergegangen wäre. Bis dahin wiederholen sich immer gleiche Dialoge genauso wie wortgleiche optische Beschreibungen von „Meerjungfrauenaugen“.

Um zum Ende noch etwas Spannung reinzubringen, wird ein furchtbares Erlebnis aus Amys Kindheit aufgedeckt, sie wird binnen weniger Seiten damit konfrontiert und nach genauso wenigen Seiten ist eigentlich alles gelöst und Amy darüber hinweg. Das ging für mich viel zu schnell und war überstürzt abgehandelt. Statt der endlosen Wiederholungen am Anfang hätte ich mir gewünscht, dass diese Problematik tiefer ausgearbeitet worden wäre.

Zusammenfassend komme ich zu 2 von 5 Sternen. Während Band eins sich durch eine gute Story noch auf 3 Sterne retten konnte, habe ich mich bei Teil zwei nur gelangweilt. Die Redwood-Reihe habe ich so geliebt, die Wildflower Summer Dilogie war eine herbe Enttäuschung. Wenn am 18.05.2021 das nächste Buch von Kelly Moran, „Kissing in the rain“, erscheint (Einzelband!), werde ich ihr auf jeden Fall nochmal eine Chance geben – voller Hoffnung, dass wieder ein Zauber entsteht. Dieses Buch wird entscheiden, ob ich an der Autorin festhalte oder nicht. Ich würde es mir wünschen.

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Veröffentlicht am 15.10.2020

Fehlende Handlung verworren beschrieben

Malé
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„Malé“ von Roman Ehrlich aus dem Fischerverlag rangiert im Jahr 2020 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Der Autor betrachtet einen Zeitpunkt in der Zukunft, zu dem der steigende Meeresspiegel ...

„Malé“ von Roman Ehrlich aus dem Fischerverlag rangiert im Jahr 2020 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Der Autor betrachtet einen Zeitpunkt in der Zukunft, zu dem der steigende Meeresspiegel die Malediven fast vollständig verschluckt hat. Lediglich die heruntergekommene Hauptstadt Malé bietet noch Platz, doch statt dem ehemaligen Tourismus haben sich hier vor allem Aussteiger niedergelassen.

Zum Inhalt ist leider gar nicht viel mehr zu sagen. Viele Charaktere und ihr persönlicher Hintergrund geraten immer mal wieder in den Fokus der Erzählung, eine richtige Handlung ist allerdings nicht zu finden. Weder begleitet man diese Personen bei einem Erlebnis, noch bei ihrer Selbstfindung oder auch nur irgendeinem anderen roten Faden, der die Leser/innen mitreißen und zum Weiterlesen anregen könnte. Es ist eher wie ein Daumenkino, indem allerdings jede Seite ein anderes Standbild zeigt – was den Sinn eines Daumenkinos ad absurdum führt. Diese flüchtigen Einblicke machen keinen der zahlreichen Charaktere greifbar.

Die aufgrund dessen schon schwer aufzubauende Stimmung wird durch einen hoch komplexen Sprachstil noch abstrakter. Der Autor neigt zu monotonen Wiederholungen, vor allem um Personen zu verschlagworten. Immer wieder gibt es außerdem zeilenlange Auflistungen von Tieren, Pflanzen, Treibgut, Waren und ähnlichem, die den Leser/innen nicht nur gar keinen Mehrwert bieten, sondern die zum Teil monströsen Schachtelsätze auch noch verlängern. Dieser monotone und verworrene Schreibstil hat mir den Lesefluss und den -spaß gleichermaßen genommen. Ich bin nicht vorangekommen, habe mich durchgequält und diese knapp 300 Seiten haben sich gezogen, als wären es doppelt so viele.

Das „Problem“ in diesem Genre ist für mich, dass man auf Kritik immer erwidern kann „Das war Absicht“, „Genau das wollte der Autor erreichen“, „Du versteht einfach die Intention nicht“. Das mag alles wahr sein und würde auch erklären, wie dieser zähe Roman für den Buchpreis nominiert werden konnte. Es ändert aber alles nichts an meinem Eindruck und dem Gefühl, das ich beim Lesen hatte – und das kann ich mindestens innerhalb des Genres vergleichen.
Zusammenfassend komme ich zu 2 von 5 Sternen. Die Sprache war beim Lesen fast schon körperlich unangenehm und hat keinerlei Handlung begleitet. Ich hatte mir so viel erhofft: Postapokalypse, ein tolles Setting, ein wenig Mahnung an uns zu unserem Umgang mit der Erde. Das Potenzial war da! Was ich allerdings bekommen habe war paradoxerweise Lust auf Strandurlaub, sobald es wieder und solange es noch möglich ist. Das wollte der Autor sicher nicht erreichen.

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Veröffentlicht am 13.09.2019

Chaos statt interessantem Thema

Mittwoch also
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Protagonistin in „Mittwoch also“ von Lotta Elstad ist Hedda, 33, frisch verlassen, frisch gekündigt und ungewollt schwanger nach einem One-Night-Stand. Doch eine schnelle Abtreibung ist im norwegischen ...

Protagonistin in „Mittwoch also“ von Lotta Elstad ist Hedda, 33, frisch verlassen, frisch gekündigt und ungewollt schwanger nach einem One-Night-Stand. Doch eine schnelle Abtreibung ist im norwegischen Gesundheitssystem nicht vorgesehen und die 3-tägige Bedenkzeit nimmt unerwartete Gestalten an.

Schon bei der Inhaltsangabe für die Rezension habe ich mich schwergetan, denn noch nie habe ich so einen irreführenden Klappentext gelesen. Wer einen interessanten, inneren Konflikt über Abtreibung erwartet ist hier... komplett falsch. Ich hatte mir erhofft, dass Hedda das Für und Wider abwägt, mal mehr zur einen, mal mehr zur anderen Seite tendiert und all die Argumente durchgeht, die jeder Frau, ob (ungewollt) schwanger oder nicht durch den Kopf gehen könnten.

Es ging eigentlich sehr gut los. Der Leser ist schnell in der Geschichte, denn in der ersten Szene sitzt Hedda schon beim Arzt. Aus ihrer Perspektive nimmt der Leser an ihren ironisch-witzigen Gedanken teil und freut sich noch, wie offen sie sich damit auseinandersetzt. Vor allem die Absurdität einer pauschalen Regel von drei Tagen Bedenkzeit und wie eine Frau in ihrer Entscheidungsfreiheit beschränkt wird, hebt die Autorin schnell hervor. Soweit so gut, so hatte ich mir das ungefähr vorgestellt.

Auf den folgenden Seiten werden die zwei Männer vorgestellt, die Heddas Leben aktuell maßgeblich beeinflussen: ihre große Liebe Lukas, der sie kürzlich sitzengelassen hat, und Milo, der One-Night-Stand. Beide haben eins gemeinsam: sie hören sich sehr wahnsinnig gerne reden.
Lukas wirkt arrogant, pseudo-intellektuell und pseudo-philosophisch. Seitenweise (!) bekommt der Leser Lukas Monologe zu lesen die NICHTS, aber auch GAR NICHTS, mit den Themen Schwangerschaft, Abtreibung oder auch nur irgendeinem aktuellen, relevanten Thema (in Heddas Leben oder der Welt im Allgemeinen) zu tun haben. Wirklich zum Einschlafen. Ich verstehe absolut nicht, was die Autorin damit bezwecken wollte. Lukas ist von vorne bis hinten nur unsympathisch und Hedda hat langsam aber sicher meinen Ekel erregt, wie sie sich für ihn verbiegt, im nachläuft, wie ein Hund und abrufbereit ihr Handy nicht aus der Hand legt und auf Nachrichten von ihm lauert. Er macht von Anfang an klar, dass es mir ihr nichts Ernstes ist und nie sein wird, aber ihr Blick auf ihn ist so verklärt, dass sie es nicht versteht. Von ihrem anfänglich charmanten Humor ist nichts mehr übrig.
Milo kann man im besten Fall milde belächeln. Er redet den ganzen Tag zusammenhanglosen Unsinn und erweckt den Eindruck, den Bezug zur Realität vollständig verloren zu haben. Auch von ihm gibt es keinen Beitrag zu den oben genannten Themen.

Zum Ende des Buches kommt dann tatsächlich das Thema Schwangerschaft und Abtreibung nochmal vor. Von jetzt auf gleich trifft Hedda eine Entscheidung ohne, dass dem Leser klar wird, wie es dazu kam. Doch das wäre nun wirklich der entscheidende Faktor für mich in einer so angelegten Geschichte! Ich dachte kurzzeitig, hier fehlt ein Kapitel.

Leider kann ich ohne zu spoilern nicht weiter auf Heddas Entscheidung eingehen. Dabei läge hier noch ein riesiger Kritikpunkt begraben. Nicht daran, welche Entscheidung sie trifft, denn das ist jedem selbst überlassen und niemand darf die Entscheidung einer anderen Frau in so einer Situation beurteilen. Nein, die Art und Weise wie Hedda die Wahl trifft hat mir wirklich gar nicht gefallen. Das ist jetzt so sanftmütig formuliert, aber seht es mir bitte nach.

Beim Zuklappen des Buches hat der Leser das Gefühl, dass Hedda sich überhaupt nicht weiterentwickelt hat. In Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren könnte ihr Leben eine Schleife drehen, sie stünde genauso da, wie zu Beginn des Buches und würde vermutlich alles genauso machen.

Zusammenfassend also ein Bündel unsympathischer Charaktere, eine ätzende Protagonistin, die sich kein Stück entwickelt und ein ursprünglich interessantes Thema, dass in lauter Chaos untergeht. Einfach nur schade! Warum es doch noch einen Stern gibt? Von schlechter Sprache und Logikfehlern kann keine Rede sein. In meiner Skala muss immer Platz nach unten bleiben. Trotz furchtbarem Durcheinander und uninteressanten Beiträgen bleibt der Leser dran, weil er ja doch wissen will, wie sich Hedda entscheidet. Vermutlich hatte Elstad eine zusammenhanglose Story und hat die Schwangerschaft einmal vorne und hinten drangeheftet, damit es sich mit einem Lockvogel-Klappentext verkaufen lässt. Ich bin nur enttäuscht!