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Veröffentlicht am 28.08.2022

Dunkelheit im Herzen

Das siebte Mädchen
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Chloe Davis ist eine renommierte Psychologin, die versucht, Jugendlichen mit ihren Problemen zu helfen. Sie weiß ziemlich gut, wie sich diese Mädchen, die da vor ihr sitzen, fühlen. Vor zwanzig Jahren ...

Chloe Davis ist eine renommierte Psychologin, die versucht, Jugendlichen mit ihren Problemen zu helfen. Sie weiß ziemlich gut, wie sich diese Mädchen, die da vor ihr sitzen, fühlen. Vor zwanzig Jahren wurde ihr eigener Vater verhaftet: Er war der Serienmörder von sechs Mädchen, deren Leichen nie gefunden wurden. Als jetzt, zum "20. Jahrestag" wieder Mädchen aus Chloes Umfeld verschwinden, wird sie in ihren Erinnerungen zurückkatapultiert. Ihr fallen Kleinigkeiten ein, die sie vergessen glaubte, und sie muss sich die Frage stellen: Gibt es einen Nachahmungstäter oder wurde der Mörder von vor zwanzig Jahren vielleicht gar nicht gefasst? Und welche Rolle spielt ihr Verlobter dabei, der ständig auf Dienstreisen ist?

Dieses Buch krankt an dem Problem der meisten Thriller: Man muss sich durch 400 Seiten Langeweile kämpfen, bis auf den letzten Seiten endlich was und leider auch noch das passiert, was einem eigentlich schon seit den ersten Seiten klar war. Wer hier warum was gemacht hat, kristallisiert sich so schnell heraus, dass man Chloes Unvermögen, dasselbe zu erkennen, nur auf ihren Medikamentenmissbrauch und Alkoholkonsum schieben kann. Allein diese Eigenschaften machen sie auch nicht sympathischer, sodass man nicht mal dann, wenn es spannend werden könnte, mit ihr mitfühlt. Und leider wurde es auch nicht spannend, es gab keinen Höhepunkt, weil sich die Autorin entschloss, den langweilig verpuffen zu lassen. Ich glaube, die fesselndste Szene war die, als die Heldin und ihr Verlobter Kanu fuhren und einen Alligator sahen. Und das sagt eigentlich schon alles über das Buch aus. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 07.06.2022

First Men

Royal Blue
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Alex Claremont-Diaz ist Anfang zwanzig, gutaussehend, clever und weltberühmt. Ist er doch der Sohn der amerikanischen Präsidentin. Bei Auftritten ist er der Strahlemann - außer wenn er auf Prinz Henry ...

Alex Claremont-Diaz ist Anfang zwanzig, gutaussehend, clever und weltberühmt. Ist er doch der Sohn der amerikanischen Präsidentin. Bei Auftritten ist er der Strahlemann - außer wenn er auf Prinz Henry von England trifft. Die beiden sind Erzfeinde, seit sie das erste Mal aufeinander getroffen sind. Nach einem Eklat beschließen die Werbefuzzis der Queen und des Oval Offices, dass sie demnächst als best buddys auftreten müssen. Sie sind also gezwungen, oft eng zusammenzuarbeiten und außer dieser forced proximity wird irgendwann viel mehr. Doch ist die Welt schon bereit für ein Pairing mit solch einer politischen Sprengkraft?

Hätte ich zuerst dieses Buch gelesen, hätte ich auf Shara Wheeler verzichtet, was schade gewesen wäre. Auch hier ist der Schreibstil selbst überzeugend und manchmal sogar amüsant, wenn ... ja, wenn die Hauptpersonen nicht so anstrengend wären. Sowohl Alex als auch Henry sind teilweise so kindisch, dass es wehtut. Dazu kommt, dass ausgerechnet bei Alex in der Umgebung gefühlt jeder zum LGBT+-Spektrum gehört (was echt cool ist), aber er selbst ist total entsetzt, als er herausfindet, dass er bi ist. Und dann wird es kitschig. Triefig. Schleimig. Furchtbar kitschig. Zwischen Kitsch und Bettensport ersäuft die Geschichte, die wirklich amüsant und sogar cool hätte werden können. Ich schicke Henry und Alex noch ein paar Jahre auf die Weide und bin froh, dass sich die Autorin weiterentwickelt hat. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 22.05.2022

Mack Attack zum Zweiten

Blood Destiny - Bloodmagic
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Mackenzie Smith hat ihr Rudel und Cornwall hinter sich gelassen, um es nicht weiter durch die Bruderschaft aller Gestaltwandler in Gefahr zu bringen. In Schottland findet sie in einem seltsamen, kleinen ...

Mackenzie Smith hat ihr Rudel und Cornwall hinter sich gelassen, um es nicht weiter durch die Bruderschaft aller Gestaltwandler in Gefahr zu bringen. In Schottland findet sie in einem seltsamen, kleinen Buchladen einen Job. Die Besitzerin, das stellt sie schnell fest, hat schwache magische Kräfte, ist aber eine nette, alte Dame. Lange hat Mack dort jedoch keine Ruhe. Nicht nur bekommt sie Stress mit den Magiern, die nichts Besseres zu tun haben, als die nette alte Dame in eine Art Koma zu versetzen, sondern muss sich auch mit einem anstrengenden Elfen herumärgern. Und natürlich lässt Corrigan, das Oberhaupt der Bruderschaft und seines Zeichens wandelndes Sex on Legs nicht locker, um sie aufzuspüren.

In diesem zweiten Band verliert sich die Spannung aus dem ersten. Es gibt einfach viel zu viele innere Monologe von Mack, in denen sie geradezu gebetsmühlenartig ihre Gründe fürs Verlassen des Rudels herbetet, obwohl der geneigte und auch nicht so geneigte LeserIn das bestimmt schon nach den ersten zehn, zwölf Malen verstanden hat. Auch benimmt sie sich gerade denen gegenüber, die ihr helfen, ziemlich zickig und nimmt viel zu viel als selbstverständlich und gegeben hin. Dank ist auch nicht so ihre Sache. Und wenn mich einer auf ziemlich grobe Art und Weise entführen ließe und mir dann auf die Pelle rückte, würde ich an alles Mögliche denken, nur nicht, ob der Kerl megasexy ist, sondern eher daran, wohin ich ihn am besten trete, damit er am nächsten Tag maximal noch im Knabenchor den Anführer geben kann. Dass gerade der Stress, den die Bruderschaft gemacht hat, viel zu schnell aufgelöst wurde, fand ich eher antiklimaktisch und uncool. Ich glaube, ich brauche mal eine Pause von Mack. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 10.02.2022

Dienstbare Geister

The Maid
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Molly Gray ist 25, zeigt Aspergertendenzen und ist daher ein wenig anders als die meisten Menschen. Das stört aber in ihrem Job überhaupt nicht, im Gegenteil. Sie ist Dienstmädchen im Regency Hotel, einem ...

Molly Gray ist 25, zeigt Aspergertendenzen und ist daher ein wenig anders als die meisten Menschen. Das stört aber in ihrem Job überhaupt nicht, im Gegenteil. Sie ist Dienstmädchen im Regency Hotel, einem altehrwürdigen Gebäude, und ihr Bedürfnis, perfekt zu putzen, kommt ihr in diesem Job nur zugute. Natürlich machen sich auch Angestellte und Gäste über sie lustig, aber das kennt sie fast gar nicht anders. Sie hat in Mr Preston, dem Portier, und Juan, dem Tellerwäscher, gute Freunde. Und dann findet sie eines Tages den berühmtesten Gast des Hotels tot auf seinem Zimmer und kurz darauf wird auch noch sie verdächtigt, etwas mit seinem Tod zu tun zu heben. Wie soll sie da wieder rauskommen?

Das hätte wirklich eine Art Cosy Crime werden können mit einer außergewöhnlichen Ermittlerin. Spätestens seit Leander Lost "weiß" man ja, wie gut Asperger als Ermittler funktionieren. Hier jedoch hat mich die ganze Schreibweise, die ewigen Gedankengänge der Protagonistin, wirklich furchtbar gelangweilt. Dazu kommt, dass sie nicht wirklich den Fall löst, schon gar nicht durch ihre ach-so-tollen-Kenntnisse, die ein unsichtbares Dienstmädchen Tag für Tag gewinnt. Wenn man ehrlich ist, säße sie ohne die Deus ex Machina Megaanwältin im Knast und würde da auch nie wieder rauskommen. Am Schluss kam es auch noch zu ein paar Erkenntnissen, die mir die Geschichte dann wirklich verleidet haben und das Bedürfnis, mehr von Molly und ihren Freunden zu lesen, tendiert doch eher gegen null. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 07.02.2022

Mrs Potts badet nackt

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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Judith Potts ist 77 Jahre alt und wohnt allein in einem großen Herrenhaus. Sie müsste nicht arbeiten, entwickelt aber trotzdem für diverse Zeitungen Kreuzworträtsel. Diese Tätigkeit sowie das Nacktbaden ...

Judith Potts ist 77 Jahre alt und wohnt allein in einem großen Herrenhaus. Sie müsste nicht arbeiten, entwickelt aber trotzdem für diverse Zeitungen Kreuzworträtsel. Diese Tätigkeit sowie das Nacktbaden in der Themse, die direkt am Haus vorbeifließt, halten sie fit. Als sie eines heißen Sommerabends wieder einmal nackt in der Themse planscht hört sie einen Schrei vom Nachbargrundstück, danach einen Schuss. Die Polizei will ihr nicht glauben, dass etwas passiert ist, also sucht sie selbst - und findet die Leiche ihres freundlichen Nachbarn. Als wenig später ein zweiter Toter auftaucht und dann gar noch eine dritte Leiche ist Judith klar: In Marlowe geht ein Serienmörder um und die Polizei braucht ihre Hilfe. Sie selbst rekrutiert eine Mannschaft aus zwei anderen Damen und gemeinsam gehen sie ans Recherchieren.

Ich bin ein absoluter Fan von Agatha Christie und bei den neueren englischen Krimis/Cosy Crimes hat es mir der Donnerstagmordclub angetan - auf dessen Erfolg ziemlich offensichtlich sowohl der Titel als auch die Prämisse aufspringen möchte. Und es hätte natürlich auch klappen können. Allerdings hapert es hier an allen Ecken und Enden. Im ersten Moment hat man das Gefühl, der Autor wollte starke und intelligente Frauenfiguren entwickeln - tatsächlich haben sich die, besonders Judith, ziemlich oft ziemlich dämlich angestellt. Es ist auch nicht hilfreich, dass man sich hier eines bei Krimilesern sehr bekannten Themas bedient, um den Fall zu entwerfen, das wird sehr schnell offensichtlich. Man bekommt nur wenig Zugang zu den Charakteren und gerade die Hauptcharaktere der Geschichte sind entweder blass oder nicht sonderlich sympathisch. Dazu kommt, dass gern innerhalb der Absätze die Perspektive gewechselt wird, was wirklich störend ist.

Aber am schlimmsten war das Ende. Davon abgesehen, dass der Täter normalerweise einfach geschossen hätte anstatt sich stundenlang ein Ohr abkauen zu lassen, sorgt ein umgestürzter Baum dafür, dass man scheinbar auf Tausenden Kilometern nicht mehr weiterkommt und eine Nichtschwimmerin mit Hund olympische Leistungen vollbringt. Alles in allem hätte es eine amüsante, very british Lektüre werden können, wenn die Umsetzung mehr Liebe und Können erfahren hätte. 2,5/5 Punkten.