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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2024

Ein interessanter Zugang

Die kurze Stunde der Frauen
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Das Sachbuch widmet sich einem sehr spannenden Nischenthema, nämlich den Frauen in der Nachkriegszeit. Die Autorin versucht sich an einem neuen Blick auf die damaligen Verhältnisse, um nicht nur die sogenannten ...

Das Sachbuch widmet sich einem sehr spannenden Nischenthema, nämlich den Frauen in der Nachkriegszeit. Die Autorin versucht sich an einem neuen Blick auf die damaligen Verhältnisse, um nicht nur die sogenannten "Trümmerfrauen" zu glorifizieren. Dabei arbeitet die Journalistin und Historikerin Miriam Gebhardt mit vielen Selbstzeugnissen, die ein unterschiedliches Licht auf die Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg werfen.
Für das Buch hätte ich eine neutralere Erzählstimme erwartet, handelt es sich doch klar um ein Sachbuch. An vielen Stellen wirkt die Beschreibung der Frauen und ihrer Umstände aber doch sprachlich wertend und persönlich. Zwar erleichtert das den Lesefluss, erschwert aber zugleich einen eigenen Blick auf die Dinge. Ich habe einiges gelernt und fand den Blick auf die Quellen erhellend, da nicht nur mit Statistiken o.ä. Daten gearbeitet wurde, sondern der Leser einen kleinen Einblick in das Lebensgefühl der Frauen erhalten konnte. Den Aufbau des Buches finde ich gelungen, auch wenn einige der Überschriften nicht gut gewählt sind. Die Übergänge zwischen einzelnen Kapiteln werden zum Teil nicht ganz klar, sodass der Eindruck entstehen könnte, dass ein roter Faden fehle, obgleich ich das Buch thematisch überzeugend finde. Alles in allem ein überzeugender Zugang zu dem Thema, dem ein wenig der letzte Schliff fehlt.

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Veröffentlicht am 09.11.2023

Wichtiges Thema

Diese Schuld ist nicht meine
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Dieses Buch ist sehr persönlich, denn es gewährt uns viele Einblicke in das Privatleben des Autors Ulrich Kohler. Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen, denn wer kennt sie nicht, die unbewusste ...

Dieses Buch ist sehr persönlich, denn es gewährt uns viele Einblicke in das Privatleben des Autors Ulrich Kohler. Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen, denn wer kennt sie nicht, die unbewusste Schuld, die wir ständig auf uns nehmen. Kohler leitet uns ausführlich zu dem Thema hin, indem er erklärt, was unbewusste Schuld alles sein kann, wie sie entsteht, wie sie sich äußern kann und schließlich, wie man sie lösen kann. Dafür hat er eine bestimmte Technik entwickelt, die er hier präsentiert. Diese Ansätze finde ich alle sehr interessant und besonders die Einblicke in die Praxis sind hilfreich. Mein großer Kritikpunkt ist allerdings, dass ich weite Teile des Buches als sehr redundant empfinde. Meist wird ein Phänomen über zwei bis drei Beispiele erklärt, das ich allerdings schon zu Beginn verstanden habe. Im Verlauf des Buches wird dieses dann wiederholt aufgegriffen und teilweise nochmals erklärt. In meinen Augen könnte man hier sehr viel kürzen, was mir mehr Lesefreude gebracht hätte. Wenn sich jemand wirklich noch nie mit psychischen Themen oder der Psyche allgemein beschäftigt hat, dann ist die ausführliche Darstellung wohl hilfreich, für jemanden, der sich ein wenig auskennt, ist das Buch einfach stellenweise langweilig. Die Botschaft des Buches finde ich sehr wichtig und auch richtig und man kann hier sicher Tipps mitnehmen.

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Veröffentlicht am 18.09.2023

Ein fabelhaft illustriertes Buch mit zu viel Tragik

Erinnerungen des Waldes
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Archibald Fuchs führt seine Buchhandlung im Wald, als eines Tages sein Freund Ferdinand Maulwurf dringend ein Buch benötigt, das er bereits verkauft hat. Es handelt sich um Ferdinands Biografie, denn dieser ...

Archibald Fuchs führt seine Buchhandlung im Wald, als eines Tages sein Freund Ferdinand Maulwurf dringend ein Buch benötigt, das er bereits verkauft hat. Es handelt sich um Ferdinands Biografie, denn dieser verliert langsam sein Gedächtnis. Zusammen machen sich die beiden auf den Weg zu Plätzen der Erinnerung, um das Verschwinden seiner Frau aufzuklären. Doch Ferdinand vergisst immer mehr und das Ganze gestaltet sich zunehmend als schwieriger. Auf ihrer Reise begegnen sie vielen verschiedenen lieben Tieren, die die Geschichte noch reicher machen. Das Buch ist vom Verlag ab 8 Jahren empfohlen, ich würde hier höher ansetzen. Das Buch verhandelt definitiv schwierige Themen wie Demenz oder Verluste, auch wenn diese kindgerecht aufgearbeitet werden, ist die Fülle der schlimmen Erlebnisse doch groß. Im Roman werden viele Handlungsstränge und kleinere Einschübe eingebaut, die einen roten Faden manchmal missen lassen. Dabei ist die Sprache sehr poetisch und schön zu lesen, einige spezifischere Wörter könnten Kindern allerdings auf Dauer das Lesen etwas schwer machen. Die sprachlichen Umschreibungen der Situationen, beispielsweise der Demenz, sind sehr gut getroffen. Den Witz des Buches muss ich positiv hervorheben und auch die Illustrationen sind wirklich besonders und bebildern das Buch sehr passend. Ein echter Hingucker, der mich inhaltlich leider nicht von sich überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 20.05.2022

Spannend und geheimnisvoll

Die Nebel von Walhalla (Bd. 1)
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Alessa und ihre Cousine kommen auf einen neuen Reiterhof und fühlen sich dort sofort wohl. Dazu tragen auch die beiden Pferde bei, die sie aussuchen. Alessa ist oft sehr ängstlich und ihr Pferd Courage ...

Alessa und ihre Cousine kommen auf einen neuen Reiterhof und fühlen sich dort sofort wohl. Dazu tragen auch die beiden Pferde bei, die sie aussuchen. Alessa ist oft sehr ängstlich und ihr Pferd Courage das genaue Gegenteil, weshalb sie sich wunderbar ergänzen. Auf einmal erfahren die beiden Mädels, dass sie zusammen mit der gleichaltrigen Feeja und der Besitzerin des Reiterhofes Hilde dem Team Valkyrie angehören werden, denn die Pferde sind mit alten nordischen Sagen verbunden. Eine finstere und unheilvolle Gefahr lauert im Wald. Das ist eine Aufgabe für Team Valkyrie! Das Cover des Buches ist wunderschön und mit den goldenen Applikationen toll anzusehen.
Der Schreibstil und die Idee hinter der Geschichte überzeugen. Leider ist der gesamte Fantasyaspekt am Anfang zu wenig im Text markiert, sodass einige Stellen auf mich unmotiviert gewirkt haben. So auch die erste Begegnung mit Luca, die sofort dazu führt, dass Alessa ihn heimlich anhimmelt. Nach den ersten hundert Seiten wirkt das Buch dann erstmals rund, hinzu kommt ein gelungener Spannungsbogen sowie eine Portion Grusel.
Die Charaktere der Protagonisten sind authentisch beschrieben, vor allem die von ihnen ungeliebten Eigenschaften sind gut herausgearbeitet.
Band 1 einer Reihe für Kinder ab 10 Jahren, die noch einiges an Spannung verspricht, plotmäßig leider im ersten Drittel etwas schwächelt.

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Veröffentlicht am 26.03.2022

Nichts für den Einstieg

Im Rausch des Aufruhrs
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Das Jahr 1923 ist sehr vielschichtig und ambivalent. Zum einen haben wir die Inflation, einige politische und wirtschaftliche Umbrüche und Aufstände. Außerdem gibt es eine große kulturelle Vielfalt.
Dieses ...

Das Jahr 1923 ist sehr vielschichtig und ambivalent. Zum einen haben wir die Inflation, einige politische und wirtschaftliche Umbrüche und Aufstände. Außerdem gibt es eine große kulturelle Vielfalt.
Dieses Buch befasst sich mit ebenjenem Jahr, das sowohl das Ende der Nachkriegszeit als auch den Beginn der Goldenen Zwanziger markiert.
Wir erfahren Monat für Monat, was im Jahr 1923 vorgefallen ist. Dabei gibt es zu Beginn jedes Kapitels ein Bild und eine kurze Zusammenfassung zu den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Anschließend lesen wir zu verschiedenen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Literatur, Theater etc. Vorkommnisse, die im jeweiligen Monat stattfinden. Es fallen sehr viele Namen und zum Teil gibt es keine weiteren Ausführungen zu den einzelnen Personen, als dass sie jenes Buch geschrieben oder jenen Konzern aufgekauft haben. Das war für mich ein großes Problem, da ich zum Beispiel mit der Kulturszene der Zeit mehr anfangen kann, die wirtschaftlichen und politischen Persönlichkeiten jedoch nur am Rande kenne und daher lange gebraucht habe, ihre Handlungen und ihre Relevanz einzuordnen, und der Abschnitt auch schon wieder endet. Bei einigen Personen wäre ich gerne etwas länger verweilt. An dieser Stelle wären zudem Fußnoten mit den Eckdaten der genannten Personen sinnvoll gewesen. Es gibt zwar eine Art Anhang, der hilft mir allerdings beim eBook-Format wenig weiter, da ich ihn zum einen reichlich spät überhaupt bemerkt habe und zum anderen im eBook ja gar nicht weiß, auf welche Seite ich springen muss. Auch beim "echten" Buch ist ein alphabetisch nach Nachnamen sortierter Anhang für den Lesefluss wenig förderlich.
Sprachlich ist das Buch sehr gut gelungen, man fliegt nur so durch die Seiten, wenn es um Figuren geht, die man kennt. Die Umstände der Zeit werden treffend beschrieben.
Für Leser, die sich in diesem Zeitraum schon besser auskennen und nicht mit den sehr vielen Namensnennungen überfordert sind, kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Alle, die zwar Interesse am Jahr 1923 haben, aber inhaltlich noch wenig in dieser Zeit unterwegs waren, sollten zum Einstieg vielleicht lieber zu einem anderen Werk greifen.

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